Russland
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Beim Rüstungskonzern Ruag fanden Hausdurchsuchungen statt. Bild: KEYSTONE

Putin und die Schweizer Bande – wegen 15-Millionen-Deal fliegt illegaler Waffenverkauf auf

Ein Ruag-Mann und ein Bär-Banker auf krummer Tour in Moskau: Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen den bundeseigenen Rüstungsbetrieb Ruag wegen Widerhandlungen gegen das Kriegsmaterialgesetz. Konkret soll es um einen Helikopter-Deal für den russischen Präsidenten Wladimir Putin gehen.

23.03.18, 06:24 23.03.18, 07:31

Henry Habegger / Nordwestschweiz



Das Stück liest sich wie ein Wirtschaftskrimi. Die Besetzung ist klassisch. Ein Banker, ein Waffenhändler und ein Vertreter einer Waffenschmiede tun sich zusammen, um Waffen an korrupte ausländische Regierungsstellen zu verkaufen und Kommissionen in Millionenhöhe zu kassieren. Das geht so lange gut, als die Mitglieder der Dreierbande alle ihren Anteil an der Beute erhalten. Als aber einer von ihnen bei einem Helikopter-Deal für den russischen Präsidenten Wladimir Putin leer ausgeht, wird er zum Whistleblower und packt aus.

Das etwa ist die Geschichte, wie sie die «Handelszeitung» erzählt. Am Donnerstag gipfelte der Krimi im Aufmarsch der Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) unter anderem bei der bundeseigenen Rüstungsschmiede Ruag AG. «Die BA hat ein Strafverfahren eröffnet wegen Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz, ungetreue Geschäftsbesorgung, eventuell ungetreue Amtsführung», sagt BA-Informationschef André Marty. «Im Rahmen dieses Strafverfahrens kam es zu Hausdurchsuchungen, es wurden verschiedene Informationen und Datenträger sichergestellt.»

Dreierbande am Werk

Denn der Vertreter der Waffenschmiede arbeitet bei der Ruag, er ist laut «Handelszeitung» Geschäftsleitungsmitglied der Division Ammotec, also Munition. Der Bankier ist der Bürochef der Niederlassung Moskau der Bank Julius Bär. Der Dritte im Bunde: ein Zuger Waffenhändler und gewordener Whistleblower. Er soll seine Kumpanen sowohl bei der Ruag als auch bei russischen Behörden verpfiffen haben.

Anzeige kam von der Ruag

Die Schweizer Waffenschmiede, besorgt um ihren Ruf, teilte am Donnerstag mit: «Ruag hat über die eigene Whistleblower-Stelle Kenntnis erhalten, dass ein Kadermitarbeiter im Verkauf ausserhalb seiner Tätigkeit bei Ruag nicht autorisierte Geschäfte sowohl mit Ruag- Produkten als auch mit Konkurrenzprodukten abgewickelt haben soll.»

Die Ruag habe darauf «von sich aus und unverzüglich eine interne Untersuchung eingeleitet und die Schweizer Bundesanwaltschaft informiert. Sie hat zudem Strafanzeige eingereicht.» Die Hausdurchsuchung sei aufgrund die- ser Anzeige erfolgt. Ruag kooperiere vollumfänglich mit der Behörde.

Zugeknöpfter gab sich am Donnerstag die Bank Bär, deren Mann in Moskau im Fall eine besonders tragende Rolle gespielt haben soll, da er bei den Machenschaften auch noch eine Tarnfirma zur Verfügung stellte. «Wir haben die Vorwürfe zur Kenntnis genommen und sind daran, diese zu untersuchen», sagte eine Bank-Sprecherin der Wirtschaftsnachrichtenagentur AWP.

Der Ruag-Mann und der Banker wurden mittlerweile von ihren Arbeitgebern freigestellt.

Beim Helikoptergeschäft ging es gemäss «Handelszeitung» um eine 15 Millionen teure Aufrüstung von Putins Präsidentenflotte mit Beobachtungskugeln, die Bodenziele Tag und Nacht identifizieren können. Dabei sollen Schmiergelder an Mitarbeiter eines russischen Staatsbetriebs und eventuell die Putinsche Leibgarde geflossen sein.

Wladimir Putin: Ruag-Mitarbeiter wollte dem russischen Präsidenten Helikopter andrehen. Bild: EPA/EPA POOL

Die Dreierbande habe ihre mutmasslich illegalen Aktivitäten systematisch aufgezogen und 2010 in einem «Zusammenarbeitsvertrag» formell festgehalten. Ziel sei gewesen, staatliche Spezialeinheiten oder Leibgarden mit Rüstungsmaterial zu beliefern. Die Geschäfte sollen ohne Wissen der Ruag und der Bank Bär abgewickelt worden sein, heisst es.

Finanzkontrolle hatte gewarnt

Pikant an der Verwicklung der Ruag ist, dass die eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) im Jahr 2016 bei einer Prüfung auf Korruptionsrisiken hinwies. «Die EFK kommt insgesamt zum Schluss, dass das Risiko für den Bund aus möglichen Korruptionsfällen bzw. Verstössen gegen internationale Regulierung reduziert werden muss», hielt die EFK fest.

Die Ruag sprach der EFK zunächst das Recht zur Prüfung ab. Sie wehrte sich etwa mit der Begründung, dass sie bisher noch nie wegen Korruption belangt oder verurteilt worden sei. Verteidigungsminister Guy Parmelin stellte sich aber hinter die EFK, und die Ruag musste zurückkrebsen.

Erst am Mittwoch hatte der Bundesrat die Entflechtung des Konzerns in eine Ruag Schweiz und eine Ruag International aufgegleist. Letztere könnte bald privatisiert werden.

Es gilt für alle genannten die Unschuldsvermutung. (aargauerzeitung.ch)

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25
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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dirk Leinher 25.03.2018 12:05
    Highlight Interessant ist, dass auch da nicht mit gleichen Ellen gemessen wird. Wenn die Ruag Waffen an Saudi-Arabien, an die EU oder die USA verkaufen, dann mag das ganz offiziell legal in Ordnung sein, es ist jedoch genauso destruktiv und unethisch. Saudi-Arabien führt im Yemen einen Anmgriffskrieg gegen einen souveränen Staat, Die USA und die EU unterstützen Terroristen in Syrien und haben zuvor Libyen und den Irak in die Steinzeit gebombt. das wird gerne von allen übersehen
    4 3 Melden
  • Gregor Hast 24.03.2018 10:40
    Highlight Und was konkret war denn illegal an diesem Handel? Ausserdem ist Russland, was die Technik im Militär und Verteidigung angeht vielen um Meilen überlegen!
    3 3 Melden
  • Warumdennnicht? 23.03.2018 12:17
    Highlight Lieferungen von waffen und Munition ins Ausland komplett einstellen.
    Transportfahrzeuge können sie meinetwegen immernoch liefern.
    9 0 Melden
  • 〰️ empty 23.03.2018 11:16
    Highlight Laufen Waffengeschäfte nicht meistens so?
    5 0 Melden
  • Gar Manarnar 23.03.2018 08:31
    Highlight Zum Glück sind solche Leute immer doof genug, genügend Leute zu involvieren. Irgendwann packt immer einer aus.

    Und diese Slogan "together ahead" ist ja ein bisschen pervers für einen Rüstungskonzern.
    43 6 Melden
  • blaubar 23.03.2018 08:27
    Highlight Macht es einen Unterschied, ob Russland oder Saudiarabien?
    29 10 Melden
  • Wie funktioniert das...? 23.03.2018 08:24
    Highlight Unglaublich!! In den S
    iebzigern, als ich als Lehrer im WK war, tobte der Vietnam Krieg. Wer damals nur wenig "links" dachte, wünschte man sich nach Russland! Heute geschäftet man mit militärischen Gütern und dies mit Russen. Wow! Die Leute haben sich noch nie mit der Stalindoktrin befasst. Putin lässt sie eben wieder aufleben
    25 14 Melden
    • Gar Manarnar 23.03.2018 08:57
      Highlight Finde es drum umso witziger: Früher "Russland einfach!" und heute sind die Rechten die grössten Putin und Russland Fans.
      30 9 Melden
  • IchSageNichts 23.03.2018 08:19
    Highlight Der Staat ist zu gross wenn die BA nur noch in den Schlagzeilen ist weil sie wieder einen staatlichen Betrieb untersuchen :) ! #postauto #ruag.
    11 14 Melden
  • Linksgrün-versiffter Gutmensch 23.03.2018 08:04
    Highlight Sich zu stellen bevor man as Messer geliefert wird ist kein Akt der Einsicht und Reue, sondern einer der dem reinen Selbstschutz dient. Firmen wie diese brauchen weder wir, noch die Welt.
    30 6 Melden
  • Schnuderbueb 23.03.2018 08:03
    Highlight Die Schweiz braucht Leute wie diese Zwei! Ja wegen Arbeitsplätze und so. Sagt nicht der BR NR SR sondern der kleine Bünzli auf der Strasse, der diese Politiker wählt.
    24 6 Melden
  • EvilBetty 23.03.2018 08:03
    Highlight Wie kann es sein, dass Kriegsmaterial einfach so «verschwindet». Haben die keine Lagersoftware? Machen die keine Inventur? Kann doch nicht sein dass das niemandem auffällt?

    IV Bezüger aber überwachen, umbedingt!!1elf

    🙄
    62 4 Melden
    • Wie funktioniert das...? 23.03.2018 20:27
      Highlight Ja mit der Inventur, ja aber auch gegen abzügeln von sauer verdienten Steuergeldern...., oder sind bei Watson alles Privatiers?
      1 1 Melden
  • TheDude10 23.03.2018 07:48
    Highlight Die Ruag sollte nur für unsere Armee produzieren.
    21 10 Melden
  • kleiner_Schurke 23.03.2018 07:28
    Highlight Eines weiss ich schon jetzt:
    Die CEOs von Ruag und Julius Bär haben nie, zu keinem Zeitpunkt, auch nur irgendetwas von dieser Sache gewusst.
    219 7 Melden
    • DichterLenz 23.03.2018 08:05
      Highlight Genauso wie jeweils die FIFA ist die RUAG natürlich ausschliesslich Opfer von Korruption.
      27 2 Melden
    • pwidmer 23.03.2018 08:37
      Highlight Sicher! Zumal sie überzeugt waren in Washington und nicht im Moskau zu sein und mit Trumpchaschperli zu verhandeln...
      9 3 Melden
    • Datsyuk 23.03.2018 12:22
      Highlight Und wenn sie irgendetwas gewusst hätten, hätten sie interveniert. Weil sie Moral über alles stellen. Diese Unschuldslämmer.
      4 0 Melden
  • flubi 23.03.2018 07:24
    Highlight Wir gehören wie alle anderen welche wir von oben herab ansehen auch zu den Bananenrepubliken.
    119 13 Melden
    • Matthias Ott (1) 23.03.2018 09:01
      Highlight Ehm... Die RUAG hat selber Anzeige erstattet, die Bundesanwaltschaft ermittelt und die beiden "Schurken" werden zu gegebener Zeit vor Gericht stehen... Bananenrepublik geht anders!

      Und ausserdem geht es um Sensoren für Putins Helikopter, nicht um Kalaschnikows für Kindersoldaten in Afrika!
      16 22 Melden
  • Rectangular Circle 23.03.2018 07:13
    Highlight Haha, «eine Geschichte wie aus einem Wirtschaftskrimi.» Und dann heisst es immer, Hollywood wäre einfallslos, dabei hat anscheinend nicht mal das RL neue Ideen. 😆
    27 3 Melden
  • öpfeli 23.03.2018 06:56
    Highlight Scheinheilig diese Ruag.
    91 7 Melden
    • Beresina 23.03.2018 08:32
      Highlight Scheinheilig ist die ganze Rüstungsindustrie, inklusive aller Politiker und Banken welche sie unterstützen und schützen!
      35 4 Melden
    • öpfeli 23.03.2018 11:50
      Highlight Absolut.
      5 0 Melden

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