Basel
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Empörung über politische Korrektheit – in Basel findet ein Soli-Marsch für Guggen statt

Heute Freitagabend findet ein Solidaritätsmarsch für die Basler Guggen Negro-Rhygass und Mohrekopf statt, die sich in den vergangenen Tagen dem Rassismus-Vorwurf ausgesetzt sahen. Die Nerven aller Empörten liegen jetzt schon blank.

Andreas Schwald / bz Basel



Es gibt in Basel derzeit drei Lager: Die, die sich darüber empören, dass man einen Vereinsnamen wie Negro-Rhygass oder Mohrekopf überhaupt als rassistisch empfinden kann. Die, die sich darüber empören, dass die Empörten nicht einsehen können, dass hier eine Rassismus-Debatte stattzufinden habe. Und die politisch Moderaten, die zwischen diesem Durcheinander an gemachten Meinungen einigermassen zu vermitteln versuchen.

Wenn heute Abend der spontan eingerichtete Solidaritätsmarsch zugunsten der zwei angeprangerten Guggenmusiken stattfindet, sind die Meinungen schon gemacht. Linke und soziale Vereinigungen laufen Sturm, eine Journalistin verdrehte die Aussage ins Gegenteil und meinte bereits, dass es sich um eine Demo für Rassismus handle. Und überhaupt, wie können es konservative Fasnachtstraditionalisten überhaupt wagen, sich eines Instrument mutmasslich progressiver Sozialaktivisten zu behändigen, um eine derart kontroverse Sache zu vertreten?

Nur Sauglattismus?

Besonders fasnachtsaffine Kreise vermuteten – oder hofften –, dass es sich um eine sauglatte Sujet-Idee eines Vereins auf Kosten der anderen Vereine handle. Oder dass die Guggen sogar selber dahinterstecken könnten. Aus Sujetgründen. Oder weil eine Namensänderung auf anderem Weg intern nie durchkommen würde.

Derweil die Organisatoren des Soli-Marsches für die Guggen alle Hände damit zu tun haben, ihre Facebook-Veranstaltung nicht ausser Kontrolle geraten zu lassen. Denn innert kürzester Zeit haben sich über 1600 Facebook-Nutzer dafür angemeldet, die Debatte im Forum der Veranstaltung drohte zu einem Sammelsurium an wüsten oder bemüht lustigen Empörungsbekundungen zu verkommen. Die Situation ist aufgeladen. Wie viele Menschen effektiv erscheinen werden, wenn es um 20 Uhr beim De Wette-Park vor dem Bahnhof losgeht, ist kaum einzuschätzen.

Ignorieren ist nicht möglich

Ernst ist es den Veranstaltern auf jeden Fall. Da nützen auch Tweets und offene Briefe an Basel nichts. Der Marsch wurde von den Behörden bewilligt, es wird zu einer Kundgebung kommen. Mit Fasnacht oder einer Rassismus-Debatte hat das wenig gemein. Es hat auch mit der Angst vor Traditionsverlust zu tun. Einer Tradition, die sich in einer mittlerweile gesellschaftlich viel zu kontroversen Position befindet, als dass sie ignoriert werden könnte.

Es ist aber auch, und das mag so manchen Gesellschaftskritiker nun verstimmen, wie wenn über guten und schlechten Humor gestritten wird. Ist ein Judenwitz nur zulässig oder gar lustig, wenn ihn ein Jude erzählt? Wenn einen das gönnerhafte Schaudern überkommt, Zeuge einer tief ironischen Äusserung einer Minderheit über sich selbst geworden zu sein?

Rassismus-Debatte: Facebook sperrt die Negro-Rhygass und Mohrekopf

Video: © bz/Simone Morger

Doch die Debatte ist übersäuert

Die Situation ist aufgeladen, die Debatte jetzt schon übersäuert. Doch sollte nach dem Sturm alles beim Alten bleiben – wovon auszugehen ist –, so bleibt zumindest der Hauch einer Sensibilisierung übrig. Dafür, dass das Thema Rassismus die Fasnacht eiskalt an einem heissen Sommertag erwischt hat.

Auch wenn der Fasnächtler am Schluss damit umgeht, wie er mit allem umgeht: Indem er mit heiligem Ernst keinerlei Autorität ernst nimmt. Erst recht nicht, wenn sie dies dazu hin namens der politischen Korrektheit tut. Und Namen angreift, die bei der Gründung vielleicht mal zum fasnächtlich-sauglatten Anecken gemeint waren, aber in der Basler Szene mittlerweile zu identitätsstiftenden Marken geworden sind. Jetzt, Jahrzehnte später, haben sie dieses Anecken mehr erfüllt, als ihnen lieb sein mag. (bzbasel.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Switch_on 17.08.2018 19:11
    Highlight Highlight Was man nicht ganz vergessen darf, dass man sich in Basel viele Feinde macht wenn man sich mit der Fasnacht anlegt.
    • schuldig 18.08.2018 09:15
      Highlight Highlight @Switch_On
      Man macht sich keine Feinde, eher keine Freunde... :)
  • Fumia Canero 17.08.2018 18:35
    Highlight Highlight Die Darstellung des "Negers" auf dem Emblem der Negro Rhygass IST rassistisch - Punkt! Das schleckt keine Geiss weg. Der Name ist weniger problematisch für mich. Die Rhygässler können die Figur einfach durch eine angemessenere ersetzen. Vielleicht stellt sich ja Tidjane Thiam als Modell zur Verfügung.
  • Til 17.08.2018 17:27
    Highlight Highlight Die Fasnacht soll überhaupt nicht politisch korrekt sein. Sie hat eigentlich Narrenfreiheit wie auch die Satire.
  • Astrogator 17.08.2018 17:04
    Highlight Highlight Was soll die Verallgemeinern mit "Linke" sind empört wegen der Namen und "konservative" Fasnächtler.

    Bin je nach Thema und grundsätzlich politisch Mitte-Links, und mir geht das Theater um die Namen gehörig auf den Sack. Und ich war jahrelang Präsident einer Guggemusig, die ist wie so viele Vereine politisch neutral und bietet Mitgliedern von links bis rechts ein Platz für ein gemeinsames Hobby.

    Und diese Andrea Fopp die tut mir einfach nur Leid, soll doch mit der Sibel Schick über vermeintliches Unrecht irgendwo in einem Keller heulen wo garantiert nicht geklacht wird.
    • Winschdi 17.08.2018 17:34
      Highlight Highlight Absolut meine Meinung!
  • BlueRose 17.08.2018 16:31
    Highlight Highlight Mohren kommt von Mauren und Negro heisst einfach nur Schwarz.
    In spanisch sprechenden Ländern nennen sich selbst die Schwarzen, Negrito oder Negrita und zu den Latinos sagt man Moreno oder Morena!
    Es ist gar nichts Rassistisches bei diesen Ausdrücken dabei.
    Die Mauren sind die nordafrikanischen Völker. Eben der Mohr im Schweizerischen -.-
    Wir haben echt tausend viel schlimmere Probleme, als bei den Guggen nach Political Correctness zu suchen!
    • Herr Ole 17.08.2018 17:57
      Highlight Highlight Mohr kommt zwar von Mauren, bedeutet aber inzwischen etwas völlig anderes, nämlich eine abwertende Bezeichnung für Schwarzafrikaner. Nordafrikaner, also Mauren, sind nicht schwarz, also keine „Mohren im Schweizerischen“. (Ein Beispiel für einen ethnischen Mauren ist Zinedine Zidane).
  • Qui-Gon 17.08.2018 16:30
    Highlight Highlight Je nach dem, wer an dieser Demo so teil nimmt, könnte das höchst kontraproduktiv sein.
    • PHILosopher_XI 17.08.2018 17:43
      Highlight Highlight Meine grösste Angst...
  • Snowy 17.08.2018 16:27
    Highlight Highlight Knäck, ich schätze Dich, aber mit diesem Post hast Du Dich gewaltig in die Nesseln gesetzt.
    • Weissbrot 18.08.2018 00:20
      Highlight Highlight Warum,weil Wahrheit weh tut?
  • Madmessie 17.08.2018 16:20
    Highlight Highlight Ach hört doch endlich auf mit dieser politischen Korrektheit.

    Wenn jemand Neger, Schlitzauge und Kuhschweizer sagen will, dann soll er Neger, Schlitzauge und Kuhschweizer sagen.
    • Mutzli 17.08.2018 17:28
      Highlight Highlight Dann soll er aber gefälligst auch nicht darüber jammern, wenn andere ihn darauf hinweisen, dass sie solche rassistischen Äusserungen nicht gerade toll finden.
    • mrmikech 17.08.2018 17:28
      Highlight Highlight Andere menschen nicht demütigen hat nichts mit politische korrektheit zu tun sondern mit anstand.
    • Til 17.08.2018 17:34
      Highlight Highlight Eskimo, Lappe, Farang, Kano
  • Tomtom64 17.08.2018 16:14
    Highlight Highlight Die Ösis nehmen's gelassener.
    Benutzer Bild
    • SDF 17.08.2018 16:49
      Highlight Highlight Naja wurden auch nicht 1958 gegründet... steht in einem anderen zeitlichen Kontext. Könnte man aber auch ändern...
    • Triumvir 17.08.2018 17:20
      Highlight Highlight Ja und!? Hitler war auch mal ein Ösi...
    • Fruchtzwerg 17.08.2018 17:49
      Highlight Highlight Nein, genau DAS ist in Österreich derzeit auch ein Thema...
    Weitere Antworten anzeigen
  • What’s Up, Doc? 17.08.2018 16:05
    Highlight Highlight Norbert Blüm sagte einmal, "Der gesunde Menschenverstand hat in der professionellen Gesellschaft keinen Stellenwert mehr." ... Scheint mir so als wären wir jetzt definitiv professionell geworden.

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