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Trumps verräterisches Schweigen im Fall Moore

Führende US-Politiker fordern den Senatskandidaten Roy Moore zum Rücktritt auf - er soll Mädchen und sehr junge Frauen sexuell belästigt haben. Nur Donald Trump hält sich zurück. Die Erklärung ist denkbar einfach.

Roland Nelles, Washington



epa06333354 US President Donald J. Trump (Front R) waves beside House Sergeant at Arms Paul Irving (L), White House Chief of Staff John Kelly (Back L) and Director of the National Economic Council Gary Cohn (Back R) upon arriving to attend a House Republican caucus meeting in the US Capitol in Washington DC, USA, 16 November 2017. The House is voting today on their version of the tax reform plan.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

Winkt, aber sagt nichts: Donald Trump. Bild: EPA/EPA

Ein Artikel von

Spiegel Online

Donald Trump hat sonst eigentlich immer zu allem eine Meinung. Nur jetzt, im Fall des stramm konservativen Senatskandidaten Roy Moore, schweigt er. Zumindest bislang.

Der Republikaner aus Alabama wird inzwischen von einem halben Dutzend Frauen glaubwürdig beschuldigt, sie Ende der siebziger Jahren sexuell belästigt zu haben. In einer örtlichen Shopping Mall soll der damals 30-Jährige sogar für seine aufdringlichen Anmachsprüche berüchtigt gewesen sein. Eines der Opfer war damals gerade einmal 14 Jahre alt.

Trotzdem weigert sich der Mann hartnäckig, von seiner Kandidatur für den Senatssitz in dem Bundesstaat zurückzutreten. Die Parteiführung in Washington ist empört, fast alle führenden Republikaner dort haben ihn längst zum Rücktritt aufgefordert. Nur von Trump hört Amerika seit Tagen zu der Sache praktisch: nichts.

Former Alabama Chief Justice and U.S. Senate candidate Roy Moore waits to speak at a news conference Thursday, Nov. 16, 2017, in Birmingham, Ala. (AP Photo/Brynn Anderson)

Roy Moore Bild: AP/AP

Das wird von vielen als ein - erneutes - moralisches und politisches Versagen des Präsidenten gesehen. Vor allem ist Trumps dröhnendes Schweigen aber entlarvend. Es verrät viel über ihn und sein zynisches politisches Spiel.

Trump weiss, dass er als Schiedsrichter in der Sache denkbar ungeeignet ist. Wenn er sich in die eine oder andere Richtung positioniert, muss er fürchten, dass ihm erneut die vielen Fälle von sexueller Belästigung vorgehalten werden, die ihm bereits im Wahlkampf angelastet wurden. Plötzlich würde all das wieder zum grossen Thema werden. Darauf hat er offenbar wenig Lust, zumal noch Klagen gegen ihn anhängig sind.

Statements des Präsidenten gibt es bisher nur, wenn sie nicht die eigene Partei betreffen - wie im Fall des demokratischen Senators Al Franken.

Trump will Konfrontationskurs vermeiden

Mindestens genauso wichtig ist für Trump aber ein anderes Kalkül. Moore, der reaktionäre Ex-Richter, spricht mit seinen populistischen Parolen gegen Homosexuelle, Migranten und gegen das Establishment in Washington genau jene weissen, evangelikalen Wähler in den Südstaaten an, die auch Trump für seine Wiederwahl 2020 braucht. Sie halten eisern zu Moore. Würde Trump auf allzu scharfen Konfrontationskurs zu Moore gehen, könnten sie ihm das übel nehmen. Er würde sich von dieser Basis entfremden - und zwar weit über Alabama hinaus.

Former Alabama Chief Justice and U.S. Senate candidate Roy Moore leaves after he speaks at a church revival, Tuesday, Nov. 14, 2017, in Jackson, Ala. (AP Photo/Brynn Anderson)

Bild: AP/AP

So lässt der Präsident die Dinge laufen, weicht Fragen nach Moore aus. Zwar attackiert seine Tochter Ivanka den Ex-Richter, aber Trump selbst lässt nur mitteilen, die Menschen in Alabama sollten über Moores Schicksal entscheiden. Das wiederum löst Kopfschütteln bei vielen moderaten Republikanern aus, die Moore gerne sofort loswerden würden und auf ein Signal des Präsidenten warten.

Die Frage lautet deshalb, wie lange Trump noch bei seiner Linie bleiben kann? Fest steht, dass er offenbar hinter den Kulissen hektisch nach einer Lösung für das Problem sucht.

Angeblich wurde im Weissen Haus bereits erwogen, Justizminister Jeff Sessions nach Alabama zu schicken und kurzfristig als Ersatzkandidaten für Moore in Stellung zu bringen. Sessions war dort früher selbst Senator. Offenbar hat er bislang aber wenig Lust auf den Rollentausch.

Ein Fall, der Trump länger begleiten dürfte

So oder so dürfte Trump der lästige Fall noch eine Weile begleiten. Wenn Moore bei der Wahl am 12. Dezember in Alabama gewinnt, droht ein Eklat im Senat. Die anderen Senatsmitglieder könnten ihm dann per Abstimmung den Sitz verweigern. Viele scheinen fest entschlossen, genau dies zu tun. Die Republikaner in Washington um Mehrheitsführer Mitch McConell würden statt Moore einen moderaten Senator installieren - und damit sicherlich Trumps Basis empören. Der Präsident müsste sich dann von seinen Anhängern in Alabama vorhalten lassen, das Wählervotum zu ignorieren und mit dem verhassten Establishment in Washington zu paktieren.

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Das andere Szenario ist für Trump aber mindestens genauso unerfreulich. Wenn Moore am 12. Dezember in Alabama gegen den Kandidaten der Demokraten, Doug Jones, verliert (und danach sieht es laut aktuellen Umfragen aus) schmilzt die hauchdünne Mehrheit der Republikaner im Senat auf 51 Stimmen. Trumps Steuerreform, die noch vor Heiligabend verabschiedet werden soll, wäre ernsthaft in Gefahr.

Wohl selten zuvor war eine Wahl in Alabama wohl so spannend - und so wichtig.

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • wonderwhy 18.11.2017 07:44
    Highlight Highlight Schon traurig wie sich dies entwickelt hat. Es spielt keine Rolle mehr was für ein Charakter da zur Wahl steht, Hauptsache er ist keiner von der anderen Seite! Dies ist leider keine neue Entwicklung. Auch die Demokraten haben sich damals eiskalt hinter Bill Clinton gestellt, egal welche Anschuldigungen im Raum standen. Ich wünschte mir dass die es schaffen in Zukunft solche Kandidaten einfach abzusetzen, auch wenn Sie im eigenen Team spielen!
    2 0 Melden
    • Guerzo 18.11.2017 11:46
      Highlight Highlight Soviel ich weiss, hatten Clinton/Lewinsky eine einvernehmliche Beziehung. Kann nun wirklich nicht mit Moore, Falken oder Trump (grab'em by the pussy) verglichen werden.
      1 1 Melden
    • wonderwhy 18.11.2017 23:33
      Highlight Highlight Von Lewinsky spricht ja auch niemand! Da gäbe es z.B. Paula Jones und Juanita Broaddrick.
      2 0 Melden
  • Snowy 17.11.2017 16:08
    Highlight Highlight Ich frage mich seit Jahren wie es Regierungen im Westen immer wieder fertig bringen arme Leute für Steuererleichterungen zu motivieren.

    Langsam sollten wirklich alle gemerkt haben, dass "Trickle down" nicht funktioniert - jedenfalls nicht für die Unter- und Mittelschicht.

    Und dann telefoniere ich mit einem alten Freund aus Kindertagen aus den USA und werde in eine Welt katapultiert von Fake News und nicht vorhandener Bildung, die wir uns hier fast nicht vorstellen können.
    Wer sich einmal einer Seite angeschlossen hat (links/rechts) gibts kein Entkommen mehr (Filter Bubble).


    69 2 Melden
    • Snowy 17.11.2017 18:46
      Highlight Highlight Hier der Live-Beweis.
      AUf einer UNI (!) ... im Jahr 2016...

      Guet Nacht am Sächsi.

      Play Icon
      11 0 Melden
  • N. Y. P. D. 17.11.2017 15:57
    Highlight Highlight "grab them by the pussy" - Präsident Donald Trump ist tatsächlich gänzlich ungeeignet, im Fall Moore ein Statement abzugeben.
    Der Druck wird aber trotzdem täglich grösser, Stellung zu beziehen.

    Für Trump-Gegner, wie mich, wurde mit dieser Konstellation ein tolles Hors d'oeuvre aufgetischt in Erwartung des Hauptganges (Russlandsache).

    Roger Köppel, sind sie noch da ? Wo ist der Roger eigentlich ? Seit Monaten Funkstille. Ist er in den Ferien ?
    95 5 Melden
    • Juliet Bravo 17.11.2017 16:34
      Highlight Highlight Ich jedenfalls geniesse seine Abwesenheit.
      33 0 Melden
    • Slavoj Žižek 17.11.2017 18:23
      Highlight Highlight Hier, von vor zwei Tagen:
      Play Icon
      6 7 Melden
    • N. Y. P. D. 17.11.2017 19:11
      Highlight Highlight @o.o
      Ich musste nach 46 Sekunden aus dem Video fliehen. Das hältst Du keine 24 Minuten durch. Aber trotzdem danke ;-)
      24 2 Melden
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«Trump wird die Macht teilen müssen – und dann sterben»

Eine politische Analyse der etwas anderen Art: Martin Zoller kann anhand der Analyse der Aura eines Menschen seine Zukunft sehen. So hat er die Wahl von Donald Trump richtig vorausgesagt. Jetzt allerdings scheint sich das Blatt zu wenden: Die Demokraten werden gemäss Zoller die Midterms gewinnen – und Trump wird noch vor Ablauf seiner ersten Amtszeit sterben.

Sie haben die Wahl von Donald Trump vorausgesagt. Wie ist Ihnen das gelungen? Schon 2014 wusste ich, dass Hillary Clinton keine Chance haben wird. Ich sah im Sommer dieses Jahres einen Mann als kommenden Präsidenten. Als Trump von den Republikanern zum Präsidentschaftskandidat erkoren wurde, war mir klar, dass er auch gewählt werden wird. Ich habe das damals schon in verschiedenen TV-Interviews ausgeführt.

Wie kommen Sie zu solchen Aussagen? Machen Sie politische Analysen und verbinden diese …

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