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Die Spieler des EV Zug dürfen jubeln nach dem ersten Finalsieg.
Die Spieler des EV Zug dürfen jubeln nach dem ersten Finalsieg.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Zugs Geduld und der Sturz des Titanen

Ein einziger Fehler entscheidet das erste Finalspiel. Aber ein zweites Mal wird Zug gegen Servette nicht 1:0 gewinnen.
04.05.2021, 06:3404.05.2021, 12:56

Wir können uns kluge, tiefschürfende Analysen ersparen. Es ist nicht notwendig, die Partie in alle Einzelteile zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen, um zu ergründen, warum Zug gegen Servette 1:0 gewonnen hat. Wir brauchen nicht einmal die Statistik zu konsultieren.

Es geht um eine einzige Szene. Sie kommt völlig unerwartet in der 21. Minute.

Servette kontrolliert das Spiel in allen drei Zonen. So viel Disziplin! So viel taktische Intelligenz! So viel Geduld! Der Aussenseiter scheint unerschütterlich. Er hat zwar in der Qualifikation 35 Punkte weniger geholt, aber nur einen Gegentreffer mehr als Zug kassiert.

Die Zuger haben das beste Offensivspiel der Liga. Aber sie können es nicht entfalten. Sie sind nicht einmal dazu in der Lage, während 58 Sekunden mit zwei Mann mehr im Powerplay einen Treffer zu erzielen. Wie dann mit fünf gegen fünf? Und heisst es nicht, dass die Defensive eine Meisterschaft entscheidet? Eben.

Und dann löst sich alles in ein paar Sekunden auf. Es ist die Szene, die, wie sich zeigen wird, den Match entscheidet.

In der minimalen Spanne von ein paar Sekunden wird ein Spiel verloren und ein Titan gestürzt.

Henrik Tömmernes ist der beste Verteidiger der Liga. Dominant, smart, mit der Leichtigkeit, ja Lässigkeit, die nur den ganz Grossen eigen ist. Die es ihm erlaubt, Spiel für Spiel Einsatzzeiten von mehr als 25 Minuten durchzustehen. 26 Minuten und 3 Sekunden werden es auch in dieser ersten Final-Partie sein. Defensiv verlässlich und offensiv so wirkungsvoll, dass er das gelbe Ehrengewand des Topskorers trägt. Ein Beckenbauer des Eishockeys. Wahrlich, ein Titan.

Servettes Topskorer Henrik Tömmernes konnte die Niederlage auch nicht abwenden.
Servettes Topskorer Henrik Tömmernes konnte die Niederlage auch nicht abwenden.Bild: keystone

Dass der Schwede das Spiel für seine Mannschaft entscheidet – das wird von Servette erhofft und von Zug befürchtet. Dass er der Urheber der Niederlage seines Teams werden könnte – undenkbar.

Aber Eishockey ist ein unberechenbares Spiel auf einer rutschigen Unterlage. Auch für Titanen. Eishockey wird gerne als letztes wahres Mannschaftsspiel gerühmt. Aber am Ende des Tages sind es eben doch Einzelleistungen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Henrik Tömmernes ist völlig unbedrängt. Er versucht die Scheibe via Bande aus der eigenen Verteidigungszone zu spedieren. Er hat dies sicherlich schon mindestens hundertmal getan und hundertmal ist nichts passiert. Es ist die denkbar einfachste und risikoloseste Variante.

Aber der Puck wird von Zugs schlauem Spielmacher Jan Kovar abgefangen. Er beherrscht die seltene Kunst, kommende Spielzüge zu erahnen. Er passt zu Grégory Hofmann. 21 Sekunden nach der ersten Pause steht es 1:0.

Servette bleibt von da an bloss eine ganze Serie von «hätte», «könnte» und «wäre» als Trost: Hätte beispielsweise Simon Le Coultre im letzten Drittel alleine und unbedrängt vor Leonardo Genoni zum 1:1 getroffen, dann wäre die Wende noch möglich gewesen. Mit 38:32 Torschüssen auswärts ein Finalspiel 0:1 verlieren – das ist bitter.

Ohne Henrik Tömmernes wäre Servette nicht bis in den Final gekommen. Nun haben die Genfer dieses erste Finalspiel wegen Henrik Tömmernes verloren. Punkt. Aber noch nicht den Final.

Die beiden Mannschaften sind so ausgeglichen, dass nach wie vor jeder Ausgang möglich ist. Diese Parität bringt es mit sich, dass eine einzige Szene alles entscheiden kann. Henrik Tömmernes bekommt bereits morgen in Genf im zweiten Finalspiel die Chance zur Korrektur.

Zugs Trainer Dan Tangnes hat die richtige Taktik gewählt. Er hat mit der besten Offensive der Liga die defensive Geduld gewählt. Sicherheit statt Spektakel. Wohl wissend, dass es einfacher sein wird, gegen dieses Servette Tore zu verhindern als Tore zu erzielen.

Die Frage ist nun: Was ist, wenn Henrik Tömmernes keinen Fehler mehr macht? Gelingt dann den Zugern kein Tor?

Leonardo Genoni war gestern ein grosser Torhüter. Er hat im bisher wichtigsten Spiel für Zug das «zu null» gehalten. Um solche Partien zu gewinnen, hat ihn Zug zum bestbezahlten Goalie unserer Liga-Geschichte gemacht. Auch die Rechnung von Sportchef Reto Kläy ist gestern aufgegangen.

Aber es wäre schon etwas vermessen, wieder darauf zu hoffen, dass Henrik Tömmernes noch ein zweites Mal einen spielentscheidenden Fehler macht und dass Leonardo Genoni erneut kein Tor zulässt.

Die Prognose sei gewagt: Noch einmal wird Zug nicht dank eines Fehlers von Servettes Verteidigungsminister 1:0 gewinnen.

Zweimal hintereinander stürzt ein Titan nicht.

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49 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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egemek
04.05.2021 06:34registriert Mai 2016
Wenn man die Advanced Stats anschaut, sieht man dass die xGF etwa 4.5:2.5 waren gestern. Es ist also nicht so, dass nur Genf Chancen ausgelassen hat. Anhand der Berichterstattung könnte man meinen, Genf hätte Einbahnhockey gespielt.
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Sünneli31
04.05.2021 06:10registriert Mai 2018
Wo er recht hat hat er recht. Die gleiche Dramaturgie wird es (hoffentlich) nicht geben. Aber zum Glück gibt es ja pro Mannschaft noch mind. 20 andere Spieler die zu (tragischen) Helden werden könnten. Gestern hätte bspw auch Asselin das Spiel allein für Servette entscheiden können mit seinen Chancen. Somit - die Bühne ist da - bin gespannt wer sie für sich zu nutzen weiss! Und übrigens: irgendwann werden halt die ständigen 25-30 minuten Eiszeit auch für einen Titanen zu viel!
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UncleHuwi
04.05.2021 07:31registriert Mai 2015
Man gewinnt als Team und man verliert als Team. Die Niederlage einem Feldspieler oder dem Goalie zu zuschreiben ist der einfachste Weg.
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