Nationalrat
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ARCHIVE --- EIDGENOESSISCHE WAHLEN 2019: DIE WANDELHALLE ? SZENEN AUS EINER LANGEN GESCHICHTE --- The so-called walking halls in the Swiss Federal Government and Parliament Building in Berne, Switzerland, pictured on December 12, 1944. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)..MILESTONES KATALOG - Wandelhalle im Bundeshaus, aufgenommen am 12. Dezember 1944. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Hier wird Einfluss genommen: Die Wandelhalle vor dem Nationalratssaal im Parlamentsgebäude in Bern – hier auf einer Aufnahme von 1944. Bild: KEYSTONE

Der Kampf um den Badge: Ich bin ein Lobbyist, lasst mich hier rein

Sie sind bei Interessenvertretern äusserst beliebt: die Zutrittsausweise zum Bundeshaus, von denen jeder Parlamentarier zwei zur Verfügung hat. Der Ex-Diplomat Thomas Borer ist nun in den Reihen der SVP fündig geworden.

Tobias Bär / ch media



Thomas Borer ist bekannt als ehemaliger Schweizer Botschafter in Deutschland und als Leiter der Task Force, die sich der Vermögenswerte von Naziopfern in der Schweiz annahm. Inzwischen ist Borer als Lobbyist tätig. Und künftig wird er in dieser Funktion etwas häufiger in der Wandelhalle des Bundeshauses anzutreffen sein.

Der 62-jährige Ex-Diplomat hat einen der begehrten Zutrittsausweise ergattert, von denen jeder Parlamentarier deren zwei vergeben kann. Den Badge erhalten hat Borer vom Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer.

Den uneingeschränkten Zugang zum Bundeshaus wird der Lobbyist unter anderem nutzen, um für die Interessen des amerikanischen E-Zigaretten-Herstellers Juul zu weibeln, der zu seinen Kunden zählt.

Ex-Botschafter und Lobbyist Thomas Borer waehrend der Debatte ueber die Revision des

Ex-Botschafter Thomas Borer ist heute in der Privatwirtschaft tätig. (Archivbild) Bild: KEYSTONE

Andere Interessenvertreter müssen sich noch um einen permanenten Zugang zum Zentrum der Schweizer Politik bemühen. So ist etwa der Krankenkassenverband Santésuisse noch nicht fündig geworden, wie aus der aktuellen Liste hervorgeht.

Bisher hatte Direktorin Verena Nold Zugang über SVP-Nationalrat Heinz Brand, dieser wurde am 20. Oktober aber abgewählt. Keinen Badge hat derzeit auch der Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr, Ueli Stückelberger. Sein «Götti» Karl Vogler (CSP) trat bei den Wahlen nicht mehr an.

Schwulenorganisation Pink Cross ist nun doppelt vertreten

Dafür ist die Schwulenorganisation Pink Cross fündig geworden: Geschäftsleiter Roman Heggli, der bisher über die abgewählte Rosmarie Quadranti (BDP) Zutritt hatte, kann nun auf die Hilfe von Angelo Barrile (SP) zählen. Und mit Co-Präsident Michel Rudin, der einen Badge von Roland Fischer (GLP) erhält, ist Pink Cross künftig sogar doppelt in der Wandelhalle vertreten.

Einen neuen Türöffner gefunden hat auch der Direktor des Arbeitgeberverbandes, Roland A. Müller. Er verlor seinen Badge durch die Abwahl von Peter Schilliger, hat neu aber über Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) Zugang zu den nichtöffentlichen Teilen des Parlamentsgebäudes.

Die Liste ist noch nicht vollständig. Viele Parlamentarier haben noch nicht entschieden, wem sie ihre Ausweise aushändigen wollen. Gerade die Neugewählten sind äusserst zurückhaltend. So sagt der 25-jährige FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, er wolle «bewusst und bis auf Weiteres keinen meiner Badges vergeben».

Einige vergeben ihre Zutrittsausweise nicht an Lobbyisten, sondern an persönliche Mitarbeiter und Familienmitglieder. Die neugewählte FDP-Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher etwa gewährt ihrem Mann und ihrer Tochter Zutritt.

FDP Nationalratskandidatin Susanne Vincenz-Stauffacher, Mitte, freut sich ueber die Gratulation eines Parteifreundes, aufgenommen am Sonntag, 20. Oktober 2019, anlaesslich der Eidgenoessischen Nationalrats- und Staenderatswahlen 2019 im Kanton St. Gallen aus dem St. Galler Pfalzkeller. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Susanne Vincenz-Stauffacher gewährt Mann (nicht im Bild) und Tochter Bundeshauszutritt. Bild: KEYSTONE

Nicht mehr auf einen Badge angewiesen ist die Grüne Sophie Michaud Gigon. Bisher hatte sie als Vertreterin des Westschweizer Konsumentenverbandes über Parteikollege Daniel Brélaz Zugang zur Wandelhalle. Seit Montag sitzt die Waadtländerin nun selber im Nationalrat. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Vecchia 06.12.2019 17:56
    Highlight Highlight Hä? Die haben wohl alle Hemmungen verloren.
    Oder wie ist das zu erklären, dass SVP-Vertreter amerikanischen Lobbysten einen Badge geben? Wessen Interessen werden hier vertreten, Herr Heer? Die des Schweizer Volkes, dass sie so gerne für ihre Propaganda missbrauchen, jedenfalls nicht.

  • Sogsehichs 06.12.2019 11:32
    Highlight Highlight Gerade eine Neuigkeit ist es nicht, dass in der CH Politik, wir auch in allen andern Staaten, lobbyiert wirt. Da wundert es doch auch keinen, wenn Umfragen zeigen, dass wir Bürger der Politik nicht mehr trauen. Erstaunt bin ich lediglich darüber, dass viele MitbürgerInnen noch den naiven glauben an unsere Politik haben. Politiker weltweit intereasieren sich nur für Eigeninteressen, Macht und Geld. Mag sein, dass einige anfangs Ideale vertraten, dich die lassen sich schnell von der generellen anstecken.
  • Die_andere_Perspektive 06.12.2019 10:21
    Highlight Highlight Bin noch immer dafür, dass lobbyismus unter Strafe gestellt wird. In allen Bereichen...
  • Gummibär 06.12.2019 10:09
    Highlight Highlight Warum ausgerechnet Lobbyisten, die von ihren Auftraggebern bezahlt werden, vom Souverän mit Zutrittsausweisen zum Bundeshaus gefördert werden sollen, erschliesst sich mir nicht.

    Parlamentsmitglieder sind beauftragt die Interessen ihrer Wähler zu vertreten - dass Badge-Empfänger deshalb aus dem jeweiligen Wahlkreis des Gebers stammen müssten wäre eine logische Konsequenz dieses Auftrages.
  • Sogsehichs 06.12.2019 09:33
    Highlight Highlight Und dann fragt man sich, weshalb das CS Sorgenbarometer zum Schluss kam, dass die CH-Bevölkerung ihren «Volksvertretern» nicht mehr traut. Die Traurige Wahrheit ist aber, dass in jedem Land lobbyiert wird und die Politiker in keinem Land mehr effektive Volksvertreter sind. Den Politikern geht es – wie leider so ziemliche jedem/jeder – nur um den persönlichen Profit und Macht. Mag sein, dass sie anfangs edle Motive und Ideale hatten, diese sind aber offensichtlich der puren Gier gewichen.
  • Asmodeus 06.12.2019 08:45
    Highlight Highlight Wäre zu schön wenn man sich mal die Kontoverläufe unserer Politiker ansehen könnte.

    Ich will nicht wissen wieviel sich ein Borer dieses "Privileg" hat kosten lassen.

    Halt doch. Ich will es wissen. In jedem einzelnen Fall. Bei jedem einzelnen Lobbyisten der Teil dieser staatlich geförderten Korruption ist.
    • 044 508 39 39 het sie gseit 06.12.2019 09:46
      Highlight Highlight Ist doch nicht interessant. Besser schauen, dass man selbst einen (guten) Job hat.
  • thatstheshit 06.12.2019 08:12
    Highlight Highlight Politik hin oder her. Ich frage mich, warum ein Parlamentarier überhaupt mehr als den eigenen Badge bekommen sollte. Dort wo ich arbeite, gibts auf jeden Fall keine Badges für den guten Freund. Darfs es bitzeli meh si?
  • sapnu puas 06.12.2019 08:05
    Highlight Highlight Wow, lobbying für Juul 😂
  • The fine Laird 06.12.2019 07:14
    Highlight Highlight Lobbyisten die Bremser der Nationen🧐
  • MStgr 06.12.2019 06:39
    Highlight Highlight Lobbyismus darf gerne abgeschafft werden
  • Blitzesammler 06.12.2019 06:23
    Highlight Highlight Dem eigenen Mann und der Tochter... Das ist sowas von Cool. Bei den Anderen wird sich zeigen, wer selbst politisieren will und wer lieber eine Marionette ist👍
  • Denverclan 06.12.2019 06:22
    Highlight Highlight Es ist doch eigentlich egal wer solche Badges erhält. Die gewählten Politiker sind eh nicht frei in ihrem Denken. Es geht in jedem Parlament um Interessen der eigenen Partei und deren Förderer und Anhänger. Im Tunnel des Parteidenkens, hat der Egoismus und der Kampf um die Gunst des Wählers und somit des Machthungers, oberste Priorität. Problemlösungen zu Gunsten der Allgemeinheit, haben keine Chance! Diese werden nur geschickt als solche verkauft. Ein Wunder, ist das Chaos in der Welt nicht grösser. Aber, der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht.
    • 044 508 39 39 het sie gseit 06.12.2019 06:41
      Highlight Highlight Politik ist nun mal Interessenvertretung und nichts anderes.

      Lauter Heilige im Schweizer Bundeshaus? Vergessen Sie’s.

      Die Politiker sind nur ein Abbild von uns allen.

      Wer glaubt selbst etwas besseres zu sein, dem mangelt es vermutlich an Intelligenz und deshalb auch an Selbstreflexion.
    • zeusli 06.12.2019 07:16
      Highlight Highlight Sollte doch mal einer oder eine auftauchen die anders denkt und handelt gehts ganz schnell und die Person ist wieder weg. Wie auf dem Pausenplatz in der Schule...
    • benn 06.12.2019 07:42
      Highlight Highlight Ja in der schweiz gibt es für korruptin und kartellmachenschaften ein unverfängliches wort genannt lobbyismus!
    Weitere Antworten anzeigen
  • der nörgler 06.12.2019 06:22
    Highlight Highlight Abschaffen. Lobbyisten sollten dort Zutrittsverbot haben. Und dann gleich noch die Parteifinamzierung transparent machen bitteschön.

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