US-Wahlen
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epa08747849 A Maryland resident drops off his completed ballot for the 2020 presidential election at an official ballot drop box in Bethesda, Maryland, USA, 15 October 2020. The 2020 presidential election is scheduled for 03 November.  EPA/JIM LO SCALZO

Bild: keystone

«Griesgrämige Patrioten», «Kochender Frosch»: Wie Drittparteien die US-Wahl beeinflussen

Der Einfluss solcher Splitterparteien ist grösser, als man denken könnte. Sogar Michelle Obama warnt die Wähler vor ihnen.

Samuel Schumacher / ch media



Kleine Parteien wie die freiheitsliebenden Libertären oder die Grünen fristen in Amerika ein Schattendasein. Ihnen bei Präsidentschaftswahlen die Stimme zu schenken, ist nicht viel mehr als vergebene Liebesmüh. Seit dem Ende des Bürgerkrieges 1865 haben die Republikaner und die Demokraten das höchste Amt des Landes stets unter sich ausgemacht.

Das wird auch am 3. November wieder so sein. Dabei würde es den rund 250 Millionen wahlberechtigten Amerikanern nicht an Alternativen mangeln. Mehrere dutzend Splitterparteien haben ihre eigenen Kandidaten ins Rennen um das Weisse Haus geschickt. Neben ernst zu nehmenden politischen Organisationen wie den Libertären (sie sind die Einzigen, die in allen 50 Bundesstaaten antreten und kommen laut Umfragen auf 2 Prozent) oder den Grünen (1 Prozent) finden sich auf den Wahllisten der einzelnen Bundesstaaten aber auch zahlreiche Protestbewegungen wie die «Grumpy Old Patriots» («Griesgrämige Alte Patrioten»), «Bread and Roses» («Brot und Rosen»), «Boiling Frog» («Kochender Frosch») oder «Bull Moose» («Stier Elch»).

Nur einer hat die 15-Prozent-Regel in jüngerer Zeit geknackt

In this Oct. 15, 1992 photo, President Bush, left, talks with independent candidate Ross Perot as Democratic candidate Bill Clinton stands aside at the end of their second presidential debate in Richmond, Va.  (AP Photo/Marcy Nighswander)

Ross Perot (mitte) im Duell mit George Bush senior (links) und Bill Clinton. Bild: AP

Die Regeln verhindern, dass solche Parteien überhaupt eine Chance haben. Nur schon, weil sie nicht an den wichtigen Fernseh-Debatten teilnehmen dürfen, solange sie in Umfragen unter 15 Prozent Wähleranteil bleiben. Der letzte alternative Kandidat, der diese Hürde genommen hatte, war der fiskalkonservative Ross Perot, der als Vertreter der «Reform Partei» 1992 gegen Bill Clinton und George Bush senior antrat. Perot holte immerhin 19 Prozent der Wählerstimmen, gewann aber keinen einzigen Bundesstaat für sich.

Die Anhänger der Splittergruppierungen sagen, die sogenannten «Dritten Parteien» seien trotzdem wichtig, damit die Wählerinteressen des gesamten politischen Spektrums abgebildet werden können. Die allermeisten Republikaner und Demokraten aber empfinden die Konkurrenz aus den Schattenwinkeln der amerikanischen Gesellschaft als gefährlich. Michelle Obama höchstpersönlich ermahnte ihre Mitbürgerinnen am Parteitag im August:

Former first lady Michelle Obama speaks at a rally to encourage voter registration on Friday, Sept. 28, 2018, in Coral Gables, Fla. (AP Photo/Brynn Anderson)

Mahnende Worte: Ex-First-Lady Michelle Obama Bild: AP/AP

«Es ist die falsche Zeit, um jetzt Spielchen zu spielen mit Kandidaten, die keine Chance haben.»

Ohne alternative Kandidaten hätte es den Irakkrieg nie gegeben

Welche Konsequenzen solche «Spielchen» haben können, zeigte sich etwa im Jahr 2000. Damals verlor der Demokrat Al Gore gegen George W. Bush. Den Unterschied machten mickrige 537 Stimmen im entscheidenden Bundesstaat Florida. Ebenda holte der grüne Kandidat Ralph Nader ganze 97488 Stimmen – und ebnete damit den Republikanern den Weg ins Weisse Haus. Anders gesagt: ohne Drittparteien kein Bush-Sieg im Jahr 2000 und wahrscheinlich kein Irakkrieg. Die Welt wäre heute eine andere.

Es ist durchaus denkbar, dass die libertäre Kandidatin Jo Jorgensen in zwei Wochen eine ähnliche Rolle spielen wird wie Ralph Nader vor 20 Jahren. Denn das Rennen zwischen Trump und Biden ist in mehreren Wackelstaaten sehr eng. In Florida etwa führt der Demokrat mit gerade mal einem Prozentpunkt vor dem Republikaner. (aargauerzeitung.ch)

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