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«Wenn er nach Hause kam, nahm er sie in den Arm, wo er sie liebevoll auseinander nahm»: 15 Perlen aus der Schweizer ESC-Vergangenheit

Es ist vorbei, bye bye Maienmond. Und natürlich ohne uns. Aber es gab Jahre, da war die Schweiz – wie alle übrigen Teilnehmer – tatsächlich immer im ESC-Finale. Und machte ihre Sache verdammt ... naja. Ein (grösstenteils) verzückter Blick zurück.



1958 Lys Assia «Giorgio»

Platz 2 von 10: Lys Assia gewann zwar 1956 den ersten ESC mit «Refrain» und wurde 1957 mit «L'enfant que j'étais» Achte. Aber im Vergleich zum «Giorgio vom Lago Maggiore», mit dem sich in Ascona so schön Chianti trinken und Risotto «con molto amore» essen lässt, waren die beiden Vorgängersongs lahme Esel.

1959 Christa Williams «Irgendwoher»

Platz 4 von 11: «Iiiiiiiirgendwoheeeer kommt übers Meer eine Liebesmelodiiiie!» Schlager, hach! «Fremder Himmel, fremde Sterne, endlos wie die Ewigkeit!» Philosophie, ach.

1963 Esther Ofarim «T'en vas pas»

Platz 2 von 16: Die Israelin Esther Ofarim, auch bekannt als «der Spatz von Haifa», galt 1963 für viele als die eigentliche Siegerin des Wettbewerbs. Schöne Frau, schöner Song, eins der vielen Liebeslieder in dieser Liste, in deren Titel entweder «pas» oder «senza» vorkommen.

1969 Paola «Bonjour, bonjour»

Platz 5 von 16: Paola kam, die Sonne ging auf und «es blühen Blumen, wo sonst nur der Strassenstaub ist». Das Kleid gilt übrigens als Kultkleid, jeder echte schwule ESC-Fan dürfte die Anzahl der orangen Punkte auswendig kennen.

1970 Henri Dès «Retour»

Platz 4 von 12: Sauberer Gesang, lüpfige Melodie, äusserst reduzierte, markante Körpersprache (man beachte den Daumen, der nicht mehr in der Jackettasche Platz hat, und die seltsamen Vor- und Seitwärtsbewegungen). Henri Dès im avantgardistischen Kugeldesign macht einfach Spass.

1974 Piera Martell «Mein Ruf nach dir»

Platz 14 von 17: Piera Martell aus Jona hatte mit ihrem «Schrei nach Liebe» kein Glück, dafür ein geiles Kleid, das später oft und gerne für grosse Fantasy-Mehrteiler und die Serie «Game of Thrones» kopiert wurde. Cate Blanchett ersteigerte es 2012 bei Sotheby's für exakt 15'389 Dollar. Nein, Quatsch, natürlich nicht. Trotzdem ein geiles Kleid.

1975 Simone Drexel «Mikado»

Platz 6 von 19: Wusstet ihr, dass dieser Gassenhauer und Überhit des deutschen Schlagers von einer Schweizerin stammt? Ich auch nicht. Dabei wäre das Spiel mit den Stäbchen ohne die fernöstliche Magie dieses Songs nichts gewesen, damals, vor gefühlten 500 Jahren. Besonders rätselhaft: «Wenn dich was nicht angeht, rühre nicht daran. Mikado, Mikado, spielt heute jeder Mann.»

1977 Pepe Lienhard Band «Swiss Lady»

Platz 6 von 18: Nun, es handelt sich hier zusammen mit dem Jahrgang 1990 um einen der Besorgnis erregendsten Schweizer Beiträge. Denn die Liebe, die im Schlager ja immer höchst problematisch ist, gilt hier nicht einer Frau, sondern einem Alphorn. 1990 dann einer Geige. «Wenn er nach Hause kam, nahm er sie in den Arm, wo er sie liebevoll auseinander nahm» – Sigmund Freud, analyse this!

1981 Peter, Sue & Marc «Io senza te»

Platz 4 von 20: Ahhh, the beauty of it all! Der schönste Schweizer ESC-Beitrag, der je geschrieben wurde. «Ich ohne dich, was täte ich. Ich könnt nicht atmen, gäb's dich nicht» Weshalb das Gesamtwerk von Peter, Sue & Marc ab Herbst als Musical zu erleben ist. Was vielleicht nicht nötig wäre. Aber dieses Lied! Der Schmetterling des Schweizer Musikschaffens! Und übrigens der vierte von vier Auftritten der Band am ESC. Und der erste von vier ESC-Songtexten von Nella Martinetti. 

1985 Mariella Farré & Pino Gasparini «Piano, Piano»

Platz 12 von 19: Pino G. war schon 1977 im Ensemble der «Swiss Lady» gewesen. 1985 klingt er wie ein anderer Schweizer Schnulzensänger, genau, der Dagobert! Die mackerige Verneinung von bindenden Gefühlen, die Dagobert so sehr mag, die besingt hier allerdings die Frau: «Und Liebe, nein Liebe, ein wunderschöner Tag, ich mag dich, doch Liebe, die muss nicht sein.» Der Text stammt übrigens von Trudi Müller-Bosshard, der Frau, die seit über 20 Jahren Kreuzworträtsel fürs «Magazin» schreibt.

1986 Daniela Simons «Pas pour moi»

Platz 2 von 20: Das weisse Fräulein, das so seltsam sachlich den weissen Flügel bearbeitet, fliegt hoch an diesem ESC, so hoch, wie seit Esther Ofarim niemand mehr geflogen ist. Besonders bemerkenswert: ihr Kragen! Und einmal mehr ihre Texterin: Nella Martinetti.

1988 Céline Dion «Ne partez pas sans moi»

Platz 1 von 22: Here she comes, die Frau mit dem wohl grauenhaftesten Kleidergeschmack und einer der grössten Stimme des Showbiz. Das war der Wahnsinn, denn vom ersten Ton weg wusste man: So klingt der Sieg. Im Olymp der ESC-Sieger ist Céline Dion noch immer die Chefgöttin. Und erneut mit im Team: Nella Martinetti.

1990 Egon Egemann «Musik klingt hinaus in die Welt»

Platz 11 von 22: Achtung, hier kommt der tiefste Tiefpunkt vor DJ Bobo, vor Piero Esteriore, six4one und wie sie alle heissen, die Menschen, die seit der Jahrtausendwende versuchen, wenigstens noch mit einem halben Fuss übers Halbfinale hinauszukommen. Der Österreicher Egon Egemann ist nun eben nach Pepe Lienhard der zweite Instrumentalerotiker: «Sie war allein, und niemand wollte sie. Ich sah sie an und war verliebt in sie. Sie wurde mein, es war so schön mit ihr ...» WTF.

1991 Sandra Simó «Canzone per te»

Platz 5 von 22: Okay, hier seht ihr eine Mitarbeiterin des Schweizer Fernsehens bei einem gewiss irrsinnig lukrativen Nebenjob. Nicht ganz. Als unsere liebste Glamour-Moderatorin Sandra Studer nämlich 1991 unter einem Pseudonym am ESC auftrat, war sie erst 22 Jahre alt und noch weit vom Schweizer Fernsehen weg. Aber schon damals zu hundert Prozent telegen.

1998 Gunvor Guggisberg «Lass' ihn»

Platz 25 von 25: Siebenmal war Gunvor die Nummer eins, nämlich als Schweizer Meisterin im Stepptanz. Als sie jedoch 1998 nach Birmingham reiste, hatte sie das Glück schon verlassen: Nacktfotos waren aufgetaucht. Und was heute zur Social-Media-Grundversorgung jedes Stars gehört, war damals noch ein Makel. Später ging sie den Weg der Winona Ryder und wurde eine Ladendiebin. Eine Tragödie. Der Geiger an ihrer Seite, der übrigens auch «Lass' ihn» geschrieben hat, heisst: Egon Egemann.

Am Donnerstag, 21. Mai, singt Melanie René für die Schweiz in der Wiener Stadthalle im zweiten ESC-Halbfinale. Am Samstag, 23. Mai, findet das Finale statt. Der ESC feiert heuer sein 60. Jubiläum.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Amboss 17.05.2015 20:21
    Highlight Highlight Gunvors 0 Punkte sind natürlich Kult. Dennoch finde ich, die wahre Fremdschäm-Perle fehlt in der Auflistung:
    Der Schuldisco-Auftritt von Piero Esteriore und seiner Musicstar-Truppe aus dem Jahr 2004.
    Immer wieder ein Genuss.

    Play Icon
    • MyAnusIsBleeding 18.05.2015 00:24
      Highlight Highlight Aua, das ist kein Genuss, sondern Ohr- und Augenkrebs par excellence O_o
    • Angelika 18.05.2015 19:07
      Highlight Highlight Hilfe, O.o das lief im Fernsehen? Und wer hat da ein engeschaltetes Mikro und singt immer drein beim Refrain? Oder soll das so sein?
      Ist ja schlimm! Fremdschämen hoch zehn!

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