Türkei - Russland: Russland und Türkei lassen Konflikt weiter eskalieren

27.11.15, 17:40

Im Streit über den Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges durch die Türkei ist der Versuch einer Deeskalation misslungen. Der russische Präsident Wladimir Putin verweigerte bisher einen direkten Kontakt zu seinem Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan.

Die Türkei hatte am Dienstag einen russischen Kampfjet abgeschossen, der nach Darstellung der Regierung in Ankara den Luftraum verletzt hatte. Russland weist dies zurück und hat erklärt, die Maschine habe sich in Syrien aufgehalten.

Erdogan warnte die Regierung in Moskau am Freitag in einer Rede vor einem «Spiel mit dem Feuer». Er sei dagegen, den Konflikt auf andere Gebiete der zwischenstaatlichen Beziehungen auszudehnen, sagte er.

Zugleich betonte Erdogan aber, er wolle die Beziehungen zu Russland nicht beschädigen. Er habe «einige Zeit» nach dem Abschuss des Jets im Kreml angerufen, aber keinen Rückruf erhalten. Möglicherweise werde er mit Putin auf dem Klimagipfel in Paris am Montag sprechen.

Visafreiheit ab 2016 aufgehoben

Russland verschärfte derweil die Massnahmen gegen die Türkei. Aussenminister Sergej Lawrow kündigte an, die Visafreiheit mit der Türkei vom 1. Januar 2016 an aufzuheben. Russische Bürger seien in der Türkei gefährdet, so Lawrow. Die Regierung in Moskau wollte am (morgigen) Samstag weitere Sanktionen gegen Ankara bekanntgeben.

Die russische Regierung hatte zuvor bereits gedroht, den Türkei-Tourismus einzuschränken, was für das Land am Bosporus teuer werden dürfte. Der visafreien Reiseverkehr zwischen beiden Ländern war im April 2011 in Kraft getreten und vor allem von Touristen genutzt worden. Zuletzt reisten jährlich etwa vier Millionen Russen in die Türkei. Eine Eskalation gegenseitiger Wirtschaftssanktionen dürfte aber beide Schwellenländer hart treffen.

Angriffe auf IS ausgesetzt?

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern waren bereits vor dem Abschuss angespannt, weil Russland ein wichtiger Verbündeter des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad ist. Erdogan will ihn dagegen stürzen.

Der UNO-Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, kritisierte, der Abschuss helfe nicht bei den internationalen Bemühungen um eine Friedenslösung für Syrien. «Wahrscheinlich wird es diese verkomplizieren», sagte er in Stockholm.

Türkischen Medienberichten zufolge hat das NATO-Mitglied Türkei seine Luftangriffe gegen den IS in Syrien nach dem Abschuss des russischen Kampfjets vorerst ausgesetzt. Wie die Zeitung «Hürriyet» unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, sollen damit «weitere Krisen» vermieden werden.

Die Entscheidung sei in Abstimmung mit Russland getroffen worden. Von Regierungsseite gab es auf Nachfrage keine Stellungnahme zu dem Bericht. (sda/reu/dpa/afp)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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