Kampfsport
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Marcel Bieri, links, und Reto Kaufmann, rechts, im 5. Gang beim Luzerner Kantonalen Schwingfest vom Sonntag, 2. Juni 2019 in Willisau. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Wer König werden will, muss offensive, explosive und präzise Schwünge ansetzen. Bild: KEYSTONE

Kraft, Explosivität und Bauernschläue – wie die Schwinger ihre Gegner bodigen

Kein anderer Zweikampfsport kennt so viele Angriffsvarianten wie das Schwingen. Das Lehrbuch enthält rund 100 Schwünge, in Tat und Wahrheit gibt es wohl mehr als 150. Doch wer zu offensiv schwingt, kann auch ausgekontert werden. Geni Hasler kann davon ein Liedchen singen.



Beim Schwingen gibt es eine riesige Anzahl von Varianten, um den Gegner auf den Rücken zu legen. Das Schwinger-Lehrbuch kennt rund 100 verschiedene Schwünge. Dazu kommt, dass jeder Böse eigene Varianten entwickelt. Das heisst, er passt einen Schwung seiner Kampfweise und Postur an. Es gibt wohl über 150 verschiedene Angriffsmöglichkeiten.

Diese Vielfalt kommt auch daher, weil das Schwingen – anders als im Boxen, Ringen oder Judo – keine Gewichtsklassen kennt.

Es gibt Schwünge für die grossen, kräftigen Titanen, die auf Kraft und Wucht basieren, sowie Varianten für die kleineren, flinken Herausforderer, die mit der Hebelwirkung des Körpers und der Ausnützung der Kraft des Gegners fehlende Postur und Kraft wettmachen. Ein Sieg über einen 20 Zentimeter grösseren und 40 Kilo schwereren Gegner ist keine Sensation.

Das sind die wichtigsten Schwünge

Oft kommt es zum Feuerwerk: Zur Kombination mehrerer Angriffsschwünge hintereinander und Gegen-Angriffsschwünge. Dabei wird der Angreifer unverhofft zum Angegriffenen und alles wird so blitzschnell durchgeführt, dass selbst Kenner nicht mehr genau sagen können, mit welchem Schwung die Entscheidung herbeigeführt worden ist.

Ein Angriffsschwung muss blitzschnell, hochkonzentriert und mit maximaler, explosiver Kraftentfaltung geführt werden. Sonst steigt die Gefahr eines Konters.

Grundsätzlich gilt: je vielseitiger ein Schwinger, desto besser. Die ganz «Bösen» traktieren den Gegner mit exakt abgestimmten, fliessend ineinander übergehenden Angriffsvarianten, die jede Gegenwehr verunmöglichen.

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SRF-Doku übers Schwingen aus dem Jahr 2016. Video: YouTube/SRF DOK

Zu den Schwüngen, die im Training eingeübt werden können, kommt eine Eigenschaft, die nicht trainiert werden kann und die aus einem Titanen einen fast unbesiegbaren Leviathan macht: Schlauheit. Die Fähigkeit also, in den intensivsten, hitzigsten, heftigsten Kämpfen cool zu bleiben und im richtigen Augenblick mit dem bestmöglichen Schwung anzugreifen. In Sekundenbruchteilen aus mehr als 150 Varianten die richtige auszuwählen.

Es hat Titanen gegeben, die so vielseitig waren, dass sie bei einem Fest jeden Gang (Kampf) mit einem anderen Schwung gewonnen haben. Die so kräftig waren, dass sie jeden Gegner hochzureissen vermochten und die doch nie König geworden sind. Weil diese Schlauheit, diese Coolness fehlte.

Geni Hasler – immer «auf Tutti»

Der Innerschweizer Geni Hasler (190 cm/115 kg) ist der berühmteste, beste «Böse», der deshalb nie König geworden ist. Er konnte einfach nicht anders als immer «auf Tutti» zu gehen, immer und in jeder Situation bedingungslos den Sieg zu suchen. Das machte ihn zu einem der populärsten Schwinger aller Zeiten.

Adrian Kaeser, rechts, schwingt im Schlussgang gegen Eugen Hasler, links. Kaeser gewinnt den Kampf und wird am 21. August 1989 in Stans beim Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest Schwingerkoenig. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Eugen Hasler schwang in seiner Aktivzeit fast zu offensiv. Bild: KEYSTONE

«Geni schränz!» druckten seine Fans auf ihre T-Shirts und der Spruch ist auch der Titel seiner Biographie zu der Bundesrat Adolf Ogi das Vorwort schrieb und darin die ungestüme Kampfweise rühmte: «So sollte auch jeder von uns durchs Leben gehen. Zu versuchen, jeden Gang zu gewinnen. Auch wenn zwischendurch eine Niederlage kommt.»

Geni Hasler musste einfach angreifen. Er konnte nicht anders, gewann 101 Kränze (davon 5 Eidgenössische). Aber König war er nie. 1989 und 1995 verlor er den Schlussgang beim Eidgenössischen. Besonders spektakulär 1989. Ein Gestellter (Unentschieden) gegen Adrian Käser hätte bei weitem gereicht, um den Thron zu besteigen. Aber er ging auf «Tutti», verlor und wurde bloss «Erstgekrönter».

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Schlussgang 1989: Hasler wird von Käser ausgekontert, der grosse Favorit wird nur Erstgekrönter. Video: streamable

König der Könige

Kommen Postur, Kraft, Technik, Vielseitigkeit und Schlauheit zusammen, dann haben wir den perfekten Schwinger. Als perfektester Schwinger nach dieser Definition gilt bis heute für viele Kenner der Toggenburger Jörg Abderhalden (188 cm, 120 kg).

Er ist in Bern (1998), Luzern (2004) und Aarau (2007) König geworden. Neben diesen drei Titeln hat er als einziger König auch noch das Unspunnen (1999) und das Kilchberger Schwinget (2002) gewonnen. Feste, die nur alle sechs Jahre stattfinden. Damit übertrifft er sogar Rudolf Hunsperger, den «bösesten» Berner aller Zeiten, den viele schwingerisch auf eine Stufe mit Abderhalden stellen. Auch er war dreimal König (1966 in Frauenfeld, 1969 in Biel, 1974 in Schwyz).

Joerg Abderhalden jubilates after the final round at the Federal Wrestling and Alpine Games Festival in Lucerne, Switzerland, Sunday, August 22, 2004. (KEYSTONE/SIGI TISCHLER)

Jörg Abderhalden war über Jahre hinweg der kompletteste aller Schwinger. Erst 2010 ging seine Ära zu Ende. Bild: KEYSTONE

Hätte Geni Hasler die Schlauheit von Jörg Abderhalden gehabt, wäre er unbesiegbar gewesen.

Einen Geni Hasler oder Jörg Abderhalden werden wir in Zug nicht sehen. Am nächsten zum perfekten Schwinger kommt Samuel Giger (21). Er hat bereits das letzte «Eidgenössische» 2016 unbesiegt (7 Siege, ein Gestellter) auf dem 2. Platz beendet und ist inzwischen erfahrener, noch kräftiger und technisch noch vielseitiger geworden. Weshalb er für viele der grosse Favorit ist.

Mehr zum ESAF:

Alle Schwingerkönige seit 1961

Das sind die Favoriten beim ESAF 2019 in Zug

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Verrückt, aber wahr – Stuckis Sieg, der keiner war

Christian Stucki (34) ist König. Eine der schönsten Geschichten der Schwinger-Historie. Sie hat nur einen kleinen Makel: Sein Schlussgang-Gegner Joel Wicki lag gar nicht regulär auf dem Rücken.

Christian Stucki schmettert im Schlussgang Joel Wicki mit einem gewaltigen Wurf nach 41 Sekunden auf den Rücken. Die drei Kampfrichter – einer im Sägemehlring, zwei am Tisch, geben das Resultat. Christian Stucki ist König. Welch wunderbarer Abschluss eines Festes, das alle Dimensionen gesprengt hat!

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