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Dr. Alex Ruebel, Zoodirektor, in der 30 Meter hohen Masoala Regenwald-Halle des Zoos Zuerich am 23. Juni 2003. Der Zoo Zuerich will mit dem Masoala Regenwald, einer Oekosystemhalle, die natuerlichen Zusammenhaenge zwischen der tropischen Tier- und Pflanzenwelt unter kuenstlichen Bedingungen erlebbar machen. Auf rund 10'000 Quadratmetern Zooland ist ein Stueck madagassischer Regenwald entstanden. Mit dieser Anlage wird eine direkte Verbindung zu einem Naturschutzprojekt auf Madagaskar, dem Masoala Nationalpark, geschaffen. (KEYSTONE/Gaetan Bally) : FILM]

«Antilopen haben wir auch schon an unsere Tiere verfüttert»: Alex Rübel, Zürcher Zoodirektor Bild: Keystone

Zoo-Direktor Alex Rübel

«Ich hätte die Giraffe nicht vor dem Publikum zerlegt»

Der Zoo Kopenhagen hat das gesunde Giraffen-Fohlen Marius getötet – und damit weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Der Zürcher Zoodirektor Alex Rübel verteidigt das Vorgehen der Dänen und erklärt, warum er trotzdem nicht alles gleich gemacht hätte.



Die Verfütterung einer gesunden Giraffe im Zoo von Kopenhagen sorgt für Empörung. Können Sie das nachvollziehen?
Alex Rübel: Dass ein Tier an einen Fleischfresser verfüttert wird, ist normal. Auch wir verfüttern Antilopen, wenn wir ein Tier nicht an einen guten Platz geben können. Die Alternative wäre die Schlachtung einer Kuh – auch das ist ein Lebewesen.

Dass die Empörung international war, hat wohl damit zu tun, dass der Kopenhagener Zoo Giraffe Marius vor Kindern und TV-Kameras zerlegte. Ärgert Sie das?
Ich hätte die Giraffe nicht vor dem Publikum zerlegt. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man die Natur zeigen soll, so wie sie ist. Und in der Wildnis werden täglich Tiere gerissen. Ich denke, dass diese momentane Empörung eher ein gesellschaftliches Problem ist: Wir entfernen uns immer mehr von der Natur. Die Kinder glauben ja, das Fleisch käme aus der Migros. Es ist wichtig, dass man naturnah aufklärt, Tiere dürfen aber nicht leiden.

Der Frösö-Zoo wäre offenbar bereit gewesen, Marius aufzunehmen. Er verfügt aber nicht über ein EAZA-Label. Sind Zoos ohne dieses Label grundsätzlich schlecht?
Gute Zoos lassen sich von der EAZA kontrollieren, was gute Haltungsbedingungen gewährleistet. Zoos, die nicht dabei sind, sind quasi «Road Side Zoos». Diese müssen nicht zwingend schlecht sein, aber offenbar ist ihnen eine Überprüfung nicht genehm. Ein guter Zoo gibt kein Tier in eine schlechte Haltung, in der Tiere leiden. Wir ziehen dann eine Tötung vor. Der Kopenhagener Zoo hat offenbar keine geeignete Lösung gefunden und wollte Marius nicht in einen minderwertigen Zoo geben.

Welche Tiere verfüttert der Zoo Zürich?
Giraffen haben wir keine. Aber Antilopen haben wir schon an unsere Tiere verfüttert. Das kommt rund einmal im Jahr vor.

Weshalb nur Antilopen?
Es sind Tiere, die auch als Futter in der Wildnis von den Grosskatzen geschlagen werden und bei denen man das Geschlechtsverhältnis der Geburten nicht steuern kann. Europaweit gibt es für jede Art einen Koordinator, der die Zucht plant und vorgibt, wer wie viele Nachkommen züchtet. Bei vielen Tierarten heisst dies intensive Familienplanung. So geben wir einzelnen unserer Tiere auch Anti-Baby-Pillen oder trennen kurzfristig das Männchen von der Horde. Gibt es dennoch Nachwuchs, den wir nicht behalten können, kommt er in die EAZA-Datenbank und wird in der Regel vermittelt.

Das geht aber nicht immer auf.
Richtig, eine optimale Haltung ist nicht immer möglich, weil man ja nicht mitbestimmen kann, ob es ein Männchen oder ein Weibchen gibt. Oder ob ein oder vier Junge auf die Welt kommen. Bei Antilopen kommt dann der Wildhüter und schiesst das Tier. Im Zoo gibt es aber keine Produktion von Wildtieren, um diese an andere Tieren zu verfüttern.

Was ist EAZA?

Die European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) ist ein Verband, dem etwa 300 Zoos, Aquarien und Zooverbände aus Europa und dem Nahen Osten angehören. Die EAZA ist Mitglied der World Association of Zoos and Aquariums (WAZA). 

Sie fällt durch Plakate auf, die Zoo-Besucher auf Artenschutz-Probleme aufmerksam machen und betreibt so Fundraising für die Interessen der Tiere. Zudem prüft sie regelmässig die Haltungsqualität der verschiedenen Zoos und vergibt dafür Zertifikate. Sie organisiert ebenfalls den Austausch gezüchteter Tiere innerhalb Europa.

Quelle: eaza.net

Befürworten Sie den Tod von Marius, dem dänischen Giraffen-Fohlen?

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