Blaulicht
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Daniel Blumer, links, Kommandant der Stadtpolizei Zuerich, und Polizeivorsteher Richard Wolff, rechts, in der St. Peters Kirche in Zuerich am Freitag, 28. Maerz 2014. Fuenf Aspirantinnen und 24 Aspiranten der Klassen F13 und W13 haben das erste Jahr der Zuerrcher Polizeischule ZHPS erfolgreich abgeschlossen und die Eidgenoessische Berufspruefung

Daniel Blumer (links) neben Stadtrat Richard Wollf. Bild: KEYSTONE

Interview mit dem Polizeikommandanten

«Herr Blumer, könnte die Zunahme der Gewalt auch etwas mit dem Verhalten der Polizisten zu tun haben?»

Der höchste Zürcher Ordnungshüter im Gespräch über Gewalt gegenüber Polizisten und ob deren Zeit als Respektperson gezählt ist.



Ein Artikel der Aargauer Zeitung

sophie rüesch, aargauer zeitung

Herr Blumer, ein Mann, der am 1. Mai 2012 Stadtpolizisten mit Steinen bewarf, wurde gestern zu fast drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, ein halbes davon unbedingt. Es ist das erste Mal, dass das blosse Inkaufnehmen von möglichen Verletzten zu einer so hohen Strafe führt. Was bedeutet das für Sie?
Daniel Blumer:
Wir haben das Urteil mit grosser Genugtuung aufgenommen. Für uns ist vor allem die Signalwirkung wichtig. Die Auffassung, dass es eben zum Berufsrisiko eines Polizisten gehört, mit Steinen beworfen oder generell angegriffen zu werden, ist verbreitet. Das Gericht hat nun klar gezeigt, dass das nicht geht. Dass das Zürcher Bezirksgericht gezielte Steinwürfe gegen Polizisten als versuchte schwere Körperverletzung beurteilt, heisst, dass auch ähnliches Verhalten künftig zu einer schwerwiegenden Bestrafung bis hin zur unbedingten Freiheitsstrafe führen kann.

Hoffen Sie, dass es nun weniger Gewalt gegenüber Polizisten gibt? 
Ich glaube, dass das Urteil im gewaltbereiten Sportumfeld, aber auch bei politisch motivierten Straftätern zu einem Umdenken führen könnte, wenn künftig mit mehrmonatigen Haftstrafen zu rechnen ist. Leute, die bei solchen Anlässen aggressiv werden, führen unter der Woche meist ein ganz normales Leben. Doch wer zu lange am Arbeitsplatz fehlt, kann diese Fassade nicht mehr aufrechterhalten.

Der betroffene Polizist trug vom Vorfall am 1. Mai bleibende Schäden davon. Gibt es heute mehr Übergriffe auf Polizisten als früher? 
Ja, über die letzten Jahre hinweg hat sowohl die Anzahl der Angriffe erheblich zugenommen als auch die Bereitschaft, schwere physische Gewalt anzuwenden. Zurzeit stagniert die Zahl, aber auf hohem Niveau. Die Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten ist heute deutlich zu hoch. Zudem werden auch Sanitäter und Feuerwehrleute vermehrt angegriffen.

Daniel Blumer ist seit knapp einem Jahr Kommandant der Stadtpolizei Zürich, dem mit rund 2100 Mitarbeitern drittgrössten Polizeikorps der Schweiz.

Wie bitte? 
Ja, wir müssen immer häufiger ausrücken, um andere Blaulichtorganisationen zu beschützen. Wahrscheinlich ist es die Kombination von Blaulicht, Sirene und Uniform, die Aggressionen gegen die in gewissen Kreisen verhasste Staatsgewalt verursacht. Da wird nicht mehr zwischen «Good Cop» und «Bad Cop» unterschieden. 

Wie oft werden Ihre Polizisten bei Einsätzen verletzt? 
Zurzeit verzeichnen wir etwa einen Fall pro Woche. Rund einmal im Monat handelt es sich dabei um schwerere Verletzungen, die zu einem Arbeitsausfall führen.

Aggression führt in der Regel zu mehr Aggression. Könnte die Zunahme auch etwas mit dem Verhalten der Polizisten zu tun haben? 
Nein, im Gegenteil: Wir schulen unsere Mitarbeiter bewusst immer intensiver in Deeskalationstechniken. Es ist überhaupt nicht unsere Philosophie, Gewalt zu provozieren oder mit Gegengewalt zu reagieren.

Wie gehen Sie mit Gewalt gegenüber Angestellten um? 
Bei schweren Übergriffen werden sie von der polizeipsychologischen Abteilung betreut. Zudem zeigen wir Täter konsequent an. Das Urteil zeigt nun, dass das auch Folgen hat.

Haben Polizisten schon gekündigt wegen des Verletzungsrisikos? 
Das nicht, aber es kommt ab und zu vor, dass Mitarbeiter weg von der Front in den Innendienst wechseln. Ich erinnere mich etwa an ein Polizistenpaar, bei dem ganz bewusst nur eine Hälfte Einsätze an der Front leistet – damit stets gewährleistet ist, dass mindestens ein Elternteil noch voll arbeitsfähig ist.

Sind denn die Tage des Polizisten als Respektperson gezählt? 
Nein, von der Mehrheit wird der Polizist oder die Polizistin nach wie vor als staatliche Autorität respektiert. Doch die Ausnahmen nehmen zu. Das betrifft übrigens nicht nur die Polizei, dasselbe stellen wir auch bei vielen anderen Berufsgruppen fest.

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