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epa04170789 A view of the rescue operation underway after the ferry Sewol sank in waters off Jindo Island in the southwestern province of South Jeolla, South Korea, 18 April 2014. Nearly 300 people were still missing and at least 25 confirmed dead after a passenger ferry carrying hundreds of teenagers sank off the southern coast of South Korea on 16 April. Nearly two-thirds of the 462 passengers who had been on board are feared to be trapped inside the now-submerged Sewol ferry, the coast guard said.  EPA/KIM CHUL-SOO

Bergungstrupps kämpfen bei der Suche nach Opfern des Fährunglücks mit schlechter Sicht und stürmischer See. Bild: EPA/EPA

Bergungstrupps in Südkorea

«Hier ist alles schlammig, die Sicht ist fürchterlich»

Gelingt es den Tauchern, ins dritte Zwischendeck vorzustossen? Im Wrack der havarierten Fähre vor der südkoreanischen Insel Jindo werden Hunderte Tote vermutet. Die Bergungsarbeiten sind hochgefährlich.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Bernhard Zand / Spiegel Online

Der Himmel hängt so tief, als breche am frühen Morgen schon die Nacht an. Es schüttet unaufhörlich, in den Kapuzen ihrer Regenüberzüge sammeln sich Pfützen an.

An der Kaimauer des Dorfes Paengmok steht ein Buddhisten-Mönch in seiner durchnässten Kutte und singt und trommelt ein Gebet aufs Meer hinaus. Hinter ihm betet Schwester Sarah von der katholischen Gemeinde, unter einem schwarzen Regenschirm. Die Insel Jindo ist voll von Kirchen. So trostlos wie hier an der Südwestspitze von Südkorea bricht dieser Karfreitag wohl in der ganzen Christenheit nicht an.

Der alte Mann im gelben Regenmantel geht von einem Wagen zum anderen die Kaimauer hinauf, er sucht nach Männern, die Gasflaschen und grosse schwarze Taschen aus ihren Autos packen. Das sind die Taucher. Auf ihnen ruhen die Hoffnungen des Alten, dessen Neffe zu den über 250 Schülern zählt, die mit der Fähre «Sewol» untergingen. Er stellt allen Tauchern dieselbe Frage: «Besteht noch eine Chance? Kann mein Neffe noch gerettet werden?»

«Hier, ins dritte Deck, da wollen wir hinein»

Ko Dae-hun, 41, malt ihm den Aufriss der gesunkenen Fähre «Sewol» auf eine nasse Windschutzscheibe. 20 Kilometer vor der Küste, an der Stelle, wo das Schiff am Mittwoch sank, ist das Meer 37 Meter tief. «Das hintere Oberdeck», sagt Ko zu dem alten Mann, «liegt also auf dem Meeresgrund, der Bug ragt aus dem Wasser, weil Luftkammern dem Schiff Auftrieb geben.»

One of relatives of passengers aboard a sunken ferry cries during a Buddhist ceremony to pray for speedy rescue and their safety at a port in Jindo, south of Seoul, South Korea, Friday, April 18, 2014. The ferry flipped onto its side and filled with water off the southern coast of South Korea on Wednesday, with about 270 people still missing. (AP Photo/Lee Jin-man)

Verzweifelte Angehörige klammern sich an den letzten Strohhalm und hoffen, dass im dritten Deck noch Passagiere leben.  Bild: AP/AP

Ko malt vier Etagen auf seine Skizze des untergegangenen Schiffes: «Hier, ins dritte Deck, da wollen wir hinein. Dort könnten Menschen überlebt haben, es könnte Hoffnung für deinen Neffen geben.»

Seit der Havarie vor 48 Stunden ist aber noch kein Taucher in den Schiffsrumpf vorgedrungen. Bislang, sagt Ko, ein ehemaliger Kampfschwimmer der südkoreanischen Marine, seien die Taucher damit beschäftigt, Seile und Netze am Schiffskörper anzubringen, damit sich andere Taucher an ihnen hinunterhangeln können. Und selbst diese Arbeit wird dauernd unterbrochen: Der Tidenhub, der Unterschied zwischen Ebbe und Flut, kann an der Unglücksstelle bis zu sechs Meter betragen, die Insel Jindo ist berühmt für ihre Springfluten.

«Das Wasser ist kalt, das ist ein Problem für uns»

«Wir haben nur jeweils eine halbe Stunde vor und nach der Ebbe Zeit», sagt Ko. Davor und danach sei die Strömung des ab- oder zufliessenden Wassers so stark, dass die Taucher selbst in Gefahr geraten.

Noch ist die Ursache des Unglücks nicht geklärt, doch die extremen Strömungsverhältnisse vor Jindo, sagen die Taucher, könnten den Untergang der Fähre beschleunigt haben.

Und die Strömung sei nur eine Besonderheit dieses Seegebiets, sagt Lee Won-tae, 60, ebenfalls ein ehemaliger Marine-Offizier, der nun ein Team von 30 Tauchern führt. «Wir sind hier nicht auf den Philippinen, wo man meterweit durchs Wasser sehen kann. Hier ist alles schlammig, die Sicht ist fürchterlich. Und das Wasser ist kalt, was nicht nur für die im Schiffsrumpf Eingeschlossenen, sondern auch für uns ein Problem ist.»

epa04170704 A Buddhist monk is praying for victims and missing passengers of the Sewol ferry accident, at Jindo-port on Jindo Island in the southwestern province of South Jeolla, South Korea, 18 April 2014. Nearly 300 people were still missing and at least 25 confirmed dead after a passenger ferry carrying hundreds of teenagers sank off the southern coast of South Korea on 16 April. Nearly two-thirds of the 462 passengers who had been on board are feared to be trapped inside the now-submerged Sewol ferry, the coast guard said.  EPA/KIMIMASA MAYAMA

An der Kaimauer des Dorfes Paengmok steht ein Buddhisten-Mönch in seiner durchnässten Kutte und singt und trommelt ein Gebet aufs Meer hinaus. Bild: EPA/EPA

Der Baumanager Kim Jae-in, 38, hat seinen Cousin auf der «Sewol» verloren. Er steht vorne am Kai unter einem Plastikzelt, auf das der Regen trommelt, und verflucht seine Regierung. Mehr als zwei Tage habe sie allein gebraucht, um eine Tafel aufzustellen, auf der die Namen aller Passagiere eingetragen seien.

«Ich schäme mich, ein Koreaner zu sein»

Keiner der Angehörigen wisse, ob überhaupt jemand nach den Vermissten suche. Am Donnerstagabend habe er es nicht mehr ausgehalten, habe mit 20 anderen ein Schiff gechartert und sei einfach hinausgefahren: «Es war 6 Uhr am Abend, ein paar Boote schipperten um die Bugspitze herum, niemand tat irgendwas. Wir werden versuchen müssen, private Taucher hinunterzuschicken. Ich schäme mich, ein Koreaner zu sein.»

Südkoreas Rettungstaucher sind vorsichtiger als noch vor vier Jahren. Im April 2010 sank – wahrscheinlich von einem nordkoreanischen Torpedo getroffen – die Korvette «Cheonan» und riss 46 Matrosen mit in den Tod. Bei einem Rettungsversuch, die ebenfalls von der starken Strömung behindert wurden, kam einer der erfahrensten Marinetaucher des Landes ums Leben.

South Korean rescue team members try to rescue passengers from a ferry sinking off South Korea's southern coast, in the water off the southern coast near Jindo, south of Seoul, South Korea, Thursday, April 17, 2014. Fears rose Thursday for the fate of more than 280 passengers still missing more than 24 hours after their ferry flipped onto its side and filled with water off the southern coast of South Korea. (AP Photo/Yonhap) KOREA OUT

Kampfschwimmer versuchen in die havarierte Fähre zu gelangen. Bild: AP/YONHAP

«Wenn es nach uns geht, dringen wir noch heute Nacht ins dritte Oberdeck ein», sagt ein Kollege des Kampfschwimmers Ko Dae-hun, «tasten uns bis in eine Luftkammer vor und finden hoffentlich Überlebende. Wir gehen alle mit zwei Flaschen und zwei Mundstücken ins Wasser, damit wir einen Überlebenden mit aus dem Wasser bringen können.»

Lesen Sie dazu auch: 

Warum kenterte die Fähre in Südkorea? 5 drängende Fragen zur Katastrophe >>

Taucher gelangen ins Innere des Wracks der Fähre vor Südkorea >>

Rettungskräfte rechnen kaum mehr mit Überlebenden – keine Schweizer an Bord >>



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