DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eine Frau gönnt sich eine Dusche in der Nähe von Athen.
Eine Frau gönnt sich eine Dusche in der Nähe von Athen.
Bild: keystone

Jetzt könnte der Rekord von 48 Grad fallen: Nächste Hitzewelle rollt auf Europa zu

Glutofen Europa: Seit Wochen leiden die Länder im Süden unter Extremtemperaturen. Und Besserung ist nicht in Sicht. Die nächste Hitzewelle ist bereits im Anmarsch – und könnte für einen neuen Hitzerekord sorgen. 
29.07.2021, 19:5330.07.2021, 07:47
Tim Blumenstein / t-online
Ein Artikel von
t-online

Blickt man derzeit in den europäischen Himmel, könnte man meinen, das Wetter spiele endgültig verrückt. Während der Nordwesten unter Starkregen und Unwettern leidet, verwandelt sich der Südosten in einen Glutofen. Erst am Dienstag warnte der griechische Wetterdienst vor einer ungewöhnlich lang andauernden Hitzephase mit örtlichen Temperaturen von deutlich über 40 Grad Celsius. Selbst nachts soll das Thermometer vielerorts nicht unter die 30-Grad-Marke fallen. 

Doch nicht nur das Land an der Ägäis leidet unter extremer Hitze, die von Afrika kommend in Richtung Europa zieht. Auch anderen beliebten Urlaubsländern stehen heisse Tage bevor. Besonders an der Adria und am Balkan könnte sich die Wetterlage in den kommenden Tagen zuspitzen.

Bis zu 50 Grad in Italien 

Laut Berechnungen des US-Wettervorhersagemodells GFS, die der Wetterdienst Kachelmannwetter am Dienstag auf Twitter teilte, könnten am 8. August an der italienischen Adriaküste bis zu 50 Grad erreicht werden. Sollte sich die Prognose bewahrheiten, wäre das ein neuer Allzeitrekord auf dem europäischen Kontinent. Der bisherige Hitzerekord liegt bei 48 Grad und wurde im Juli 1977 in Athen gemessen. 

Die Prognose besorgt selbst die Wetterexperten. «Solche Karten habe ich noch nicht gesehen und man kann nur für Süd-, Südosteuropa hoffen, dass es nicht so kommt», kommentierte der Meteorologe Clemens Grohe von Kachelmannwetter die Berechnungen. Ob die Temperaturen kommende Woche wirklich auf Rekordwerte klettern, bleibt abzuwarten. Derartige Langzeitprognosen sind oft mit Fehlern behaftet.

Doch dass es heiss wird, daran besteht kein Zweifel: Auch der Wetterdienst DTN rechnet für die kommende Woche in Süditalien, dem Balkan, Griechenland und Teilen der Türkei mit Temperaturen von über 40 Grad. Auch ein möglicher Rekordwert von 50 Grad sei angesichts der ungewöhnlichen Dauer der Hitzephase laut dem DTN-Meteorologen Rainer Buchhop möglich – auch wenn sich das zum jetzigen Zeitpunkt noch schwer prognostizieren lasse. 

«Das will ich noch nicht ausschliessen», sagt Buchhop im Gespräch mit t-online. Der Grund für die anhaltende Hitze sei ein stabiles, subtropisches Hochdruckgebiet, in dem sich die heisse Luft vom nordafrikanischen Sahara-Raum bis in die südosteuropäischen Regionen ausbreite, so der Wetterexperte. 

Hitze begünstigt Ausbreitung von Waldbränden

Die Gluthitze in Südeuropa kann für die Menschen vor Ort gefährliche Folgen haben. Der griechische Zivilschutz hat die Bevölkerung bereits am Dienstag zur Vorsicht aufgerufen. Gerade Ältere und Kleinkinder sollten sich nicht der Hitze aussetzen. Weil die Temperaturen auch nachts nicht sinken, wird es für den menschlichen Körper extrem anstrengend, sich zu erholen. Je länger das extreme Wetter anhält, desto gefährlicher ist das für die Gesundheit

Zudem sind durch die hohen Temperaturen Böden und Vegetation stark ausgetrocknet. Das begünstigt die Ausbreitung von Waldbränden. Von Portugal bis zur Türkei loderten in den vergangenen Wochen fast in jedem Land entlang der Mittelmeerküste die Flammen. Erst am Mittwoch meldete der türkische Katastrophenschutz drei Tote in Folge von Waldbränden nahe des Touristenortes Antalya. Auch auf der italienischen Urlaubsinsel Sardinien richten die Flammen seit Tagen grossen Schaden an, rund 20'000 Hektar Waldfläche wurden bereits zerstört. 

Waldbrände bedrohen die Urlaubsregion Antalya.
Waldbrände bedrohen die Urlaubsregion Antalya.
Bild: keystone

In Griechenland bedrohten Anfang der Woche rund 50 Busch- und Waldbrände mehrere Vororte der Hauptstadt Athen. Mittlerweile seien diese zwar wieder unter Kontrolle, doch angesichts der anhaltenden Hitze und erwarteter starker Winde werden in dem Land böse Erinnerungen wach. 1987 starben bei einer ähnlichen Hitzephase geschätzte 4'000 Menschen. Damals gab es nur wenige Klimaanlagen und Stadtwohnungen wurden vor allem für ältere Menschen zur Todesfalle.

Italien kämpft landesweit gegen Hunderte Waldbrände
In Italien sind die Rettungskräfte landesweit weiterhin im Kampf gegen zahlreiche Waldbrände im Einsatz. Die Regionen hätten 34 Mal die Unterstützung von Löschflugzeugen angefordert, teilte die Zivilschutzbehörde am Donnerstagabend mit.

Die Anfragen kamen aus dem süditalienischen Kalabrien, Latium - wo die Hauptstadt Rom liegt - und von den Inseln Sizilien und Sardinien. Zu drei Bränden konnte die Behörde keine Flieger schicken. Dort mussten die Feuerwehren am Boden gegen die Flammen kämpfen. Die meisten Brände würden durch unachtsames oder böswilliges Verhalten ausgelöst, erklärte die Behörde weiter.

Landesweit sprach die Feuerwehr von 240 Buschbränden, bei denen sie im Einsatz sei. Seit dem vergangenen Wochenende wüteten bereits Flammen auf der Urlaubsinsel Sardinien und richteten grosse Zerstörung und Schäden in Millionenhöhe an. Am Donnerstagabend berichtete die dortige Feuerwehr von neuen Brandherden in der Provinz Oristano im Westen der Insel.

In Süditalien meldete die Feuerwehr am Abend Dutzende Einsätze. In Scanzano Jonico in der Region Basilikata wurde ein Zeltlager evakuiert. In Agrigent auf Sizilien standen Feuerwehrleute vor einer fünf Kilometer langen Brandfront. In der Gegend um die Stadt Palermo rückten die Retter mehr als 40 Mal im Zusammenhang mit den Feuern aus.

Trockenheit, Hitze und teils starke Winde in den vergangenen Tagen begünstigten die Ausbreitung der Flammen. Ganz anders sah es dagegen zuletzt in Norditalien aus. Dort sorgten starke Regenfälle für Überschwemmungen und Erdrutsche. Stark betroffen waren die Provinzen um den Comer See in der Lombardei. (sda/dpa)

Immer wieder fallen Hitzerekorde

Welche dramatischen Ausmasse extreme Hitzephasen haben können, wurde erst Ende Juni in Kanada deutlich. Bei Temperaturen knapp unter der 50-Grad-Marke starben allein in der Provinz British Columbia an der Pazifikküste über 700 Menschen. In der Ortschaft Lytton sind dabei 49.6 Grad gemessen worden – ein neuer Rekord. Zuvor hatte der Spitzenwert in Kanada bei 45 Grad gelegen. Wenige Tage danach wurde die Gemeinde durch Waldbrände völlig zerstört. 

Auch andere Orte auf der Nordhalbkugel meldeten zuletzt neue Rekord-Temperaturen: In der russischen Stadt Petschora, die am Rande der Arktis liegt, wurden im Mai laut dem staatlichen Wetterdienst 32.5 Grad gemessen, im norwegischen Lappland zeigte das Thermometer Anfang Juli 34.3 Grad an. 

Zusammenhang zwischen Erderwärmung und Hitzewellen

Dass solche Hitzerekorde häufiger vorkommen, liegt auch an der Erderwärmung. Das geht aus einer Studie eines internationalen Forscherteams hervor, die Anfang Juli veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler fütterten über 20 Simulationen mit den jüngsten Hitzedaten aus Kanada und den USA.

Ihr Ergebnis: Ohne die Klimaerwärmung wäre eine Hitzewelle wie in Kanada etwa 150 Mal seltener auftreten, erklärte die niederländische Klimaforscherin Sjoukje Philip dem SRF. Auch die Temperaturen wären im Schnitt zwei Grad niedriger ausgefallen. Dennoch seien extreme Hitzewellen auch heute noch sehr selten. Geschätzt gebe laut den Forschern so eine Hitzewelle gut einmal im Jahrtausend. Dies könnte sich allerdings mit steigenden Temperaturen ändern.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Hochwasser in Europa nimmt krasse Dimensionen an

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Historisch»: G20-Finanzminister beschliessen globale Steuerreform – das musst du wissen

Internationale Konzerne sollen künftig nicht nur in ihrem Heimatland Steuern zahlen, sondern auch da, wo sie gute Geschäfte machen.

Die Finanzminister der grossen Industrie- und Handelsstaaten haben eine globale Steuerreform mit Mindeststeuern für grosse Unternehmen beschlossen.

Der deutsche Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sprach am Samstag beim Treffen mit seinen G20-Amtskollegen in Venedig von einem «grossen geschichtlichen Moment». «Die G20-Staaten haben sich jetzt hier darauf verständigt, dass sie eine neue Ordnung der internationalen Besteuerung miteinander vereinbaren wollen», sagte er. Am Ende der Minister-Debatte …

Artikel lesen
Link zum Artikel