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Gute Zeiten für Insekten und Reptilien am Zürcher Uetliberg



Eine flächendeckende Langzeitstudie über das Vorkommen von Kleintieren auf dem Stadtgebiet von Zürich liefert erste und überraschend positive Resultate: Am Zürcher Uetliberg leben mehr als doppelt so viele Kleintiere als noch vor zehn Jahren.

Grün Stadt Zürich, zuständig für die städtischen Grünflächen, erfasst seit 2008 das Vorkommen von sechs Tiergruppen. Jedes Jahr wird auf einem anderen Zehntel des Stadtgebietes systematisch nach Reptilien, Amphibien, tagaktiven Schmetterlingen, Heuschrecken und Libellen gesucht. In einer separaten Zählung werden Brutvögel erfasst. Die Tiere gelten als Leitarten und sind ein wichtiges Indiz für die Qualität natürlicher Lebensräume.

2018 ging es in die zweite Runde, angefangen mit dem Uetliberg, der damit als erstes Stadtgebiet zum zweiten Mal untersucht wurde. Damit ist auch erstmals ein Zustandsvergleich mit zehnjährigem Abstand möglich. Grün Stadt Zürich stellte die Auswertung am Donnerstag den Medien vor.

Artenwachstum am Uetliberg

Die Resultate sind in Zeiten des Insektensterbens und der Biodiversitätsdiskussion verblüffend: Wurden am Zürcher Hausberg 2008 noch 2771 Tiere erfasst, waren es 2018 mit 5897 mehr als doppelt so viele. Die neueste Zählung ergab zudem 119 Arten, 27 mehr als vor zehn Jahren. Neu dazu kamen beispielsweise der Kleine Schillerfalter und der Schmetterling Trauermantel.

Stefan Hose, Projektleiter bei der Fachstelle Naturschutz von Grün Stadt Zürich, zieht eine «sehr positive Bilanz. Der Bestand vieler Arten habe am Uetliberg zugenommen, es gäbe neue Arten und gleichzeitig seien kaum Bestände geschrumpft. »Den Rückgang der Biodiversität können wir mit der Uetlibergskartierung nicht bestätigen", erklärte er.

Zwar unterliege der Bestand der erfassten Tierarten natürlichen jährlichen Schwankungen. «Dennoch zeigt der starke Anstieg der Nachweise, dass sich die Stadt Zürich als Lebensraum für die Tiere verbessert hat.»

Die Anstrengungen, Grünräume ökologisch aufzuwerten, zeigten Erfolg, lautet das Fazit von Projektleiter Hose. Gerade die Waldpflege zahle sich aus, insbesondere die Pflege der Waldränder und die Schaffung von Waldlichtungen.

«Die Lebensräume am Uetliberg sind sehr gut», bestätigt die selbständige Geografin und Umweltnaturwissenschaftlerin Simone Bossart. Sie hat im Auftrag von Grün Stadt Zürich einen Teil des Uetliberggebietes erfasst. Die Stadt Zürich habe dort gute Arbeit geleistet.

Zunahme von Brutvögeln

Gute Nachrichten aus Zürich gibt es auch zur Situation der Brutvögel. Deren Bestände werden in zwei Teilgebieten - rechts und links der Limmat - erfasst. Die Auswertung der Kartierung rechts der Limmat zeigt nun eine deutliche Zunahme an Arten und Vorkommen.

Während 2008 noch 60 Arten und 5183 Reviere gezählt wurden, waren es zehn Jahre später 65 Arten und 6514 Reviere. Neu wurden beispielsweise der Neuntöter und der Mittelspecht nachgewiesen.

Weitere Vergleiche gespannt erwartet

Christine Bräm, Direktorin von Grün Stadt Zürich, warnt allerdings vor zu viel Euphorie: Die positiven Zahlen zeigten zwar, dass Grün Stand Zürich auf dem richtigen Weg sei. Diesen müsse man aber konsequent weitergehen, vor allem im Siedlungsgebiet.

Gespannt wartet man in Zürich daher auf die Auswertung der Kleintierzählungen aus diesem Jahr. Sie werden den zehnjährigen Vergleich in einem nächsten, weniger naturnahen Stadtgebiet erlauben.

Simone Bossart etwa ist mit Feldstecher, Schmetterlingsnetz und Notizblock in Oerlikon unterwegs. Ihre Zahlen werden zeigen, ob sich die Lage von Schmetterling, Heuschrecke und Eidechse auch im dortigen Siedlungsgebiet so klar verbessert hat wie am grünen Uetliberg.

Grundlage für tägliche Arbeit

Die Entwicklung der Kleintierzahlen stellt laut Projektleiter Hose eine «sehr wichtige Grundlage» für die tägliche Arbeit von Grünstadt Zürich dar. Die Zahlen fliessen ein in Stellungnahmen zu verschiedensten Projekten, etwa solchen des Tiefbauamtes.

Bisher wurden in der zehnjährigen Reihe über 100'000 einzelne Tiere nachgewiesen. Innerhalb der sechs erfassten Tiergruppen werden insgesamt 290 Tierarten bestimmt, darunter 160 Insektenarten.

Angesichts der etwa 9000 in der Stadt Zürich heimischen Insektenarten, bildet die Langzeituntersuchung zwar nur einen kleinen Ausschnitt der städtischen Fauna ab. Dennoch ragt das Projekt in der Schweiz heraus, insbesondere, weil die Kleintiere flächendeckend für das ganze Stadtgebiet erfasst werden. (sda)

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