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Jagd auf den Löwenkiller: «Walter Palmer hat schon die Hälfte von Noahs Arche getötet»

Tot: Löwe Cecil.
Bild: EPA/ZIMPARKS
29.07.2015, 12:0429.07.2015, 16:23

Cecil the Lion ist tot. Das 13-jährige Alpha-Männchen aus dem Hwange-Nationalpark in Simbabwe war bekannt aus BBC-Tierdokus und somit einer der berühmtesten wild lebenden Löwen der Welt. Aufgrund seines GPS-Halsbands war sein Kadaver eindeutig indentifizierbar (seine Jäger hatten vergeblich versucht, das Halsband zu zerstören).

Cecil the Lion, festgehalten auf einer Safari

Ebenfalls identifizierbar ist seit gestern Cecils Jäger, der amerikanische Zahnarzt Walter Palmer, der offenbar 50'000 Dollar für den Kill bezahlt hatte. 

Walter Palmer (l.) 2008.
Walter Palmer (l.) 2008.

«So weit ich es verstehe», so ein Sprecher Palmers gegenüber dem «Guardian», «vermutet Walter, dass er den Löwen geschossen hat, den man als Cecil bezeichnet.» Die Löwenjagd sei seines Wissens «legal» gewesen, alle Bewilligungen habe er sich organisieren lassen.

Laut der Zimbabwe Conservation Task Force (ZCTF) hatten die Jäger den Löwen aber mit Hilfe eines an ihrem Wagen befestigten toten Tiers in der Nacht aus dem Nationalpark, wo er geschützt ist, gelockt und zunächst vergeblich versucht, ihn mit Pfeil und Bogen zu erlegen. Gestorben ist der Löwe nach 40-stündigem qualvollem Todeskampf. 

Der Safari-Organisator und der Besitzer der Farm, auf der Cecils Kadaver entdeckt wurde, müssen sich nun vor Gericht der Grenzstadt Victoria Falls wegen Wilderei verantworten. Auch Walter Palmer wird polizeilich gesucht:

Derweil bleibt Walter Palmers Zahnarztpraxis in Bloomington, Minnesota geschlossen:

Gleich nach den ersten Reports, waren «Cecil the Lion» und «Walter Palmer» die trending Topics auf Twitter.

Screenshot: Twitter

Sehr, sehr schnell wurden weitere Bilder von Palmers Jagd-Ferien gefunden:

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Und dann ging es los. Palmer ist der zur Zeit meistgehasste Mann auf Twitter:

Auffällig viele Prominente tweeten, was das Zeugs hält:

Die Yelp-Seite für Palmers Praxis River Bluff Dental wurde ebenfalls von Hasstiraden überschwemmt. Die meisten User gaben ihm eine 5-Sterne-Bewertung, damit ihre Comments zuoberst auf der Liste erscheinen: 

Bild: Yelp

Mit der Zeit merkten User, dass die Kommentare gelöscht wurden. Yelp erklärte: «Yelp-Reviews müssen eine Kundenerfahrung aus erster Hand sein, nicht etwas, das jemand in den Nachrichten gehört hat. Unser User-Support-Team löscht Rezensionen, die unseren Richtlinien nicht entsprechen.» 

Doch die Palmer-Kritiker liessen (und lassen weiterhin) nicht ab: 

Bild: Yelp

«Keine Narkose, häutete mich, hackte mir den Kopf ab und schaute nicht einmal nach meinen Zähnen!»

Derweil war auf der Facebook-Page von River Bluff Dental die Hölle los.

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Inzwischen ist die Page gelöscht worden:

Ebenfalls die Website riverbluffdental.com.

Der Eingang der Praxis wurde inzwischen zu einem Schrein für Cecil the Lion umfunktioniert.

Angeblich machen Kritiker nun «Jagd» auf Palmer, in dem sie Löwen-Kuscheltiere «als Köder» um sein Haus streuen.

Erst im Juni hatte die Weltnaturschutzunion IUCN darauf hingewiesen, dass der Löwe zu den immer bedrohteren Arten zählt. Trotz einiger Schutz-Erfolge im südlichen Afrika gingen die Löwen-Bestände im Westen und Osten des Kontinents deutlich zurück. 

Die Naturschützer von ZCTF fürchten nun, dass auch Cecils Junge getötet werden könnten, allerdings auf natürliche Weise: Cecils Nachfolger Jericho dürfte es nicht gelingen, sie vor anderen männlichen Löwen zu schützen.


Derweil sickern weitere Informationen über Walter Palmer durch: Der zweifache Familienvater ist nach einem Bericht der Zeitung «Star Tribune» ein passionierter Jäger und Mitglied der Trophäen-Jagd-Organisation Safari Club International. Dort prahlt er mit 43 «kills», unter anderen soll er einen Büffel, Eisbären und Berglöwen erlegt haben. 

Die «New York Times» berichtete einst, wie der Mann einen rekordverdächtig grossen Elch in Kalifornien mit Pfeil und Bogen tötete. Diese Waffe habe es ihm offenbar besonders angetan. Er verabscheue es, eine Feuerwaffe auf seine Jagdtrips mitzunehmen, sagte er der Zeitung. Und er prahlte damit, eine Spielkarte aus 90 Metern Entfernung treffen zu können.

In Sachen Wilderei ist der Zahnarzt indes kein unbeschriebenes Blatt: 2008 gestand er, mit anderen einen Schwarzbären in Wisconsin ausserhalb einer Jagdzone erlegt zu haben. Er erhielt eine einjährige Bewährungsstrafe und bezahlte eine Busse über 3000 Dollar. Auch wegen Fischens ohne Lizenz wurde er schon gebüsst.

Schliesslich berichtete die «Star Tribune» auch, dass der Zahnarzt 2009 rund 128'000 Dollar bezahlte, um einen Fall von angeblicher sexueller Belästigung abzuwenden. Der Vergleich enthielt jedoch kein Schuldeingeständnis. Der Fall brachte ihm auf den Sozialen Medien keinen Sympathiegewinn.  

Diese Jäger mussten einen Shitstorm über sich ergehen lassen:

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