DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Grossdemo nach Vereidigung Lukaschenkos in Minsk erwartet

27.09.2020, 08:4127.09.2020, 13:42
Bild: keystone

Die Opposition in Belarus (Weissrussland) hat für diesen Sonntag zu Grossdemonstrationen gegen die international kritisierte Amtseinführung des umstrittenen Staatschefs Alexander Lukaschenko aufgerufen. Nach der Vereidigung wird mit Spannung erwartet, ob sich ab 13.00 Uhr MESZ noch mehr Menschen an den Aktionen beteiligen als an den Wochenenden zuvor. An den vergangenen Wochenenden gingen Beobachter von jeweils mehr als 100'000 Demonstranten aus. In der Hauptstadt Minsk ist eine «Amtseinführung des Volkes» geplant, bei der die Menschen die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja symbolisch ins Amt heben wollen.

Die Oppositionelle rief die Menschen auf, sich nicht einschüchtern zu lassen und ihre Rechte weiter einzufordern. «Wir alle verdienen es, dass unsere Würde und unsere Bürgerrechte respektiert werden. Wir wissen das – und deshalb können wir nicht aufgehalten werden», sagte Tichanowskaja einer Mitteilung zufolge.

Lukaschenko hatte sich am Mittwoch nach 26 Jahren an der Macht ohne Vorankündigung zum sechsten Mal im Amt vereidigen lassen. Bei der Abstimmung im August will er mehr als 80 Prozent der Stimmen erreicht haben. Nach der Amtseinführung nahmen die Proteste gegen den als «letzten Diktator Europas» bezeichneten Machthaber in dieser Woche wieder an Fahrt auf. Die Proteste in der Ex-Sowjetrepublik dauern seit Mitte August an. Die Demonstranten fordern Neuwahlen ohne Lukaschenko, die Freilassung aller politischen Gefangenen und die strafrechtliche Verfolgung der Polizeigewalt.

Die Sicherheitskräfte gingen zuletzt immer härter gegen friedliche Demonstranten vor. Unmittelbar nach der Vereidigung wurden nach Angaben des Innenministeriums 364 Demonstranten festgenommen – einige von ihnen brutal. Auch in Grodno, Gomel, Borissow und anderen Städten seien Menschen in Gewahrsam gekommen.

Lukaschenko hatte gefordert, bei nicht genehmigten Protesten härter einzuschreiten. Am Samstag nahmen maskierte Uniformierte auch Dutzende Frauen fest, wie das Menschenrechtszentrum Wesna mitteilte. Sie waren zu einem Marsch in Minsk zusammengekommen. Die Frauen hatten mancherorts nicht einmal Zeit, mit ihrem Marsch durch die Strassen von Minsk zu beginnen, wie das Menschenrechtszentrum Wesna mitteilte. Auch zufällig vorbeikommende Passantinnen sollen Aktivisten zufolge einfach abgeführt worden sein.

Auf Videos war zu sehen, wie uniformierte Sicherheitskräfte Frauen an Händen und Füssen zu den Bussen schleppten. Die Behörden hatten gewarnt, dass die Strassenaktionen nicht genehmigt seien. Erlaubt werden nur Kundgebungen von Unterstützern Lukaschenkos, die aber kaum Zulauf haben.

Tichanowskaja betonte, dass sie den Mut der belarussischen Frauen bewundere. Frauen jeden Alters und mit unterschiedlichen Berufen gingen auf die Strassen, obwohl die Einsatzkräfte immer wieder aufs Neue hart durchgreifen würden. «Ihr seid stark und unbesiegbar.»

Die Opposition hatte den Marsch auch als Vorbereitung auf die Grossdemonstration am Sonntag angekündigt. «Lasst uns zeigen, wer unsere Präsidentin ist», hiess es. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Hersche will sich nach ihrer Freilassung politisch engagieren

Nach ihrer Freilassung aus der Haft in Belarus will sich die schweizerisch-belarussische Doppelbürgerin Natallia Hersche weiter politisch engagieren: Sie könne sich vorstellen, Aufgaben bei der belarussischen Opposition anzunehmen, sagte sie in einem Interview.

Zur Story