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Vom Regen in die Traufe. Diese Flüchtlinge träumten von einem besseren Leben und landeten in Griechenland. 
Vom Regen in die Traufe. Diese Flüchtlinge träumten von einem besseren Leben und landeten in Griechenland. Bild: EPA
Der Enthüller

Flüchtlinge in Panik: Boot erreicht Griechenland statt Italien

19.03.2015, 16:1819.03.2015, 16:23
buzz orgler

Leros (den) — Ein Boot mit 150 afrikanischen Flüchtlingen hat am Mittwochmorgen die griechische Insel Leros erreicht. Das eigentliche Ziel des Schleppers war jedoch das italienische Lampedusa. Zur Kursabweichung von 1300 Kilometern kam es, weil der Kapitän des Bootes der Route von Apple Maps folgte. Als er seinen Fehler bemerkte, soll er noch panisch versucht haben, den Kahn zu wenden. Doch es war zu spät. 

«Die griechische Küstenwache hatte unser Boot bereits an ihres gekettet und schleppte uns Richtung Hafen», erzählt der Syrer Amir Mahoub mit Tränen in den Augen. Er und weitere Flüchtlinge hätten die Behörden angefleht, sie nach Syrien zurückkehren zu lassen. «Meine Frau und ich wollen nicht, dass unsere Kinder in totaler Armut aufwachsen müssen.» Doch die griechischen Behörden zeigten sich herzlos. 

Griechische Handwerker bei der Arbeit. Die Mauern der Stadt werden auf ihre Stabilität überprüft. 
Griechische Handwerker bei der Arbeit. Die Mauern der Stadt werden auf ihre Stabilität überprüft. Bild: AP

«Ratenzahlung hat in Griechenland Tradition»

Kaum an Land, sollen die Flüchtlinge bereits von Hütchenspielern und Strandverkäufern belagert worden sein. «Man wollte uns Wein und Käsespezialitäten zu überteuerten Preisen aufschwatzen», erzählt der Eritreer Raoul Wasim. «Ich kenne mich in der griechischen Küche nicht grossartig aus, aber ich bezweifle, dass 10 gefüllte Oliven 32 Euro kosten. Dass ich aufgrund meiner eritreischen Herkunft als Goldesel gesehen werde, kränkt mich zutiefst.» 

Nur vermeintlich besser erging es anderen Flüchtlingen. Sie wurden in Tavernen auf Gyros und Ouzo eingeladen. Unter ihnen auch die Ägypterin Sara Ghali. «Als wir am Tisch Platz genommen hatten, verriegelte man die Türen. Das Essen war zwar umsonst, aber wir mussten uns danach eine zweistündige Werbeveranstaltung ansehen. Uns wurde der Kauf von Staatsanleihen nahegelegt. Der Verkäufer meinte, ich solle mindestens 10'000 Euro investieren. Bezahlen könne ich später, die Ratenzahlung habe in Griechenland Tradition.»  

Rettungseinsatz kostet 18 Millionen Euro

Der Bürgermeister der Insel will von der Flüchtlingsabzocke nichts wissen. «Ich bitte Sie, das waren einfach nette Gesten der Einheimischen. Wir blicken auf eine lange, humanitäre Tradition zurück, was Flüchtlinge betrifft.» Allerdings schäme er sich dafür, dass sein Land aufgrund der angespannten Finanzlage den Einsatz der Küstenwache an Syrien weiterverrechnen müsse.  

«Ich wünschte, es gäbe eine andere Lösung, aber Syrien wird die 18 Millionen Euro fürs Abschleppen zahlen müssen. Hinzu kommt ein Zuschlag von sechs Millionen Euro, weil der Einsatz ausserhalb der Bürozeiten von 11 bis 15 Uhr stattfand.» Als Wiedergutmachung biete er jedem der 150 Flüchtlinge an, für läppische 30'000 Euro die griechische Staatsbürgerschaft zu erwerben.  

Der Enthüller
Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über Schwulenhasser, die in Russland Asyl beantragen oder mit Zwiebeln verunreinigte Kebabs, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine satirische Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu. 



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3 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Timmy :D
20.03.2015 16:52registriert August 2014
Erstaunlich wie viel Ironie Ihr immer wieder in solch kurze Texte pressen könnt. Chapeau!
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Der Enthüller
«Swiss Off»: App verhindert Kontakt zwischen Schweizer Touristen

Basel (den) Adriana S. traute ihren Ohren kaum. Sie war in die nördlichste Ecke Tasmaniens gereist, knapp 17’000 Kilometer von Bern entfernt. Und trotzdem verfolgte sie die Heimat. «Als ich gerade auf Facebook posten wollte, wie schön die unberührten Wälder Tasmaniens sind, hörte ich ein ‹Du Gerry, häsch mer gäng s’Aromat?›. Da sass ein Schweizer Paar an einem Holztisch. Mir lief es kalt den Rücken runter. Das Letzte, worauf ich so fernab der Heimat Lust hatte, war Smalltalk auf Schweizerdeutsch.» Zwar versuchte Adriana S. wie für Eidgenossen üblich, die Landsleute zu ignorieren, doch ihr Vorhaben scheiterte. 

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