Zahl der Toten nach Anschlag in St. Petersburg auf 14 gestiegen

04.04.17, 11:28

Nach dem Anschlag auf die U-Bahn in St. Petersburg ist die Zahl der Toten nach offiziellen Angaben auf 14 gestiegen. Wie die russische Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa am Dienstag mitteilte, starben elf Menschen direkt am Anschlagsort.

Drei weitere Menschen seien in Rettungswagen oder in Spitälern ihren schweren Verletzungen erlegen. 49 Menschen wurden demnach am Dienstag noch in Spitälern behandelt. Zuvor hatte die Behörden von mindestens elf Toten und 45 Verletzten gesprochen.

Am Montagnachmittag war eine Bombe in einer fahrenden U-Bahn explodiert. Eine zweite Bombe wurde entschärft. Das staatliche Ermittlungskomitee geht von einem Terroranschlag aus.

Nach Angaben des Inlandgeheimdienstes FSB hatte sich am Montag gegen 14.40 Uhr Ortszeit eine Explosion in einer Metro ereignet, die gerade zwischen den Stationen Sennaja Ploschad und Technologisches Institut im Zentrum von St. Petersburg unterwegs war.

Kurz darauf wurde ein selbstgebauter Sprengsatz in der U-Bahnstation am Wosstanija-Platz in der Petersburger Innenstadt gefunden und rechtzeitig entschärft, wie die russischen Anti-Terror-Behörden mitteilten.

Am Dienstag teilten dann die Behörden in Kirgistan mit, der Anschlag sei von einem Selbstmordattentäter aus dem zentralasiatischen Land verübt worden. Für das Attentat sei der Kirgise Akbarschon Dschalilow verantwortlich, sagte ein Sprecher des kirgisischen Geheimdienstes in Bischkek. Der 1995 geborene Mann habe «wahrscheinlich» auch die russische Staatsangehörigkeit gehabt.

U-Bahn fuhr weiter

Der Fahrer der Metro habe nach der Explosion die richtige Entscheidung getroffen, zur nächsten Station weiter zu fahren, erklärten die Ermittler. Dadurch sei eine schnelle Evakuierung möglich gewesen.

Bilder des staatlichen Fernsehens zeigten einen Waggon mit herausgesprengter Tür und blutüberströmte Opfer auf dem Bahnsteig. «Ich sah Leute herauskommen, sie waren wie taub, viele hielten sich den Kopf», sagte Galina Stepanowa der Nachrichtenagentur AFP.

Blumen vom Präsidenten

Staatschef Wladimir Putin besuchte am Montagabend die Metrostation Technologisches Institut. Er legte Blumen nieder und verharrte in stillem Gedenken. Zuvor hatte Putin eine Sitzung mit Vertretern des FSB, der Rettungskräfte und des Innenministeriums geleitet.

Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte das Geschehen trage «alle Anzeichen eines Attentats». Zunächst hatte Putin, der sich zum Zeitpunkt der Explosion nahe St. Petersburg aufhielt, erklärt, die Ermittlungen würden in alle Richtungen geführt.

Als Ursache kämen «ein Unfall, ein Verbrechen und vor allem Terrorismus» in Frage. Die Justiz eröffnete Ermittlungen nach Paragraph 205 des russischen Strafgesetzbuches, der die Strafbarkeit von Terroranschlägen regelt.

Sämtliche U-Bahnhöfe von St. Petersburg wurden zunächst geschlossen. Erst am Abend wurde der Betrieb teilweise wieder aufgenommen. Wegen der Explosion wurde drei Trauertage ausgerufen, am Dienstag in St. Petersburg wehten die Flaggen auf Halbmast.

USA steht Russland zur Seite

Der Anschlag wurde international verurteilt. US-Präsident Donald Trump sagte Russland seine «volle Unterstützung» zu, der UNO-Sicherheitsrat bezeichnete die Tat als «feigen terroristischen Angriff».

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel drückte am Montagabend in einem Kondolenztelegramm ihr Entsetzen über die Explosion mit 14 Toten und Dutzenden Verletzten aus.

Trump sagte Putin in einem Telefonat «die volle Unterstützung der US-Regierung bei der Reaktion auf den Angriff» zu. Beide Staatschefs hätten «darin übereingestimmt, dass der Terrorismus entscheidend und schnell bezwungen werden muss», teilte das Weisse Haus mit.

Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte die Tat einhellig als «barbarischen und feigen terroristischen Angriff». Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini übermittelte ihr Mitgefühl an «alle Russen, insbesondere diejenigen, die ihre Angehörigen verloren haben». (sda/reu/afp)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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