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Genau genommen stammt das Wasser in den deutsch und englisch beschrifteten Dosen nicht aus dem Rheinfall, sondern aus dem Grundwasser darunter.
Genau genommen stammt das Wasser in den deutsch und englisch beschrifteten Dosen nicht aus dem Rheinfall, sondern aus dem Grundwasser darunter.
Bild: KEYSTONE

Rheinfall statt Bier aus der Dose

Statt laut brausend über die Felsen zu stürzen, gluckert der Rheinfall still und leise ins Glas. Möglich machen dies zwei Unternehmer aus dem Kanton Schaffhausen, die Rheinfall-Wasser in Getränkedosen verkaufen. Abgefüllt wird es in der Schaffhauser Brauerei Falken.
05.08.2015, 10:3705.08.2015, 10:59

Die Idee stammt von Marketing-Fachmann Harald Krämer. Seinen Nachbarn, den Neuhauser Schifffahrtsunternehmer Thomas Mändli, konnte er sofort dafür begeistern. Denn dieser wird immer wieder auf das klare Wasser angesprochen. «Vor allem für Besucher aus dem arabischen Raum ist es unvorstellbar, dass wir Wasser von solcher Qualität für die Toilettenspülung verwenden,» sagt er.

Genau genommen stammt das Wasser in den deutsch und englisch beschrifteten Dosen nicht aus dem Rheinfall, sondern aus dem Grundwasser darunter. Somit ist es nichts anderes als Neuhauser Trinkwasser. 

«Vor allem für Besucher aus dem arabischen Raum ist es unvorstellbar, dass wir Wasser von solcher Qualität für die Toilettenspülung verwenden.»

Die Qualität wird regelmässig vom kantonalen Labor untersucht. Beim Abfüllvorgang wird es nochmals kontrolliert, so dass die Qualität des Trinkwassers «äusserst hoch» sei, sagt Krämer.

Grosse Unterstützung erhielt das Projekt von der Brauerei Falken AG. Es habe gerade einmal zehn Minuten gebraucht, um Falken-Chef Markus Höfler von der Idee zu überzeugen. Trotzdem dauerte es bis zur Umsetzung rund eineinhalb Jahre. Kompliziert war vor allem die rechtliche Abklärung.

Feuerwerk am 31. Juli 2015 über dem Rheinfall.
Feuerwerk am 31. Juli 2015 über dem Rheinfall.
Bild: KEYSTONE

Abfüllanlage bereit – Dosenhüllen fehlten wegen Bahnstreik

Bis zur ersten Abfüllung im Mai waren Krämer und Mändli mehr als einmal nahe am Herzinfarkt, erinnern sie sich. So hätte beinahe die Deutsche Bahn das Projekt zum Scheitern gebracht. Denn die Dosenhüllen sollten per Bahn nach Schaffhausen gebracht werden. Doch ein Streik legte den Verkehr lahm, der Zug steckte irgendwo fest.

Die Abfüllanlage war jedoch bereits umgestellt und bereit für die Abfüllung des Rheinfall-Wassers. In aller Eile musste eine Lösung her. Und tatsächlich, Krämer und Mändli schafften es, jemanden zu finden, der wusste, wo genau der gesuchte Waggon stand. Per Gabelstapler wurden die Dosenhüllen von der Bahn auf einen Lastwagen geladen und auf der Strasse nach Schaffhausen gefahren.

Die Brauerei Falken legte ihre Abfüllanlage dafür einen Nachmittag und eine Nacht lahm. «Hut ab vor Falken», sagen die beiden und sind heute noch begeistert über so viel Entgegenkommen. Sonst hätte erst Ende Juli wieder abgefüllt werden können. Und dann geht die Touristensaison am Rheinfall schon fast wieder zu Ende.

Banken und Unternehmen servieren Rheinfall-Wasser

Inzwischen ist klar: Das Rheinfall-Wasser in Dosen kommt an. Die Nachfrage hat die Erwartungen weit übertroffen, nach zwei Monaten ist bereits die Hälfte der 50'000 Dosen aus der Erstabfüllung verkauft – und längst nicht nur als Andenken. Das Wasser wird auch sofort vor Ort als Durstlöscher getrunken, wie ein Blick in die Abfallkübel zeigt.

Nachfrage kommt jedoch auch von unerwarteter Seite. So haben Schaffhauser Unternehmen und Banken das Rheinfall-Wasser für sich entdeckt und servieren die dekorativen Dosen bei Besprechungen mit Kunden und Geschäftspartnern.

Die beiden umtriebigen Rheinfall-Promoter entwickeln derweil schon weitere Ideen. So können sie sich beispielsweise Sondereditionen mit verschiedenen Sujets zu bestimmten Anlässen vorstellen: der Rheinfall als Sammelobjekt. (whr/sda)

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