Interview
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«Der Fotowahn killt das Reisen, wie wir es früher kannten»

Seit 35 Jahren tourt Globetrotter-Chef André Lüthi um die Welt. Der Traveller der Nation verrät im Interview, wo es auf der Welt noch unentdeckte Flecken gibt, weshalb er Instagram-Influencer verschmäht und welches das mieseste Loch war, in dem er bislang übernachtet hat. 



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Video: watson/nico franzoni, adrian müller

Reisen statt Ferien: Mit diesem Motto hat André Lüthi das Reiseunternehmen Globetrotter gross gemacht und sich durch seine Inszenierung in den (sozialen) Medien zum Traveller der Nation gemausert.

Braungebrannt und relaxt empfängt der 58-jährige Berner die watson-Reporter in seinem Büro. Und gerät bei einem Thema richtig in Rage.

André Lüthi, Sie sind gerade von einer Südamerika-Reise mit Sohn Levin (18) zurückgekehrt. Haben Sie als Reiseprofi einen unentdeckten Flecken entdeckt?
In Bolivien habe ich Ecken gefunden, wo ich zwar nicht der Erste war, mich aber die Natur völlig überwältigt hat. In der Salar de Uyuni, der grössten Salzpfanne der Welt, sind wir abends mit dem Landrover rausgefahren. Man fühlte sich dem Himmel so nahe. Die Sterne spiegelten sich schon während des Sonnenuntergangs in den Wasserlachen. Solch berührende Momente erlebte ich bisher nur im Tibet oder in Sibirien.

Habt ihr während der Reise – wie echte Traveller – in Hostel-Dorms übernachtet?
Nein, denn ich schlafe am liebsten im Zelt oder Fünfsternehotels (lacht). In Jugendherbergen war ich schon lange nicht mehr. Mit meinem Sohn wollte ich in Bolivien einen Sechstausender besteigen. Dort schliefen wir auf 5300 Metern in einer Art SAC-Blechhütte mit zehn Betten. Wegen eines Sturms konnten wir den Gipfel aber leider nicht besteigen.

Zur Person

Der 58-jährige André Lüthi ist alles andere als ein klassicher Manager: Seine Karriere startete er mit einer Bäckerlehre. Danach ging er auf seine erste grosse Reise. Die Faszination liess ihn nie mehr los. Heute ist er CEO der Globetrotter Group (450 Mitarbeiter) und einer der wichtigsten Köpfe der Schweizer Reisebranche. Lüthi hat zwei Kinder (18 und 20) und lebt in Bern. 

Sie besuchten in Peru das Weltwunder Machu Picchu. Wie haben Sie die Inka-Stadt erlebt, die unter den Touristenmassen zu ersticken droht?
Beim Eingang zur Inka-Stadt standen die Leute in in einer circa 800 Meter langen Zweierreihe Schlange! Mir kam es vor, als würden wir wie Vieh hineingepfercht. Ob in Venedig, beim Taj Mahal oder eben Machu Picchu: Es ist überall die gleiche Problematik. Zu viele Menschen wollen diese wunderbaren Orte besuchen. Es ist gar nicht mehr möglich, sich richtig mit diesen Weltwundern auseinanderzusetzen. Die Mystik geht verloren. Man ist immer von Menschen umgeben. Dazu kommt die Selfie-Klickerei. Es geht nur noch ums beste Foto. Ich habe mich selbst dabei ertappt, als ich mit meiner Spiegelreflexkamera den besten Ort für das beste Bild suchte.

Bild

Auf der Suche nach dem perfekten Bild: André Lüthi und sein Sohn Levin in Peru. zvg

Lüthi über den Instagram-Wahn

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie die Touristen mit ihren Selfie-Sticks beobachten?
Reisen verkommt leider so zunehmend für viele Menschen zu einer Art «Trophäe abhaken». Der Fotowahn killt oft das wahre Reisen, wie wir es früher kannten. Dadurch entsteht eine völlig andere Wahrnehmung. Vor 20 Jahren zog ich vier Monate mit Jak-Nomaden durch Tibet – ganz ohne Kamera. Das ist eine ganz andere Auseinandersetzung. Mit der Kultur, mit den Menschen, mit sich selbst. Klar, die Welt hat sich nicht nur beim Reisen verändert – und nicht nur zum Schlechten (lacht). 

Bilder vergangener Tage. Lüthi 1989 in Nepal. zvg

Instagrammer sorgen mit ihren Bildern dafür, dass einst wenig bekannte Orte wie das Berggasthaus Aescher plötzlich von Touristenhorden überschwemmt werden. Was halten Sie von Travel-Influencern?
Das ist eine, sorry für den Ausdruck, Saumode geworden, das bringt mich immer mehr in Rage. Wir haben bei Globetrotter täglich zahlreiche Anfragen von Influencern, die gratis herumreisen wollen. Einmal haben wir einen Blogger mit auf eine Reise mitgenommen. Statt sich auf das Land einzulassen und mit Einheimischen zu sprechen, sass die Person meistens mit dem Handy im Zelt. Ihm war das Land völlig egal, ihm ging es nur um Posts, Likes und Fame. Sicher sind nicht alle so, aber leider immer mehr. 

Hoch lebe der hippe Influencer-Einheitsbrei!

Thailand schliesst wegen Overtourism den weltberühmten «the Beach» auf Ko Phi Phi, Philippinen ganze Inseln. Ist das mehr als Augenwischerei?
Das ist ganz klar ein Alarmzeichen. Wenn wir zum Punkt kommen, das sogar die lokale Bevölkerung und die Behörden, die vom Tourismus profitieren, denken, es sei zu viel, dann ist ein Umdenken angesagt. Ob dies durch Reglemente  und Schliessungen erreicht werden kann, bezweifle ich. Vielmehr habe ich schon fast eine buddhistische Hoffnung. Dass das Pendel plötzlich wieder zurückschlägt, eine natürliche Regulierung der Touristenmassen eintritt.

Wie meinen Sie das?
Die Leute wissen ja, dass an touristischen Hotspots wie dem Taj Mahal oder Angkor Wat Chaos ist. «Ich habe darauf keine Lust mehr, so was brauch ich nicht mehr», sagte mir mein Sohn nach dem Besuch Machu Picchu. Das geht vielen Reisenden so. Ich kenne viele, die in der Hauptsaison gar nicht mehr an solche Orte hinfahren. Abseits der Touristenströme gibt es noch so viele schöne Orte zu entdecken. 

Die Realität sieht anders aus. Nach den Westlern stürmen nun chinesische und indische Touristenhorden in die Welt. Zerstört der überbordende Massentourismus die Reiseträume von einst?
Anfang der 1980er-Jahre wohnte ich auf Phuket noch bei einem Fischer, weil es damals auf der Insel noch fast keine Hotels gab. Nun reiht sich dort ein Hotel an das nächste. Heute stellt alleine China täglich gegen 5 Millionen Reisepässe aus. Aber die Menschen aus Asien haben genauso das Recht wie wir vor 30 Jahren, die Welt zu entdecken. Das ist nicht das Problem. Vielmehr sehe ich eine gesellschaftliche Veränderung, die mir Sorgen macht.

Inwiefern?
Es ist bei vielen Menschen ein riesiges Bedürfnis da, aus ihrem gestressten Alltag auszubrechen. Das nimmt schon fast religiöse Züge an. Es ist ein Ritual geworden. Wir, die Reiseindustrie, ermöglichen das erst durch die absurd günstigen Flugtickets. Wir sind ehrlich gesagt mit diesem Zwiespalt ein bisschen überfordert.

Ich stelle mir manchmal schon die Frage, ob das heutige Reisen noch das ist, was wir vor 35 Jahren mit Globetrotter vermitteln wollten. Dennoch bin ich nach wie vor überzeugt:

«Reisen ist die beste Lebensschule!»

Viel besser wäre aber, wenn die Leute einmal pro Jahr eine grosse Reise und nicht mehrere kurze Trips machen, was ökologischer und nachhaltiger ist. Dafür sollte man mal den Reiseführer auch einmal zu Hause lassen und Destinationen abseits der Touristenströme erkunden.

Apropos Reiseführer: Wie bereiten Sie sich auf ihre Trips vor?
Wichtig ist, dass man sich vorab mit Land und Leuten auseinandersetzt, was Kultur und Religion angeht. Und mindestens Hallo, Adieu und Merci in der Landessprache sagen kann. Das ist überall möglich. Aber die Ignoranz der Touristen ist leider gross: In Bali schwärmen Touristen immer wieder vom Buddhismus – obschon 80 Prozent der Bevölkerung Hindus sind!

Diese Leute wissen nicht einmal, welche Religion in dem Land gelebt wird. Im Land selbst lasse ich mich gerne überraschen. Aber wenn ich einen Trip durch Pakistan mache, bereite ich mich natürlich gut vor. Dazu gehört auch, dass ich mich in den Islam einlese. Dieses Bewusstsein bei Reisenden zu schaffen, welche die Hotelbuffets suchen und fast nur am Strand liegen wollen, ist nicht einfach. Doch ich gebe die Hoffnung nicht auf. 

Viele Reisende wollen heutzutage auf keinen Fall Tourist sein. Das ist doch paradox!
Da müssen wir schon sehr aufpassen. Eigentlich macht auch der Individualtourist an der Khao San Road in Bangkok nichts anderes als eine grosse Gruppenreise. Denn alle haben denselben Lonely-Planet-Reiseführer, der sie zum besten Guesthouse und zum günstigsten Singha-Bier führt. Mit diesen Guidebooks reist man, etwas überspitzt gesagt,  eigentlich auch vororganisiert wie der Pauschaultourist in Bali. Nur umfasst die Gruppe nicht 20 Leute, sondern 3000 wie im Traveller-Viertel Bangkoks (lacht). 

Khao san road in Bangkok, Thailand. Bild: NARONG SANGNAK/EPA/KEYSTONE

In den 1970ern reisten die Hippes auf dem Landweg nach Goa, Indien. Wo findet man diese Freiheit heute noch?
Wenn wir morgen in den Flieger nach Neu Dehli steigen, Handy und Lonely Planet zu Hause lassen und dann zwei Monate mit Bahn, Bus, Bike und zu Fuss gen Süden reisen, uns bei den Einheimischen durchfragen, dann erleben wir ein Indien wie vor 30 Jahren in Goa! Doch man muss den Mut haben, sich einfach treiben zu lassen.

In welchen Gegenden lockt im Jahr 2018 noch das grosse Abenteuer?
Sibirien ist ein Traum. Dort kann man, abseits der Transsibirischen Eisenbahn, Sachen erleben, wo man keinen einzigen Touristen sieht. Kürzlich war ich mit meiner Partnerin in Sambia und erblickte sieben Tage lang fast keine Menschenseele.

Aber ganz viele Reisende haben einfach immer mehr Angst. Vor Durchfall, vor Unfällen, vor Überfällen. Alles ist auf Absicherung bedacht, das war früher viel weniger der Fall. Wir zogen einfach los. Angst ist auf Reisen ein schlechter Begleiter. Das führt auch dazu, dass Touristen in eher exotischen Ländern  an dieselben, besser entwickelten Orte gehen. Wie dies etwa in Bali mit der Region Kuta der Fall ist.

«Die Ratten rannten über unseren Schlafsack»

Sie reisen das ganze Jahr durch die Welt. Ihr ökologischer Fussabdruck ist eine Katastrophe. Haben Sie kein schlechtes Gewissen?
Ich bin mir voll bewusst, dass ich oft fliege. Ich will nichts beschönigen. Aber ein schlechtes Gewissen habe deswegen ich nicht. Im Gesamtkontext habe ich manchmal das Gefühl, dass etwas zu stark auf dem Reisen herumhackt wird. Die Problematik ist viel komplexer. Man denke etwa an die Industrie, Schiffsverkehr oder Kleiderherstellung. Aber klar, weniger ist mehr, nicht nur beim Reisen. Immerhin pendle ich in der Schweiz klimaneutral: Ich fahre seit 30 Jahren mit dem Velo zur Arbeit.

Lüthis krasseste Reise-Erlebnisse

Haben Sie eigentlich überhaupt noch Reisefieber?
Sicher ist das Kribbeln noch da! Ich habe Glück, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Das bringe ich nie mehr weg.

Wie viele Schweizer Pässe haben Sie schon gefüllt?
Ich habe etwa 120 Länder bereist und dabei über zehn Pässe mit Stempeln gefüllt. Rekordhalter ist Nepal: Dort war ich schon 45 Mal, das ist mein zweites zu Hause. Da war ich vermutlich in einem früheren Leben (lacht). 

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Nepal; Begegnung am Wegrand...

Ein Beitrag geteilt von André Lüthi Globetrotter (@andre_globetrotter) am

Welches war Ihr krassester Trip?
Das war vor Jahren eine Kanuexpedition mit meiner Partnerin in Alaska. Ohne GPS, ohne Satellitentelefon. Wir liessen uns damals mit einem Wasserflugzeug in der Wildnis aussetzen und sagten dem Piloten, er solle uns sieben Wochen später am Yukon wieder abholen. Der Fluss war viel schwieriger zu befahren, als wir gedacht hatten. Es wurde mehrmals kritisch, als wir nur noch mit Mühe aus Stromschnellen herauskamen. Wildtiere machten uns das Leben ebenfalls schwer: In der Nacht attackierte ein Grizzlybär unser Camp. Da kamen wir wirklich an unsere Grenzen. Ich bangte zwar nie um unser Leben. Aber manchmal war es wirklich  knapp – und ein unvergessliches Erlebnis, das ich nicht missen möchte. 

André Lüthi war schon oft mit dem Kanu unterwegs. zvg

Was war die mieseste Unterkunft, in der Sie je  gepennt haben?
Das war in den 1980er-Jahren in Kalkutta. Wir übernachteten für 20 Rappen bei einer Frau in einem Keller mit feuchtem Erdboden. Die Ratten rannten über unseren Schlafsack. Am Morgen kamen zwei Männer mit einem Wagen und sammelten Leichen vor unserer Unterkunft ein. Dieses Bild hat mich geprägt, ich war völlig überfordert. Da fragte ich mich schon, was ich eigentlich genau dort mache.

Was ist Ihr Lieblingsort auf der Welt?
Das ist die Stupa Boudhanath. Zehn Kilometer ausserhalb von Kathmandu. Dort laufen die Tibeter mit Gebetsmühlen um die Stube und suchen den Weg zu sich selber. Diese mystische Stimmung, diese Ruhe, diese Inspiration finde ich sonst nirgendwo.

Was ist Ihr grösster Reisetraum, den Sie noch verwirklichen möchten?
Ein grosses Ziel ist eine Motorradtour der besonderen Art: Ich möchte nach vier Nordkorea-Reisen mit dem Töff von Pjöngjang  nach Seoul fahren. Und damit ein Zeichen im Konflikt von Nord- und Südkorea setzen. Wenn alles klappt, geht es schon im Sommer 2019 los.

Leute, die sich auf Reisen selbst finden wollen:

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    Alle Leser-Kommentare
  • In vino veritas 27.10.2018 13:43
    Highlight Highlight Ach, wie schön. Den Massentourismus ankreiden und gleichzeitig ihn fördern und fröhnen. Ich bin immerhin ehrlich und sage, ja ich war dort und dort. Und ich will noch dort und dort hin. Aber ich verurteilte den Tourismus nicht. Ansonsten dürfte ich die Schweiz kaum verlassen.
  • Phiilofofi 27.10.2018 13:07
    Highlight Highlight Achja und das:

    "Immerhin pendle ich in der Schweiz klimaneutral: Ich fahre seit 30 Jahren mit dem Velo zur Arbeit."

    Schlechter Rettungsversuch.

    1. Das Klima beschränkt sich nicht auf die Schweiz (insb. wenn mal global unterwegs ist)
    2. Mit seinen Velofahrten wird er niemals die Flüge kompensieren. Trotzdem schön ist er mit dem Velo unterwegs.

  • Phiilofofi 27.10.2018 12:54
    Highlight Highlight Okay.. ich fass mal zusammen:

    Influencer sind blöde, aber selber per Instagram die unentdeckten Flecken der Erde preisgeben ist okay.

    Allenfalls regt es ihn zum Nachdenken an, aber das Geschäft läuft wohl einfach zu gut um es fallen zu lassen.

    Fazit:
    Er ist nicht der erste CEO mit Charisma...
  • Kimelik 27.10.2018 10:13
    Highlight Highlight Ok, seine Ausrede bzgl. Fliegen und Co2: die anderen sind imfall ou schlimm...

    Mit einem Flug nach Asien kann man ein mittelmässiges Einfamilienhaus ein jahr lang mit Öl heizen oder je nach Auto 15'000 - 40'000 km fahren.
    Das sind extreme Werte und sollten uns zu denken geben.
    Lasst mich mit den Schiffen in ruhe, bzgl CO2 ist dies nämlich gar nicht wahr.
  • arni99 27.10.2018 08:55
    Highlight Highlight Und was ist jetzt genau der Unterschied zwischen diesem André Lüthi und einem Instagram- Influenzer?
  • neutrino 26.10.2018 21:51
    Highlight Highlight Durchaus sympathisch das Interview, aber ist doch symptomatisch für viele reisende Westeuropäer: alle andere Touristen sind blöd, Fliegen umweltschädlich (dafür stellt man die Kaffeemaschine immer ab und fährt ein bisschen Velo - das macht alles wieder gut), Instagram blöd...etc.

    Ich reise auch gern und habe auch ein schlechtes Gewissen dabei und nerve mich auch ab Selfie-Insta-Touristen. Aber ich bin auch ein Tourist, ich schade der Umwelt, ich fotografiere gern (und zeig die Fotos auch gern anderen Menschen) - Fazit: ich bin nicht besser als all die anderen "Touristen".




  • Klangkartoffel 26.10.2018 19:27
    Highlight Highlight "Am Morgen kamen zwei Männer mit einem Wagen und sammelten Leichen vor unserer Unterkunft ein. "
    Was?

    Reisen hat zwei Seiten: Der Reisende und der Einheimische. Ersterer möchte möglichst der einzige am Ort sein, Natur und die lokale Bevölkerung antreffen.
    Der Einheimische (in ärmlichen Regionen) sieht im Tourismus eine Chance zur Verbesserung seiner Lebensumstände.

    Ein 'Hochschaukeln'. Die Touristen, die den letzten einsamen Flecken abgrasen und die Einheimischen, die so auch dort ein Hotel errichten und T-Shirts verkaufen können.

    Es braucht ein neues Bewusstsein. Von beiden Seiten.
  • Zeit_Genosse 26.10.2018 19:02
    Highlight Highlight Immer mehr Menschen können sich Reisen leisten. Das Internet mit Social Media ist ein Brandbeschleuniger für die Reiseindustrie, die jeden entlegenen Winkel bedient, ökonomisch und kommerziell die Welt aussagt und ökologisch bedenklich am CO2-Wachstum partizipiert. Umdenken wäre angesagt und Herr Lüthi könnte sich dem Thema annehmen, statt auf Problemkomlexität hinzuweisen zu der er ja merklich beiträgt.
  • Julian Roechelt 26.10.2018 18:18
    Highlight Highlight Nur Leute ohne Phantasie müssen dauernd reisen.
    Mir genügt die Vorstellungskraft meines Gehirns völlig.
  • El Vals del Obrero 26.10.2018 18:12
    Highlight Highlight Ich sehe eher die zu günstigen Flugtickets als Problem. Die machen die Welt halt einfach kleiner.

    Früher veranstaltete man die Party am regionalem Baggersee, heute fliegt man dafür in irgendeine Grossstadt. Früher fuhr man in den Ferien z.B. mit dem Zug 2 Tage nach Portugal, heute geht man zum Wochenend-Shopping auf einen anderen Kontinent.

    Und der Weg sollte doch auch ein Teil des Ziels sein.
    Das fällt heute grösstenteils weg und die Flughäfen sehen eh überall gleich aus.

    Solch ein Lied wird in der Billigfliegerzeit wohl kaum mehr geschrieben:
    Play Icon
  • MoistVonLipwig 26.10.2018 17:47
    Highlight Highlight Ist das Interview lesenswert? Gleich nach der ersten Antwort aufgehört.
    -> Titel: Blöder Fotowahn, blöde Influencer
    -> Erste Frage/Antwort
    -> Bild seines Instagramaccounts
    Das ganze Interview so scheinheilig wie der erste Eindruck?
    • Phiilofofi 27.10.2018 13:09
      Highlight Highlight Du hast bereits eine Zusammenfassung des Interviews geliefert.

      Es wird nicht besser xD
  • Imnon 26.10.2018 17:01
    Highlight Highlight Alle reisen und regen sich über Reisende auf. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
  • whatthepuck 26.10.2018 16:47
    Highlight Highlight Ich denke diese angetönten Pendelbewegungen gibt es tatsächlich. Heute sind ja auch nicht die gleichen Ziele angesagt wie vor 20 Jahren. Und in 20 Jahren wird es wieder anders sein. Klassiker wird es immer geben, in anderen Gegenden entspannt es sich irgendwann vielleicht wieder. Dass immer noch mehr Menschen noch öfters reisen kann aber kaum wegdiskutiert werden.

    Am besten gar nicht oder sonst dorthin reisen wo's grad nicht so angesagt ist - schön ist es dort nämlich meistens trotzdem, einfach ohne die Menschenmassen.

    Und ja, Machu Picchu ist ein furchtbarer Ort.
  • Schreimschrum 26.10.2018 16:44
    Highlight Highlight Ja sorry, ich bin Fotograf und gehe garantiert nicht ohne Kamera(s) reisen. Aber diese Influenzas gehen auch mir auf den Geist. Klar auch ich verbringe stunden an dem gleichen Ort um das perfekte Foto zu machen, aber weil das meine Leidenschaft und mein Hobby ist! Nicht weil es mir um irgendwelche likes geht... Dafür möchte ich mich auch nicht weiter rechtfertigen ehrlich gesagt.
    • 's all good, man! 26.10.2018 17:44
      Highlight Highlight Und warum hast du denn diesen Rechtfertigungsdrang? Ich glaube, solche Fotografen wie du sind auch gar nicht gemeint..

      (Abgesehen davon glaube ich keinem Fotografen, dass er nicht auch wenigstens ein kleines bisschen auf die Feedbacks und Likes steht [bin selber einer]) 😉
    • The Count 27.10.2018 11:51
      Highlight Highlight Saul Goodman, ich bin auch Fotograf, teile meine Bilder aber nur wenn ich inständig darum gebeten werde. Ich fotografiere für mein Auge, die Meinung der anderen ist irrelevant.
  • plaga versus 26.10.2018 16:33
    Highlight Highlight Auf mich wirkt Herr Lüthi nicht glaubwürdig, eher wie ein Vielreisender, der die Frage nach der Verantwortung für die Umwelt einfach auf "die Komplexität der Problematik" abschiebt.
    • André Lüthi 27.10.2018 11:24
      Highlight Highlight Danke für den guten Kommentar. Ich rege mich nicht über Touristenmassen auf - ich stelle einfach fest. Und bin mir absolut bewusst, dass auch ich ein Teil des Problems bin. Ich habe auch nichts gegen Menschen die fotografieren. Aber mich ärgert, dass sich Influencer ihre Reisen zahlen lassen und dabei oft Land und Leute vergessen. Das Reisen ist eine der besten Lebensschulen - wenn man sich auf ein Land vorbereitet, sich auf die Kultur einlässt und sich Zeit nimmt. Ich möchte einfach versuchen, das Bewusstsein zu sensibilisieren für eine längere Reise statt für viele Kurztrips.

      André Lüthi
  • The Count 26.10.2018 16:31
    Highlight Highlight Der Andre ist ja ein ganz lustiger. Verteufelt die Influencer, und selber postet er Bilder von unberührter Natur. In seiner Position ziemlich dumm.
  • Relativist 26.10.2018 16:27
    Highlight Highlight Zum Glück sind die meisten Individualtouristen heute Warmduscher die sich, wie André so schon sagt, in flexibel organisierten Gruppen bewegen. Dies ermöglicht dem Rest von uns der Horde aus dem Weg zu gehen. Dies kann gesamte Regionen beinhalten. Zum Beispiel Sibirien, Südrussland, die Mongolei (abseits der Transsibirischen) und insgesamt Zentralasien. Oder aber auch Regionen innerhalb von Ländern. Wir haben es z.B. in Thailand geschafft, eine Woche am Stück während dem Reisen keinen Falang anzutreffen. Im LP findet man diese Orte aber nicht.
    • Sir Eau Tonin 26.10.2018 19:17
      Highlight Highlight Du beschreibst ganz einfach die nächste, noch verbissenere Stufe möglichst individuell zu wirken. Ein müdes, mitleidiges Lächeln bewirkts immerhin noch bei mir...
    • The Count 27.10.2018 11:52
      Highlight Highlight Ich halte es wie Relativist. Es ist auch sehr hilfreich dass viele dieser Reisehipster nicht Auto fahren können oder dürfen, für uns Outbackerkunder ein Segen 😃
  • Garp 26.10.2018 16:02
    Highlight Highlight Er hat ja auch dazu beigetragen, dass alle reisen wollen und schöne, unberührte Orte bekannter gemacht.
    Dass er kein schlechtes Gewissen hat und meint in der Schweiz dann einfach mit dem Rad rumzufahren kompensiere seinen CO2 Verbrauch durch die Flüge, zeigt dass er genau so ein Egoist ist.
  • metall 26.10.2018 15:38
    Highlight Highlight Für die Umwelt ist fotografierten jedenfalls besser als fliegen
  • 's all good, man! 26.10.2018 15:33
    Highlight Highlight Schon ein bisschen scheinheilig, der liebe Herr Lüthi. Regt sich über die ganzen Touri-Massen auf und jammert, dass es nicht mehr so ist wie früher. Aber selber verkauft er mit seinem Unternehmen erfolgreich genau diese Art von Reiseträumen. Da ist er dann halt trotzdem ein CEO wie jeder andere auch. 😉

    Aber: er hat natürlich auch recht. Ich bin häufig in einem Reiseforum für das südliche Afrika unterwegs und die Reisenden von heute scheinen zu einem Grossteil wirklich alles pfannenfertig durchgeplant und ohne jegliche Individualität und Sponatität «machen» zu wollen.
    • André Lüthi 27.10.2018 11:22
      Highlight Highlight Danke für den guten Kommentar. Ich rege mich nicht über Touristenmassen auf - ich stelle einfach fest. Und bin mir absolut bewusst, dass auch ich ein Teil des Problems bin. Ich habe auch nichts gegen Menschen die fotografieren. Aber mich ärgert, dass sich Influencer ihre Reisen zahlen lassen und dabei oft Land und Leute vergessen. Das Reisen ist eine der besten Lebensschulen - wenn man sich auf ein Land vorbereitet, sich auf die Kultur einlässt und sich Zeit nimmt. Ich möchte einfach versuchen, das Bewusstsein zu sensibilisieren für eine längere Reise statt für viele Kurztrips.

      André Lüthi
    • André Lüthi 27.10.2018 12:22
      Highlight Highlight Welch ein emotionaler, unter die Haut gehender Start ins Fernwehfestival vor 1200 Reisebegeisterten gestern Abend - „Die letzte Widnis“ mit Florian Schulz. In Interview verriet er mir, warum Barack Obama ihn um seinen Bilder gebegen hat. Heute und morgen folgt ein Höhepunkt nach dem anderen im Kursall in Bern. www.fernwehfestival.ch
  • RiotGurl 26.10.2018 15:03
    Highlight Highlight Top. Ich war kürzlich in Island und ich habe mich nur aufgeregt über diese Influencer. Richtig nervig sowas.
    • Kyle C. 26.10.2018 15:48
      Highlight Highlight Aber Island bietet abseits der bekannten Attraktionen mind. genauso schöne Orte! Einige Hotspots habe ich besucht, man fährt ja quasi daran vorbei. Andere aber habe ich einfach ausgelassen ohne schlechtes Gewissen. Resultat: die schönsten Orte waren die, die abseits vom ganzen Tourirummel waren.

      Ich habe persönlich kein Problem mit Influencers, die Knipserei war schon immer da. Mit oder ohne Stick. Hingegen treibt dieser Wahn gewisse Mensch dazu, sich in teilw. lebensgefährliche Situationen zu begeben. Das ist dann nicht nervig, sondern dumm.
    • Triumvir 26.10.2018 16:39
      Highlight Highlight mimimi und du hast natürlich gar keine Fotos gemacht 🙄
  • kupus@kombajn 26.10.2018 14:54
    Highlight Highlight Ich war schon immer ein Fotomuffel. Selfiestick besitze ich nicht und er fehlt mir auch nicht. Die Erinnerungen habe ich im Kopf. Andere sollen selber dahin gehen, wo ich war, statt meine Fotos anzuschauen. Da haben sie mehr davon. Und sonst gibt's von jedem Ort einen Haufen Fotos im Internet, die sie anschauen können. Nur meine Kinder fotografiere ich dann und wann, damit sie später, wenn sie gross sind, Erinnerungen an ihre Kinder und die Orte, an denen sie waren, haben. Wie schlecht man sich irgendwann an die eigene Kindheit erinnert, merke ich selber immer mehr.

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