Arbeitswelt
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Nie stiegen die Löhne weniger – warum die Wende auch nächstes Jahr auf sich warten lässt

2019 endet die Dekade mit dem geringsten Lohnzuwachs seit Messbeginn – auch nächstes Jahr bringt keine grosse Wende. Die Hintergründe.

Niklaus Vontobel / schweiz am Wochenende



Die Löhne nehmen kaum mehr zu. Einen Zuwachs von mehr als 1 Prozent liegt lange zurück. Zuletzt gab es dergleichen im Jahr 2009. Danach schlug die Finanzkrise auf die Schweiz, später dann die Krise in der Eurozone. Das schwache Lohnwachstum hinterlässt in den Hosensäcken der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen nun eine gewisse Leere.

Es gab noch kein Jahrzehnt mit einem schwächeren Lohnzuwachs, seit Beginn der Messung. Das Schweizer Bundesamt für Statistik weist den Lohnindex durchgehend aus zurück bis ins Jahr 1942. Daher kann man noch für das Jahr 1952 schauen gehen: Um wie viel wuchsen die Löhne im zurückliegenden Jahrzehnt? Geht man die Jahre durch, ist der Trend klar: Die Lohnzuwächse werden laufend geringer. 2019 endet nun die bislang schlechteste Dekade.

Wie konnte es zum Lohn-Kriechgang kommen? Immerhin hatte die Schweiz bis vor kurzem Hochkonjunktur. Ein Grund: Die Inflation wird auch immer schwächer. So waren die Preise letztes Jahr gar etwas weniger hoch als zehn Jahre zuvor. Der Landesindex für Konsumentenpreise lag 2018 leicht tiefer als im Jahr 2008. Ein Jahrzehnt mit sinkenden Preisen hat es in der Schweiz seit dem 2. Weltkrieg nie gegeben. Wenn die Teuerung kaum vorhanden ist, geben die Arbeitgeber natürlich keinen Teuerungsausgleich – und die Löhne wachsen weniger an.

Nehmen die Löhne in Wahrheit doch stärker zu?

Ist dann alles halb so schlimm? Sind die Löhne zwar kaum gewachsen, aber dafür können sich die Arbeitnehmer mehr für ihr Geld kaufen? Tatsächlich sieht es besser aus, wird die Kaufkraft berücksichtigt. 2018 konnten die Arbeitnehmer sich immerhin rund 9 Prozent mehr für ihr Geld kaufen als zehn Jahre zuvor. Das ist anscheinend schon das Höchste der Gefühle. Mehr gab es seit Mitte der 80er-Jahre ganz selten.

Dennoch: Am Arbeitsmarkt herrscht keineswegs eitel Freude. Dass die Preise gemäss Statistik sinken, wird im Alltag von den Wenigsten wahrgenommen. Dagegen wird sehr wohl registriert, dass auf dem Lohnausweis seit Jahren schon die mehr oder weniger gleiche Zahl steht. Und dann sind da die Prämien für die Krankenkassen. Um über 30 Prozent sind sie in den letzten zehn Jahren gestiegen. Im Landesindex für Konsumentenpreise sind sie nicht erfasst. Es ist mehr sein als nur Verhandlungstaktik, wenn Gewerkschafter behaupten: Bei ihren Mitgliedern sei die Unzufriedenheit gross.

Wie geht es weiter? Bringt der starke Aufschwung der letzten Jahre eine grosse Lohnwende? Danach sieht es für dieses Jahr nicht mehr aus. 2019 wird ähnlich wie die enttäuschenden beiden Jahre 2017 und 2018. Zur ersten Hälfte 2019 liegen offizielle Zahlen schon vor. Es gibt bloss ein Plus von 0.5 Prozent. Die Ökonomen erwarten: Bis Jahresende bleibt es in etwa dabei. Stattdessen ruhen die Hoffnungen auf nun auf dem Jahr 2020.

Trumps Handelskrieg ist dazwischen gekommen

Die Gewerkschaften stiegen forsch ein in den Lohnherbst. Erhöhungen von 2 Prozent fordert etwa der Gewerkschaftsbund. Sonst gebe es «Aktionen», kündigte die Syna an. Doch diese Woche kam die Prognose der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich KOF: Es werde keine grossen Zuwächse geben. Man rechne mit nur 0.8 Prozent. «Im historischen Vergleich kein grosses Plus.»

Warum wird nichts aus der grossen Lohnwende? Kurz gesagt, funkte Donald Trump dazwischen. Sein Handelskrieg mit China hat die Unsicherheiten im Welthandel vervielfacht. Das zeigt ein Index des Internationalen Währungsfonds. Die Investoren seien sehr besorgt, so die «Financial Times»: Auch die Hilfe der Zentralbanken genüge womöglich nicht, um den Folgen von Trumps Handelskriegs zu begegnen.

Das trifft auf Umwegen den Arbeitsmarkt in der Schweiz. Die Anzeichen für eine negative Trendwende würden sich mehren, so die Konjunkturforschungsstelle KOF. Die Erfahrung zeigt: Verschlechtern sich die wirtschaftlichen Aussichten im Herbst, nehmen die Löhne im Folgejahr nur schwach zu.

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43Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gawayn 05.10.2019 17:48
    Highlight Highlight Das würde bestimmt richtig sein, wenn es für alle gelten würde.

    Fakt ist, das hohe Manager Löhne, pro Jahr 10% mehr werden.
    Also nix mit Wirtschaftlage.
    Es ist reine Willkür, das erlaubt ist, den Arbeitern immer weniger zu zahlen und Reiche immer mehr abzocken dürfen.

    Genau diese Politiker, die kommen ALLE aus diesen Reihen von Großverdienern.
    Deswegen ändert sich da auch nichts.

    So geht die Lohnschere immer weiter auseinander. Jedes Jahr mehr...
  • Lucas29 05.10.2019 15:09
    Highlight Highlight Kann mich nicht beklagen, habe ein Dach über dem Kopf und genug zu Essen, wieso muss ich also immer mehr Lohn bekommen für die gleiche Arbeit?
    • Lucas29 05.10.2019 18:15
      Highlight Highlight Nein wird es nicht, nur weil Sie mehr ausgeben, heisst es nicht das es teurer wird.
      Vergleicht man die Preise vor 50 Jahren mit den Löhnen von damals, leben wir entsprechend günstig heute.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 06.10.2019 09:45
      Highlight Highlight Lucas, ich hab ein neues Wort für dich: Teuerung.
      Ein nachprüfbarer Faktor, welcher deiner Aussage klar widerspricht.
  • Hansrüedl 05.10.2019 14:15
    Highlight Highlight Schon witzig, Mitte der siebziger kam die SP und die linke so richtig ins aufblühen und seit damals gehts Berg ab mit den steigenden löhnen... Augen öffnen bei den Wahlen
    • phreko 05.10.2019 14:53
      Highlight Highlight Schon noch witzig, dass sie trotzdem nie eine Mehrheit hatten und deshalb grundsätzlich alles an den Bürgerlichen hängen bleibt.
    • Nocciolo 05.10.2019 15:10
      Highlight Highlight Schon witzig, dass der Hansrüedl hier einfach alternative Fakten propagiert. Die Parteilandschaft der CH hat sich in den letzten 50 Jahren zwar verändert, aber der links-rechts Anteil kaum. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Politische_Parteien_in_der_Schweiz
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 05.10.2019 16:06
      Highlight Highlight @hansrüedl
      Dann sag uns doch bitte, wann die jemals die Mehrheit hatten?
    Weitere Antworten anzeigen
  • wasylon 05.10.2019 13:20
    Highlight Highlight Und was machen unsere Gewerkschaften dagegen? Büetzer Millionen vom GAV kassieren diese Versager. Aber wenn man sieht wer alles von der Linken Polit Prominenz sich ein Jobbli bei den Gewerkschaften bekommen hat muss man sich nicht wundern. Vetternwirtschaft pur.
    • Pafeld 05.10.2019 14:17
      Highlight Highlight Genau. Die Gewerkschaften sind schuld an deinem schlechten Lohn. Weil diese verfilzten Cüpli-Sozis lieber auf der faulen Haut liegen, als deinem Chef in den Hintern zu treten.
      Den Fehler merkste selbst, oder?
    • wasylon 05.10.2019 14:38
      Highlight Highlight Tja wenn man als Gewerkschaft alle Trümpfe den Arbeitgeber zuspielt ist man entweder Dumm oder man hat die Büezer wegen den GAV Millionen verraten.
    • wasylon 05.10.2019 14:50
      Highlight Highlight Gäll Pafeld in deiner Geschützen Werkstatt bekommt man nichts von Lohndumping, ü50 Arbeitslosigkeit, Verlagerung zur Temporärarbeit mit oder?!
    Weitere Antworten anzeigen
  • /bin/env bash -c "install_gentoo.sh" 05.10.2019 12:41
    Highlight Highlight Seize the means of production!
    Benutzer Bild
  • mrmikech 05.10.2019 12:23
    Highlight Highlight Grund: firmen behalten ein immer grösseres teil vom gewinn, und kaufen eigene aktien zurück.
  • kEINKOmmEnTAR 05.10.2019 11:36
    Highlight Highlight Die Löhne steigen halt nur in gewissen Branchen, dort aber für sämtliche Lohnklassen.
  • Paedu87 05.10.2019 11:14
    Highlight Highlight Die Teuerungs- bzw. inflationsmessung sind eh beschiss. Faktisch bleibt dem Arbeitnehmer jedes Jahr weniger...
  • Firefly 05.10.2019 10:49
    Highlight Highlight Investoren sollten sich fragen, ob all die teuren Restrukturierungen und Massnahmen und Restrukturierungen von Restrukturierungen der letzten 20 Jahre wirklich die Erwartungen erüllen oder ob es nicht doch besser wäre, anstatt in hohe Managerlöhne, in die Motivation der übrigen Belegschaft zu investieren. Sie könnten überrascht sein.
  • Carl Gustav 05.10.2019 10:45
    Highlight Highlight Der Preisindex vergleicht ja logischerweise Produkte mit gleichbleibenen "Inhalt"
    Wenn man über die KK Prämien jammert, sollte man sich schon auch bewusst sein, dass das Leistungspaket immer grösser wird.
    Also nichts von Teuerung bei gleichem Inhalt.
    Das gleiche gilt übrigens auch fürs GA oder Handyabo.
  • Altweibersommer 05.10.2019 10:36
    Highlight Highlight Ich kann diesen Chabis mit Konjunktur und besorgten Investoren nicht mehr hören. Irgendwo geht das Geld ja hin, das wir Jahr für Jahr mehr für Miete und Krankenkasse zahlen. Mal ganz zu schweigen davon, dass es de facto keine Zinsen mehr gibt und in den letzten Jahren überall Steuergeschenke für Reiche und Konzerne zugestanden wurden.
  • gelb 05.10.2019 10:33
    Highlight Highlight Der einzige Wert der zählt sind die Reallöhne und diese sind seit zwei Jahren gesunken. Dies ist ein Skandal sondergleichen. Die Unternehmen häufen Gewinne an Gewinne und zusätzlich steigt die Produktivität.
  • Miikee 05.10.2019 10:05
    Highlight Highlight Es sind nicht alle Firmen und Vorgesetzte geizig und Abzocker. Wir haben auch gute in der Schweiz. Kann mich jedenfalls nicht beklagen, krieg seit Jahren mindestens einmal im Jahr eine Lohnerhöhung. Man muss halt auch was dafür machen. Wenn man motiviert ist und gute Arbeit leistet, kriegt man auch was.
    • Blizzard_Sloth 05.10.2019 10:21
      Highlight Highlight Schön, wenn das bei dir so ist. Andere leisten Jahr für Jahr mehr Arbeit und kriegen nichts, ausser vielleicht noch mehr Verantwortung und mehr Arbeit. Toll, wenn du einen Arbeitgeber hast, welcher Leistung auch belohnt. Das ist jedoch nicht überall der Fall.
    • PlusUltra 05.10.2019 10:36
      Highlight Highlight Natürlich gibt es auch faire Firmen und Vorgesetzte, da bin ich völlig mit Dir einverstanden.

      Leider reicht es oftmals nicht mehr, wenn man gute Arbeit leistet. Ich arbeite für ein Gross-Unternehmen, und da hast du in den niedrigeren "Rängen" keine Chance auf eine faire Lohnerhöhung. Es werden immer irgendwelche fadenscheinige Ausreden gebracht, um sich davor zu drücken. Beispielsweise, dass es kein gutes Jahr für den Betrieb war. Nur damit du dann einen Monat später im Jahresbericht lesen kannst, um wieviel der Gewinn wieder gestiegen ist.
  • sunshineZH 05.10.2019 09:46
    Highlight Highlight Wie wärs mit Arbeitgeber wechseln? 🤔
    • dirirev 05.10.2019 11:02
      Highlight Highlight Wenn das alle etwas konsequenter machen würden, wäre auch der Druck auf die Arbeitgeber weit grösser, die gute oder zumindest eingearbeitete Mitarbeiter nicht verlieren wollen. Man muss sich nicht alles gefallen lassen.
    • karl_e 05.10.2019 11:44
      Highlight Highlight Das ist schwierig, ab einem gewissen Alter, heutzutage schon 45+.
    • Fairness 05.10.2019 12:49
      Highlight Highlight Als wär‘s anderswo besser. Es gibt viel zu wenige anständige, gute Arbeitgeber!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rethinking 05.10.2019 09:30
    Highlight Highlight Human Resources halt... Keine Menschen...

    In der Bilanz auf der Negativseite... Dabei sind sie in einer Wissensgesellschaft das einzige Asset...
  • Saerd neute 05.10.2019 09:23
    Highlight Highlight "Das schwache Lohnwachstum hinterlässt in den Hosensäcken der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen eine Leere."
    Das ist sarkastisch so was zu sagen in einem der reichsten Länder der Welt wo der Durchschnittslohn 6500 Fr./mt beträgt und Herr und Frau Schweizer gerade mal 6,5 ,% für Lebensmittel ausgeben müssen. Nur schon in Deutschland geben sie dafür 13% aus bei einem Durchschnittslohn von 2900 €.
    Seid doch mal einfach zufrieden. Mit dem ewigen " ich will mehr" steigt der Druck auf die Wirtschaft und damit indirekt auch der Druck auf die Umwelt.
    Aber nachher wieder demonstrieren!
    • gelb 05.10.2019 10:35
      Highlight Highlight Wir sollen einfach zufrieden sein? Die Reallöhne sind zwei Jahren gesunken trotz Hochkonjunktur und Produktivitätsgewinn.
    • Saerd neute 05.10.2019 10:57
      Highlight Highlight
      ...die vielen Blitze sind der Indiz für eine Linke Seite....
    • [Nickname] 05.10.2019 11:46
      Highlight Highlight „Durchschnittslohn 6500.-“ 😂👍🏻
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Frauen verdienen immer noch weniger – hier der Beweis

Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen existieren in der Schweiz noch immer. Wie gross die Differenz weiterhin ist, zeigt die heute publizierte Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (BfS).

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Gilt in der Schweiz noch immer nicht. Dies zeigen die heute publizierten Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Die Schweizerische Lohnstrukturerhebung wird seit 1994 alle zwei Jahre mittels Direkterhebung bei den Unternehmen durchgeführt. Im Jahr 2018 wurden über 36'000 Unternehmen befragt. (Details in der Infobox am Ende des Artikels)

Wir haben die neun wichtigsten Grafiken daraus gesammelt:

Die wirtschaftlich starken Grossregionen schwingen auch beim monatlichen …

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