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Kreuzweg in Rom: Papst betete mit zehntausenden Menschen



Papst Franziskus hat am Karfreitagabend den traditionellen Kreuzweg am Kolosseum in Rom geleitet. An der abendlichen Zeremonie mit dem Pontifex vor Roms Wahrzeichen beteiligten sich zehntausende Gläubige, Pilger und Touristen.

Viele von ihnen hatten stundenlang auf den Beginn der Zeremonie vor dem Kolosseum gewartet. Der Papst betete vor dem antiken Amphitheater im Schein von unzähligen Kerzen und Fackeln. Er folgte der Zeremonie von einem Pavillon auf dem Palatin-Hügel aus. Erstmals fand der Kreuzweg in Anwesenheit des Papstes 1964 statt.

Kardinalvikar Agostino Vallini, Stellvertreter des Papstes in der Diözese Rom, trug zu Beginn der Zeremonie das schlichte, schwarze Holzkreuz. Die traditionelle Zeremonie im Gedenken an den Leidensweg Jesu Christi vor 2000 Jahren, ein Höhepunkt im Osterprogramm, lief im Schein vieler Fackeln auf der sogenannten Via Crucis vor dem römischen Wahrzeichen ab. Der Papst nahm betend an der Feier teil.

Elend der Welt als Themen

Die Texte und Meditationen wurden von der französischen Theologin und Bibelwissenschafterin Anne-Marie Pelletier (70) verfasst, die darin hochaktuelle Themen aufgriff. Die Not der Flüchtlingskinder, der Kriegsverletzten und der Menschen, die aufgrund von ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit verfolgt werden, standen im Zentrum der Meditationen mit dem Titel «Die Liebe Gottes erreicht im Kreuz ihr volles Mass».

«Was heute zu Gott schreit aus den Elends- und Kriegsgebieten, in zerrissenen Familien, in den Gefängnissen, auf den überladenen Flüchtlingsschiffen, daran erinnert die Kreuzigung», schrieb Pelletier. Sie erinnerte in ihren Meditationen an die anhaltende Not unzähliger Menschen auf der Welt. So erwähnte sie das Weinen der verängstigten Kinder auf der Flucht und in den Kriegsgebieten, der Verwundeten auf den Schlachtfeldern, die nach einer Mutter rufen, sowie das einsame Weinen der Kranken und der Sterbenden.

Die Zeremonie ist Teil der Osterfeierlichkeiten in Rom und gilt als eine der schönsten Andachten im römischen Kirchenjahr. Schärfste Sicherheitsvorkehrungen wurden in Hinblick auf den Kreuzweg in Rom ergriffen. Anti-Terror-Einheiten und Spezialkräfte der Polizei überwachten die Veranstaltung. Tausende Soldaten wurden für die Sicherheit in Rom während der Osterfeiertage eingesetzt.

Auch Bischöfe fehlbar

Der Papst bat um Gnade für die Menschen, die wegen ihres Glaubens und ihrer Ethnie verfolgt werden und unter den Folgen des Krieges leiden. «Befreie uns von unserem Egoismus und von der Leere unserer menschlichen Kalkulationen», sagte der Papst. Er bat auch wegen des Versagens der Bischöfe um Verzeihung.

Vor Beginn des Kreuzwegs hatte der Papst mit einem Gottesdienst im Petersdom dem Leiden und Sterben Jesu gedacht. Nach Lesungen aus der Heiligen Schrift und den Grossen Fürbitten stand die Verehrung des Kreuzes im Zentrum der Feier. Zahlreiche Kardinäle und Bischöfe sowie beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomaten nahmen an der Zeremonie teil. Die Predigt hielt der Kapuzinerpater Raniero Cantalamessa. Er gedachte der vielen Opfer unter syrischen Zivilisten, vor allem bei den Angriffen mit chemischen Waffen, sowie der Toten bei den Anschlägen in Ägypten am Palmsonntag.

Der Kreuzweg ist die längste der Osterliturgien und dauert beinahe drei Stunden. Er gilt als stimmungsvollste Liturgie der Karwoche. Den Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten im Vatikan bildet die Osternachtsmesse am Samstagabend. Weitere Höhepunkte der Kar- und Ostertage im Vatikan sind am Sonntagvormittag die Ostermesse des Papstes auf dem Petersplatz (10.30 Uhr) und um die Mittagszeit der feierliche Segen «Urbi et orbi».

Tod nach Messerangriff

Auch in Jerusalem gab es massive Polizeipräsenz während der Feierlichkeiten zum Karfreitag - trotzdem kam es zu einer tödlichen Messerattacke. Ein Palästinenser griff laut israelischer Polizei eine Britin in der Nähe der Altstadt in einer Strassenbahn mit einem Messer an. Das Opfer erlag nach Angaben des Spitals kurz darauf seinen Verletzungen. Der Attentäter wurde festgenommen.

In der Altstadt Jerusalems gedachten Tausende Pilger des Todes von Jesus Christus am Kreuz. Sie gingen in Prozessionen der Kirchen über die Via Dolorosa. An diesem Wochenende sind besonders viele Pilger in der Stadt. 2017 fällt nicht nur das Osterfest der westlichen Kirchen und der orthodoxen Kirchen zusammen. Auch das jüdische Pessach-Fest wird in dieser Woche begangen. (sda/dpa/apa)

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