Deutschland
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epa05519834 Steffen Seibert, spokesman of the German government, speaks to the press in Berlin, Germany, 02 September 2016. Seibert on behalf of the German government has dismissed reports that the German government was distancing itself from the so-called Armenia resolution adopted by the Germany Bundestag parliament on 02 June 2016. In the resoultion, the German parliament named the 1915/16 massacre of the Armenians by the Ottoman Empire as genocide.  EPA/KAY NIETFELD

Steffen Seibert, Sprecher der deutschen Regierung: «Von einer Distanzierung kann keine Rede sein.» Bild: EPA/DPA

Deutsche Regierung distanziert sich von der Distanzierung von der Armenien-Resolution

Die deutsche Regierung hat mit Blick auf die Kritik der Türkei betont, dass die Armenien-Resolution des Bundestags rechtlich nicht bindend ist. Als Distanzierung will sie dies aber nicht verstanden wissen.



«Der deutsche Bundestag hat natürlich jedes Recht und die Freiheit, sich zu politischen Fragen zu äussern», sagte Aussenminister Frank-Walter Steinmeier am Freitag in Berlin. «Der Bundestag sagt aber auch selbst, dass nicht jeder Resolution eine rechtliche Bindewirkung zugrunde liegt.»

«Davon kann überhaupt keine Rede sein.»

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte aber, dass sich die Regierung von der Resolution nicht distanziere. «Davon kann überhaupt keine Rede sein.» Der Bundestag habe das Recht und die Möglichkeit, sich zu jedem Thema zu äussern, wann immer er das für richtig halte. «Und die Bundesregierung unterstützt und verteidigt dieses souveräne Recht der deutschen Volksvertretung.»

In der Resolution wird die Vertreibung und systematische Tötung von weit über einer Million Armeniern zur Zeit des Osmanischen Reiches 1915 als Völkermord bezeichnet. Die türkische Regierung, die den Völkermord bis heute abstreitet, verurteilte den Beschluss scharf.

Sie fordert von der deutschen Regierung eine Distanzierung und hat dies mit dem Besuchsrecht deutscher Parlamentarier bei den Bundeswehr-Soldaten auf dem NATO-Stützpunkt Incirlik verknüpft, das sie derzeit verweigert.

«Spiegel Online» hatte berichtet, Auswärtiges Amt und Kanzleramt hätten sich darauf geeinigt, dass Regierungssprecher Seibert vor die Presse treten werde, um sich von der Resolution zu distanzieren, damit die türkische Regierung Bundestagsabgeordneten wieder ein Besuchsrecht in Incirlik gewähre.

Berichte hatten Irritationen ausgelöst

In der CDU/CSU-Fraktion hatten die Berichte von «Spiegel Online» Irritationen ausgelöst. «Die Position der Unionsfraktion bleibt unverändert», sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stephan Harbarth am Freitag vor Beginn einer Sitzung des Vorstands in Berlin.

Im Vorstand der Fraktion hiess es, eine Distanzierung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel wäre «das völlig falsche Signal» an den türkischen Präsidenten Tayyip Recep Erdogan, der vor allem türkischstämmige Bundestagsabgeordnete nach der Resolution persönlich angegriffen hatte.

Merkel, die auch Bundestagsabgeordnete ist, hatte zwar an der Abstimmung im Parlament nicht teilgenommen, bei der vorherigen Probeabstimmung in der Fraktion aber mit den Abgeordneten für die Resolution gestimmt. Eine Regierungssprecherin hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Merkel die Resolution unterstützt habe.

Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel und Aussenminister Steinmeier nahmen an der Bundestagsabstimmung nicht teil. In der deutschen Regierung hatte man damals keinen Hehl daraus gemacht, dass man den Zeitpunkt der Resolution auch mit Blick auf das EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen als unglücklich ansah.

Diplomatische Abstimmungen

In den vergangenen Tagen hatte es zahlreiche diplomatische Abstimmungen zwischen den Regierungen in Ankara und Berlin gegeben. Auch der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, besuchte die Türkei.

Dabei war der türkischen Regierung nach Diplomatenangaben nicht nur erklärt worden, dass die Armenien-Resolution für den Bundestag nicht nur keine rechtlichen Folgewirkungen habe, sondern auch einen wichtigen innerdeutschen Aspekt hat. Denn das Deutsche Reich war 1915 Verbündeter des Osmanischen Reiches. (wst/sda/dpa/reu/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hammerschlegel 02.09.2016 15:00
    Highlight Highlight So ein Gugus! Jetzt hat sich also die Deutsche Regierung trotzallem erpressen lassen, obwohl die Türkei den Zugang von Abgeordneten zur NATO Basis widerrechtlich verunmöglichte. Jetzt soll noch jemand sagen, dass Deutschland bzw. die EU vor der Türkei nicht kuscht und Erdogan die Merkel nicht bei "the balls" hat!
    • AdiB 02.09.2016 18:02
      Highlight Highlight Erdogan ist nicht blöd. Er nutzt seine position aus. Und als 2 stärkste natomacht kann er sich schon einiges erlauben. Denn ein austritt der türkei aus der nato wäre für die eu ein desaster. Dazu kommt noch die angst dass sich die türkei mit russland verbünden könnte. Diese szenario darf für die eu und nato nie zustande kommen.

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