DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Self checkout at Coop Sihlcity in Zurich, pictured on January 29, 2015. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Self Checkout im Coop Sihlcity am 29. Januar 2015 in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Die zunehmende Verbreitung von Self-Scanning-Kassen ist Roger Deneys ein Dorn im Auge. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Fortschritt besteuern, Stillstand belohnen – geht's noch?

Ein Genfer SP-Mann will die Ausbreitung von Self-Scanning-Kassen bremsen, indem jeder einzelne Automat mit einer monatlichen Steuer von 10'000 Franken belegt werden soll. Das ist rückwärtsgewandt und dumm. In einem anderen Kontext geführt, wäre die Diskussion über eine Roboter-Steuer aber sinnvoll.



Wir sind alle ersetzbar. Die Konkurrenz lauert nicht nur in Gestalt von gescheiteren, schnelleren und besseren Mitbewerbern, die sich auf dem Arbeitsmarkt tummeln. Sondern mehr und mehr auch in Form von Robotern. Schlagzeilen, wonach Maschinen schon in naher Zukunft jeden zweiten Job in der Schweiz überflüssig machen, verunsichern.

Weltweit zerbrechen sich Wissenschaftler und Politiker den Kopf darüber, wie die gewaltigen Erschütterungen, die dem Arbeitsmarkt noch bevorstehen, abgefedert werden können. Im Kleinen hat nun auch ein Genfer Sozialdemokrat einen Vorschlag lanciert: Mit einer happigen Steuer auf Self-Checkout-Kassen will Roger Deneys Verkäuferinnen davor schützen, von Robotern ausgebootet zu werden.

Fortschritt soll bestraft werden, das Verharren in veralteten Strukturen belohnt.

10’000 Franken pro Automat und Monat scheinen dem Politiker dafür angemessen. Allein Coop müsste so im Kanton Genf jährlich rund 22 Millionen zusätzlich an Steuern abliefern. Ein Grossteil der Gelder – 70 Prozent – sollen in Form von «Prämien» an Geschäfte fliessen, in denen ausschliesslich Menschen aus Fleisch und Blut die Kunden bedienen. So soll die «Ausbreitung von automatischen Kassen gebremst werden», argumentiert Deneys.

Roger Deneys, est candidat pour l'election au conseil National, photographie, lors du congres du parti socialiste genevois, ce samedi 14 mars 2015 a Geneve. Les citoyens et les citoyennes suisses se rendront aux urnes pour les elections federales suisses de 2015, qui auront lieu en octobre. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Roger Deneys, Absender des Vorstosses. Bild: KEYSTONE

Anders ausgedrückt: Fortschritt soll bestraft werden, das Verharren in veralteten Strukturen hingegen belohnt. Eine solche Logik ist rückwärtsgewandt und kurzsichtig.

Die Traktoren von Bauern? Ersetzen Feldarbeiter! Die Bankomaten? Denkt doch nur an die wegrationalisierten Schalterangestellten!

Zurecht wiesen zahlreiche Leser in den Kommentarspalten darauf hin, dass dann konsequenterweise auch andere Maschinen mit einer Strafsteuer belegt werden müssten. Die Traktoren von Bauern? Ersetzen Feldarbeiter! Die Bankomaten? Denkt doch nur an die wegrationalisierten Schalterangestellten! Und erst all die Computer in Büros? Was dadurch an menschlicher Schreib- und Rechenarbeit verschmäht wird!

Im Zuge der Industrialisierung und Automatisierung verschwanden zahlreiche Berufe von der Bildfläche – mit teils gravierenden Folgen für die einzelnen Arbeiter. Dafür entstand gleichzeitig eine Vielfalt an neuen Jobs, primär im Dienstleistungsbereich. Diese Entwicklung wird sich im Zuge der Roboterisierung fortsetzen – wohl in einem viel rasanteren Tempo, als wir es uns bisher gewohnt waren.

Die intelligenten Roboter kommen: Diesen Jobs geht's an den Kragen

1 / 12
Die intelligenten Roboter kommen: Diesen Jobs geht's an den Kragen
quelle: apa / amazon
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Taxifahrer braucht es nicht mehr, wenn das automatisierte Fahren erst voll ausgereift ist. Auch für den Pöstler könnte das letzte Stündchen geschlagen haben, wenn Drohnen die Päckchen einst zuverlässig vor den Haustüren absetzen können. Es ist wichtig, dass sich die Politik Gedanken darüber macht, was mit diesen Menschen passiert. Investitionen in Weiterbildungen sind nötig, damit sich Betroffenen neue Perspektiven auftun.

Bisher führte die Automatisierung, allen Unkenrufen zum Trotz, nicht zu einer höheren Arbeitslosigkeit. Allerdings sind sich Ökonomen uneinig, ob es auch in Zukunft gelingen wird, die wegfallenden Jobs durch neue zu kompensieren. Lautet die Antwort «Nein», dann steht unser System tatsächlich vor einer gewaltigen Herausforderung. Denn: Roboter bezahlen weder Steuern noch Sozialabgaben.

Gates schlägt vor, die Einnahmen in Bereichen einzusetzen, in denen menschliche Empathie auch in Zukunft unverzichtbar ist. Etwa in der Pflege oder in der Pädagogik.

Die Idee einer Automaten-Steuer, wie sie Roger Deneys vorgebracht hat, ist deshalb im Grundsatz nicht falsch. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates oder der Genfer Rechtsprofessor Xavier Oberson haben schon dafür geworben. Im Nationalrat ist zudem ein Postulat der Genfer Grünen Lisa Mazzone hängig, das den Bundesrat auffordert, Steuern und Sozialbeiträge für Roboter zu prüfen.

Gates schlägt vor, die Einnahmen in Bereichen einzusetzen, in denen menschliche Empathie auch in Zukunft unverzichtbar ist. Etwa in der Pflege oder in der Pädagogik. Auch sollen die wegrationalisierten Mitarbeiter damit für neue Jobs geschult werden. Mazzone plädiert dafür, dass die Menschen den technologischen Fortschritt für sich nutzen – und die zusätzliche Freizeit, die dank der Roboter-Arbeit entsteht, geniessen. Weniger Stress und eine bessere Gesundheit der Bevölkerung wären die Folgen, ist sie überzeugt.

Lisa Mazzone, conseillere nationale Les Verts GE, pose pour le photographe, ce vendredi 13 novembre 2015 a Geneve. Presidente des Verts genevois, Lisa Mazzone, 27 ans, sera la plus jeune elue a Berne lors de la prochaine legislature du Conseil national. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Grünen-Nationalrätin Lisa Mazzone. Bild: KEYSTONE

Im Unterschied zum Genfer Vorstoss hätte die Roboter-Steuer von Gates oder Mazzone also keinen strafenden Charakter. Sie beträfe nicht willkürlich einzelne Maschinen in einer einzelnen Branche. Und sie wäre nicht von der Motivation beflügelt, Fortschritt um jeden Preis zu verhindern.

Roboter arbeitet als Rezeptionist in belgischem Krankenhaus

Video: reuters

19-jähriger Informatiker entwickelt einen Roboter, der mit Oculus Rift gesteuert wird

1 / 6
19-jähriger Informatiker entwickelt einen Roboter, der mit Oculus Rift gesteuert wird
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«FCK off CO2-Gesetz»: Wie der SVP-Hauswerber Linke verführen will

Das SVP-nahe PR-Büro Goal AG betreibt auf Facebook eine Seite, die mit linkspopulistischen Parolen gegen das CO2-Gesetz wirbt: «FCK off CO2-Gesetz».

Im Abstimmungskampf um das CO2-Gesetz sorgt eine ungewöhnliche Facebook-Seite für Verärgerung: Mit provokant links-populistisch formulierten Beiträgen wirbt sie für ein Nein – und suggeriert so, dass Klimaaktivistinnen und -aktivisten hinter der Kampagne stecken. Was angesichts ihrer kritischen bis teils ablehnenden Haltung zum CO2-Gesetz nicht überraschen würde.

Auf der Seite liest sich etwa der Satz: «Wir lassen uns mit dem CO2-Gesetz nicht für dumm verkaufen. Es ist ein fauler Kompromiss, …

Artikel lesen
Link zum Artikel