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Terrorismus - Deutschland: Axt-Angriff im Regionalzug ist terroristisch motiviert

19.07.16, 11:40

Ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan hat am Montagabend in Bayern mit Messer und Beil Fahrgäste in einem Regionalzug attackiert und dabei mehrere Menschen schwer verletzt. Gemäss neusten Erkenntnissen handelt es sich um eine terroristisch motivierte Tat.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat laut Angaben aus ihr nahestehenden Kreisen die Verantwortung für die Axt-Attacke in einem Regionalzug bei Würzburg übernommen. Der Angreifer sei ein IS-Kämpfer, meldete die IS-Propaganda-Agentur Amak am Dienstag im Internet.

Zudem sei bei der Durchsuchung seines Zimmers «eine handgemalte IS-Flagge» gefunden worden, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Dienstag im ZDF-«Morgenmagazin». Bei dem Angriff waren mehrere Menschen schwer verletzt worden. Er habe auf Aufrufe reagiert, die Länder der internationalen Koalition anzugreifen, die den IS bekämpfen.

Die Echtheit der Erklärung liess sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. In ähnlicher Form hatte der IS zuvor die Verantwortung für das Attentat von Nizza übernommen. Eine Erklärung direkt von der Terrormiliz wurde danach bislang nicht veröffentlicht. Unklar ist in beiden Fällen, ob der IS dabei nur als Trittbrettfahrer auftritt.

Fünf Verletzte

Nach Behördenangaben gab es insgesamt mindestens fünf Verletzte, vier davon erlitten schwere Verletzungen. Herrmann zufolge schwebten am Dienstag «mindestens zwei» Opfer in Lebensgefahr.

«Ein Teil» der Schwerverletzten gehört zu einer chinesischen Touristenfamilie aus Hongkong, die zufällig in dem Zug unterwegs war. Der Hongkonger Regierungschef Leung Chun-Ying verurteilte den Angriff und sprach den vier Verletzten und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. Repräsentanten der Hongkonger Wirtschaftsvertretung in Berlin besuchten die Opfer im Spital in Würzburg.

Etwa 25 bis 30 Menschen sassen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg, als der Angreifer kurz vor dem Ziel losschlug. Nachdem der Zug per Notbremse im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld stoppte, sprang der Täter aus dem Zug und flüchtete.

Herrmann zufolge attackierte und verletzte der junge Mann während seiner Flucht wohl mindestens einen Menschen. Er wurde anschliessend von einem Spezialeinsatzkommando aufgespürt und erschossen, als er laut Einsatzkräften auch die Beamten angriff.

Motiv weiter unklar

Zu den genauen Motiven und Hintergründen wollte sich Herrmann zunächst nicht äussern. «Im Moment werde ich mich nicht an irgendwelchen Spekulationen beteiligen», sagte er. Es müsse erst «sorgfältig ermittelt» werden.

Das gelte auch für die Frage, ob es einen islamistischen Hintergrund gebe oder sich der Täter «in allerletzter Zeit» selbst radikalisiert haben könnte. Während seines Aufenthalts in Deutschland sei er nicht auffällig geworden.

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft hatten die Einsatzzentrale gegen 21.15 Uhr mehrere Mitteilungen über einen Angreifer erreicht, der in dem Zug während der Fahrt Passagiere attackierte. Herrmann sagte, im ersten Notruf habe der Anrufer dabei ausgesagt, der Täter habe «Allahu akbar» (Gott ist gross) gerufen.

Der Angreifer kam dem bayerischen Innenminister zufolge offenbar vor rund zwei Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland. Seit vergangenem Jahr war er als Asylbewerber registriert.

Er lebte zunächst in einem für junge Flüchtlinge vorgesehenen Heim, bevor er vor rund zwei Wochen zu einer Pflegefamilie wechselte. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand handle es sich um einen Einzeltäter.

Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen

Der Minister verteidigte den Schusswaffeneinsatz der Beamten. Dass der junge Mann offenbar während der Flucht noch weitere Menschen angriff, zeige, dass es richtig gewesen sei, ihn aufzuhalten.

Nach Angaben der Einsatzkräfte erlitten weitere Passagiere des Regionalzugs Schocks und mussten ebenfalls betreut werden. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst starteten einen Grosseinsatz. Rettungswagen brachten die Verletzten in Spitäler.

Als Konsequenz aus der Attacke kündigte Herrmann an, die Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland zu verstärken und die Polizeipräsenz zu erhöhen. Zugleich warnte er vor übertriebenen Erwartungen. (sda/afp/dpa)

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