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Nonnen. Starke Frauen im Mittelalter. Ausstellung im Landesmuseum Zürich

Die Ausstellung lässt sich in einem virtuellen Rundgang erkunden. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Jetzt kannst du virtuell ins Landesmuseum: «Nonnen. Starke Frauen im Mittelalter»



Nicht nur Restaurants und Klubs sind wegen der Corona-Pandemie geschlossen, auch das Schweizerische Landesmuseum hat seine Pforten für das Publikum – wie alle anderen Museen, die zum Schweizerischen Nationalmuseum gehören – vorläufig geschlossen. Allerdings nur jene in der realen Welt, denn in der digitalen Welt ist das Landesmuseum 24 Stunden am Tag geöffnet. Es bietet dem virtuellen Besucher eine ganze Reihe von Video-Führungen – auch für Kinder – und Blog-Beiträgen an. Und dazu einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung «Nonnen. Starke Frauen im Mittelalter». So lässt sich die Ausstellung bequem von zuhause aus via Handy oder Computer erkunden.

Das Mittelalter war besonders für Frauen eine raue Zeit – ihre Perspektiven waren begrenzt. Einen möglichen und oft beschrittenen Ausweg bot da das Leben in einem Kloster. Hier waren, vielleicht entgegen der landläufigen Meinung, mehr Freiheiten möglich. Hier boten sich auch mehr Möglichkeiten, sich zu bilden, Einfluss und sogar reale Macht zu gewinnen, wie das Landesmuseum in einer Mitteilung schreibt.

Die Wirklichkeit hinter mittelalterlichen Klostermauern war vielfältiger, überraschender und weltlicher, als man heute oft denkt. Nonnen im Mittelalter waren nicht nur asketisch lebende Frauen, die zurückgezogen und abgeschirmt von der Betriebsamkeit der profanen Welt ihre Spiritualität lebten.

Nonnen im Chorgestühl, Detail aus: Psalter Heinrichs VI., 1400–1430 
The British Library, London, Cotton MS Domitian A XVII., fol. 177v

Nonnen im Chorgestühl, Detail aus: Psalter Heinrichs VI., 1400–1430. Bild: The British Library

Die ersten Nonnenklöster entstanden in Europa bereits im fünften Jahrhundert. Mit der Zeit entwickelten sich einige davon zu religiösen Zentren, die Verbindungen zu Politik und Wirtschaft unterhielten und das weltliche Geschehen mitprägten. Äbtissinnen, Priorinnen oder Meisterinnen, die das höchste Amt in einem Kloster bekleideten, hatten eine anspruchsvolle Aufgabe, die diplomatisches Geschick und hohe Bildung verlangte.

Katharina von Siena (1347 – 1380) zum Beispiel gelang es, ihre Hochzeit zu verhindern und in einen Laienorden einzutreten. Dort wurde sie zur Inspirationsquelle für eine wachsende Anhängerschaft und war schliesslich eine bedeutende Stimme in kirchenpolitischen Fragen, die auch von Päpsten vernommen wurde. Oder Elisabeth von Wetzikon (1235 – 1298). Als Fürstäbtissin der Fraumünsterabtei in Zürich herrschte sie nicht nur über das Kloster, sondern über die ganze Stadt. Sie war oberste Richterin, ernannte den Bürgermeister und hatte das Recht, Münzen prägen zu lassen oder Zoll zu erheben. Zudem hatte sie das Sitz- und Stimmrecht im Reichstag der Fürstenversammlung des Heiligen Römischen Reichs.

Die Ausstellung im Landesmuseum zeigt anhand von 15 Repräsentantinnen und wertvollen Exponaten, wie unterschiedlich die Lebensformen geistlicher Frauen im Mittelalter waren und welche Möglichkeiten ihnen offenstanden. Sie thematisiert die wichtige Stellung der Frauenklöster in Bildungsfragen, ihre Verflechtungen mit Politik und Wirtschaft sowie der bis heute oftmals unterschätzte prägende Einfluss dieser Frauen auf die Theologie.

Umkreis des Bernhard Strigel, Eine Nonne, schlafend, Allgäu, um 1500, Tafelgemälde, Eichenholz, 
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Inv.-Nr. Gm 576

Schlafende Nonne, Tafelgemälde aus dem Allgäu, um 1500. Bild: Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Abgerundet wird die Ausstellung mit einer Installation von Annelies Štrba. Der Videokünstler Jürg Egli hat ihre Fotografien von Kirchenfenstern, Marienfiguren und prächtigen Gärten zu einem neuen Werk verschmolzen, welches das Weibliche ins Zentrum setzt.

(dhr)

Nonnen. Starke Frauen im Mittelalter

LANDESMUSEUM ZÜRICH
derzeit geschlossen, virtueller Rundgang
Nonnen im Mittelalter waren weit mehr als enthaltsame und asketische Frauen, die sich nur für die Welt innerhalb der Klostermauern interessierten. Ihr Leben war vielseitig und spannend. Das Kloster bot Frauen Möglichkeiten, die sie sonst kaum hatten: Zugang zu höherer Bildung, soziale Absicherung und die Chance, sich familiären Normen zu entziehen. Die Ausstellung zeigt anhand verschiedener Persönlichkeiten, wie vielfältig die Lebensformen geistlicher Frauen im Mittelalter waren.

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    Alle Leser-Kommentare
  • yey 12.04.2020 10:20
    Highlight Highlight Also die Idee mit dem virtuellen Rundgang war bestimmt nett gemeint ... aber verzerrte texte von fotografierten Tafeln abzulesen macht nicht so viel Spass.

    Das nächste mal vielleicht einfach wieder in den Landesmusem-Blog, der ist super!
  • Vernunft wo bisch 12.04.2020 01:59
    Highlight Highlight So viel zum Thema 😄 nein, grossartig danke!
    Benutzer Bild
  • homo sapiens melior 11.04.2020 20:31
    Highlight Highlight Nonne zu sein, war die einzige Möglichkeit nicht vom einen Mann an den nächsten gereicht zu werden. Daher kommt übrigens die kranke Tradition, dass der Brautvater die Braut zum Altar führt. Er entlässt sie aus seiner Vormundschaft in die Vormundschaft ihres Mannes. Frauen waren Gegenstände, Hilfskräfte, Bettsklavinnen, Gebärmütter und vieles mehr. Aber immer gehörten sie einem Mann. Ausser wenn sie Nonne waren. Dann gehörten sie Gott. Der ist zwar angeblich auch ein Mann, aber wenigstens weit genug weg.
    • homo sapiens melior 11.04.2020 22:58
      Highlight Highlight Diese Listen sagen alles über Frauen in der Schweiz:
      "Unmündige, FRAUEN, Invalide, Kranke, Gebrechliche, Urteilsunfähige, Verschwender."
      oder:
      "... ZGB wiesen neben dem Schutzgedanken einen paternalist.-DISZIPLINIERENDEN Charakter auf, v.a. gegenüber den FRAUEN und RANDGRUPPEN."

      https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016103/2013-07-30/

      Seit 1882 wurden wenigstens erwachsene unverheiratete Frauen nicht mehr männlich bevormundet; Verheiratete juristisch aber noch bis 1988:

      https://www.ekf.admin.ch/ekf/de/home/suche.html#m%C3%BCndigkeit

      Schweiz hinkt bis heute hinterher in der Frauenfrage.
    • who cares? 12.04.2020 05:56
      Highlight Highlight @El Comandante Ja dann ist ja alles gut!

      Je nach Region wurde die Witwe auch unter Vormundschaft des nächsten männlichen Verwandten gestellt, etwa ihrem Sohn oder ihrem Bruder.

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