Super League
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der St. Galler Nassim Ben Khalifa, im Fussball Super League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Thun, im Kybunpark, am Sonntag, 5. August 2018, in St. Gallen. (KEYSTONE/Benjamin Manser)

Nassim Ben Khalifa fühlt sich in St.Gallen gemobbt. Bild: KEYSTONE

«Nassim, du machst nicht mehr mit» – so zoffen sich Ben Khalifa und St.Gallen vor Gericht

Der FC St.Gallen und sein Stürmer Nassim Ben Khalifa liegen im Streit. Der aussortierte 27-Jährige sieht seine Rechte als Arbeitnehmer verletzt. Der grosse Streitpunkt: Die St.Galler lassen Ben Khalifa nicht mehr an den Abschlusstrainings teilnehmen. So verlief die Gerichtsverhandlung.

Daniel Walt / ch media



«Er wird isoliert, ignoriert, aus dem Mannschaftsgefüge ausgeschlossen. Das ist relationales Mobbing.»

Das sagte Kai Ludwig, Rechtsvertreter von FCSG-Angreifer Nassim Ben Khalifa, heute morgen vor dem St.Galler Kreisgericht. Ludwig hat vor Jahren bereits GC-Spieler Vero Salatic in einem Streitfall gegen dessen eigenen Klub vertreten. Die Grasshoppers hatten ihren Captain nach diversen Querelen vom Trainingsbetrieb suspendiert – der Spieler erzwang die Rückkehr ins Training auf rechtlichem Weg.

Im Fall von Nassim Ben Khalifa geht es um einen bereits seit Monaten schwelenden Konflikt zwischen dem Spieler und dem Verein. Kurz vor Transferschluss erklärten die Ostschweizer Ben Khalifa im vergangenen August, er könne sich trotz eines Vertrags bis 2020 einen neuen Verein suchen. Ein Wechsel kam aber nicht zustande.

St. Gallens Nassim Ben Khalifa, vorne unten, fordert einen Elfmeter nach dem Foul von Basels Silvan Widmer, hinten unten, waehrend dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel, am Samstag, 6. Oktober 2018, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Christian Merz)

U17-Weltmeister Ben Khalifa ist in St.Gallen nicht mehr erwünscht. Bild: KEYSTONE

Ben Khalifa spielte im Herbst noch einige Male – zuletzt am 1. Dezember beim 0:2 in Thun. In der Folge eskalierte der Streit zwischen dem 27-Jährigen und seinem Arbeitgeber in einem monatelangen Hickhack dann derart, dass sich die Parteien am Freitag vor dem Kreisgericht St.Gallen wiederfanden.

Von Abschlusstrainings ausgeschlossen

Nassim Ben Khalifa forderte vor Gericht, er sei wieder ins Kader und ins Training der ersten Mannschaft zu integrieren. Die Vorwürfe: Der Spieler sei mehrfach teils einschneidend vom Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft ausgeschlossen worden, so etwa vom Trainingslager, von Taktikschulungen und Videobesprechungen. Auch von gewissen medizinischen Dienstleistungen habe er teils nicht mehr profitieren können. Einmal habe sich der Spieler zudem in der Schiedsrichter-Garderobe umziehen müssen und sei dort prompt von einer Besuchergruppe überrascht worden, als er aus der Dusche gekommen sei.

Bild

Nassim Ben Khalifa (1.von rechts) auf dem Weg zum Kreisgericht St.Gallen. Bild: Benjamin Manser

Hauptstreitpunkt der Verhandlung war die Frage, ob der FC St.Gallen Nassim Ben Khalifa die Teilnahme an den Abschlusstrainings unmittelbar vor den Ernstkämpfen zu Recht verweigert. Während der Klub argumentierte, dieses sei grundsätzlich auf 22 Spieler beschränkt und Ben Khalifa könne nicht mehr mitmachen, weil er sportlich keine Rolle mehr spiele, steht für Ben Khalifas Rechtsvertreter Kai Ludwig fest:

«Peter Zeidler kann seine Abschlusstrainings gestalten, wie er will. Es haben aber alle 25 Kaderspieler das Recht, daran teilzunehmen.»

Der Anwalt des FC St.Gallen betonte zunächst, die blosse Nichtteilnahme von Ben Khalifa an den Abschlusstrainings stelle keine Verletzung der Beschäftigungsansprüche des Spielers dar. In dieser Zeit habe Ben Khalifa die Möglichkeit, ein separates Training zu absolvieren.

Im Abschlusstraining würden auf den Gegner abgestimmte Spielsituationen eingeübt. Da sei es klar, dass Spieler, die nicht im Aufgebot stünden, nicht daran teilnähmen. Für den Entscheid des Trainers seien rein sportliche Gründe ausschlaggebend, zumal Ben Khalifa auch mehrfach betont habe, den Verein verlassen zu wollen. Der Anwalt weiter:

«Ben Khalifa scheint Mühe zu haben, wenn die Einschätzungen der Teamverantwortlichen nicht mit seinen eigenen übereinstimmen. Es mag frustrierend sein, wenn man nur auf der Tribüne sitzt. Mobbing ist das aber nicht. Für Mobbing ist beim FC St.Gallen kein Platz.»

Bei der Befragung von FCSG-Trainer Peter Zeidler und Sportchef Alain Sutter ging es vor allem um die Ausgestaltung der Abschlusstrainings und die Frage, wer dort jeweils dabei ist – oder vielmehr: wer dort eben nicht dabei sein darf. Peter Zeidler sagte, Teil des Abschlusstrainings sei jeweils ein Spiel 11 gegen 11.

«Da wir etwas mehr sind, wollte ich Klarheit haben und sagte: Nassim, du machst da nicht mehr mit.»

Auf die Frage des Einzelrichters, was mit jenen Spielern sei, die überzählig seien, antwortete Zeidler, meistens gehe es auf, dass genau 22 Spieler am Abschlusstraining dabei seien. Allfällige zusätzliche Spieler könnten mitmachen und den ersten Teil absolvieren, nicht aber den Hauptteil.

St. Gallens Sportchef Alain Sutter, links, und Trainer Peter Zeidler, aufgenommen im Training des FC St. Gallen, am Freitag, 20. Juli 2018, in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Alain Sutter und Peter Zeidler haben Ben Khalifa aussortiert. Bild: KEYSTONE

Auch Sportchef Alain Sutter sagte aus, es gebe Fälle, in denen noch der eine oder andere Joker und damit mehr als 22 Spieler dabei seien. Ben Khalifa seinerseits bekomme jeweils ein spezielles Trainingsprogramm für diesen Tag, betonte auch der Sportchef.

«Ich habe nie Probleme gemacht»

Auch der Spieler selbst ergriff in der Verhandlung das Wort. Er habe nie Probleme gemacht und fühle sich durch die erwähnten Einschränkungen nicht mehr als Spieler der ersten Mannschaft, sagte er. Das Abschlusstraining sei das wichtigste Training, da könne man sich noch einen Platz im Team erkämpfen, und es gehe um Taktik und das Einüben von Standards.

Auf die Frage, wer am Abschlusstraining teilnehmen könne, bekräftigte Ben Khalifa:

«Alle ausser ich.»

Sogar der zwischenzeitlich ebenfalls aussortierte Philippe Koch, der nicht einmal mehr auf der Kontingentsliste gestanden sei, sei nicht wie er von den Abschlusstrainings ausgeschlossen worden, so Ben Khalifa.

«Das Leben so schwer wie möglich gemacht»

Der Anwalt des Clubs sprach während der Verhandlung von einer «Stimmungsmache» gegen den FC St.Gallen. Er hielt fest, es seien einzig sportliche Gründe, weshalb der Trainer entschieden habe, dass Ben Khalifa nicht mehr an den Abschlusstrainings teilnehmen dürfe. Der Verein sehe keine Ansprüche verletzt, die Einschränkung für Ben Khalifa bezüglich der Nichtteilnahme an den Abschlusstrainings sei klein.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

#Home #Tunisia #Sousse #Medina

Ein Beitrag geteilt von Nassim Ben Khalifa (@nassim.benkhalifa) am

Derweil machten die Rechtsvertreter des Spielers geltend, im Abschlusstraining gehe es um weit mehr als das Spiel 11 gegen 11. Jedes Training zähle, jedes verpasste Training stelle einen Nachteil dar. So entgingen Ben Khalifa jegliche Chancen auf einen Spieleinsatz, er habe Lohneinbussen, und ein vorzeitiger Transfer werde faktisch verunmöglicht. Der FC St.Gallen habe versucht, ihn dazu zu animieren, den Club zu verlassen, und ihm das Leben deshalb so schwer wie möglich gemacht. Die Aussagen von Peter Zeidler und Alain Sutter hätten klar gezeigt:

«Nassim Ben Khalifa ist der einzige Profispieler im Kader des FC St.Gallen, der ohne nachvollziehbaren Grund von den Abschlusstrainings ausgeschlossen wird.»

Der Einzelrichter seinerseits liess bereits während der Verhandlung durchblicken, dass er im vorliegenden Fall eine Verletzung des Beschäftigungsanspruchs durch den Ausschluss vom Abschlusstraining eher nicht sehe. Es könne allerdings das Prinzip der Gleichbehandlung verletzt worden sein.

Das Urteil im Fall ergeht schriftlich.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die turbulente Zeit des FCSG seit dem Meistertitel 2000

Fussballer im Büro

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

14
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Walser 30.03.2019 09:43
    Highlight Highlight Alleine die Tatsache dass ein Fussballclub sich rechtfertigen muss, warum dieser spielt und jener nicht, ist haarsträubend. Ist die Teilnahme an einem Training ein Menschenrecht? Wo kämen wir da hin?
  • maxi #sovielfürdieregiongetan 30.03.2019 07:26
    Highlight Highlight Toller Spieler & Toller Verein...
  • NumeIch 29.03.2019 18:24
    Highlight Highlight NBK wäre ja nicht der Erste der vom Hobby Jesus Alain rausgemobbt wird. Grüsse an dieser Stelle an Contini.
  • Darkside 29.03.2019 17:32
    Highlight Highlight Jetzt habe ich beim überfliegen des Artikels glatt Kriegsgericht statt Kreisgericht gelesen... Aber ja, ein weiteres Beispiel eines eigentlich talentierten Fussballers der aufgrund einer Mischung aus Selbstüberschätzung, Geldgier und schlechter Beratung seine Karriere an die Wand gefahren hat. Eine juristische Schlacht gegen den Verein hat noch selten etwas gutes bewirkt. Schade eigentlich.
  • Nelson Muntz 29.03.2019 17:14
    Highlight Highlight
    Benutzer Bildabspielen
  • P. Silie 29.03.2019 17:01
    Highlight Highlight Armes Opfer
  • ujay 29.03.2019 16:52
    Highlight Highlight Wer Ben Kalifas Karriere verfolgt hat, kann beim Satz....." ohne nachvollziehbaren Grund von den Abschlusstrainings ausgeschlossen...." nur den Kopf schütteln. Er ist ein Musterbeispiel, wie man als talentierter Fussballer seine Karriere in den Sand setzt. Seine Selbstüberschätzung und schlechte Berater haben auch ihren Teil dazu beigetragen. Der Junge denkt, dass 90% Leistung heute im Profifussball genügen, so kam er mir jedenfalls immer vor und anscheinend auch dem Trainer Staff des FCSG.
    • dave1771 29.03.2019 18:50
      Highlight Highlight 90% sollten beim FCSG reichen
  • Elpampa 29.03.2019 16:14
    Highlight Highlight Als "Insider" möchte ich hier aber noch 1-2 Fakten ins Spiel bringen:
    - Ben Khalfia flog nach Madrid für den Superclassico an einem Sonntag und war dementsprechend nicht rechtzeitig zum Morgentraining am Montag zurück.
    - Er motzt, dass er nicht am Testspiel gegen Heidenheim teilnehmen durfte. Das er zur gleichen Zeit in Tunesien beim Abschiedsspiel von Karim Haggui weilte, wird hier verschwiegen.

    Eigentlich schade, dass ein so talentierter Spieler sich immer selber im Weg steht.
    • Mandelmus 29.03.2019 16:20
      Highlight Highlight Danke für die zusatz-infos!
    • Staedy 29.03.2019 18:42
      Highlight Highlight Superclasico anstatt FCSG, wer würde da anders entscheiden?
  • zellweger_fussballgott 29.03.2019 15:08
    Highlight Highlight Wer den Fall schon länger verfolgt oder genauer unter die Lupe nimmt, weiss dass sich Ben Khalifa hier in eine Opferrolle reinredet, welche er sich selbst zu zuschreiben hat.
    Er kann froh sein wurde von Seiten des FCSG keine schmutzige Wäsche gewaschen und gewisse Undisziplinbarkeiten keine Erwähnung fanden, glaubt man Gerüchten aus Insiderkreisen.
    • Beobachter 29.03.2019 16:21
      Highlight Highlight Vielleicht ist gerade diese Tendenz, sich selbst als Opfer zu sehen mit ein Grund dafür, dass Ben Khalifa seit seiner überragenden Zeit an der Junioren WM als Profi die Erwartungen kaum zu erfüllen vermochte und nirgendwo grosse Stricke zerrissen hat. Der Spieler ist offenbar zu wenig selbstkritisch und hat zu wenig Biss, um sich auf Profi Ebene durchzusetzen. Talent allein reicht eben auf diesem Level nicht. Vielleicht braucht er eher einen Mental Trainer als einen Anwalt?
    • zellweger_fussballgott 29.03.2019 16:55
      Highlight Highlight Lustigerweise sagte er gegenüber dem St. Galler Tagblatt im letzten Frühling, wenn er scheitert sei er an erster Stelle selbst schuld.
      Dies scheint jetzt jedoch plötzlich nicht mehr der Fall zu sein.
      Zeidler und Sutter haben ihm lange öffentlich die Stange gehalten und sich immer äusserst positiv über ihn geäussert. Nassim hat es sich dann selbst verspielt mit Transferanfragen und dem Superclasico Zwischenfall...

Kommentar

Zeit, das Undenkbare zu denken – alle Klubs gehen gemeinsam in Konkurs

Der Profi-Mannschaftsport in unserem Land steht vor den grössten Umwälzungen der Geschichte. So wie die Dinge stehen, ist es Zeit, das Undenkbare zu denken: die Klubs der beiden höchsten Fussball- und Hockeyligen gehen gemeinsam in Konkurs. Eine Polemik.

Die «60-Prozent-Formel» könnte vielleicht noch die Rettung bringen. Aber die Aussichten, dass die Behörden erlauben, 60 Prozent der Stadionkapazitäten zu nützen, sind gering. Bei Lichte besehen sind eigentlich alle Versuche zum Scheitern verurteilt, die Meisterschaften der beiden höchsten Ligen im Fussball und im Hockey durch Sicherheitskonzepte zu retten. Der Profisport ist mit dem Geschäftsmodell «Massenveranstaltung» nicht mehr finanzierbar.

Wenn eine Firma ihr Produkt nicht mehr verkaufen …

Artikel lesen
Link zum Artikel