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epa02743920 US actor Sean Penn arrives for the screening of 'This Must Be The Place' during the 64th Cannes Film Festival in Cannes, France, 20 May 2011. The movie by Italian director Paolo Sorrentino is presented in the Official Competition of the film festival, running from 11 to 22 May.  EPA/IAN LANGSDON

Selbstbewusstsein ist nur ein anderes Wort für Sean Penn. Bild: EPA

Review

Sean Penns Roman ist der literarische Carcrash des Jahres

Es sieht aus wie ein Buch, es sind auch Buchstaben drin, aber what the fuck will uns der Autor eigentlich sagen? Wir haben es gelesen. Ganz.



Der Ex-Mann von Madonna, Ex-Mann von Robin Wright, Ex-Freund von Charlize Theron, Inhaber von zwei Oscars und dauerbraungebrannte Faltenträger Sean Penn hat einen Roman geschrieben. Wieso nicht? Viele machen das. Macht ja auch Spass. Und ein paar Schauspieler sind richtig gute Romanschreiber. Zum Beispiel Stephen Fry und Ethan Hawke. Und ... okay, Stephen Fry und Ethan Hawke.

Gut, alle, die gedenken, das Buch zu lesen, sollen bitte an dieser Stelle umgehend aus dem Artikel aussteigen. Ich wiederhole: Alle, die gedenken ...

«Bob Honey Who Just Do Stuff» heisst Penns literarisches Debut. Es erzählt von Bob Honey, der einfach Sachen macht. Bob Honey ist 1960 zur Welt gekommen. Sean Penn auch. Bob Honey ist Experte für Entsorgungen aller Art, er kennt sich zum Beispiel im Abwasserbereich gut aus, arbeitet aber auch als Auftragskiller mit Kernkompetenz Feuerwerk.

«Es scheint fast nicht möglich, dass ein Mensch diesen Mist geschrieben hat.»

«Huffington Post»

This cover image released by Atria shows

Bild: AP/Atria

Er lebt in einer kalifornischen Kleinstadt, ist geschieden, und seine Ex-Frau fährt einen Glacé-Wagen, was ihn nervt, weil sie immer in seinem Quartier rumfährt, um ihn mit der Glacé-Wagen-Musik zu nerven. Oft stellt er sich vor, sie zu töten, nicht zuletzt, weil in einem ihrer Nasenlöcher immer diese kleine Popel-Flocke wie ein winziger Kolibri flattert. Ein seltsamer Auftraggeber namens Loodstar beauftragt ihn mit der Liquidation alter Menschen, weil diese zuviel furzen und damit die Ozonschicht beschädigen würden. Bob Honey killt also Alte.

«Für jeden guten, klaren Satz gibt es ein Dutzend sprachlicher Verkehrsstaus, bei denen man fast hören kann, wie die Wörter einander zuhupen.»

«The New York Times»

Eines Tages lernt er die junge Annie kennen. Er überlegt kurz, ob sie nicht vielleicht zu jung sei, aber ihm gefällt wahnsinnig gut, dass sie vollkommen – also überall – unbehaart ist und geile Perücken trägt. Kein Mensch versteht, wieso die höchstens 21-jährige, superscharfe Annie mit dem abgewrackten 50plus-Typen Sex hat, aber Fiktion zu schreiben heisst ja auch einfach mal irgendwas zu behaupten und darauf zu vertrauen, dass es irgendjemand glaubt. 

In this April 17, 1986 photo, Sean Penn and his wife, singer Madonna chat with reporters prior to the screening of Penn's new movie

1986, mit Madonna, die er damals «meine Gattin» nennen durfte. Bild: AP

Annie düst mit ihren Freundinnen nach L.A. und simst BH das Bild eines schwarzen Dildos, den sie am Strassenrand gesehen hat. BH fährt ebenfalls nach L.A., sucht und findet den Dildo und bringt ihn mit Hilfe von Semtex in der Wüste zum Explodieren. Wieso? Egal. Irgendwann ist er in Bagdad. Wieso? Auch egal.

Hauptsache, mit irgendwelchen Aggressionen wird irgendwas angestellt. Denn BH ist immer aggro. Wieso? Wegen Trump! Seltsam. Eigentlich wird er ein halbes Buch lang als prototypischer Trump-Trampel beschrieben, als abgehängter, von reinen Reflexen regierter Frusthaufen. Doch plötzlich zitiert er Camus und noch ein paar andere, denkt – leider!!! – fast nur noch in Gedichten und hat Hillary gewählt. Er schreibt Trump einen eloquenten Drohbrief und fordert ihn zum Duell. 

«Worte werden nicht nur falsch gebraucht, sie werden auch derart falsch gesetzt, dass Penns Prosa mehr an einen Bot als an einen Menschen erinnert.»

«The Guardian»

Sean Penn, director of the film

2007 mit Robin Wright, Amerikas zukünftiger Netflix-Präsidentin. Bild: AP A-PIZZELLO

What the fuck haben wir beim Lesen übersehen? Ähm, nichts. Zuerst ist BH ungebildet, dann ist er gebildet. Kann halt passieren. Diesen Plot hätte auch John Grisham nicht retten können.

So richtig blöd findet er neben Trump übrigens nur «MeToo», das sei infantil, «der Kreuzzeug eines Säuglings», der Vergewaltigung und sexuelle Belästigungen auf «verantwortungslose Kinderspiele» reduziere. Huch? Echt? Der Kerl, der eben noch seine Ex unentwegt slutshamte und in Gedanken mehrfach metzelte und der seine Annie in allen Positionen haarlos durchvögeln wollte, sagt den Frauen plötzlich, wie Feminismus geht? Geile Logik. Kann man was lernen von.

«Was hat sich Sean Penn gedacht? Möge er niemals seinen Brotjob aufgeben!»

«The Washington Post»

From left, British actress Kate Winslet holds the Oscar for best actress for her work in

2009 gewann er seinen zweiten Oscar für «Milk», flankiert wird er von den beiden Oscar-Gewinnerinnen Kate Winslet und Penelope Cruz. Bild: AP

Stilistisch ist das Ganze ein Irrsinn. Sean Penn – der übrigens ruhig mal seine Autobiografie einem geschickten Ghostwriter anvertrauen darf – hat erstens das Adjektiv, zweitens die Alliteration entdeckt. «Lone, lonely loonies lacking love» ist nur eine von einer gefühlten Trilliarde an Formulierungen. Wenn er gefragt wird, wieso er schreibt, wie er schreibt, sagt er: «Bukowski.» Also Charles der Mackerschreiber Bukowski. Und der Ultrawitz? Salman Rushdie bewirbt das Buch auch noch auf dem Umschlag. Was hat er dafür gekriegt?

Die Kritik, die Penn jetzt erntet, findet er zwar uncool, sagt aber all den anämischen Journalisten, die nicht genug Geld für irgendwas verdienen und ihm und all seinen Ex-Frauen höchstens in Viehherden von 150 Stück an irgendwelchen Festivals begegnen: «Ich bin 57 und mein Pool ist geheizt.» Da hat er nun irgendwie auch wieder Recht.

Auch hier wird was mit einem Schriftsteller gemacht

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Video: watson/Nico Franzoni, Lya Saxer

Bestseller-Alarm: Das sind die 40 meistverkauften Bücher ever

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 10.04.2018 21:28
    Highlight Highlight Das Buch muss ich unbedingt lesen!
  • Ptbagm 10.04.2018 14:56
    Highlight Highlight Komischerweise habe ich jetzt richtig Lust auf dieses Buch! Es klingt so schlecht, dass es schon wieder Spass machen könnte es zu lesen.
  • Hayek1902 10.04.2018 14:42
    Highlight Highlight Ist es einfach schlecht oder ist es schon wieder so schlecht, dass es eigentlich gut ist?
  • Dinolino 10.04.2018 10:59
    Highlight Highlight Schade konnte die Poesie in dieser Dystopie Fr.Meier nicht erreichen. Ausserdem ist es nicht sein Erstlingswerk.... check your facts!
  • mein Lieber 10.04.2018 07:52
    Highlight Highlight Ich bin überrascht dass ich diesen Beitrag überhaupt mitbekommen habe, weil ich um diese Zeit normalerweise Sean Penn. Badummm Tzzz.....
  • silverback 09.04.2018 23:49
    Highlight Highlight Da kann ich nur sagen «MeToo», ich werde das Buch auch lesen! Danke Simone Meier, für den Tipp :-*
  • Pitorak 09.04.2018 23:21
    Highlight Highlight Über diese beschreibung musste ich herzhaft lachen, hatte das buch doch noch etwas positives🤪
  • Lamino 420 09.04.2018 23:04
    Highlight Highlight Ziemlich schräg, danke für den Artikel.

    Vielleicht aber hat Sean Penn einfach ein neues Genre entdeckt und sorgt für eine Literaturrevolution.😀
  • neckslinger 09.04.2018 22:52
    Highlight Highlight Vielleicht hat das Buch ja wirklich ein Bot geschrieben...
  • nilsnektarine 09.04.2018 22:50
    Highlight Highlight Bis zu dem teil mit dem ozon und den fürzen hätte ich mir vorstellen können, dass stephen king daraus einen hammer roman geschrieben hätte, aber dann... nope, gewisse dinge sollte man einfach nicht schreiben 😄
  • Isdabeh 09.04.2018 22:03
    Highlight Highlight Nicht nur Stephen Fry, sondern auch Ethan Hawke schreibt richtig gute Bücher.
    Probierts mal aus und ihr werdet sehen 😊
  • pfffffffff 09.04.2018 21:10
    Highlight Highlight Jetzt bin ich so richtig angefixt, das Buch zu lesen, so in den Ferien auf dem Liegestuhl mit dem Drink zur Hand und dem Pool oder dem Meer zu Füssen eine sinnentleerte und vielleicht hintergründig doch geistreiche Story zu lesen.
    Immerhin ist Sean Penn ein sehr guter Schauspieler (wobei ich immer sage, gute Schauspieler sind im Prinzip einfach sich selbst beim Drehen) und exzellenter Filmemacher. Da kann das Buch eigentlich nur positiv überraschen nach aller Kritik.
  • Alnothur 09.04.2018 20:33
    Highlight Highlight "Für jeden guten, klaren Satz gibt es ein Dutzend sprachlicher Strassenstaus, bei denen man fast hören kann, wie die Wörter einander zuhupen."

    Also eigentlich wie in diesem Artikel.
    • Walter Sahli 10.04.2018 01:17
      Highlight Highlight "Oller Kiesel" sagte die Sau, die gerade eine Perle verspeiste.
  • the_hoff 09.04.2018 20:22
    Highlight Highlight Normalerweise würde ich ja sagen ihr übertreib mit eurer bewertung. Aber da ich erstens nie Frau Meier anzweifeln würde und zweitens die bewertung der NY Times gelesen habe denke ich der "Roman" ist wirklich schlimm. Vielleichg werde ich in trotzdem lesen. Warum? Ich bin 29. Habe keinen Pool aber meine Badewanne kann ich beheizen.
    • the_hoff 10.04.2018 08:20
      Highlight Highlight Da hätte ich dann tatsächlich ein Problem. Vielleicht ein Feuer neben der Badewanne machen? Ein halber Sean Penn :D danke für die Blumen
  • Gary Poor 09.04.2018 20:20
    Highlight Highlight Schaut euch mal ‚the day i met el chapo‘ auf Netflix an. Da sieht man was für ein selbstverliebter, rücksichtsloser Egomane Sean Penn ist. Schade, ich fand ihn mal cool.
  • TanookiStormtrooper 09.04.2018 20:19
    Highlight Highlight Immerhin ist das Buch vielen Journalisten offenbar einen Artikel wert. Wieviele Autoren bekommen denn sonst eine Rezension in allen grossen Zeitungen?

    Oder, Frau Meier? 🍖😜
    • Dingsda 09.04.2018 21:54
      Highlight Highlight Für SPON hat es immerhin gereicht.
      Aber ich denke nicht dass sie damit hausieren geht.

      :)
    • Simone M. 10.04.2018 10:15
      Highlight Highlight Neidlos sagt die Journalistin in mir: So ist es! Weil Verrisse schreiben Spass macht! Fleisch bleibt trotzdem mein Gemüse ;-)
  • Matti_St 09.04.2018 20:09
    Highlight Highlight Und in ein paar Jahren gilt dieses Buch als Klassiker... Niemand wird wissen weshalb, ist dann aber so.
    Gab's als Film, Band, Maler und wahrscheinlich auch bei Bücher.
  • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 09.04.2018 20:08
    Highlight Highlight Der Artikel bringt mich ernstlich in Versuchung das Buch doch zu lesen. Irgendwie muss das Kunst sein, wenn es sonst nichts geworden ist.
    • Dogbone 09.04.2018 21:10
      Highlight Highlight Ich fand ihn immer ein supercooler Typ und ausserordentlich guter Schauspieler. Und nun soll er strunzblöd sein? Nee Mensch, das versaut mir ja alles. Bestimmt ist er einfach der Zeit voraus und wir verstehen das einfach noch nicht 🤔😅

      Aber neugierig machen mich diese Rezensionen schon, besonders die der NYT. Wird am Ende noch ein Bestseller.
    • Mia_san_mia 09.04.2018 22:24
      Highlight Highlight Daa habe ich mir auch gedacht 😄

Wenn Frauen über Autoren schreiben, wie sonst nur Männer über Autorinnen schreiben

Alles fing damit an, dass sich eine Journalistin über eine Rezension im «Tages-Anzeiger» aufregte. Darin schrieb ein älterer Mann über das Buch einer sehr jungen Frau. Vor allem aber schrieb er darüber, wie er das Aussehen besagter sehr junger Frau auf dem Foto im «New Yorker» empfand. Sie sehe darauf aus «wie ein aufgeschrecktes Reh mit sinnlichen Lippen».

Die Frau heisst Sally Rooney – sie ist 28 Jahre alt und eine mit Literatur-Preisen überhäufte Bestseller-Autorin aus Irland.

Aber anstatt in …

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