Fussball
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Juventus Torino players step off their aircraft, from right, Emre Can, Miralem Pjanic and Cristiano Ronaldo and Mattia De Sciglio, after the arrival at the airport in Bern, Switzerland, Tuesday, Dec. 11, 2018. Young Boys will face Juventus on Wednesday Dec. 12, 2018 in Bern. (Anthony Anex/Keystone via AP)

Ronaldo und Kollegen landen in Bern. Bild: AP/Keystone

Die dunkle Seite des Fussballgottes

Cristiano Ronaldo: Über-Fussballer, Steuerbetrüger und mutmasslicher Vergewaltiger – ein Mann, der niemanden kalt lässt.

sébastien lavoyer / ch media



Plötzlich ein donnerndes Geräusch, Hektik kommt auf unter den Tifosi vor dem Gittertor bei der Landebahn am Flughafen BernBelp. Endlich ist er da, endlich ist Cristiano Ronaldo gelandet. Wegen ihm sind sie gekommen. Das Trikot mit der Nummer 7 und ein schwarzer Stift in der Hand. Ob er wohl Zeit hat für ein Autogramm? Ein Selfie gar?

Die Wolken am Himmel über dem Berner Vorort haben sich erst rosa, dann grau verfärbt, bis sie fast nur noch als dunkle Schatten wahrnehmbar sind. Auf den naheliegenden Bergen liegt erster Schnee. Trotz Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt sind viele der rund 600 Juventus-Anhänger schon mehr als eine Stunde am Warten, als die A319 mit dem Superstar an Bord um 17 Uhr endlich Schweizer Boden berührt.

Noch am Morgen haben Ronaldo und seine Kollegen in Turin trainiert, sich den letzten Schliff für das Spiel gegen YB geholt. Für Juve geht es um den Gruppensieg. Für YB um rund drei Millionen Franken und die Ehre. Für die Tifosi in Belp um ihn, den Messias. Sie vergöttern Ronaldo. Kaum wurde sein Transfer publik, war sein Trikot ausverkauft. Die Verpflichtung von CR7 war ein Heilsversprechen für die Anhänger von Juve. Fünfmal hat er die Champions League gewonnen, dreimal mehr als die Alte Dame aus Turin. Den letzten Titel in der Königsklasse holten die Turiner 1996. Fünfmal verloren sie seither ein Finalspiel.

Von Ronaldo erwarten sie nichts anderes als die lang verwehrte Krönung. «Juventus ist Favorit auf den Sieg in der Königsklasse, weil sie mit Cristiano den besten und komplettesten Spieler der Welt im Team haben», sagte Fabio Cannavaro, Captain der italienischen Weltmeister-Mannschaft 2006.

Die bisherigen Leistungen haben die Euphorie im Norden Italiens weiter angeheizt. Erst ein einziges Mal spielte Juve diese Saison unentschieden (Ende Oktober gegen Genua, 1:1) und nur einmal verloren Ronaldo & Co. (die vorletzte Champions-League-Partie gegen Manchester United, 1:2). Natürlich marschieren die Bianconeri auch heute gegen Schweizer Meister YB als haushoher Favorit auf den Platz.

Warum aber ist Ronaldo überhaupt bei Italiens Rekordmeister gelandet? In einem Interview mit «France Football» hat Ronaldo gesagt, dass er sich zuletzt bei Real Madrid nicht mehr «unentbehrlich» gefühlt habe. Präsident Perez habe ihn nur noch als «Geschäft» betrachtet. Doch die Wahrheit liegt tiefer und sie offenbart die dunkle Seite des vermeintlichen Fussball-Gottes.

Frei für 19 Millionen Euro

Wenige Tage vor seinem Wechsel zu Juventus hat sich der fünffache Weltfussballer mit einer Millionen-Zahlung freigekauft. 5,7 Millionen Euro hat Ronaldo zwischen 2011 und 2014 am spanischen Fiskus vorbeigeschleust. Im Juni 2018 einigte er sich mit der Steuerbehörde darauf, dieses Geld nachzuzahlen und darüber hinaus eine Busse von 13,3 Millionen Euro zu berappen. Zudem wurde er zu einer Haftstrafe von 24 Monaten verurteilt, musste diese als Ersttäter jedoch nicht absitzen.

Der Deal ist ein Skandal. Nicht nur nach dem Empfinden des durchschnittlichen Steuerzahlers. Caridad Gomez, die Leiterin der Abteilung für Betrug bei der Steuerbehörde, sagte, dass in Spanien das Hinterziehen von 125'000 Euro gereicht hätten, damit Menschen hinter Gitter gewandert seien. Fachleute rechneten vor, dass für Ronaldos Vergehen sieben Jahre angemessen wären.

Der Portugiese ist nicht nur mit einem blauen Auge davongekommen, nein, er profitiert gar von seinem Umzug nach Italien. Denn in seiner neuen Heimat Turin kommt er in den Genuss eines ganz besonderen Steuerprivilegs: Auf all seine Auslandeinnahmen muss Ronaldo in Italien lediglich eine pauschale Steuer von 100'000 Euro entrichten. Millionen an Mehreinnahmen.

Fast schon schizophren

Kaum ist der Wechsel vollzogen, lässt der «Spiegel» die nächste Bombe platzen: Kathryn Mayorga, Amerikanerin, 34 Jahre, bezichtigt Vorzeige-Athlet Ronaldo der Vergewaltigung. Das deutsche Investigativblatt hat schon die Steuerbetrugsgeschichte ins Rollen gebracht. Beiden Geschichten liegen Dokumente der Enthüllungsplattform «Football Leaks» zugrunde.

Mayorga hat jahrelang geschwiegen. CR7 und seine Anwälte haben sie mit einer Zahlung von 375'000 Dollar dazu gebracht. Doch die #MeToo-Bewegung und die Tatsache, dass sie die Geschehnisse aus der Nacht auf den 13. Juni 2009 über all die Jahre verfolgten, bewegten sie dazu, ihr Schweigen zu brechen.

Die Polizei in Las Vegas hat unterdessen den Fall wieder aufgerollt. Noch ist nicht klar, ob es zum Prozess kommt. Ronaldo hat die Geschichte in einem Instagram-Video schnell als «Fake-News» abgetan. Im Interview mit «France Football» sagte er später: «Für meine Teamkollegen, meine Familie, Fans, die mich unterstützen, ist diese Geschichte nicht belanglos.» An ihm selbst aber scheint das alles abzuperlen. Wie Fett in der Teflonpfanne. Als wäre nichts gewesen, als wäre alles wie immer, schiesst er Tore, schlägt Laser-Pässe, Granaten-Freistösse. Es hat etwas Beängstigendes, wie er all das ausblenden kann, fast schon etwas Schizophrenes.

Im Gespräch mit der «Gazzetta dello Sport» sagte er unlängst: «Wenn ich dauernd daran denken würde, was ich schon alles gewonnen habe oder wie viel Geld ich besitze, dann würde ich nachlassen. Manchmal ist es besser, zu vergessen, wer ich bin.» Die Verdrängung hat System. Sie hat ihn zu dem gemacht, der er ist. Bei fast jedem Training ist er als Erster in der Kabine. Und er stemmt noch immer Hanteln oder tritt Freistösse, wenn seine Kollegen längst auf dem Heimweg sind.

Aber da ist auch diese dunkle Seite, dieser Abgrund. Mayorga erinnert sich, wie Ronaldo ihr nach der mutmasslichen Vergewaltigung sagte: «Zu 99 Prozent bin ich ein guter Kerl, ich weiss nicht, was mit diesem einen Prozent ist.»

Doch davon redet am Dienstagabend niemand. Kaum gelandet, verschwinden die Juve-Stars im bereitstehenden Teambus. Ausser den Fotografen mit ihren Teleobjektiven hat kaum jemand den Superstar auch nur zu sehen bekommen. Hinter verdunkelten Scheiben werden Ronaldo & Co. wegkutschiert. Direkt zum Bellevue in Bern. Kreischen und Tumult unter den Tifosi. Verworfene Hände und die Tränen eines kleinen Jungen. In den Händen der Mutter das Shirt von Ronaldo, der schwarze Stift. In seinem Kopf der zerstörte Traum vom Treffen mit dem Superstar.

Snowboarder trinken am meisten, Fussballer ziemlich wenig

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • FrancoL 12.12.2018 19:23
    Highlight Highlight Für mich sind folgende Nebezeilen einen Gedanken wert:
    "Auf all seine Auslandeinnahmen muss Ronaldo in Italien lediglich eine pauschale Steuer von 100'000 Euro entrichten. Millionen an Mehreinnahmen."
    Da steht ein Land vor dem Bankrott, gebeutelt durch x Krisen und unfähige Politiker, im Zwangskorsett der Mafia, mit Schuldenbergen die nicht mehr übersehbar sein und dann ist mit diesem Land der obige Seal möglich. Für mich mehr als nur eine Nebenzeile, die Bankrotterklärung einer Regierung.
  • Bettflasche mit Antithese 12.12.2018 18:27
    Highlight Highlight Wie ist eine Schweigegeldzahlung anderes als ein Schuldeingeständnis, #Christianaldo? - So wie er die Geschichte jetzt überspielt ist er kein Vorbild.
    • Rosa Vermelha 12.12.2018 20:16
      Highlight Highlight Wie eine Schweigegeldzahlung anders ist als ein Schuldeingeständnis? Was ist das für ein Satz?
      Wer ist dieser #Christianaldo denn du hier erwähnst? Nicht mal wissen wie man den Namen korrekt schreibt aber die unbewiesenen Anschuldigungen als Tatsache hinstellen. Das nenn ich mal kein Vorbild sein.
    • Bettflasche mit Antithese 13.12.2018 08:55
      Highlight Highlight :-> Was ist eine Schweigegeldzahlung* anderes als ein Schuldeingeständnis, #ChristiANALdo?

      (
      * 375000$ sind vieeel Rauch für kein Feuer; einvernehmlicher Sex kostet i.R. nichts
      )
  • Gorna27 12.12.2018 13:45
    Highlight Highlight Schon schade. Juve spielt gegen einen Schweizer Verein, aber das einzige Thema ist Ronaldo. So froh ich als Juvefan fussballerisch über den Transfer bin, so wenig gefällt es mir ansonsten. Es wird "nur" noch über Ronaldo geredet und zumeist über Thema, die wenig oder gar nichts mit Fussball zu tun haben. Forza Juve
    • Bruno S.1988 12.12.2018 16:52
      Highlight Highlight Sei froh heisst es noch "YB gegen Juve" und nicht "YB gegen Ronaldo und Co."!
  • Chili5000 12.12.2018 13:30
    Highlight Highlight Die dunkle Seite... wuhuu. Das klingt aber ganz schön schlimm für jemanden der Steuer hinterzogen hat (die Vergewaltigung ist eine Behauptung und nicht erwiesen). Hmm... soll ja wohl sehr selten vorkommen bei vermögenden. Ich behaupte ja mal das er immer noch einen besseren Charakter hat als die mehrheit der Menschen um uns herum. Man nehme nur ein paar Hundert Millionen Euro, dazu gutes Aussehen und eine gewaltige Prise Berümtheit dann würde man ziemlich schnell sehen wer zu wieviel Prozent ein guter Mensch bleibt...
  • Xonco aka. The Muffin Man - Eingebünzelt 12.12.2018 13:00
    Highlight Highlight Abgesehen davon das ich den Medien grundsätzlich nicht auf Anhieb traue sind einseitige Berichte sowieso nicht meins.

    RoLando und seine Anwälte haben SIE dazu GEBRACHT ZU SCHWEIGEN.

    Mit der Waffe am Kopf und Geld im Koffer oder wie?

    Sie war volljährig, Sie hat BEWUSST Geld genommen um zu Schweigen. Das tat sie Freiwillig, keiner hat sie dazu gezwungen oder Sie dazu gebracht.

    Nun die Dame die sich nicht an IHRE Abmachung hält (Beidseitig & so) sagt er hätte Sie vergewaltigt. Die nicht eingehaltene Abmachung spricht ja nicht für Sie, oder Ihre Glaubwürdigkeit...
    • quallbum 12.12.2018 14:02
      Highlight Highlight Dein Kommentar ist schwer zu verdauen. "Sie war volljährig, Sie hat BEWUSST Geld genommen um zu Schweigen. Das tat sie Freiwillig, keiner hat sie dazu gezwungen..." Ist Dir wirklich nicht bewusst, dass auf Menschen massiv psychischer Druck ausgeübt werden kann und nicht viele Menschen dem standhalten können? Dass dies geschen ist, ist übrigens Fakt, lediglich der Grund dazu wird unterschiedlich dargestellt. Und das Nichteinhalten einer unmoralischen Abmachung kann man ihr nicht vorwerfen. Du darfst natürlich Ronaldo glauben aber attackiere nicht die Integrität eines potentiellen Opfers.
    • River 12.12.2018 15:37
      Highlight Highlight Xonco: also gab es eine Abmachung? Eine Abmachung dass sie bezüglich der Vergewaltigung schweigt?
      Denk drüber nach. Lass dir Zeit.
    • Chili5000 12.12.2018 16:42
      Highlight Highlight @qualbum:
      Das sie Geld von ihm genommen hat ist der einzige Fakt. Alles andere sind einseitig erzählte Märchen...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Asmodeus 12.12.2018 12:37
    Highlight Highlight So ist die Gesellschaft leider gepolt.

    Wenn jemand reich und berühmt ist, kann die Person gar nicht schlecht und böse sein.

    Die Ronaldo-fans werden bereits eifrig ihren Star verteidigen suchen.
  • Fumia Canero 12.12.2018 11:56
    Highlight Highlight Es gibt nur einen Fussballgott: Mario Großreuss!

    Play Icon
  • Janis117 12.12.2018 11:43
    Highlight Highlight Man mag ihn oder nicht, sportlich gesehen einer der grössten und vor allem ehrgeizigsten Sportler, die es gegeben hat. Ein Vorbild was seine Leistung und Wille betrifft. Eindrücklich ist, ähnlich wie bei Lebron James von der NBA, dass er unter Druck am Besten funktioniert. Solche Sportler gibt es höchstselten.

    Zu seiner Person kann und will ich keine Stellung nehmen. Den Medien kann man heute nicht mehr trauen.
    • PepeMe 12.12.2018 15:33
      Highlight Highlight Vielleicht trauen Sie den Medien ja nicht mehr, aber halten sie die PR-Maschinerie von Ronaldo für glaubwürdiger?

      Ronaldo setzt wahrscheinlich als Marke mehr Geld um als so manches Medienhaus und um dies zu schützen, wird alles unternommen.
    • who cares? 12.12.2018 15:38
      Highlight Highlight Und weil er sportlich einer der grössten ist, darf er sich sonst alles erlauben? Er hat Steuern hinterzogen, aber schau was für ein Traumtor, guter Junge Ronaldo. Dann vergewaltigt er jemand, aber hast du gesehen, was für super Pässe er gespielt hat im letzten Spiel, was ein Prachtskerl dieser Ronaldo.

      "Den Medien kann man heute nicht mehr trauen." Aber nur wenns nicht ins Weltbild passt, gell?
    • Janis117 12.12.2018 16:31
      Highlight Highlight Mein Kommentar dient keinerweise der Rechtfertigung, was Ronaldo privat getan hat - haben sollte und was nicht. Ich habe lediglich seine sportliche Leistung hervorheben wollen. Was wirklich passiert ist bei dem Vergewaltigungsfall wissen wohl einzig die Beiden. Beim Steuerhinterziehungsfall ist die Sache klar und meiner Meinung eher mild sanktioniert worden.
    Weitere Antworten anzeigen

Wo du in dieser Saison Champions League sehen kannst

Champions League jeden Abend auf SRF – das ist Geschichte. Neu hält der Bezahlsender Teleclub die Rechte an der Königsklasse. Der Quali-Auftakt des FC Basel bei PAOK Saloniki heute Abend wird nicht im Free-TV übertragen, aber die Schweizer Fussball-Fans müssen nicht schwarz sehen. An ihren TV-Gewohnheiten müssen sie vorerst nur wenig ändern.

Heute beginnt aus Schweizer Sicht die neue Champions-League-Saison. Der FC Basel muss im Hinspiel der 2. Qualifikations-Runde beim griechischen Vizemeister PAOK Saloniki ran. Wer am Abend aber SRF einschaltet, kriegt trotzdem kein Fussball zu sehen. Weil die Rechte für Champions und Europa League neu beim Bezahlsender Teleclub liegen, gibt's den FCB-Auftritt in Griechenland (19.30 Uhr, Teleclub) nur im Pay-TV zu sehen.

Überhaupt müssen sich die Europacup-Fans in dieser Saison …

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