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International Olympic Committee (IOC) President Thomas Bach (C) speaks during the IOC Executive Board meeting in Rio de Janeiro February 28, 2015. REUTERS/Pilar Olivares (BRAZIL - Tags: SPORT OLYMPICS)

Was bei der IOC besprochen wird, hat enormen Einfluss. Bild: PILAR OLIVARES/REUTERS

Das IOC ist die vermutlich verschwiegenste Organisation der Welt

Vor 100 Jahren zügelte das Inernational Olympic Committee (IOC) von Paris nach Lausanne und regiert von dort aus den Weltsport.



Stell Dir vor, Deine Stadt ist das globale Machtzentrum des Sportes und niemand merkt es. So ist es mit Lausanne. In diesen Tagen feiert das IOC das hundertjährige Jubiläum seines Umzugs nach Lausanne. Aber deswegen hält die Stadt den Atem nicht an.

Das International Olympic Committee (IOC) dürfte die diskreteste Weltmacht sein. Emmanuel Favre ist Leiter der Sportredaktion der Tageszeitung «Le Matin». Er hat sein Büro ebenfalls in Lausanne, kennt den IOC-Fuchsbau und dessen Bedeutung für die Stadt. Er sagt: «Kaum jemand ist sich hier im Alltag der Bedeutung des IOC für diese Stadt und Region bewusst. Es ist wie wenn man in einem Film drin ist. Dann sieht man den Film nicht.»

Wer einmal das IOC-Museum besucht, ahnt, welchen unschätzbaren Wert das IOC für das Standortmarketing der Stadt hat. Besucher und TV-Teams aus allen Weltgegenden gehen hier täglich ein und aus. Mit über 200 000 Besuchern im Jahr ist es eines der meistbesuchten Museen im Land. Mit ziemlicher Sicherheit ist das IOC ein Grund für die Weltoffenheit dieser Stadt. 42 Prozent der etwas mehr als 130 000 Einwohner sind Ausländern. 

epa04660475 International Olympic Committee (IOC) President Thomas Bach listens to an introduction prior to signing ceremony of Toyota Motor Corp. becoming part of The Olympic Partner (TOP) program in Tokyo, Japan, 13 March 2015. Toyota Motor announced on 13 March it has entered into sponsorship agreement with the IOC to become part of The Olympic Partner (TOP) program.  EPA/KIMIMASA MAYAMA

Beim IOC steht die Institution, nicht eine Person im Vordergrund. Bild: KIMIMASA MAYAMA/EPA/KEYSTONE

Eine internationale Erfolgsgeschichte

Baron Pierre de Coubertin, der Begründer der modernen Olympischen Spiele, verlegte sein Büro und seinen Wohnsitz im Jahr 1915, als im Rest von Europa der Erste Weltkrieg tobte, nach Lausanne. Er wollte, dass «der Olympismus in der unabhängigen und stolzen Atmosphäre, die man hier atmet, die Sicherheit der Freiheit findet, die er für seine Entwicklung braucht». Diese Atmosphäre biete Lausanne dem IOC noch heute.

epa04275275 International Olympic Committee (IOC) president German Thomas Bach (R) and Russian-born Swiss snowboarder Yuri Podladchikov, gold medalist for the halfpipe at the 2014 Winter Olympics in Sochi talk after unveiling a statue of Pierre de Coubertin during the celebration of the Olympic Day at the IOC Headquarters in Lausanne, Monday, June 23 2014.  EPA/LAURENT GILLIERON

IOC-Präsident Thomas Bach erklärt Yuri Podladchikov die Geschichte von Pierre de Coubertin. Bild: EPA/KEYSTONE

«Wir sind stolz, dass das IOC seinen Sitz in der Schweiz hat.»

Bundesrat Ueli Maurer.

Der Baron residierte anfänglich in einem Hinterzimmer des Casinos, 1922 erfolge der Umzug in die Villa Mon Repos. Seit 1968 ist der Hauptsitz im Schloss Vidy und 1968 hat das IOC gleich daneben für 160 Millionen Franken ein Bürogebäude errichten lassen. Jogger traben achtlos an dem edlen, bescheiden pompösen Gebäude vorbei, in dessen schwarzen Scheiben sich die Bäume spiegeln. Hier, im Parc Bourget, wunderschön am Lac Léman gelegen, ist der diskrete Sitz der vielleicht bestfunktionierenden globalen Geld- und Machtmaschine. 

Rund um den IOC ist ein weltumspannendes Sport-Imperium entstanden. Alle, die auf dieser Welt im Sport nach Einfluss trachten, streben nach Lausanne. Die Macht im Weltsport kommt aus den Büros in und um Lausanne. Mehr als 40 Sportverbände und internationale Sportorganisationen haben sich in der Stadt oder in den Vororten gruppiert. Je näher am IOC, desto wirkungsvoller das Lobbying.

Die Schweiz als Zentrum

Es ist kein Zufall, dass fünf Schweizer im IOC sitzen: Patrick Baumann, Sepp Blatter, René Fasel, Gian-Franco Kasper und Denis Oswald. Die Schweizer haben im «Weltparlament des Sportes» mehr Stimmen als Russland, Deutschland oder die USA. Der enorme sportpolitische Einfluss der Schweiz hat sehr viel mit der Nähe zum globalen Sport-Machtzentrum zu tun. 

Joseph «Sepp» Blatter (Schweiz): seit 1998

Auch Fifa-Boss Sepp Blatter ist im IOC. Bild: KEYSTONE

Das IOC ist mit 205 Mitgliederländern nach der FIFA (209) die globalste Firma der Welt und dürfte einflussreicher als die FIFA sein. Weil die nationalen Vertreter der Olympischen Bewegung in ihren Heimatländern politisch besser vernetzt sind als Sepp Blatters oft vorlauten Landesfürsten. Und weil das IOC in den USA und Russland politisch eine viel grössere Bedeutung als die FIFA hat. Im IOC ist ja selbst «Fussball-Sonnenkönig» Sepp Blatter nur eines von 103 Mitgliedern.

Die Schweiz zieht aus dem IOC-Hauptsitz nicht nur einen grossen sportpolitischen sondern auch einen enormen wirtschaftlichen Nutzen. Gemäss einer Studie der Sportakademie AISTS (Académie Internationale des Sciendes et Techniques du Sport) beschert das IOC-Imperium Lausanne und Umgebung jährlich über 100 Millionen Franken Einnahmen und mehr als 2000 Arbeitsplätze.

Alleine das IOC zählt in seiner zentralen Administration rund 400 Mitarbeitende. Noch in den 1960er Jahren bestand die IOC-Verwaltung aus einem Geschäftsführer und einer Halbtagssekretärin. Die Einnahmen sind ja auch ein wenig gestiegen. Der Vierjahres-Umsatz (durch TV-Rechte und Sponsoring für die Spiele) hat inzwischen die Sieben-Milliarden-Grenze passiert. Das IOC ist damit wirtschaftlich noch erfolgreicher als die FIFA, die mit den WM-Turnieren rund vier Milliarden Umsatz erzielt. 

Unbekannter Riese

Das IOC behält von seinen Einnahmen etwa zehn Prozent zurück. Der Rest fliesst in den Sport zurück (Infrastrukturen, Ausbildung, Dopingbekämpfung etc.). Mit diesen zehn Prozent lässt sich das globale Sport-Machtzentrum in Lausanne gut im Schuss halten.

An Olympic flag is pictured flying at half-mast at the International Olympic Committee headquarters in Lausanne January 5, 2015. The IOC President has asked for the Olympic flag to be flown half-mast for three days in tribute to the late IOC Honorary Member He Zhenliang of China, who died on January 4, according to a news release. REUTERS/Denis Balibouse (SWITZERLAND - Tags: OBITUARY SPORT OLYMPICS)

Der Auftritt des IOC ist viel bescheidener als derjenige der FIFA. Bild: DENIS BALIBOUSE/REUTERS

Aber anders als der Weltfussballverband FIFA hat das IOC kein Gesicht, provoziert vergleichsweise keine politischen Kontroversen und Steuerdebatten in seiner Heimatstadt. Das IOC ist nicht so laut, arrogant und prasst mit seinem Reichtum nicht so wie die FIFA mit ihrem Hauptsitz am Zürichberg. Ein monolithischer Kubus, der unverhohlenen Luxus und Arroganz symbolisiert.

Durch kluge Bescheidenheit und Diskretion ist der Schwefelgeruch der Korruption beim IOC heute weitgehend verraucht. Die Olympische Bewegung hat zwar mit dem Deutschen Thomas Bach einen mächtigen, aber diskreten Vorsitzenden, der keinen Personenkult zelebriert wie der charismatische barocke Machtmensch Sepp Blatter. Der grosse FIFA-Vorsitzende ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte. Alleine sein Kommunikations-Direktor Walter De Gregorio dürfte bekannter sein als Thomas Bach. 

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