DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

TV-Team konfrontiert Facebook-Hetzer: «Was können die Flüchtlinge dafür, dass Sie keinen Job finden?»

25.08.2015, 12:2526.05.2020, 22:22
Grosse Worte auf Facebook, kleinlaut vor der Kamera.
Grosse Worte auf Facebook, kleinlaut vor der Kamera.
Screenshot: «Spiegel TV Magazin»

Im ostdeutschen Heidenau randalieren Rassisten vor einem Flüchtlingsheim. Im brandenburgischen Nauen wird eine Sporthalle, die Flüchtlinge aufnehmen sollte, abgefackelt und im sächsischen Freital demonstrieren «Besorgte Bürger» seit Wochen gegen Flüchtlinge.

Den Videobeitrag können Sie sich hier ansehen, der beschriebene Teil beginnt bei Minute 3:30.

Auch im Internet ist der Ton rau, Hetze gegen Ausländer gehört auf «asylkritischen» Facebook-Seiten zum Alltag. Doch was sagen die Facebook-Hetzer, wenn man sie im realen Leben mit ihren Aussagen konfrontiert? Genau das haben Reporter von «Spiegel TV» getan.

Screenshot: «Spiegel TV»

Sie haben einen Mann aufgesucht, der auf Facebook für die Wiedereröffnung der Konzentrationslager aus dem Zweiten Weltkrieg plädierte. Schwer zu finden war er nicht: Der Mann schreibt unter seinem Namen, in seinem Profil gibt er den Namen seines Arbeitsgebers an.

Der besorgte Bürger ist seit der Wende arbeitslos und verrichtet im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms gemeinnützige Arbeiten für einen Euro pro Stunde – einen echten Job hatte er nie. Seine Wohnung wird vom Staat bezahlt.

Die «Spiegel TV»-Reporter konfrontierten den Mann erst zusammen mit seinem Betreuer, der ihn wegen des Postings massregelt, und befragen ihn dann alleine. Er verdiene Geld, habe eine Wohnung, für ihn sei doch gesorgt, argumentiert die Journalistin. Er hätte gerne einen richtigen Job, sagt der Asylgegner, er habe sich zig Mal beworben – ohne Erfolg. Die Reporterin fragt:

«Woran liegt es, dass sie keinen Job finden?»
«An der Ausbildung.»
«Ja, aber dafür können die Flüchtlinge doch nichts?»
«Ja, aber ich auch nicht.»
«Aber warum sind sie denn auf die Flüchtlinge so sauer?»

Die Frage bleibt unbeantwortet. Das Gespräch mit dem überforderten Mann, der keine Argumente hat, ist nicht ganz angenehm anzusehen. Er zeigt aber zweierlei Dinge sehr gut auf: Was man auf Facebook postet, kann einen ziemlich schnell in der realen Welt einholen. Und: Der Hass entsteht oft aus einem Bauchgefühl, nicht aus rationalen Argumenten. (rey via Meedia)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Review

Die glücklichsten Kinder Deutschlands? Leben in einer einstigen Nazihochburg

Nach dem preisgekrönten Dokfilm «Herr Bachmann und seine Klasse» haben wir eine Ahnung davon, dass Lehrer und Lehrerinnen regelrecht Leben retten.

Wie so viele Geschichten aus Deutschland beginnt auch diese im Zweiten Weltkrieg. Mit einem idyllischen Fachwerk-Örtchen namens Allendorf mitten in Hessen, um das die Nazis einen Gürtel aus Rüstungsindustrie legen. Sie bauen flache Fabrikgebäude und pflanzen Bäume auf den Dächern. Tarnbäume für die Tochterfirma der Dynamit AG. Schliesslich sollen die Hallen, in denen gut 17'000 Zwangsarbeiter und etliche Kinder aus Osteuropa Bomben mit dem Sprengstoff TNT füllen, von oben nicht …

Artikel lesen
Link zum Artikel