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Ein Warnsignal aus Virginia: Bittere Niederlage für Trumps Republikaner

Die Demokraten gewinnen in zwei Bundesstaaten und in New York wichtige Wahlen - vor allem ihr Erfolg in Virginia ist ein Warnsignal für Donald Trump.

08.11.17, 07:11

Roland Nelles, Washington



Ein Artikel von

Ed Gillespie hat alles versucht. Der Spitzenkandidat der Republikaner bei der Gouverneurswahl in Virginia hat gegen Migranten gewettert, vor Latino-Banden gewarnt und schärfere Waffengesetze verteufelt. Kurz gesagt: Er hat einen Wahlkampf geführt wie Donald Trump. Es hat ihm trotzdem nichts gebracht. Er musste sich seinem Rivalen von den Demokraten, Ralph Northam, geschlagen geben.

Ausgerechnet zum Jahrestag der Wahl von Trump zum US-Präsidenten verlieren die Republikaner gleich bei drei wichtigen Entscheidungen. Wie in Virginia konnten sich auch bei der Bürgermeisterwahl in New York und bei der Gouverneurswahl in New Jersey die Kandidaten der Demokraten durchsetzen. In New Jersey gewann der frühere US-Botschafter in Berlin, Phil Murphy klar, in der Millionenmetropole New York verteidigte Bürgermeister Bill de Blasio sein Amt. Er wurde für weitere vier Jahre gewählt.

Virginia Gov.-elect Ralph Northam walks onstage to celebrate his election at the Northam For Governor election night party at George Mason University in Fairfax, Va., Tuesday, Nov. 7, 2017. (AP Photo/Cliff Owen)

Wahlsieger Ralph Northam Bild: AP/FR170079 AP

Die Niederlage in Virginia ist für Trump und seine Republikaner besonders ärgerlich. New York und New Jersey gelten schon seit einiger Zeit als Hochburgen der Demokraten, hier waren ihre Siege erwartet worden. Doch in Virginia hatten sich die Republikaner eigentlich einen Erfolg erhofft.

Der Bundestaat südlich der Hauptstadt Washington war früher eine Republikaner-Hochburg, ist inzwischen aber ein so genannter «Purpel State», ohne klare politische Einfärbung. Hier gewinnen mal die Republikaner (Rot), mal die Demokraten (Blau). Bei der Präsidentschaftswahl konnte Hillary Clinton den Staat gewinnen. Zuletzt hatten die Umfragen hier bei der Gouverneurswahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhergesagt.

Die Demokraten hoffen auf Rückenwind

Wohlweislich hatten die Demokraten die Abstimmung in Virginia schon vorher zur Test-Wahl über die Präsidentschaft von Donald Trump ausgerufen. Kandidat Northam nannte ihn einen «narzisstischen Wahnsinnigen». Trump und seine Republikaner wiederum wollten Virginia gewinnen, um dies dann als klare Unterstützung für ihren politischen Kurs in Washington zu feiern.

Democrat Phil Murphy exits the polling booth with his youngest son Sam, after voting at the Fairview School on Tuesday, Nov. 7, 2017 in Middletown, N.J.  Murphy is facing Republican Lt. Gov. Kim Guadagnoto to replace Gov. Chris Christie, the two-term, term-limited incumbent.   (Bob Karp/The Daily Record via AP)

Wahlsieger Phil Murphy Bild: AP/The Daily Record

Daraus wird nun nichts. Das Ergebnis fiel mit 54 zu 45 Prozent sehr klar aus. Die Demokraten fühlen sich nun beschwingt, zuletzt hatten sie wenig politisches Glück. Sie hoffen auf Rückenwind für die wichtigen «Midterm»-Wahlen im nächsten Jahr. Dabei werden alle 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses und ein Drittel der 100 Senatoren neu gewählt. Die Demokraten hoffen, dass sie die Mehrheit der Republikaner in mindestens einem der beiden Häuser knacken können. So wollen sie die politische Agenda von Trump ausbremsen.

epa06314804 New York City Mayor Bill de Blasio acknowledges a crowd of supports as he takes the stage to celebrate his re-election during an event at the Brooklyn Museum in Brooklyn, New York, USA, 07 November 2017. According to media reports on 07 November 2017, New York Mayor Bill de Blasio was re-elected for a second term as mayor of New York City, defeating challenger Nicole Malliotakis, a Republican Assemblywoman.  EPA/JUSTIN LANE

Wahlsieger Bill de Blasio Bild: EPA/EPA

Fest steht: Die Demokraten konnten ihre Anhängerschaft wohl besser mobilisieren als die Republikaner. Offenbar motivierte sie die Aussicht, Präsident Trump ein Jahr nach seiner Wahl einen Denkzettel erteilen zu können. Das ist eine gute Nachricht für die Demokraten, denn die Mobilisierung könnte auch bei den Abstimmungen im kommenden Jahr die entscheidende Rolle spielen. Wenn es die Demokraten schaffen, auch da die Anti-Trump-Stimmung in Teilen der Bevölkerung zu nutzen, könnten sie Erfolg haben.

Die Trump-Masche zog diesmal nicht

Für Donald Trump muss der Wahlausgang hingegen ein Warnsignal sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Kandidat Gillespie ist kein echter Trump-Mann, sondern eher ein klassischer Establishment-Republikaner, der auch auf einen Auftritt von Trump im Wahlkampf verzichtete. Er hatte zuletzt aber sehr ähnlich wie Trump agiert. Seinen Rivalen Northam attackierte er scharf, warf ihm in Werbespots vor, Pädophile zu unterstützen. Gerade die Trump-Wähler in den ländlichen Gebieten blieben wohl trotzdem reihenweise zu Hause. Für die «Midterm»-Wahlen ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen.

Das weiss natürlich auch Trump. Deshalb beeilte er sich, die Ergebnisse der Wahlen klein zu reden. Zu Kandidat Gillespie, den er vor der Wahl noch in höchsten Tönen gelobt hatte, ging er sofort auf Distanz. Gillespie habe zwar hart gearbeitet, ihn, Trump, und seine Agenda aber nie wirklich «umarmt», twitterte der Präsident.

Und dann schob er ein grosses Versprechen an seine Partei nach, mal wieder: «Wir werden weiter gewinnen - sogar noch mehr als bisher.»

Die besten Tweets von Trump

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Molty 08.11.2017 11:53
    Highlight So tragisch für die Republikaner, wie hier im Artikel dargestellt, würde ich das Ergebnis nicht interpretieren. Clintons Mehrheit vor einem Jahr und Trumps Verhalten, das einen Positiven Effekt auf die Mobilisierung der Demokraten hat, liessen einen Sieg von Northam als gut möglich erscheinen.
    4 5 Melden
  • Urs-77 08.11.2017 08:37
    Highlight Und am Ende wird Trump für eine 2. Amtszeit gewählt...
    9 6 Melden
  • Mia_san_mia 08.11.2017 08:27
    Highlight Das sind nicht Trumps Republikaner.
    9 2 Melden
  • Wie funktioniert das...? 08.11.2017 08:12
    Highlight ..höchste Zeit!! Nimmt mich wunder, ob die Amerikaner es in meiner Lebenszeit noch schaffen, einen sog. anständigen/sauberen, sozialkompetenten Menschen in die Regierung zu installieren.
    7 2 Melden
  • dracului 08.11.2017 07:39
    Highlight Das ist leider keine Wende! Die USA ist tief gespalten und weder die Republikaner, noch die Demokraten zeigen Wege auf, wie sie diese Spaltung überwinden können. Die Fronten sind verhärteter denn je und der aktuelle Präsident treibt zudem einen riesigen Keil in die amerikanische Gesellschaft. Nur wer sein Parteiprogramm überwinden kann, könnte auch den Stillstand in der Entwicklung überwinden. Die Parteien haben nicht in allem Unrecht, aber die Bürger werden gezwungen Partei zu ergreifen und werden zum Sklaven einer einzigen Ideologie, welche nur teilweise das Beste ist für das Land.
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