Frankreich

Die dubiosen russischen Kreditgeschäfte von Le Pens Front National

Bild: EPA/EPA

03.02.17, 07:19 06.02.17, 13:24

Der französische Front National schuldet einer obskuren Moskauer Firma rund neun Millionen Euro. Die Firma verfügt nach Recherchen der österreichischen Nachrichtenagentur APA und des Tages-Anzeigers am offiziellen Firmensitz nicht einmal über einen Briefkasten.

Die russische First Czech-Russian Bank, die 2014 mit einem Neun-Millionen-Euro-Kredit an Marine Le Pens Front National (FN) für internationale Schlagzeilen gesorgt hatte, steht seit 24. März 2016 unter staatlicher Verwaltung. Mitte September wurde die Kleinbank für zahlungsunfähig erklärt und wird nunmehr von der russischen Einlagensicherungsagentur ASW abgewickelt.

Parallel beschäftigen sich Strafverfolger mit mutmasslicher Wirtschaftskriminalität: Laut der Moskauer Tageszeitung «Kommersant» wurde am 19. Januar über einen ehemaligen Spitzenmanager der Bank im Zusammenhang mit Untreuevorwürfen Untersuchungshaft verhängt.

Kurz vor der Pleite hatte die Bank noch die Kreditforderungen gegenüber der rechtsextremen Partei von Marine Le Pen an eine Firma namens Konti abgetreten. Das Unternehmen mit offiziellem Sitz in einer Moskauer Plattenbausiedlung beschäftigt sich laut Firmenbuch unter anderem mit der Vermietung und Leasing von Autos und Anlagen.

Vier Wochen vor Wahlen

Der Kredit an den Front National wird am 28. März 2017 aber auch ein Moskauer Wirtschaftsgericht beschäftigen, wie aus der russischen Gerichtsdatenbank hervorgeht. Vier Wochen vor den französischen Präsidentschaftswahlen soll ein Richter entscheiden, ob Le Pens Partei der obskuren Moskauer Firma oder dem russischen Staat neun Millionen Euro schuldet.

Russlands staatliche Einlagensicherungsagentur ASW will die Abtretung vor Gericht für nichtig erklären lassen und die Forderung an den Front National zum Teil der Konkursmasse machen, berichtete die russische Nachrichtenagentur RNS Anfang Januar. «Ohne dass es zu einem Geldfluss an die First Czech-Russian Bank gekommen wäre, hat sie dadurch einen Aktivposten verloren», begründet die Einlagensicherung ihre Klage auf Anfrage.

«Diese Firma und das Büro, das eine Art Notariatskanzlei war, gibt es seit etwa vier Jahren nicht mehr hier.»

Die Forderung an den Front National, gegen den es keine Vorwürfe gebe, sei werthaltig und regelmässige Zinszahlungen des FN seien für die Vermehrung der Konkursmasse massgeblich, erklärt man gegenüber der APA in der Institution. Der Kredit ist französischen Medienberichten zufolge mit sechs Prozent verzinst und soll im September 2019 fällig werden.

«Seit vier Jahren nicht mehr hier»

Konti ist in einem «Büro 18» in der Südbutowo-Strasse 101 registriert, einem riesigen Wohnsilo am südwestlichen Stadtrand von Moskau. Die Gesellschaft, oder selbst ihren Briefkasten, sucht man an Ort und Stelle jedoch vergeblich: «Diese Firma und das Büro, das eine Art Notariatskanzlei war, gibt es seit etwa vier Jahren nicht mehr hier», sagt eine junge Frau.

Eine Verkäuferin von nebenan erzählt von einer Verwandten, die im betreffenden Haus in Wohnung Nr. 18 gewohnt habe und sich stets über ihr fälschlich zugestellte Post von Polizei und Steuerbehörden für «Büro 18» beklagt habe. Laut russischen Firmendatenbanken waren und sind im verlassenen «Büro» zumindest Dutzende Firmen registriert.

Aus dem Bankenumfeld

Konkretere Anhaltspunkte liefert das Firmenregister: Der Inhaber von Konti und somit der aktuelle Gläubiger des FN stammt aus dem Umfeld der First Czech-Russian Bank sowie des Baukonzerns Strojtransgas, der bis 2006 Anteile an der nunmehrigen Pleitebank hielt. Beim Ex-Besitzer der Bank, Roman Popow, handelt es sich um einen ehemaligen Spitzenmanager des Konzerns.

«Kontis Direktor und Alleingesellschafter Sergej Jewssejew ist auch Direktor der Wachfirma A-5, die laut veröffentlichten Bewerbungsunterlagen ehemaliger Mitarbeiter in der Vergangenheit die First Czech-Russian Bank bewachte», sagt Ilja Schumanow von Transparency International Russia.

Gründer und Alleingesellschafter von A-5 sei Wladimir Grischin, der seinerseits in der Vergangenheit als Direktor einer weiteren Wachfirma namens Strojtransgas Schtschit fungierte und für die Security im Baukonzern zuständig gewesen sei, erzählt Schumanow.

Wladimir Grischin, Jahrgang 1949, ist selbst ein bekannter Veteran des legendären sowjetischen KGB-Einsatzkommandos Alfa. Nichtsdestotrotz wurde die von ihm geleitete Wachfirma des Konzerns 2010 kurz nach der Übernahme von Strojtransgas durch den Putin-nahen Oligarchen Gennadi Timtschenko aufgelöst. (sda/apa)

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 04.02.2017 00:06
    Highlight Zuerst wollten die Medien Donald Trump verhindern. Und jetzt Marine Le Pen.
    1 5 Melden
  • Gelöschter Benutzer 03.02.2017 11:09
    Highlight Dubios dubios. *Aluhut aufsetz*
    6 21 Melden
    • lilas 03.02.2017 12:06
      Highlight Ein kleinwenig Aluhut würd manchem guttun
      10 5 Melden
  • Gelöschter Benutzer 03.02.2017 09:26
    Highlight Die FPO, Jobik und AFD sollen auch seit einigen Jahren direkt oder indirekt von Russland Geld erhalten haben (die AFD etwa in Form von unter Marktpreis verkauftem Gold). Jean-Marie LePen hat auch schon vor Jahren einen Millionenkredit von einem Ex-KGB Agenten erhalten. Auch wurde eine Vorlage im EU-Parlament die grössere Transparenz bei Parteispenden verlangt (und konkret nach Anleitung dieser Fälle eingereicht wurde), besonders stark von UKIP, FN und anderen Rechten bekämpft. Ironisch das sich diese Parteien von der EU loslösen wollen, sich gleichzeitig aber von Russland abhängig machen.
    34 15 Melden
    • Lowend 03.02.2017 11:30
      Highlight Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass die Europäischen Rechtsextremisten in Tat und Wahrheit dem Russischen Geheimdienst FSB und damit direkt Vladimir Putin gehören.
      11 15 Melden
  • Firefly 03.02.2017 09:03
    Highlight Jesses, wenn man sowas ließt, wunderts einen nicht mehr, gibts immer mehr Regulierung. Korruption ist immer ein Schlag ins Gesicht eines jeden ehrlichen Bürgers. Es wird Zeit für Blockchain.
    29 8 Melden
  • rodolofo 03.02.2017 08:28
    Highlight Diese Russisch-Tschechische Bank hat also Gelder an den Rechtsextremen Front National überwiesen und ist später bankrott gegangen...
    Die Schulden wurden dann an als Ramschpapiere an eine Briefkasten-Firma weiter verkauft...
    In grossem Stil wurden die Ersparnisse von Privat-KundInnen von einer Privat-Bank veruntreut und "in den Sand gesetzt"...
    Momoll, im Osten haben sie das Ein mal Eins des unregulierten Casino-Kapitalismus aber schnell gelernt!
    Und die teure und umfangreiche Terror-Abwehr hat wieder mal mehr geschlafen, oder die Kapitalflüsse zu einer Faschistoiden Partei bewusst ignoriert...
    45 7 Melden
    • zombie woof 03.02.2017 09:32
      Highlight Die Rechtsextremen Parteien scheren sich einen Dreck um Recht und Gesetz, und wie man wieder mal schön sieht, kommen sie auch ungeschoren davon. Die vermeintlichen Retter des Volchs sind die grössten Verbrecher und die dummen Wähler merken es nicht mal. Da kommt mir der Kaffee hoch
      43 9 Melden
  • Pokefan 03.02.2017 07:49
    Highlight Das stinkt ja zum Himmel! Ich tippe darauf, das sich Russland nun aktiv in die europäischen Wahlkämpfe einmischt.
    56 15 Melden
    • meine senf 03.02.2017 09:09
      Highlight Ja, das ist sicher der Plan.

      Europa befindet sich im Zangengriff zwischen Putin und Trump. Beide profitieren davon, wenn Europa und der Zusammenhalt innerhalb von Europa schwindet. Ein Machtblock weniger auf der Welt.

      Irgendwie erinnert das einen an den Hitler-Stalin-Pakt. Jetzt einfach mit Trump und Putin.

      Und all die Anhänger hier diese beiden Herren, meinen sie seien die grossen Oberpatrioten, die ihr verehrtes Vaterland gegen die böse EU verteitigen. Dabei sind es gerade sie, die sich für fremde Interessen missbrauchen lassen.
      42 13 Melden

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