Luzern
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Ein ehemaliger Luzerner Informatikchef hat in der Berufungsverhandlung wegen Korruption auf Freispruch plädiert. (Symbolbild)

Das Luzerner Gericht verurteilte eine Journalistin wegen ihrer Recherche in einer besetzten Villa. Bild: KEYSTONE

Luzerner Journalistin wegen Hausbesetzer-Recherche verurteilt

Die Luzerner Journalistin Jana Avanzini wurde wegen einer Recherche in einer besetzten Villa verurteilt. Ihr Verteidiger hatte einen Freispruch gefordert.



Eine Journalistin, die in Luzern für eine Recherche eine besetze Villa aufgesucht hatte, hat sich des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. Das Luzerner Kantonsgericht hat ein Urteil des Bezirksgerichts bestätigt und die Beschuldigte zu einer Busse von 500 Franken verurteilt.

Das am Mittwoch veröffentliche Urteil liegt erst im Dispositiv vor und ist noch nicht rechtskräftig. Es kann an das Bundesgericht weitergezogen werden.

Medienfreiheit überzeugte nicht

Die Verteidigerin der Journalistin Jana Avanzini hatte am 9. März vor dem Kantonsgericht einen Freispruch verlangt. Sie führte aus, es gehe in dem Fall um die grundsätzliche Frage der Medienfreiheit und den Schutz der Recherche. Der Augenschein im Gebäude sei ein angemessenes Mittel gewesen, um objektiv über die Besetzung zu berichten. Das Hausrecht der Eigentümerschaft sei nur minimal tangiert worden.

Dies sah der Anwalt der Hausbesitzerin, der Bodum Invest AG, anders. Er forderte eine bedingte Strafe von mindestens 20 Tagessätzen und eine Busse. Die Journalistin könne für sich keine Sonderrechte in Anspruch nehmen. Sie hätte auch anderweitig über die Besetzung berichten können. Er betonte, es sei am Eigentümer zu entscheiden, wer sich auf seinem Grundstück aufhalten dürfe.

Journalistin recherchierte bei Gundula-Besetzung

Die seit längerer Zeit leerstehende Villa in Luzern war im April 2016 von einer Gruppierung namens «Gundula» besetzt worden. Das Haus an der Obergrundstrasse war 1891 erbaut worden und ist als erhaltenswert eingestuft.

Avanzini arbeitete damals für das Onlineportal «Zentralplus». Sie sagte vor dem Kantonsgericht, sie habe eine Reportage schreiben wollen, um zu zeigen, was in dem Haus vorgehe und wie es dort aussehe. Es habe über den Zustand der Villa unterschiedliche Aussagen gegeben. So warfen die Besetzer der Bodum Invest AG vor, die Villa verfallen zu lassen, um sie abreissen zu können. (sda/pit)

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40Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • insert_brain_here 02.04.2020 14:23
    Highlight Highlight Frage an die Juristen: Artikel 186 StGB benennt Hausfriedensbruch als "wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus...unrechtmässig eindringt". Kann von unrechtmässigem Eindringen die Rede sein, wenn eine Journalistin von sich in einem Haus aufhaltenden Personen eingeladen wird?
  • Big-Blue 02.04.2020 10:58
    Highlight Highlight Dies war 2016 und auch 2020 steht die Villa immer noch leer und gammelt vor sich hin, nur damit sie nicht saniert werden muss... Danach abreissen und einen teuren Neubauklotz mit viel Rendite bauen ist das Ziel. Dies weiss man eigentlich alles schon seit mind. 5 Jahren, aber es scheint niemand zu interessieren...
  • Mehmed 02.04.2020 10:51
    Highlight Highlight Hausbesetzer dürfen, Journalisten nicht. Wer hat uns bloss diese verlogene Doppelmoral im Strafrecht gebracht.
    • insert_brain_here 02.04.2020 14:00
      Highlight Highlight Es ist ein bisschen kompliziert. Zuerst einmal ist Hausfriedensbruch ein Antragsdelikt, ohne Anzeige wird also auch kein Gericht tätig. Ob die Hausbesetzer in diesem Fall angezeigt wurden weiss ich nicht. Dann muss der Ankläger vor Gericht die Sachlage beweisen, schwierig wenn Hausbesetzer abstreiten, einfach wenn eine Journalistin ganz offen in einem Artikel quasi ein Geständnis ablegt.
  • Blue Sun 02.04.2020 10:38
    Highlight Highlight Das ist eine ganz miese Nummer die hier Abgezogen wird!
    Dieser Feine Herr lässt alle Verklagen die sein Mieses Spiel Aufzeigten. Er Kaufte die Häuser zu einem günstigen Preis, da diese unter Denkmalschutz standen. Er hat nie die Absicht da einzuziehen, zu Vermieten oder sonst etwas Positives. Nein, es geht nur darum das diese Häuser möglich schnell so Verlottert sind das er Profit mit Neubauten machen kann! Wenn das so geht, kann man Denkmalschutz gleich abschaffen!
    Was der Herr will, ist ein Exemple dass wer Geld hat kann alle Verklagen und so zum Schweigen bringen. Seine Tat wird Legalisiert
    • insert_brain_here 02.04.2020 13:24
      Highlight Highlight Es liegt jetzt an den Luzerner Bürger darauf zu achten, dass ihre Exekutive den Denkmalschutz durchsetzt und nicht....aus im Nachhinein nicht mehr rekonstruierbaren Gründen...vergisst sich darum zu kümmern. In meinem ehemaligen Wohnort hat ein Spekulant das gleiche Spiel mit einem zentral gelegenen alten Bauernhaus versucht, die Anwohner haben dann mitgekriegt wie an tragenden Mauern und Gebälk hantiert wurde, das Gebäude wollte wohl von sich aus nicht schnell genug einstürzen. Die verständigte kantonale Denkmalpflege hat einen Bauunternehmen mit der Sicherung beauftragt - auf seine Kosten
    • Blue Sun 02.04.2020 14:36
      Highlight Highlight @Insert_Brain_here

      Das war ja auch der Grund der Hausbesetzung. Es ging nur darum auf den Umstand Aufmerksam zu machen. Die Besetzung war nur einige Tage. Bis es in den Medien war. Die Gemeinde und vorallem die für Bauwesen Verantwortliche Dame wollte schon die Erlaubniss für den Abriss geben. Aber die Besetzung hat dies Verhindert.
    • insert_brain_here 02.04.2020 17:09
      Highlight Highlight Die für das Bauwesen verantwortliche Dame hatte nicht zufällig einen völlig unverhofften Vermögenszuwachs? Asking for a friend...
  • SusiBlue 02.04.2020 09:38
    Highlight Highlight Wiedermal ein Artikel, der spannend sein könnte aber leider abrupt endet. 🤬
  • pixelqueen 02.04.2020 09:05
    Highlight Highlight Dass die ehemals wunderschöne Villa weiterhin leersteht und vergammelt, ist das eigentliche Verbrechen. Mir blutet jedes Mal das Herz, wenn ich daran vorbeigehen.
  • Raphael Stein 01.04.2020 22:51
  • geissenpetrov 01.04.2020 22:49
    Highlight Highlight Wer sich in diesem Land mit Banken oder Immobilienspekulanten anlegt, dem werden klar die Grenzen aufgezeigt.
    Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.
    • stef1885 02.04.2020 09:24
      Highlight Highlight Obwohl die "bösen" Banken mit diesem Fall gar nichts zu tun haben, bashen wir diese doch auch gleich mit... Geht ja "i eim zue" 🤦‍♂️
    • geissenpetrov 02.04.2020 17:18
      Highlight Highlight Banken und Immobilienspekulanten haben mehrere Gemeinsamkeiten.

      1. Beide erzielen durch ihre Tätigkeit keinerlei Wertschöpfung. Sie machen lediglich aus Kapital noch mehr Kapital. Dies auf Kosten jener, die einer Arbeit nachgehen.

      2. Sie sind mächtige Player, stellen grosse Lobbies in Bundesbern, besitzen Verlage. Sprich, sie unterminieren die Demokratie.

      3. Selbst die kleinste Kritik wird mundtot gemacht. Siehe Besetzung Paradeplatz, Klimastreik, diesen Artikel, ...
    • stef1885 03.04.2020 09:39
      Highlight Highlight 1. "9,4% der Bruttowertschöpfung gehen direkt auf den Finanzsektor zurück, indirekt sind es 12,4%." [swissbanking.org] (ist eine Bankenquelle, aber trotzdem glaubwürdig).

      2. Ebenfalls auch die Landwirtschaft, Umweltverbände, Wirtschaftsprüfer etc.

      3. Eben nicht: Es gibt eine gerichtliche Aufarbeitung nach den geltenden Gesetzen die sich auch in der medialen Berichterstattung niederschlägt. Der öffentliche Diskurs wird genau in diesen Fällen gelebt.

      Ihre Aussage, dass Macht korrumpiert, unterstütze ich ausnahmslos. Bei der Definition von Macht sind wir uns offenbar nicht einig.

  • Bivio 01.04.2020 22:24
    Highlight Highlight @Point & glass9876
    Bei einer Straftat wie Hasufriedensbruch machen sich alle strafbar, welche sich unerlaubterweise in die Liegenschaft Zutritt verschaft hatten. Egal ob schon jemand anderes dort war oder nicht.
    Ebenfalls wäre eine Berichtererstattung möglich gewesen ohne selber in das Haus zu gehen.
    Die Frage warum es zu einem 2. Prozess gekommen ist, weiss ich nicht. Es könnte aber auch sein, dass die Journalistin dies wollte und sich nicht aussergerichtlich einigen wollte.
    Wer weitere Infos möchte kann diese auf zentralplus.ch nachlesen. Dort ist die Sache sehr detailiert dargestellt.
    • Neruda 02.04.2020 10:32
      Highlight Highlight Den Vorwurf, die Villa werde extra verfallen gelassen, kann man wohl kaum vom Gartenzaun her beurteilen. Und ich finde dies als Bürger doch wichtig, steht die Villa unter Denkmalschutz. Das hat auch ein Millionär zu akzeptieren.
    • stef1885 03.04.2020 09:45
      Highlight Highlight @Neruda:
      "Den Vorwurf, die Villa werde extra verfallen gelassen, kann man wohl kaum vom Gartenzaun her beurteilen."
      Ob der Eigentümer die Villa "extra", also mit Absicht verfallen lässt, kann man auch vom Innern des Gebäudes nicht feststellen. Vom Gartenzaun her kann man diesbezüglich genau gleichviel beurteilen wie vom Innern des Gebäudes.
  • circumspectat animo 01.04.2020 22:16
    Highlight Highlight Dann würden sich ja auch Journalisten des Landfriedensbruchs schuldig machen, wenn sie an einer gewallttätigen Demonstration berichten.
    • Tavares 02.04.2020 06:40
      Highlight Highlight Nein, weil die Demo (vermutlich) auf einem öffentlichen Platz stattfindet. Schuldig in deinem Beispiel wäre die Journalistin nur, wenn sie an der Demo Steine wirft, weil sie das mal ausprobieren wollte, wie sich das anfühlt.

      Hier haben sich die Besetzer dem Hausfriedensbruchs schuldig gemacht, aber deswegen darf es nicht noch ein Dritter auch machen.
    • circumspectat animo 02.04.2020 10:54
      Highlight Highlight Aber wenn sich jemand innerhalb einer Demo aufhält und keine Steine wirft wird er auch wegen Landfriedensbruchs verurteilt.
  • glass9876 01.04.2020 18:29
    Highlight Highlight Aus meiner Sicht eine klarer Verstoss gegen die Pressefreiheit. Durch den Besuch der Journalistin wurde das besetzte Haus nicht besetzter, als es bereits war.
    • Hierundjetzt 01.04.2020 18:50
      Highlight Highlight Nein. Das Eigentumsrecht des Besitzers geht vor.

      Wie es im Haus aussieht, hätte man ja auch per FaceTime eruieren können.

      Trotzdem: vieles steht im Artikel nicht, warum musste Sie dorthin, wie erfolgte die Anzeige etc etc
    • Gummibär 01.04.2020 19:31
      Highlight Highlight Die Bodum Invest AG hat es dieser Journalistin aber gezeigt ! 500 Franken Busse .

      Jetzt müsste nur noch die Bodum Invest AG gebüßt werden weil sie wegen einer Bagatelle einen völlig unnötigen Gerichtsprozess in Gang gebracht hat.
    • GreendayBoy88 02.04.2020 06:22
      Highlight Highlight Hausfriedensbruch ist keine Bagatelle!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Power # Point 01.04.2020 18:18
    Highlight Highlight Meine Frage an den Besitzer; warum konnte man sich nicht anderweitig einigen, u. dann eine außergerichtliche Einigung gemacht, um dann die Angelegenheit friedlich beizulegen!?

    Das hätte beiden Parteien viel Mühe und Aufwand erspart, u. vermeidbare unangenehme Aufsehen erspart.
    • Binnennomade 01.04.2020 23:11
      Highlight Highlight Die Frage ist - warum wurde überhaupt Anzeige erstattet gegen eine Journalistin, die 1-2h in der Villa war? Hat sie zu positiv über die Besetzung geschrieben? Völlig lächerlich..
    • PeteZahad 02.04.2020 07:33
      Highlight Highlight Frage zurück: Wäre die Journalistin zu einer aussergerichtlichen Einigung bereit gewesen oder überzeugt einen Freispruch zu erhalten.
    • GreendayBoy88 02.04.2020 07:41
      Highlight Highlight @Binnennomade ich komme einmal so 1-2 Stunden, ohne zu Fragen in deine Wohnung. Völlig easy oder?
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