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Pierre Alain Schnegg, Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektor, Praesident des Regierungsrates, posiert im Regierungszimmer des Berner Regierungsrates, am Mittwoch, 3. Juni 2020 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg. Bild: keystone

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Marc Lüthis grosser Gegenspieler ist ein «Marc Lüthi der Berner Politik»

SCB-Manager Marc Lüthi (59) ist der charismatische Kämpfer für den Berner Profisport. Wer ist der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (58), sein politischer Gegenspieler, der das Grossveranstaltungsverbot qua Amt verantwortet? Er ist Marc Lüthi im Führungsstil durchaus ähnlich. Inzwischen ist auch klar: Die Liga will nach den Begrenzungen im Kanton Bern weder Unterbruch noch Abbruch der Meisterschaft.



Bürgerliche Politik dürfte wohl am ehesten Marc Lüthis Wesen entsprechen. Klugerweise ist er politisch und konfessionell strikt neutral und hat sich in mehr als 20 Jahren als SCB-Frontmann noch nie in ins linke oder rechte Lager einordnen lassen. Wohl wissend, dass seine Kundschaft – die SCB-Anhängerinnen und Anhänger – verschiedenster politischer, kultureller und konfessioneller Couleur ist. Seine Partei ist der SCB. Und doch ist es wie eine Ironie der Geschichte, dass er mit Berns Gesundheits- und Sozial-Direktor Pierre Alain Schnegg ausgerechnet mit einem bürgerlichen Politiker publikumswirksam in Konflikt geraten ist.

«Schnegg» steht in der Berner Mundart für «Schnecke». Was ganz und gar nicht zum Regierungsstil des Berner Gesundheits- und Sozialdirektors passt. Im Berner Regierungsapparat, der jeden Entscheid bis zum jüngsten Tag zu verzögern vermag, ist Pierre Alain Schnegg eher ein Turbo. Er stammt nicht aus einer der einflussreichen Berner Familien und ist auch kein Jurist. Er ist ein Aufsteiger aus einfachsten Verhältnissen im ehemaligen bernischen Untertanengebiet Jura. Aufgewachsen in Bévilard, hoch über dem Vallée de Tavannnes, wo das Klima rau ist, und er lebt heute in der Nachbarsgemeinde Champoz.

Ein Jurassier also. Mit französischer Muttersprache, aber durchaus dem Berndeutschen mächtig. Der Vater arbeitete in einer Maschinenfabrik. Die Mutter zog die drei Buben gross. Dann der rasche Aufstieg. KV-Lehre. Studium zum Informatikingenieur. Firmengründer. Von Ernst & Young 2004 gar als «Entrepreneur of the Year» geadelt. 2013 Eintritt in die SVP. 2014 verkauft er seine IT-Firma Solvaxis an schwedische Investoren, wendet sich im Alter von 52 Jahren der Politik zu und wird in den Grossen Rat des Kantons Bern gewählt. Zwei Jahre später sitzt er in der Regierung. Seine Gegner murren: ein SVP-Karrierist.

Dass er vorgeprescht ist und vor allen anderen Kantonen dem publikumswirksamen Profisport in seinem Untertanengebiet mit einer 1000-Personen-Limite die Flügel gestutzt hat, entspricht seiner Art, Politik zu machen. Und wahrscheinlich würde der fast gleichaltrige Marc Lüthi in einem Exekutivamt vom Führungsstil her gar nicht viel anders politisieren.

Pierre Alain Schnegg sagte einmal, den Wechsel von der Chefetage eines Unternehmens in die Gesundheits- und Fürsorgedirektion habe er als Kulturschock empfunden. Aber er hat sich schnell zurechtgefunden. Der politische Apparat hat ihn nicht domestiziert und gebremst. Er bremst die Politik aus und sagt inzwischen, das Gute an der Politik sei, dass man etwas verändern könne. Kein Wunder, wird geklagt, wenn es nach Schnegg gehe, solle möglichst niemand mitreden, der anderer Meinung ist. Ähnliche Klagen sind hin und wieder auch aus dem Inneren des SCB-Fuchsbaus zu vernehmen.

CEO Marc Luethi, spricht waehrend einer Vorsaison-Medienkonferenz des SC Bern, am Montag, 31. August 2020 in der Postfinance Arena, in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Marc Lüthi und Pierre Alain Schnegg sind sich noch ähnlich. Bild: keystone

Wir wissen nun, wie der Politiker Pierre Alain Schnegg tickt. Einer, der mit ihm schon oft die Klingen gekreuzt hat, sagt es so: «Er ist sehr jovial, aber du kannst ihn nicht durchschauen. Du weisst nie, was er vorhat.» Eine Charakterisierung, die auf Marc Lüthi nicht zutreffen würde. Der SCB-Manager ist ein geradliniger Kommunikator und pflegt seine Strategien und Visionen offenzulegen und dem Publikum zu «verkaufen» – er muss ja intern und extern weniger Rücksicht nehmen als der Vorsteher eines Regierungsdepartementes. «Vielleicht wäre das so», sagt Marc Lüthi. «Aber in sachpolitischen Themen wäre ich anderer Meinung…»

Klubs bemühen sich um Subventionen

Eine Aufhebung der 1000er-Limite ist in Bern weder auf einem «Eilmarsch» durch die politischen Institutionen noch über öffentlichen Druck zu erreichen. Zu schwierig, zu unsicher sind die Zeiten. Es geht schliesslich nicht nur um das wirtschaftliche Überleben der Sportunternehmen – es geht auch um die Volksgesundheit und das Gesundheitssystem. Inzwischen konzentrieren sich die Sportunternehmen im Bernbiet auf die Bemühungen um staatliche Gelder als wirtschaftliche Überlebenshilfe.

Ein gemeinsames Vorgehen der «grossen Vier» im Bernbiet (YB, SCB, SCL Tigers, Biel) ist schwierig. Sportunternehmen, die einem intensiven sportlichen und wirtschaftlichen Wettbewerb ausgesetzt sind, tauschen zwar Informationen aus. Aber mit einer Stimme können sie nicht sprechen. Sie konnten sich jetzt auch nicht zu einer einzigen, gemeinsamen Erklärung durchringen. Der SCB und YB haben sich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. «Wir haben uns abgesprochen und entschieden, dass wir keine weiteren öffentlichen Aktionen machen», sagt Langnaus Geschäftsführer Peter Müller.

Aber alle vier Berner Sportunternehmen der höchsten Spielklassen haben ihre einflussreichsten Vertreter losgeschickt, um am Regierungssitz in Bern zu weibeln und zu lobbyieren. Und sie mobilisieren auch ihre Gewährsleute in den anderen Kantonen. Eine Intervention durch Liga-Direktor Denis Vaucher ist nicht vorgesehen. Vielmehr soll nun auf Bundesebene erreicht werden, dass die vom Parlament bereits bewilligten staatlichen Kredite für den Profi-Sport definitiv in Subventionen umgewandelt werden. Und ist es eventuell möglich, einen Zustupf aus der Berner Staatskasse zu bekommen?

Abbruch der Liga kein Thema

Liga-Direktor Denis Vaucher sagt, die Meisterschaft werde trotz der 1000er-Limite fortgesetzt. «Ein Unterbruch ist kein Thema.» Nach wie vor gebe es auch genug terminlichen Spielraum, um verschobene Spiele nachzuholen.

Klar reglementiert ist nach der vorzeitig beendeten letzten Saison im offiziellen Spielreglement auch: Sollte die Meisterschaft abgebrochen werden, gibt es weder in der National League noch in der Swiss League einen Meister und somit auch keinen Aufsteiger in die National League (der Abstieg ist sowieso ausgesetzt). Was für Kloten unter Umständen ganz bitter sein könnte – bereits im letzten Frühjahr sind die Zürcher um den Aufstiegskampf gebracht worden. Der SCB und Langenthal, die Meister von 2019, würden hingegen im Falle eines Abbruches eine weitere Saison Titelverteidiger bleiben.

Das Reglement ist eindeutig:

1.4. Spezielle Bestimmungen

Art. 24 Abbruch der Meisterschaft

Muss die Meisterschaft aufgrund höherer Gewalt abgebrochen werden (endgültiger Beschluss durch Ligaversammlung), gibt es in dieser jeweiligen Saison weder einen Meister noch Auf- und Absteiger. Das gilt für die Ligen National League, Swiss League, U20-Elit und U17-Elit. Dies immer unter der Voraussetzung, dass die Meisterschaften nicht vollständig zu Ende gespielt werden können.

Teilnehmer für die Champions Hockey League werden in so einem Fall aufgrund der Rangliste nach der Regular Season bzw. aufgrund der Rangliste zum Zeitpunkt des Abbruchs der Meisterschaft ermittelt. Die Rangliste wird aufgrund der durchschnittlich pro Spiel erreichten Punktzahl erstellt (Anzahl Punkte dividiert durch Anzahl Spiele / dies für den Fall, dass die Teams zum Zeitpunkt, wo die Meisterschaft abgebrochen wird, eine unterschiedliche Anzahl Spiele absolviert haben). Für die Berechnung der Ranglistenreihenfolge bei Punktgleichheit gelten die Weisungen des Spielbetriebs für den Leistungssport.

SIHF-Reglement

Eine Änderung dieser Regelung wäre im Rahmen einer Liga-Versammlung der Klubs aus der National League und der Swiss League nur mit einer sehr, sehr schwierig zu erreichenden Dreiviertelmehrheit möglich.

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