DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Nur eine Niederlage in 13 Spielen: Die Fans der «Foxes» dürfen ihre Schals mit Stolz präsentieren.<br data-editable="remove">
Nur eine Niederlage in 13 Spielen: Die Fans der «Foxes» dürfen ihre Schals mit Stolz präsentieren.
Bild: Getty Images Europe
Kommentar

Leicester City macht uns Fussballfans glücklich, auch wenn uns der Klub eigentlich schnuppe ist

Nach einem Drittel der Saison heisst der Leader der englischen Premier League Leicester City. Ein Fakt, der in der modernen Fussballzeit, in der wir leben, nicht genug gefeiert werden kann.
23.11.2015, 15:0703.05.2016, 10:45

Wer wird Deutscher Meister? Natürlich wieder die Bayern, mit bereits zwölf Punkten Vorsprung. Wer zweifelt trotz zuletzt zwei Niederlagen am nächsten Titel von Serienmeister FC Basel? Und wer glaubt an einen anderen spanischen Meister als Real Madrid oder Barcelona?

Jeder neutrale Fussballfan freut sich darüber, diesen tollen Mannschaften mit ihren Spektakelmachern zuzuschauen. Aber es gibt noch einen anderen Grund als coole Tricks und schöne Tore, weshalb wir ins Stadion pilgern und den Fernseher einschalten: Wir wissen nie, wie das Spiel ausgeht. Das ist die Essenz dieses Sports, weil schon ein einziges Tor entscheiden kann.

Der kleine Leicester-Fan träumt bestimmt vom ersten Titel der Klubgeschichte. Die Männer können die Lage wohl realistischer einschätzen – sie werden aber ohne Zweifel ebenfalls bereits ein wenig träumen.<br data-editable="remove">
Der kleine Leicester-Fan träumt bestimmt vom ersten Titel der Klubgeschichte. Die Männer können die Lage wohl realistischer einschätzen – sie werden aber ohne Zweifel ebenfalls bereits ein wenig träumen.
Bild: Andrew Boyers/REUTERS

In England ist die Meisterschaft noch offen. Die Geldsäcke von Chelsea liegen abgeschlagen auf Rang 15. Auch die Bonzen aus Manchester sind nicht Tabellenführer, ebenso wenig die anderen Grossklubs aus London und auch nicht der FC Liverpool. Nein, auf Platz 1 der Premier League steht nach 13 Runden: Leicester City.

bild: screenshot Weltfussball.de

Nun könnten wir gleich einen Schlussstrich unter diese kleine Schwärmerei ziehen und auf den Klubbesitzer hinweisen. Denn der ist auch in Leicester ein schwerreicher Ausländer: Der thailändische Geschäftsmann Vichai Srivaddhanaprabha, dessen Vermögen auf rund 2 Milliarden Dollar geschätzt wird. Zweifelsohne buttert auch er viel Geld in den Klub, wie Roman Abramowitsch, wie die Scheichs.

Wir könnten über die cleveren Taktiken von Trainer Claudio Ranieri philosophieren. Über die Offensive referieren, die mit 28 Toren die beste der Liga ist. Schon wieder Jamie Vardy porträtieren, der am Wochenende im zehnten Spiel in Folge traf und damit den Ligarekord von Ruud van Nistelrooy einstellte. Oder analysieren, weshalb Nati-Captain Gökhan Inler den Höhenflug bloss als Ersatzspieler miterlebt.

Gökhan Inler hat in der Premier League erst drei Teileinsätze und insgesamt 118 Minuten absolviert. Seit zwei Monaten ist er in der Liga nur Ersatz.<br data-editable="remove">
Gökhan Inler hat in der Premier League erst drei Teileinsätze und insgesamt 118 Minuten absolviert. Seit zwei Monaten ist er in der Liga nur Ersatz.
Bild: Offside

Wir könnten – aber wir machen es nicht. Denn wir wissen, dass der schöne Erfolg der «Foxes» wohl nur eine Momentaufnahme darstellt. Dass am Ende der langen Saison dann wohl doch eher nicht Leicester City mit dem Meisterpokal jubeln darf. Sondern, dass dieser wieder in Manchester oder London in die Höhe gestemmt werden wird.

Wir machen deshalb das, was wir tun sollten: Uns mit dem Underdog freuen. Wir stossen in Gedanken mit den Fans an, die in den Pubs von Leicester einen oder zwei drauf machen und die Tabellenführung bestimmt ordentlich begiessen. Und wir freuen uns darüber, dass die Fussballwelt auch im Jahr 2015 noch Überraschungen bereit halten kann und dass nicht immer die gleichen Teams oben sind.

Plötzlich ganz oben: Jamie Vardy steht sinnbildlich für Leicesters Höhenflug.<br data-editable="remove">
Plötzlich ganz oben: Jamie Vardy steht sinnbildlich für Leicesters Höhenflug.
Bild: Craig Brough/REUTERS

Was war das für eine Geschichte, als Kaiserslautern 1998 als Aufsteiger Deutscher Meister wurde! Was waren das für Sensationen, als bescheidene Klubs wie Luzern (1989), Aarau (1993) oder St.Gallen (2000) die Grossen das Fürchten lehrten und Meister wurden!

Der FC Aarau wurde 1993 Meister (mit Roberto Di Matteo, unten links) und ist heute Letzter in der Challenge League.<br data-editable="remove">
Der FC Aarau wurde 1993 Meister (mit Roberto Di Matteo, unten links) und ist heute Letzter in der Challenge League.
Bild: KEYSTONE

Diese Zeiten sind wohl endgültig vorbei. In Deutschland war zuletzt der Titel von Wolfsburg 2009 eine Sensation, der VfL war damals erst im Begriff dazu, zu einem finanzstarken Top-Klub zu werden. In England kam der Meister in den letzen 20 Jahren immer aus Manchester (11x United, 2x City) oder London (4x Chelsea, 3x Arsenal). In Spanien machten Real und Barça in den letzen elf Jahren den Titel zehn Mal unter sich aus, nur 2014 durchbrach Atlético Madrid ihre Dominanz.

Schnell weg mit diesen Informationen! Wir wollen das doch gar nicht wissen! Wir wollen einfach den Moment geniessen, in dem ein Klub wie Leicester City (wir nähmen auch Crystal Palace, Norwich City oder Swindon Town, da sind wir überhaupt nicht wählerisch) die grossen Jungs auf dem Pausenplatz ärgern kann. Die kalte Dusche für uns ewige Romantiker folgt dann früh genug.

Animiertes GIFGIF abspielen
So wie Homer geht's uns im Mai, wenn abgerechnet wird.
gif: the simpsons
Mehr über Leicester City
Bei der BBC gibt Goalie Kasper Schmeichel ausführlich Auskunft über den Höhenflug der «Foxes». Hier geht's zur Story (englisch).

Die Topskorer der Premier League

1 / 30
Am Wochenende startet die Premier League: Das waren die bisherigen Topskorer
quelle: ama / matthew ashton/freshfocus
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wir sind Österreich und nicht Portugal: Darum braucht es die Impfwoche
Bund und Kantone nehmen mit der Impfwoche einen weiteren Anlauf, um die miserable Impfquote in der Schweiz zu erhöhen. Wie nötig das wäre, zeigt ein Blick auf andere Länder.

Es lässt sich nicht behaupten, dass die Ankündigung der nationalen Impfwoche durch den Bundesrat Anfang Oktober mit Enthusiasmus begrüsst wurde. Der Tenor war eher «Nützts nüt, so schadts nüt». Der Autor dieser Zeilen war in seinem Urteil deutlich weniger mild: «Es ist zu wenig und kommt zu spät», schrieb ich in meinem Kommentar.

Zur Story