Mindestens 72 Tote bei IS-Anschlag auf Sufi-Schrein in Pakistan

16.02.17, 19:12

Bei einem der schwersten Terroranschläge in der Geschichte Pakistans sind mindestens 72 Menschen getötet worden. Ein Selbstmordattentäter hatte sich nach Polizeiangaben inmitten eines grossen Schreins liberaler Sufi-Muslime in die Luft gesprengt.

Bis zu 250 weitere Menschen seien verletzt worden, berichtete der Sender Geo TV am Donnerstag unter Berufung auf den Polizeichef der Provinz Sindh, Allahdino Khawaja. Dieser sprach von einem Selbstmordanschlag. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich.

Zunächst rief ein IS-Kommandant pakistanische Journalisten an, kurze Zeit darauf veröffentlichte die IS-Propagandaagentur Amak eine schriftliche Stellungnahme. In der hiess es, ein Selbstmordattentäter des IS habe seine Sprengstoffweste inmitten einer schiitischen Menschenmenge in die Luft gesprengt.

Die sunnitische IS-Miliz ist früher bereits ähnlich vorgegangen. Manchmal haben allerdings auch andere Extremistengruppen die vom IS reklamierten Anschläge für sich beansprucht.

Laut pakistanischer Regierung hat der IS im Land keine Organisationsstruktur. In einer Erklärung der Armee hiess es, «feindliche Mächte» ordneten Terroranschläge in Pakistan an, die dann von sicheren Häfen in Afghanistan aus durchgeführt würden.

Zu liberal für Islamisten

Der bekannte, im 14. Jahrhundert erbaute Lal Shahbaz Qalandar-Schrein in Sehwan ist jede Woche ein Anziehungspunkt für Tausende Gläubige. Die Bombe soll während eines traditionellen Sufi-Tanzes im Hof des Schreins explodiert sein. Die Zeitung «Dawn» berichtete, der Tempel sei donnerstags besonders gut besucht.

Der Sufi-Zweig im Islam ist sunnitischen islamistischen Gruppen ein Dorn im Auge. Es gibt in Pakistan regelmässig Anschläge auf Sufi-Stätten. Zuletzt waren im November bei einem Anschlag auf einen Schrein in Baluchistan mindestens 52 Menschen getötet worden.

Der Anschlag war der jüngste in einer ganzen Serie. Allein seit Montag sind nun mindestens 94 Menschen als Folge von Anschlägen getötet worden. Die meisten hat die Gruppe Jamaat ul-Ahrar für sich reklamiert. Sie kündigte weitere Anschläge an.

Nach zwei relativ ruhigen Jahren ist diese neue Gewaltwelle ein Schock für Pakistan. Nach massiven Militäroffensiven gegen Taliban und andere Terrorgruppen ab 2014 war die Zahl der Anschläge und ihrer Opfer in Pakistan für eine Weile stark zurückgegangen. (sda/dpa)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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