Fussball
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Ein Jubelknäuel im Seitenaus – und der einsame José Fonte auf dem Platz. bild: bantsfootballfc

Wegen eines Irrglaubens durfte der arme José Fonte nicht mit CR7 feiern

Ein Tor an einer Fussball-WM – klar, da versammelt sich die ganze Mannschaft zum Jubel. Die ganze Mannschaft? Nein. Ein Spieler muss sich opfern und zuschauen, weil der Gegner sonst sofort wieder angreifen kann. Das wird zumindest behauptet.



Cristiano Ronaldos Ausgleichstor zum 3:3 Portugals gegen Spanien ist einer der Momente, der bislang die WM geprägt hat. Herrlich, wie er kurz vor dem Abpfiff einen Freistoss versenkt und damit seinen Hattrick perfekt macht.

Alle Feldspieler stürzen sich auf den feiernden Ronaldo, im Seitenaus neben der Cornerfahne bildet sich ein Jubelknäuel.

Alle Feldspieler? Nein. Wenn wir genau hinschauen, dann sehen wir: José Fonte darf nicht mitfeiern. Ein Teamkollege gibt ihm die Anweisung, innerhalb des Spielfelds zu bleiben. Fonte gehorcht.

Schnelle Mitte wie beim Handball?

Es existiere eine Regel, welche genau dies verlange, wird daraufhin behauptet. Der entsprechende Tweet verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Wenn sämtliche Feldspieler den Platz verlassen würden, könne der Schiedsrichter die Partie wieder anpfeifen, lesen wir. Spanien hätte so mit all seinen Spielern auf den einsamen portugiesischen Goalie Rui Patricio losziehen können. Im Handball als «Schnelle Mitte» bekannt und erlaubt.

Das klingt spektakulär – ist aber gar nicht wahr. Das zeigt der Blick ins Regelbuch. Regel 8 (Beginn und Fortsetzung des Spiels) hält fest, wie ein Anstoss zu erfolgen hat. «Alle Spieler, mit Ausnahme des Spielers, der den Anstoss ausführt, befinden sich in der eigenen Spielfeldhälfte», ist bei 8.1 festgehalten. Das bedeutet: Die Spanier auf einer Seite, die Portugiesen auf der anderen.

Auszug aus dem Regelbuch

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bild: fifa

Spieler sind keine Refs …

Aber warum durfte Fonte nicht mitjubeln? Weil Fussballer keine Schiedsrichter sind und sein Mitspieler die Regel wohl nicht genau kannte. Oder vielleicht auch deshalb, weil der Portugiese sich an ein Video erinnerte, das vor drei Jahren kursierte. Bei einem U16-Spiel zwischen Gibraltar und Mazedonien schossen letztere ein Tor und alle Spieler rannten zur Bank, um mit den Ersatzspielern zu jubeln. Weil sie sich noch auf dem Feld befanden und die Regel somit erfüllt war, pfiff der Schiedsrichter wieder an – und Gibraltar kam zu einem Gratis-Tor. Zu viel Fingerspitzengefühl konnte dem Ref sicher nicht vorgeworfen werden …

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Der aussergewöhnliche Treffer von Gibraltars U16-Nati. Video: YouTube/GBC News

Doch nun kommt's: Die Portugiesen waren nicht das einzige Team mit einem «Solo-Jubler» bei dieser WM. Auch Englands Kieran Trippier ist zu sehen, wie er ganz für sich alleine ist, während alle Teamkollegen feiern. Und bei Australien muss Mark Milligan in den sauren Apfel beissen: Während seine Mitspieler jubeln, ist er nur Platzhalter.

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Seltsamer Jubel der Australier: Alle draussen, nur einer drin. bild: bantsfootballfc

Alex Feuerherdt vom renommierten Schiedsrichter-Blog «Collinas Erben» meint dazu gegenüber der ARD, dass die Spieler möglicherweise einem Gerücht aufgesessen seien oder bei den Regelschulungen vor dem Turnier etwas falsch verstanden hätten. Ausserdem betonte er: «Kein Schiedsrichter würde bei einem solchen Turnier den Anstoss ausführen lassen, wenn sich noch eine signifikante Zahl an Spielern beim Torjubel ausserhalb des Feldes befindet.»

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Regnipuzz 20.06.2018 12:35
    Highlight Highlight Auch Zuber rennt zur Eckfahne. Alle Feldspieler jubeln mit. Bloss Shaqiri fehlt. Liegt vielleicht auch daran, dass er den Corner von der 70m entfernten Eckfahne getreten hat.
  • Looney 20.06.2018 12:18
    Highlight Highlight Artikel erinnert mich an dieses Schalke Tor. Hier hätte es Sinn gemacht wenn ein Leverkusen Spieler noch ein bisschen in der gegenrischen Platzhälfte gewartet hätte :-)
    Play Icon
  • Max Pauer 20.06.2018 11:06
    Highlight Highlight Die Gibralteken kamen zum Gratistor weil die Mazedonisten in der EIGENEN Platzhälfte feierten. Das war der springende Punkt. Wenn du beim gegnerischen Tor jubelst, darf der Schiri nicht anpfeifen.
    • leu84 20.06.2018 11:19
      Highlight Highlight Ähnlich wie Hans-Jörg Butt (Torwart) nach dem erzielten Elfmetertor zu lange jubelte beim zurücklaufen.
  • Philu 20.06.2018 10:59
    Highlight Highlight Die könnten doch den Torjubel auch im Feld in der gegnerischen Hälfte zelebrieren statt ausserhalb, dann könnten zumindest alle mitjubeln, statt den einen dort abzustellen.
  • Simon Probst 20.06.2018 10:51
    Highlight Highlight schon krass dass die sich auf diese regel achten. ist jemand die verwirrung auf dem platz aufgefallen, als den deutsch ein foul-einwurf abgepfiffen wurde? da vergingen locker 2-3 sekunden bis der 1. realisiert hat was gepfiffen wurde.

    die 6 sekunden regel bei torhütern könnte auch mal etwas strenger angewendet werden
  • Sportfan 20.06.2018 10:38
    Highlight Highlight Ehm aber ein Spieler ausserhalb des Platzes zählt für den Schiri doch nicht ...

    Also wenn alle ausserhalb des Platzes sind und somit nicht zählen, könnte der Schiri doch anpfeifen. Zumindest widerspricht keine der Regeln oben, diesem ziemlich abstrusen Gedanken... denn jeder „zählende“ Spieler ist am richtigen Ort...

    Allerdings wird es sicher eine andere Regel geben, die ein „Mindestbestand“ angibt. Und stellt Euch vor der Schiri hätte einfach angepfiffen ... CR7 hätte den gleich unter die Grasnabe gepflügt ... :-)
    • fcsg 20.06.2018 13:37
      Highlight Highlight Wenn die Spieler nicht zählen würden, dürfte der Schiedsrichter sowieso nicht anpfeifen, da dazu mindestens sieben Spieler jeder Mannschaft auf dem Feld sein müssen.
  • Silvan Fehlmann 20.06.2018 10:25
    Highlight Highlight Die gehen einfach auf Nummer sicher: solange sich ein Spieler innerhalb des Spielfelds aber in der gegnerischen Hälfte befindet, darf der Ref das Spiel nicht freigeben.
    Zum Regelauszug: Es kam durchaus schon vor, dass sich ein Spieler ausserhalb des Spielfelds pflegen liess und dass Spiel freigegeben wurde. Der Status von Spieler ausserhalb des Spielfeldes ist wohl der Knackpunkt.
    Generell wäre es ein Skandal wenn ein Ref anpfeift obwohl ein Grossteil einer Mannschaft offensichtlich nicht bereit ist, egal wo sie sich befinden.
  • Nelson Muntz 20.06.2018 10:21
    Highlight Highlight Vielleicht hat er einfach zu viel Knoblauch gegessen. Oder kein Deo benutzt.
  • The oder ich 20.06.2018 09:58
    Highlight Highlight Es war kein Hattrick: die drei Tore waren nicht in der gleichen Halbzeit und unterbrochen von gegnerischen Toren

    #FehlerdieeinFussballjourninichtmachendarf
    • droelfmalbumst 20.06.2018 10:10
      Highlight Highlight Tüpflischiisser ahoi... seit eh und je wird es Hattrick genannt wenn ein Spieler in einem Match 3 Tore schiesst...sowie 4 Tore ein Poker sind...

      Aber kannst ja selber als Journalist arbeiten so wies aussieht. :)
    • jnaKhsx6 20.06.2018 10:12
      Highlight Highlight Hat diese Diskussion gestern mit meinem Kollegen. Bin der Meinung das 3 Tore in einem Spiel ein Hattrick ist. Auch wenn dies nicht korrekt ist wird es nurnoch so verwendet. Also stimmt es trotzdem??? -.- Diese Sprache...
    • AllesGratis 20.06.2018 10:14
      Highlight Highlight Im internationalen Fußball zählt bereits das Erzielen von drei Toren eines Spielers in einem Spiel als Hattrick, weshalb beispielsweise die drei englischen Tore im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 von Geoff Hurst als Hattrick gewertet werden. Um den „deutschen“ Hattrick von der internationalen Definition abzugrenzen, wird häufig umgangssprachlich die Bezeichnung „lupenreiner Hattrick“ oder „klassischer Hattrick“ verwendet.

      #besserwissenwillgelerntsein
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