UNICEF: Viele Kinder und Frauen auf Mittelmeer-Route Gewaltopfer

28.02.17, 10:40

Ein am Dienstag präsentierter UNICEF-Bericht zeichnet ein erschreckendes Bild vom Martyrium vieler Kinder und Frauen auf der Flüchtlingsroute über das Mittelmeer.

Drei Viertel aller Kinder seien zumindest einmal mit Gewalt konfrontiert gewesen, die Hälfte aller Frauen und Kinder berichte von sexuellem Missbrauch.

«Das zentrale Mittelmeer zwischen Nordafrika und Europa ist eine der gefährlichsten Migrationsrouten für Kinder und Frauen weltweit», sagte der für Europa zuständige Regionaldirektor des UNO-Kinderhilfswerks, Afshan Khan.

4600 Menschen seien im Vorjahr gestorben beim Versuch, von Libyen über das Mittelmeer nach Italien zu kommen. Das sei etwa jede 40. Person, die die Überfahrt versuchte. Schätzungen zufolge waren mindestens 700 Kinder unter den Opfern.

Für seinen Bericht befragte UNICEF Ende 2016 zahlreiche betroffene Kinder und Frauen in Libyen. Viele berichteten, dass Schlepper nach der ersten Zahlung wieder Geld verlangt hätten. Das erhöhte die Gefahr, Opfer von Missbrauch, Entführung oder Menschenhandel zu werden. Einige hätten sogar von mehrmaligem sexuellem Missbrauch an verschiedenen Orten berichtet.

Die Mittelmeer-Route werde von Schleppern, Menschenhändlern und Menschen kontrolliert, «die verzweifelte Kinder und Frauen ausnutzen, welche einfach nur Schutz oder ein besseres Leben suchen», sagte Khan.

Dunkelziffer drei Mal höher

In den Gesprächen berichteten die Frauen und Kinder auch über raue und überfüllte Bedingungen in den Aufnahmezentren sowie Engpässe bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln sowie einen Mangel an adäquaten Unterkünften. Offiziell befanden sich unter den 260'000 Flüchtlingen in Libyen 30'803 Frauen und 23'102 Kinder, die Dunkelziffer sei aber wohl drei Mal so hoch.

UNICEF fordert, dass Kinder vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden, die Inhaftierung von Kindern aufgrund des Aufenthaltsstatus beendet wird und ihnen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung geboten wird. Neben einer Bekämpfung der Fluchtursachen seien auch Massnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit in den Transit- und Zielländern erforderlich. (sda/apa)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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