Sky Divers Falling From Plane, Holding Hands

Mountainbike, Klettern, Freeskiing, Tauchen, Fallschirmspringen – dem Einsatz der Minikamera sind keine Grenzen gesetzt. Bild: Stone Sub

GoPro geht an die Börse

100 Gramm, die die Sicht auf die Welt veränderten

Das GoPro-Virus hat die Welt erfasst – nun will der Actionkamera-Hersteller auch auf dem Börsenparkett für Furore sorgen. Damit dies gelingt, muss sich das US-Unternehmen wandeln.

25.06.14, 12:42 25.06.14, 17:59

Der Surfer Nick Woodman bewies einen guten Riecher und perfektes Timing, als er 2004 seine erste analoge 35-Millimeter-Kamera für den Sportbedarf auf den Markt brachte. Just ein Jahr später ging Youtube an den Start und wurde zum Goldstandard der Selbstvermarktung. Zwischen der Actionkamera und dem sozialen Netzwerk entwickelte sich eine Art symbiotisches Verhältnis. Menschen lieferten tausende Stunden Filmmaterial, Youtube gab es wieder. Unter dem Schlagwort GoPro finden sich heute über 15 Millionen Ereignisse auf Youtube. Das Unternehmen selbst hat einen eigenen Kanal, sponsert inzwischen Szenengrössen wie Shaun White oder den Surfer Kelly Slater.

Aus dem Extremsport ist die kleine Kamera, die gerade einmal 100 Gramm wiegt, nicht mehr wegzudenken. Mountainbike, Klettern, Freeskiing, Tauchen, Basejumpen – es gibt keine Grenzen. Egal, wo man sich heute aufhält, ob im Amazonas-Regenwald, auf dem Mont Blanc, in Paris oder Delhi, die GoPro dokumentiert das Tun der Menschen auf Schritt und Tritt. Sogar der TV-Sender Discovery Channel und der Sportkanal ESPN bedienen sich der Technik von GoPro. 2013 verkaufte der US-Hersteller weltweit über 3,8 Millionen Digitalkameras.

Nicht ohne meine GoPro

Auf der Suche nach dem besseren Lebensgefühl

Wochenlang soll Woodman 18 Stunden am Tag gewerkelt haben, trank nur Gatorade aus einem Umschnalltank und pinkelte in den Garten, weil das schneller ging. So die Legende. Dann war die erste wasserfeste Video-Kamera geboren, die er sich an den Arm schnallen konnte, um seine Surfausflüge zu filmen. Die Leute seien verrückt danach, ihre Abenteuer zu filmen und ins Internet zu stellen – es gehe darum, den Menschen ein besseres Lebensgefühl zu geben, sagte Woodman kürzlich im Gespräch mit dem «Spiegel».

GoPro-Chef Nick Woodman. Bild: Bloomberg

Wie es sich für ein erfolgreiches Unternehmen gehört, das heute 450 Mitarbeiter beschäftigt, steht nun der nächste (grosse) Schritt nach vorn an – Woodmans GoPro geht am Donnerstag an die Börse, genauer an die Technologiebörse Nasdaq. Der Ausgabepreis wird sich voraussichtlich zwischen 21 und 24 Dollar je Aktie bewegen. Somit könnte die Firma mit den 17,8 Millionen zum Verkauf stehenden Aktien bis zu 427 Millionen Dollar einnehmen. Insgesamt wird GoPro damit mit bis zu 3 Milliarden Dollar bewertet.

Die Einnahmen aus dem Börsengang sollen in den Schuldenabbau und in weitere Investitionen gesteckt werden. Das Geld will GoPro laut dem Börsenprospekt unter anderem dazu verwenden, einen Kredit über 111 Millionen Dollar zurückzuzahlen. Zudem will die Firma vom Kamerabauer zum Medienunternehmen werden. Grösster Anteilseigner ist Gründer und Chef Woodman und seine Familie. Sie halten 49 Prozent der in Kalifornien ansässigen Firma, die heuer in den ersten drei Monaten 236 Millionen Dollar umsetzte – acht Prozent mehr als im Jahr zuvor. Allerdings fiel der Nettogewinn um mehr als die Hälfte auf 11 Millionen Dollar.

watson goes GoPro

Das Unternehmen steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um 87 Prozent auf 985,7 Millionen Dollar. Der Gewinn verdoppelte sich 2013 auf 60,6 Millionen Dollar. Das US-Unternehmen verkauft seine Kameras inzwischen in über 100 Ländern. Noch hält GoPro im Bereich der digitalen Camcorder derzeit einen Marktanteil von gut 30 Prozent. Im Bereich der wetter- und stossfesten Camcorder ist das Unternehmen mit knapp 80 Prozent Marktanteil der absolut führende Hersteller.

Das ansehnliche Wachstum und die Marktdominanz darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass GoPro erhebliche Konkurrenz erwachsen ist. Den Smartphone-Herstellern ist nicht entgangen, dass sich der Einsatz von Actionkameras immer grösserer Beliebtheit erfreut. Und tatsächlich setzen immer mehr Hersteller auf stoss- und spritzwassergeschütze Smartphones. Nicht zuletzt deshalb will Woodman sein Unternehmen als Medienmarke etablieren. Ein richtiger Schritt. Ob dies die Investoren genau so sehen, wird sich in den ersten Handelstagen an der Nasdaq zeigen.  

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