Eismeister Zaugg
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Kloten's Head coach Kevin Schlaepfer reacts, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Geneve-Servette HC and EHC Kloten, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Thursday, December 21, 2017. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Wie weiter in Kloten? Kevin Schläpfer steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

«Es kommt schon gut» – Kevin Schläpfer, die tragische Hockey-Figur des Jahres 2018

Zu Hause ist Kevin nicht allein. In der Fremde hingegen bald. Kevin Schläpfer alleine kann die dramatischen Auflösungserscheinungen des EHC Kloten nicht mehr aufhalten.



Es ist ein Bild, das uns ein ganzes Drama, eine der emotionalsten Geschichten unsres Hockeys erzählt. Unsere Nationalmannschaft rockt den Spengler Cup. Nationaltrainer Patrick Fischer ist der neue helvetische «Hockey-Posterboy». Oben auf der Tribune sitzt Kevin Schläpfer mit seiner Freundin und seinem Sohn Elvis. Er wirkt nachdenklich, ja fast melancholisch.

Dieser Spengler Cup 2017 könnte «sein» Turnier sein. Aber im Oktober 2015 verzichtet er darauf, Nationaltrainer zu werden. Unter Tränen erklärt er in Biel vor den Medien, er könne «seinen» Klub nicht im Stich lassen, er bleibe. Deshalb ist heute Zauberlehring Patrick Fischer Nationaltrainer.

Ein gutes Jahr später, am 12. November 2016 wird Kevin Schläpfer in Biel trotzdem entlassen. Deshalb ist er nun Trainer beim EHC Kloten.

Kevin Schläpfer, war es der Fehler Ihres Trainerlebens, auf den Job eines Nationaltrainers zu verzichten? Er sagt nicht in der ihm eigenen lockeren Art «Nein, was soll diese Frage?» und kontert auch nicht, wie es so seine Art ist, mit einer witzigen Bemerkung. Er sagt ein bisschen melancholisch: 

«Es kommt schon gut.»

Kevin Schläpfer

Kevin Schläpfer ist auf die Sprüche von Klotens Präsident Hans-Ulrich Lehmann hereingefallen.

Der Multimillionär hat den EHC Kloten wirtschaftlich gerettet und ruiniert nun das Hockey-Unternehmen mit einem selten gesehenen Dilettantismus. Dem tüchtigen Unternehmer und Selbstdarsteller sind die besonderen Gesetze und Befindlichkeiten des Eishockeys so unverständlich wie Kevin Schläpfer die chinesischen Schriftzeichen.

Es reute ihn, vier Ausländer zu finanzieren, schwadronierte später, einmal gar ohne ausländisches Personal zu spielen – und hat damit die Saison gründlich ruiniert. Dabei müsste er wissen: Wer einem Millionär günstig einen Ferrari abkauft um anzugeben und das Geld für gute Reifen nicht mehr aufbringen mag, sollte die Finger von solchen Prestigeobjekten lassen.

Die besten Gesichtsausdrücke von Kevin Schläpfer

Wer einem Millionär günstig ein Hockeyunternehmen abkauft, um anzugeben und das Geld für die Besetzung der Ausländerpositionen nicht mehr aufbringen mag, sollte die Finger von solchen Prestigeobjekten lassen.

Inzwischen hat Hans-Ulrich Lehmann den freundlichen finnischen Ausbildner Pekka Tirkkonen gefeuert und durch den temperamentvollen Kevin Schläpfer ersetzt. Genützt hat es nichts. Kloten war, ist und bleibt Tabellenletzter und Abstiegskandidat Nummer 1.

Dieser Trainerwechsel macht durchaus Sinn: Kevin Schläpfers Charisma, sein Optimismus, sein bedingungsloses Engagement für eine Sache sollen helfen, Geld zu sparen.

Hans-Ulrich Lehmann ist kein Präsident mit einer emotionalen Bindung zum Klub. Er war mal erfolgloser Präsident eines Zürcher Handballclubs mit grossem Namen. Nun ist er halt der grosse Vorsitzende eines Zürcher Hockeyklubs mit einem grossen Namen. Für Walter Frey sind ZSC Lions ebenso eine Herzensangelegenheit wie für Peter Jakob die SCL Tigers. Oder wie für Vicky Mantegazza der HC Lugano. Bei Hans-Ulrich Lehmann geht es nur um die Kohle. Der EHC Kloten könnte auch seine McDonalds-Filiale, seine Autogarage oder sein Handy-Shop sein.

Der neue Besitzer des EHC Kloten Hans-Ulrich Lehmann spricht an der Medienkonferenz, aufgenommen am Montag, 2. Mai 2016, in Glattfelden. Der Zuercher Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann hat sich mit den bisherigen Eigentuemern des Traditionsklubs, der nordamerikanischen Gruppe

Sieht so ein leidenschaftlicher Präsident aus? Bild: KEYSTONE

Noch immer erzählen die Leute im Umfeld des Klubs mit Verbitterung im Herzen, wie sich der Multimillionär Hans-Ulrich Lehmann im Rahmen einer früheren Kloten-Sanierung bei einer fünfstelligen Forderung beharrlich geweigert habe, auch nur auf einen Franken zu verzichten. Das Buch der Bücher lehrt uns: «Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen.» Der Retter ist inzwischen in Kloten zum Problem geworden.

Kevin Schläpfer ist nun so etwas wie ein Filialleiter, der mit grossem Engagement den Umsatz zu steigern hat. Kevin Schläpfer, wird Ihr Engagement, wird Ihr Optimismus in Kloten missbraucht? Sind Sie am Ende gar naiv? Er sagt nicht in der ihm eigenen lockeren Art «Nein, was soll diese Frage?» und kontert auch nicht, wie es so seine Art ist, mit einer witzigen Bemerkung. Er sagt ein bisschen melancholisch: 

«Es kommt schon gut.»

Kevin Schläpfer

Exodus in Kloten

Andere sehen die Sache realistischer. Der kluge, zurückhaltende Peter Lüthi, der im Eishockey ein Beziehungsgeflecht hat wie das Wurzelwerk einer 500jährigen Eiche, geht von Bord. Matthias Berner, der Mann, der rechnen kann und sieht, wohin die Reise auch mit dem neuen Präsidenten geht, ebenfalls. Der ehemalige HCD-Titan Beat Equilino, die freundliche Integrationsfigur, die für Hockeykompetenz und Glaubwürdigkeit steht, hat ein Burnout erwischt.

Der neue EHC Kloten Cheftrainer Kevin Schlaepfer, von links, EHC Kloten CEO Matthias Berner, Verwaltungsratsmitglied Mike Schaelchli und Praesident Hans-Ulrich Lehmann in der Loge waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Kloten und dem EV Zug am Dienstag, 24. Oktober 2017, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Matthias Berner, hier der zweite von links, wirft bei Kloten den Bettel hin. Bild: KEYSTONE

Wir könnten nun eine alte Redensweise zitieren und salopp sagen: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Aber das gehört sich nicht. Es geht nicht um Ratten. Es geht um Männer, die sich für eine unserer grossen Hockey-Kulturen engagieren und nun den Glauben an die Sache verloren haben. Kevin ist nicht allein zu Hause im Baselbiet. Er ist mehr und mehr alleine draussen im Züribiet.

Wie sehr er inzwischen auch leidet, mag die Situation um die Torhüterposition zeigen. Er sagt, leicht resignierend, es komme mit dem Transfer von Niklas Schlegel nicht gut. «Wenn man so lange verhandeln muss und zu keinem Ergebnis kommt, wird draus nichts. Wir werden wohl einen ausländischen Torhüter verpflichten.»

Aber es ist doch seine Stärke, die Menschen im direkten Gespräch zu überzeugen, zu begeistern! So hat er in Biel eine zentrale Rolle gespielt beim Aufstieg eines fast hoffnungslosen B-Klub in einem Lotterstadion zu einem der führenden Hockey-Unternehmen mit Tempel.

Aber Kevin Schläpfer verwirft resignierend die Hände. «Ich kann doch nicht alles machen!» Und jene, die ihm auf und neben dem Eis helfen könnten, verlassen das Büro und, weit schlimmer, Ende Saison verlassen unter anderem Luca Boltshauser, Denis Hollenstein, Daniele Grassi, Vincent Praplan, Lukas Stoop, Robin Leone und Matthias Bieber die Kabine.

Kloten hat zwar ein paar Transfers verkündet. Aus Langenthal soll Jeffrey Füglister herbeieilen, aus Zug der freundliche Titan Timo Helbling. Kevin Schläpfer sagt ein bisschen melancholisch: 

«Es kommt schon gut.»

Kevin Schläpfer

Kevin Schläpfer, reicht das, um in der NLA künftig konkurrenzfähig zu sein? Er sagt nicht in der ihm eigenen lockeren Art «Nein, was soll diese Frage?» und kontert auch nicht, wie es so seine Art ist, mit einer witzigen Bemerkung. Er sagt ein bisschen melancholisch:

«Es kommt schon gut.»

Kevin Schläpfer

Kevin Schläpfer war in Biel jahrelang eine der charismatischsten Hockey-Persönlichkeiten unseres Hockeys, in seiner Ausstrahlung durchaus vergleichbar mit Arno Del Curto oder Ralph Krueger. Nun mahnt eher an eine Figur aus der Weltliteratur. An «Don Quijote», den verarmten spanischen Landadligen und Ritter, der als «Ritter von der traurigen Gestalt» vergeblich gegen Windmühlen kämpfte. Mag sein, dass er die Windmühlen im Frühjahr anhalten und den Abstieg noch verhindern kann. Aber was folgt dann?

Bild

Erleidet Kevin Schläpfer dasselbe Schicksal wie Don Quijote?

Wenn einer es verdient, dass es doch noch gut kommt, wenn einer die Energie und den Optimismus hat, dass es doch noch gut kommt, wenn einer die schwierigste Aufgabe der Liga meistern kann, dann ist es Kevin Schläpfer.

Wem unser Hockey am Herzen liegt, der drückt ihm die Daumen. Die Hockey-Götter mögen verhindern, dass Kevin Schläpfer die tragische Hockey-Figur des neuen Jahres wird.

Die besten 50 Eishockey-Spieler des Jahres 2017

Eishockey Saison 2017/18

Keine Eishockey-WM – Patrick Fischers verlorener Traum

Link zum Artikel

Wegen Corona-Krise: Bleibt René Fasel ein Jahr länger Hockey-Welt-Präsident?

Link zum Artikel

Die WM ist abgesagt – was die Folgen sind und wie es beim Verband weitergeht

Link zum Artikel

Die NHL pausiert, aber «gespielt» wird trotzdem – Goalie wehrt 98 Schüsse ab

Link zum Artikel

Profisportler kaufen für Ältere ein oder bieten sich als Babysitter an

Link zum Artikel

Hoffnung für Hockey und Fussball – Kurzarbeit wird bald möglich sein

Link zum Artikel

Simon Sterchi kommt – was für eine schauderhafte SCB-Transferbilanz

Link zum Artikel

Gaëtan Haas: «Das Spiel in der NHL ist nicht schneller, es sieht nur schneller aus»

Link zum Artikel

Solange man ins Stadion durfte, war Eishockey so populär wie nie

Link zum Artikel

6 grosse Schweizer Hockey-Karrieren, die durch das Coronavirus vorzeitig beendet wurden

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Nichts, einfach nichts – ein Wochenende ohne Sport und der Anfang einer neuen Zeitrechnung

Link zum Artikel

Das banale Ende aller Träume – kein Meister, keine Dramen

Link zum Artikel

Der Star aus der Hundehütte – wie Kevin Fiala vom Mitläufer zum Teamleader gereift ist

Link zum Artikel

«Als würde man zum Geburtstag keinen Kuchen kriegen» – das sagt der ZSC zur Playoff-Absage

Link zum Artikel

So sieht der neue Gästesektor in Fribourg aus (es ist ein «Käfig»)

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Eismeister Zaugg erklärt einen Mythos – 75 Jahre Hockey in Langnau

Die SCL Tigers spielten gestern gegen Zug. Das Resultat (4:9) ist unerheblich. Es war nämlich das Spiel zum 75-jährigen Jubiläum. Wie ist es möglich, dass sich im oberen Emmental ein Dorfklub heute noch im Hockey-Business zu behaupten vermag? Weil Langnau zum Mythos geworden ist.

Mythos Langnau. Das Wort steht für Dinge oder Personen von hoher symbolischer Bedeutung. Wie zeigt sich der Mythos Langnau?

Ich möchte dazu einleitend eine Episode erzählen. Sie sagt uns, was der Mythos Langnau bewirkt. Es ist eine Begebenheit, die nur in Langnau möglich ist.

Im Sommer 2009 stehen die SCL Tigers am Rande des Abgrundes. Der SCL Tigers AG droht der Konkurs und das Stadion genügt den Ansprüchen des modernen Sportes bei Weitem nicht mehr.

Präsident Hans Grunder präsentiert im Rahmen …

Artikel lesen
Link zum Artikel