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Zoom-Konferenz statt Klima-Demo: Die Klimajugend streikt derzeit nur virtuell.
Zoom-Konferenz statt Klima-Demo: Die Klimajugend streikt derzeit nur virtuell.
bild: zvg

«Unsere Bewegung ist lahmgelegt» – so leidet die Klimajugend unter der Coronakrise

Über ein Jahr lang hat Greta Thunberg mit «Fridays for Future» die Schlagzeilen dominiert. Aus, vorbei: Die Coronakrise trifft auch die Schweizer Klimastreik-Bewegung schwer. Nun bereitet die Klimajugend das grosse Comeback vor.
01.04.2020, 13:0502.04.2020, 06:45

Die Klimastreikenden mobilisierten die Massen wie nie zuvor eine Jugendbewegung in der Schweiz, dominierte die Schlagzeilen über ein Jahr lang. Greta & Co. sind nun praktisch verstummt. Die Corona-Pandemie hat die Klimakrise auf einen Schlag aus der Öffentlichkeit gefegt.

«Unsere Bewegung ist total lahmgelegt»

Der Lockdown trifft auch die Schweizer Klimajugend hart. Denn der Kern ihrer Kampagne baut auf Demonstrationen und neuerdings Klima-Versammlungen in Gemeinden auf. Also auf grossen Menschenansammlungen, die sich verbinden. In Corona-Zeiten ein absolutes No-Go.

Bereits jetzt ist klar: Der von langer Hand geplante nationale Klimastreik vom 15. Mai fällt vorläufig ins Wasser. «Unsere Bewegung ist faktisch lahmgelegt», sagt Klimastreiker Jonas Kampus zu watson.

Jonas Kampus (rechts): In der Online-Bubble kann man keinen Druck wie auf der Strasse erzeugen.
Jonas Kampus (rechts): In der Online-Bubble kann man keinen Druck wie auf der Strasse erzeugen.
Bild: zvg

Nun versucht die Klimajugend mit Online-Meetings, Web-Seminaren und Social-Kampagnen dafür zur sorgen, dass die Bewegung wegen der Coronakrise nicht komplett einschläft. «In der Online-Bubble kann man aber keinen richtigen Druck erzeugen, dazu braucht es Strassenaktionen», schildert Kampus weiter.

Ganz untätig bleiben die Klimastreikenden aber nicht. Unter dem Hashtag #keepitgrounded haben sie an die Adresse von Wirtschaftsminister Guy Parmelin eine Petition gegen Corona-Subventionen für den Luftverkehr gestartet. Bislang wurde sie knapp 8000 mal unterzeichnet. «Staatshilfen für Airlines wie die Swiss wären ein Super-GAU», so Kampus. Dies wäre ein fatales Zeichen des Bundesrates gegen den Klimaschutz. Ziel sei, dass auch nach der Coronakrise möglichst viele Flugzeuge am Boden blieben. «Natürlich braucht es eine faire Lösung für alle betroffenen Arbeitenden, bis sie einen neuen Job haben», so Kampus.

Diese Airlines sind wegen Corona gegroundet

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Diese Airlines sind wegen Corona gegroundet (Auswahl)
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Nun bleibt also den Klimastreikenden viel Zeit, sich Gedanken über die Folgen der Corona-Pandemie und die Zukunft des Klimastreiks zu machen. Wir haben Lena Bühler, Saskia Rebsamen und Jonas Kampus einige Fragen gestellt:

Was bedeutet die Coronakrise für den Klimaschutz?

Lena Bühler.
Lena Bühler.

Saskia: Man sollte ja nicht die Coronakrise und die Klimakrise gegeneinander ausspielen. Wichtig ist jetzt, dass auf der ganzen Welt den Menschen in Not sofort geholfen wird. Wenn der Corona-Notstand vorbei ist, werden wir die Aufmerksamkeit für die Klima-Debatte wieder zurückerlangen. Da bin ich sicher. Wir haben jetzt viel Zeit, uns darauf vorzubereiten.

Lena: Die Coronakrise ist sicher nicht die Art von Klimaschutz, die uns vorschwebt oder uns weiterbringt. Denn es sterben gerade tausende Menschen. Der aktuelle Rückgang der Treibhausgasemissionen ist wohl nur eine kurze Delle und nicht nachhaltig. Ein Ziel muss sein, dass die Menschheit die Klimakrise so ernst nimmt wie die Coronakrise. Die Auswirkungen der heutigen Klimapolitik sind erst einige Jahre später spürbar. Bei der Coronakrise sind es nur einige Tage oder Wochen. Das ist der grosse Unterschied.

Jonas: Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob die Debatte um den Klima-Notstand wegen der Cornakrise einfacher wird. Aber die aktuelle Situation zeigt auf, dass es durchaus möglich ist, grosse gesellschafliche Veränderungen in kurzer Zeit zu realisieren. Das muss bald auch zu Gunsten des Klimaschutzes passieren.

Wie trifft Corona die Klimastreik-Bewegung?

Lena: Die Corona-Pandemie hat unsere Pläne über den Haufen geworfen. Wir treffen uns nun mittels Zoom-Meetings, aber das ist nicht dasselbe. Mir fehlen die persönlichen Kontakte. Immerhin können wir uns etwas vom grossen Effort erholen, den wir in den letzten Monaten für die Klimastreik-Bewegung geleistet haben. Gleichzeitig sehen wir es als essentiell, Einfluss auf die wirtschaftspolitischen Entscheidungen, die gefällt werden müssen, zu nehmen. Diese werden die Klimapolitik entscheidend prägen.

Saskia: Wir haben deutlich weniger zu tun, weil die öffentlichen Anlässe wegfallen. Wir nutzen die Zeit, um uns mit Web-Seminaren intern weiterzubilden. Als Bewegung machen wir weiter und stellen unser Online-Netzwerk für die Corona-Hilfeleistungen zur Verfügung. Nach zwei Wochen Lockdown zeigt sich: Ein Call ist nicht dasselbe wie eine richtige Sitzung. Es ist weniger motivierend, wenn man die Menschen nicht direkt treffen kann. Aber ich bin auch etwas froh, dass sich das Leben gerade total entschleunigt. Ich war vorher manchmal schon am Limit und frage mich inzwischen, wie ich das alles vorher geschafft habe. Ich bin froh, wenn wir dann mit vollgetankten Batterien wieder auf die Strasse gehen können.

Jonas: Es ist schon etwas hart, dass wir in der medialen Öffentlichkeit über mehrere Wochen lang praktisch nicht mehr stattfinden. Das ist schon ein Problem für uns. Wir versuchen, uns nun international noch stärker zu koordinieren. Wir sind bereit, nach dem Ende der Coronakrise sofort wieder auf die Strasse zu gehen.

Saskia Rebsamen.
Saskia Rebsamen.

Was kann der Bund in der Coronakrise für den Klimaschutz tun?

Lena: Der Bund soll die vielen Milliarden Franken in erneuerbare Energien und den Ausbau des ÖVs stecken. Das nützt allen Bürgern etwas. Der Bund soll nicht den Luftverkehr subventionieren, sondern beispielsweise den Ausbau der Nachtzug-Verbindungen fördern. Es bietet sich die Chance, einen «Green New Deal» für die Schweiz zu starten, der die Klimabewegung zusammen mit WissenschaftlerInnen am ausarbeiten ist.

Saskia: Es ist zwingend, die wirtschaftlichen Unterstützungsprogramme ökologisch auszurichten. Die Schweiz ist ein reiches Land und kann sich dies erst recht leisten. Wir müssen diese Chance nutzen und das Land im grossen Stil ökologisch umbauen.

Jonas: Die Corona-Pandemie zeigt eindrücklich, wie der Staat und der Markt in der Vergangenheit teilweise versagt haben. Bei den Protesten gegen die Abbaumassnahmen des Kantons wurden wir fast ausgelacht, als wir gegen den weiteren Abbau im Gesundheitswesen protestierten. Nun werden Privatkliniken innert Tagen in öffentliche Corona-Spitäler umgewandelt. Das ist schon sehr spannend zu beobachten. Ich hoffe, dass die Menschen solche Systemfehler künftig auch beim Klimaschutz im Hinterkopf behalten.

Und was macht eigentlich Greta?

Klima-Ikone Greta Thunberg bleibt derzeit nichts anders übrig, als den Klimastreik vom Sofa aus fortzuführen:

Auch sie hat ihre Aktivitäten zurückgefahren: Ihren letzten Tweet setzte sie etwa vor drei Tagen ab. Nach ihrer Rückkehr von einer Europareise isolierte sie sich zuletzt in einer Wohnung. Sie glaubte, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben. «Ich habe mich müde gefühlt, hatte Kälteschauer, Halsschmerzen und habe gehustet», schrieb sie. «Mein Vater hatte dieselben Symptome, aber viel intensiver und mit Fieber.»

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Die besten Schilder des Klimastreiks

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