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Bern's Head Coach Don Nachbaur,  during the friendly match of National League A (NLA) Swiss Championship 2020/21 between HC Ambri Piotta and HC Bern at the BiascArena in Biasca, Switzerland, Saturday, September 12, 2020. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Freiwilliger Abgang? Das Ende der kurzen Nachbaur-Ära endet beim SCB in einer Farce. Bild: keystone

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Die Nachbaur-Absetzung – oder wie beim SCB ein Meisterteam ruiniert wird

Noch nie in der Geschichte unseres Hockeys ist ein Meisterteam durch sportliche Misswirtschaft so gründlich ruiniert worden. Das Scheitern von Trainer Don Nachbaur ist bloss ein weiterer Höhepunkt einer Hockey-Operette, über die inzwischen ganz Hockey-Europa lacht.



SCB-Mitbesitzer Marc Lüthi hatte die Anstellung von Cheftrainer Don Nachbaur – der erste Personalentscheid seiner neuen Sportchefin Florence Schelling – über alle Massen gerühmt. Noch nie sei bei der Auswahl so gründlich vorgegangen worden.

Nach 14 Spielen (inklusive Cup) ist die Amtszeit des so professionell Auserwählten, der in der Brache als Operetten-Trainer gilt, schon zu Ende.

Einst war Marc Lüthi ein Grossmeister der geradlinigen Kommunikation. Nun kann er nicht einmal mehr sagen, was ist. Die Absetzung des überforderten Cheftrainers wird als eine Trennung «aus persönlichen Gründen», als Rücktritt des Trainers verkauft. Die Anstellung war schon eine Farce, nun endet das Arbeitsverhältnis mit einer Farce. Dahinter verbirgt sich eine ganz simple Amtsenthebung. Aber aus marketingtechnischen Gründen darf in Zeiten der Krise nicht von einer Trainerentlassung gesprochen werden. Weil die ja kostet. Marc Lüthi sagt, der Trainerwechsel sei «kostenneutral, Sie dürfen mich so zitieren.» Wer es glaubt, zahlt einen Taler.

Selbst in einer Saison ohne Absteiger und mit wahrlich anderen Sorgen als den sportlichen, in einer Saison, in der das Publikum Niederlagen akzeptiert wie nie zuvor seit der Einführung der Playoffs (1986), war dieser Trainer nicht mehr haltbar. Er hatte in der Kabine den Rückhalt verloren.

Was für ein Schauspiel!

Dieses absurde Trainertheater mag zeigen, in welch besorgniserregendem Zustand sich die sportliche Abteilung bei einer der wichtigsten Eishockeyfirmen Europas inzwischen befindet. Marc Lüthi weist alle Kritik an der sportlichen Führung als «billige Polemik» in aller Form zurück. Das ist die sportliche SCB-Tragik. Wie im Märchen mit dem Kaiser ohne Kleider so sieht der SCB-Mitbesitzer und -Manager nicht, dass seine sportliche Abteilung im Sinne dieses Märchens nackt dasteht. Weil es ihm niemand zu sagen wagt.

Die Konstellation ist geradezu grotesk. Sportchef Alex Chatelain ist als Sündenbock für den selbstverschuldeten sportlichen Rückschlag – der Meister verpasste die Playoffs 2020, die dann nicht stattgefunden haben – abgesetzt worden. Aber er ist geblieben und ist heute als «Schatten-Sportchef» der wichtigste Mitarbeiter seiner Nachfolgerin Florence Schelling.

Der neue Trainer des SC Bern, Mario Kogler, links, spricht mit SCB Strategic Sport Developer, Alex Chatelain, rechts, waehrend seinem ersten Training mit dem SC Bern, am Dienstag, 1. Dezember 2020 in der Postfinance Arena in Bern. Don Nachbaur hat dem SCB mitgeteilt, dass er sein Amt als Headcoach aus persoenlichen Gruenden per sofort niederlegt. Mario Kogler, bisher Cheftrainer des U20 Elite-Teams von SCB Future, uebernimmt ad interim die Position als Headcoach. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Interimstrainer Mario Kogler und Ex-Sportchef Alex Chatelain beobachten gemeinsam das SCB-Training. Bild: keystone

Neu übernimmt nun also Juniorentrainer Mario Kogler das Traineramt. Um es politisch unkorrekt und bösartig zu sagen: ein solche Trainer-Operette kann nur mit einem Österreicher in der Hauptrolle aufgeführt werden. Und ja, ausgerechnet Alex Chatelain hilft ein wenig bei der Beübung der Mannschaft und natürlich bleibt Assistent Alex Reinhard und – als Gipfel der Lächerlichkeit – steigt die NHL-Legende Mark Streit, Verwaltungsrat beim Verband und Klub-Mitbesitzer aufs Eis hernieder um in diesem Theater als «Skill Coach» als Komparse aufzutreten. Was für ein Schauspiel!

Zumindest ist der Unterhaltungswert maximal. Einst hat die Bernerin Anita Weyermann durch den Spruch «Gring ache u seckle» – es ging um das Erfolgsrezept als Läuferin – Kultstatus erlangt. Nun hat Florence Schelling gute Chancen, dass auch sie Kult wird. Mit der Aussage, es müsse etwas passieren nach der blamablen Heimniederlage gegen Langnau. Wahrlich prophetische Worte. Es ist seither etwas passiert bei SCB.

Der Niedergang einer formidablen Hockey-Firma

Der SC Bern mag in guten Zeiten mehr als 30 Millionen mit Gastronomie umsetzen. Der SCB mag eine grossartige «Marketing-Maschine» sein. Aber der SC Bern ist in erster Linie ein Sportunternehmen.

Erst wenn Marc Lüthi erkennt, dass in einem Sportunternehmen alles mit einer gut geführten Sportabteilung und einer erfolgreichen Mannschaft beginnt und endet, wird der SC Bern aus der hausgemachten Krise herauskommen.

SCB-Sportchefin Florence Schelling, links, und SCB CEO Marc Luethi, rechts, schauen das erste Training des neuen Trainers des SC Bern, Mario Kogler, an, am Dienstag, 1. Dezember 2020 in der Postfinance Arena in Bern. Don Nachbaur hat dem SCB mitgeteilt, dass er sein Amt als Headcoach aus persoenlichen Gruenden per sofort niederlegt. Mario Kogler, bisher Cheftrainer des U20 Elite-Teams von SCB Future, uebernimmt ad interim die Position als Headcoach. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Marc Lüthi und Florence Schelling orchestrieren das grosse SCB-Theater – ohne es zu merken. Bild: keystone

Was schlimmer ist als der sportliche Misserfolg: der SCB ist drauf und dran durch sportliches Missmanagement in wenigen Monaten den grossen Respekt zu verspielen, den diese grandiose Hockey-Firma über die Jahre europaweit aufgebaut hat.

Der hart erarbeitete Aufstieg und der selbstverschuldete Niedergang dieser formidablen Hockey-Firma – die beste, die dramatischste, ja die unglaublichste Geschichte der letzten 25 Jahre im Schweizer Mannschaftssport.

Beim SCB wird ein Meisterteam ruiniert und Marc Lüthi merkt es nicht. Er sollte den Hockey-Göttern auf den Knien danken, dass es diese Saison keinen Absteiger gibt. Der SCB wäre Abstiegskandidat Nummer 1. Mit einer Mannschaft, die gut genug wäre, um in der oberen Tabellenhälfte zu rocken und zu rollen.

So, habe fertig.

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