Region Mittelland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Verhaftete Aargauer Grossmutter nach der Entführung ihrer Enkelin: «Anna reagierte mit wahnsinniger Angst, mit Weinen und Schreien»

Die Aargauer Grossmutter Martina Hess, die mit ihrer Enkelin (9) in Südfrankreich untergetaucht war, erzählt im Skype-Interview, wie die Verhaftung ablief. Wo sich ihre Enkelin befindet, weiss sie nicht. Ihre Tat bereue sie nicht – aber sie finde sie auch nicht gut.

Till Burgherr, Mario Fuchs



Ein Artikel der

Aargauer Grossmutter

Martina Hess Im Skype-Interview am Montagabend. screenshot

Frau Hess, wie geht es Ihnen?
Danke, mir geht es gut. Das ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist, wie es Anna* geht. 

Wie geht es ihr?
Sie wurde von mir getrennt, als ich verhaftet wurde. Seither weiss ich nicht mehr, wo sie ist. Und so weit ich informiert bin, weiss auch mein Sohn nicht, wo sie ist. 

Wie wurden Sie von der Polizei gefunden?
Ich weiss nicht, wieso sie uns gefunden haben. Aber sie haben uns verhaftet – allerdings sehr freundlich, das muss ich sagen – und haben mich dann sofort vom Kind getrennt. 

Wie lief die Verhaftung ab? Wurden Sie in Handschellen gelegt?
Nein. Es kamen sechs Polizisten. Wir hatten geplant, dass wir uns – wenn wir gefunden werden – sofort und kampflos ergeben. In zwei Polizeiautos wurden wir in den nächsten Provinzhauptort gebracht. Dort wurde das Verfahren begonnen, wie es läuft, wenn man in Untersuchungshaft kommt. 

Wie ging es danach weiter?
Ich wurde in Gefangenschaft gesetzt und nach zwei Tagen dem Staatsanwalt vorgeführt. Er verfügte, dass ich in Frankreich bleiben und mich jeden zweiten Tag bei der Polizei melden müsse, dafür aber privat wohnen dürfe. 

Wie hat Anna auf die Verhaftung reagiert?
Mit wahnsinniger Angst, mit Weinen und Schreien. Danach wirkte sie depressiv, weil sie dachte, sie werde jetzt sofort nach Mexiko ausgeschafft, was ja ihr grosser Albtraum ist. Danach beruhigte sie sich aber im Verlauf der Fahrt. Die Polizisten haben sie sehr freundlich behandelt. Sie haben einfach ihre Pflicht getan. 

Wissen Sie, was mit Anna nach der Verhaftung passierte?
Ich habe gehört, dass sie hier in Frankreich in ein Kinderheim und später in die Schweiz gebracht wurde. Das habe ich aber nur gehört, wissen tu ich nichts mehr. 

Wie stehen Sie im Nachhinein zu Ihrer Tat? Bereuen Sie sie?
Weder bereue ich sie, noch finde ich sie gut. Ich habe es notwendig gefunden und finde es weiterhin notwendig, und stehe voll dazu, inklusive sämtlicher Konsequenzen. 

Was sind das für Konsequenzen?
Ich bin keine Juristin. Ich kann nur im Strafgesetzbuch nachlesen, welche Strafen auf Entführung stehen. Allerdings war das für mich keine Entführung, sondern mein gutes Recht als Mensch und als Christin und als Grossmutter, dieses Kind in Sicherheit zu bringen. Wenn die Behörden das anders einstufen, kann das eine längere Gefängnisstrafe zur Folge haben. 

Das würden Sie in Kauf nehmen?
Selbstverständlich. Ich wusste von Anfang an, dass ich das riskiere. Ich habe weder überstürzt noch in Unkenntnis der Sachlage gehandelt. Sondern nur wegen der Notwendigkeit. Wörtlich: Not wenden. 

Machen Sie sich Sorgen um Ihre Enkelin?
Ich mache mir grosse Sorgen um sie. Ich kann mit meinem bescheidenen Rechtsverständnis nicht verstehen, wie man ein Kind von meinem Sohn fernhalten kann, ohne ihn überhaupt zu informieren, ohne ihn es besuchen zu lassen. Ich befürchte auch, dass die Mutter unbeschränkten Zugang hat. 

Wie geht es für Sie jetzt weiter?
Was mich selbst angeht, habe ich keine Angst und keine Bedenken. Ich muss hier warten, bis ein Gericht zusammentritt. Es wird entscheiden, ob ich an die Schweiz ausgeliefert werde oder ob man mich freilässt. Ich nehme an, das wird mindestens zehn Tage dauern, wahrscheinlich eher länger. Mein Ziel ist, möglichst schnell in die Schweiz zurückzukehren, wo meine Familie ist. 

Haben Sie derzeit Kontakt zu Ihrer Familie?
Mit meinem Sohn habe ich via Skype regelmässig Kontakt. Mit meiner Mutter, die 87 ist und sich grosse Sorgen macht, habe ich via Telefon Kontakt. 

 * Name geändert

Das Interview wurde geführt in Zusammenarbeit mit Tele M1.

Das könnte dich auch interessieren:

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel

Biden, Warren oder Sanders? Das Rennen der Demokraten wird zum Dreikampf

Link zum Artikel

Jack Ma tritt als Alibabas Vorsitzender offiziell zurück, aber ...

Link zum Artikel

Das sind die 50 besten Spieler in «FIFA 20» – Piemonte Calcio zweimal in den Top 15

Link zum Artikel

12 neue Serien, auf die du dich im Herbst freuen kannst

Link zum Artikel

In China sind gerade 100 Millionen Schweine gestorben – das musst du wissen

Link zum Artikel

Hat Bill Gates ein schmutziges Geheimnis?

Link zum Artikel

In Jerusalem verschwinden hunderte Katzen auf mysteriöse Weise – was ist bloss los?

Link zum Artikel

«... dann laufen sie hier 3 Tage besoffen mit geklauten Stadion-Dingen rum»

Link zum Artikel

Mit 16 der jüngste Torschütze in Barças Klub-Geschichte – 8 Fakten zu Ansu Fati

Link zum Artikel

Boris Johnson verliert wegen eines Überläufers die Mehrheit und ist jetzt in argen Nöten

Link zum Artikel

Erneut wüste Szenen bei Protesten in Hongkong

Link zum Artikel

Xherdan Shaqiris Alleingang ist ein fatales Zeichen

Link zum Artikel

Auch Android und Windows von massivem Hackerangriff betroffen – was wir bislang wissen

Link zum Artikel

«Diese Wahlen widerlegen eine oft genannte These über die AfD»

Link zum Artikel

Wawrinka über Djokovic: «Dass er den Platz so verlassen muss, ist natürlich nicht schön»

Link zum Artikel

«Soll ich die offene Beziehung mit dem 10 Jahre Älteren beenden?»

Link zum Artikel

Messi darf Barça ablösefrei verlassen +++ Pa Modou wieder beim FC Zürich

Link zum Artikel

Kim Tschopp zeigt den grossen Unterschied zwischen Realität und Instagram

Link zum Artikel

Wie viel Schweizer Parteien auf Facebook ausgeben – und warum wir das wissen

Link zum Artikel

Der Roadie, der mich Backstage liebte (und mir biz Haare ausriss)

Link zum Artikel

Für Huawei kommts knüppeldick – neue Handys müssen auf Google-Apps verzichten, sagt Google

Link zum Artikel

Die Hockey-WM lehnt den «Eisenbahn-Deal» ab – und das ist schlicht lächerlich

Link zum Artikel

Netflix bringt 10 Filme in die Kinos – und die hören sich grossartig an

Link zum Artikel

Verrückt, aber wahr – Stuckis Sieg, der keiner war

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Alpiq-Lobbyisten drohen «Basler Zeitung» mit Strafklage

Der ehemalige Lobbyist und heutige BaZ-Journalist Dominik Feusi hat die Strategie der Lobbying-Firma Hirzel Neef Schmid Konsulenten zur Verstaatlichung maroder Atomkraftwerke veröffentlicht. Nun drohen die Konsulenten der BaZ mit Strafklage. 

Die Kommunikations- und Lobbyingagentur Hirzel Neef Schmid hat einen der versiertesten Medienanwälte der Schweiz engagiert, um gegen die Veröffentlichung eines ihrer Strategiepapiere vorzugehen. 

Der Zürcher Anwalt Andreas Meili soll die Verbreitung des Alpiq-Konzepts im Internet rückgängig machen. Das Strategiepapier zeigt auf, mit welchem Vorgehen Hirzel Neef Schmid die Verstaatlichung unrentabler Atomkraftwerke erreichen wollte. Dazu hat er gestern dem BaZ-Journalisten Dominik Feusi …

Artikel lesen
Link zum Artikel