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Mischt die Ökonomie-Szene auf: Paul Romer.
Mischt die Ökonomie-Szene auf: Paul Romer.Bild: SHAWN THEW/EPA/KEYSTONE

Werden die Ökonomen immer dümmer? Oder nur egoistischer?

Paul Romer, der neue Chefökonom der Weltbank, hat eine vernichtende Kritik der Makroökonomie und der Politik der Notenbanken verfasst.
24.12.2016, 15:0325.12.2016, 03:37

Seit der Finanzkrise hat die Bedeutung der Zentralbanken gewaltig zugenommen. Sie sind, wie der Titel eines Buches von Mohamed El-Erian lautet, «The Only Game in Town» («Die einzig massgebliche Instanz») geworden.  

Gern gesehener Gast: Mohamed El-Erian.
Gern gesehener Gast: Mohamed El-Erian.Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS

Die Zentralbanken können sich zwar rühmen, nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers eine Kernschmelze des internationalen Finanzsystems vermieden zu haben – wenn auch nur knapp. Aber:

«Wenn man aber vom «Only Game in Town»-Syndrom ausgeht, dann sollte es nicht überraschen, dass es den Zentralbanken nicht gelungen ist zu generieren, was der Westen – und die Welt – am meisten braucht: hohes, nachhaltiges und inklusives Wachstum und finanzielle Stabilität.»
Mohamed El-Erian

Die Geldpolitik von der Fed, EZB, SNB & Co. wird daher immer heftiger kritisiert. Neuerdings wird selbst die als sakrosankt geltende Unabhängigkeit der Zentralbanken in Frage gestellt.  

Neue Nahrung dürften die Kritiker von einem namhaften Ökonomen erhalten: Paul Romer. Er ist kürzlich zum Chefökonomen der Weltbank ernannt worden. Romer gilt als führender Innovationsforscher und ewiger Kandidat für den Nobelpreis. Er ist auch ein erfolgreicher Internet-Unternehmer und hat mit seinem Vorschlag für so genannte «Charter-Städte» für Aufsehen gesorgt.  

«Unsere unabhängigen Zentralbanker sind alle Makroökonomen, die genau in den Modellen ausgebildet wurden, die Romer kritisiert.»
Wolfgang Münchau

In der «Financial Times» hat Wolfgang Münchau auf ein interessantes Paper von Romer hingewiesen. Darin beklagt sich Romer, dass die Ökonomie nicht nur keine neuen Erkenntnisse gewonnen hat. Schlimmer noch: «Während mehr als drei Jahrzehnten hat sich die Makroökonomie rückwärts entwickelt.»

Vergleich mit der Stringtheorie

Romer vergleicht die Ökonomie mit der Stringtheorie, einer obskuren Weiterentwicklung der Quantenphysik mit Paralleluniversen und Wurmlöchern.  

Romers Kritik ist äusserst technisch. Ich nehme nicht in Anspruch, sie vollumfänglich verstanden zu haben. Der Kern seiner Kritik besagt jedoch Folgendes: Ökonomen kümmern sich nicht mehr um wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern um ihren Ruf.

«Das Problem ist nicht nur, dass Makroökonomen Dinge sagen, die nicht mit den Fakten übereinstimmen», so Romer. «Das wahre Problem liegt darin, dass es den anderen Ökonomen egal ist, dass ihre Kollegen sich nicht mehr um die Fakten kümmern.»

Wissenschaft oder Scharlatan?

Mit anderen Worten: Die Ökonomen verkommen zu einer Wissenschaftler-Mafia, in der keine Krähe der anderen ein Auge aushacken will.  

«Was würden Sie vorziehen, von wem Ihr Kind behandelt werden soll? Von einem Arzt, der seinen Freund, einen Scharlatan, oder seinen anderen Freund, einen Homöopathen, verteidigt, oder die medizinische Wissenschaft?»
Paul Romer

So technisch Romers Kritik sein mag, inhaltlich ist sie von grosser Bedeutung. «Unsere unabhängigen Zentralbanker sind alle Makroökonomen, die genau in den Modellen ausgebildet wurden, die Romer kritisiert», stellt Münchau fest.  

Das wiederum bedeutet, dass nicht nur die Geldpolitik der meisten Notenbanken, das Festlegen von Inflationszielen («inflation targeting») möglicherweise ein Irrtum ist, sondern dass man auch die Unabhängigkeit der Notenbanken in Frage stellen muss.

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60 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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fiodra
25.12.2016 18:40registriert Juni 2014
Dieser Artikel ist nicht sehr erhellend. Es fehlt die verständliche Argumentation, warum die Notenbanker falsch liegen. Dass es Kritik an der Praxis der Notenbanken gibt genügt nicht. Auch sollte gezeigt werden, was genau besser gemacht werden sollte und warum die Notenbanken nicht mehr unabhängig sein sollen. Alles ist sehr diffus und pauschal beschrieben.
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Special K
24.12.2016 16:02registriert August 2016
Man sollte sich bei aller Kritik bewusst sein, dass die Zentralbanken nicht für nachhaltiges Wachstum sorgen können.

Nachdem die Zentralbanken im Nachgang der Finanzkrise einen Sturz in eine Depression verhindert hatten, hätte die Politik die Rahmenbedingungen anpassen müssen und ihre Volkswirtschaften wieder auf den Wachstumspfad bringen müssen.

Die Politik hat aber einfach nur die Probleme vor sich hergeschoben. Und jetzt überlassen sie das Feld den Populisten.
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Sheez Gagoo
26.12.2016 06:19registriert November 2015
Diesem Artikel fehlt es an Substanz. Es wird nicht weiter auf die Kritik an der bestehenden Makroökonomie eingegangen. Es wird z.B. nicht weiter erläutert, was das Problem an der Unabhängigkeit der Zentralbanken sein soll. Es handelt sich mehr um einen Verweisartikel, wer mehr wissen will muss halt googeln.
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