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Bild: Yang Xiao

Diese Fotografin verwandelt vergessene Monumente in epische Science-Fiction-Szenerien

Neun Jahre lang ist Yang Xiao durch die Welt gereist, um vergessene Monumente zu fotografieren. Was sie dabei erschaffen hat, scheint aus einer Science-Fiction-Welt entsprungen.
17.07.2021, 11:32

Das Fotografieren hat sie sich selbst beigebracht. Beim Handtieren mit Lasern und Scheinwerfern hat ihr ein enger Freund geholfen. Yang Xiao, ursprünglich aus China, lebt nun in Spanien und bezeichnet sich selbst als Urban Explorer, Reisende, Designerin und Fotografin. Und dass die Künstlerin mit viel Passion bei der Sache ist, zeigt sie mit ihrer jüngsten Fotoserie. Nicht weniger als neun Jahre hat sie gebraucht, um die ganz speziellen Motive in über 40 Ländern weltweit zu fotografieren.

Bild: Yang Xiao

Sie alle haben eines gemeinsam: Sie zeigen verlassene Monumente aus einer längst vergangenen Zeit. Xiao hat sich in ihrer Fotoserie den Denkmälern gewidmet, die im brutalistischen und sowjetischen Stil errichtet wurden, der vor allem während des Kalten Kriegs populär wurde. Charakteristisch für diesen Stil sind der verwendete Stahlbeton und die rauen Oberflächen. Oft wird dieser minimalistische Stil, der Nützlichkeit höher als Design gewichtet, als kalt und seelenlos empfunden.

Genau diese wuchtige, massive Bauweise ist es aber, die Xiao fasziniert, wie sie gegenüber der Website Peta Pixel erzählt. Ihre Liebe für diese vergessenen Denkmäler entdeckte die Fotografien in Bulgarien, als sie das dortige Busludscha-Denkmal besuchte. Es wurde Anfang der 1980er-Jahre von der Bulgarischen Kommunistischen Partei errichtet, um sich selbst zu gedenken. Seit dem Ende der UdSSR ist das Gebäude dem Verfall preisgegeben.

Wie das Busludscha-Denkmal bei Tageslicht aussieht:

Bild: Wikimedia

Wegen ihrer Faszination für diesen ganz speziellen Stil stammen fast alle ihre Motive aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion, Ex-Jugoslawien und weiteren osteuropäischen Ländern.

Aufgenommen hat Xiao die Monumente bei Nacht. Mithilfe von künstlichem Licht wie farbigen Lasern, Fackeln und Taschenlampen kreiert sie ein ganz bestimmtes Ambiente. Daraus entstehen verschiedene Langzeitbelichtungen, die sie später übereinanderlegt, bis daraus Bilder entstehen, die von einer fremden Welt scheinen. Teilweise wirken sie wie aus einer modernen Science-Fiction-Serie, die auf Netflix laufen könnte. Dann wiederum sehen sie aus, als wären sie direkt Fritz Langs Science-Fiction-Klassiker «Metropolis» von 1927 entsprungen.

Was Yang Xiao daraus gemacht hat:

Bild: Yang Xiao

Als Xiao mit ihrem Langzeitprojekt anfing, war es noch nicht so einfach, die verschiedenen Denkmäler zu finden. Facebook-Gruppen oder Websites, die sich auf «Lost Places» spezialisiert hatten, gab es damals kaum. So musste sie praktisch alles in mühseliger Arbeit selbst recherchieren. Auch heute ist sie oft stundenlang damit beschäftigt, den Standort von Monumenten zu lokalisieren. Wenn es keine genauen Koordinaten gibt, sucht sie in der Satellitenansicht von Google Maps nach den Standorten. Manchmal kommt es auch vor, dass sie erst vor Ort erfährt, dass die Monumente inzwischen zerstört wurden oder der Zugang verschlossen ist. Dann war der ganze Recherche- und Reiseaufwand umsonst.

Bild: Yang Xiao

Ein Grund, dass so etwas vorkommt, ist auch die teilweise problematische Vergangenheit, die ein Denkmal aus der Nachkriegszeit oft mit sich bringt. Dessen ist sich Xiao bewusst, die aus ihren neun Jahren gelernt hat, dass die Monumente bei den Einheimischen meist widersprüchliche Emotionen hervorrufen:

«Die Menschen lieben und hassen sie gleichzeitig, da sie ihre komplizierte Geschichte während der Kriege widerspiegeln.»

Xiao ist es daher wichtig, die Geschichte und den geschichtlichen Kontext der Denkmäler zu kennen, bevor sie diese ablichtet. Mit ihrer ungewohnten fotografischen Sicht auf die Monumente schafft sie es dabei immer wieder, die Einheimischen zu überraschen. «Einige sagen sogar, dass meine Fotos sie stolz auf ihr Land gemacht haben, was ich sehr schätze», so Xiao.

Bild: Yang Xiao

Fragt man sie nach ihrem Lieblingsmonument, nennt sie das Busludscha-Denkmal, aus dem simplen Grund, weil ihre Leidenschaft damit begonnen habe. Als sie dieses Denkmal damals bei Nacht fotografiert hat, habe sie in völliger Dunkelheit gestanden. Es sei sogar so dunkel gewesen, dass sie nicht einmal das Monument vor sich hatte sehen können.

«In diesem Moment verstand ich zum ersten Mal die Bedeutung der sogenannten ‹Leere›. Dieses surreale Gefühl hat mich sehr bewegt.»

Mehr von Xiaos Fotografien findest du in der nachfolgenden Slideshow und auf ihrer Website oder ihrem Instagram-Kanal.

Weitere Fotografien:

1 / 9
Fotos von Yang Xiao
quelle: yang xiao
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