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Demo gegen Gewalt an Frauen am 13. Januar in Costa Rica.
Demo gegen Gewalt an Frauen am 13. Januar in Costa Rica.Bild: keystone

Mord an Lehrerin in Irland entfacht Debatte über Gewalt gegen Frauen

16.01.2022, 14:1116.01.2022, 17:19

Nach der Tötung einer jungen Lehrerin beim Joggen mitten am Tag haben Tausende Menschen in Irland und darüber hinaus ein Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen gesetzt. Auf Mahnwachen in mehreren irischen Städten und in verschiedenen Teilen Grossbritanniens wurden am Wochenende Kerzen für die getötete 23-Jährige angezündet und Blumen niedergelegt, auch traditionelle irische Musik spielte bei den Gedenken für die musikalische junge Frau eine grössere Rolle. Jogger in ganz Irland und im benachbarten Nordirland hielten für einen Moment an, um ihr zu gedenken.

Gleichzeitig entfachte die Tat in der Kleinstadt Tullamore Wut und eine erneute Debatte über die Sicherheit von Frauen in Irland. «Es gibt eine Epidemie der Gewalt gegen Frauen. Das ist schon seit Jahrtausenden so», sagte Vizeregierungschef Leo Varadkar.

Die Tat habe das Land «in Solidarität und Abscheu» geeint, sagte auch Premierminister Micheál Martin bei einem Gedenken am Freitagabend in Dublin. Präsident Michael D. Higgins rief die Bevölkerung dazu auf, darüber nachzudenken, was nötig sei, um Gewalt jeder Art gegen Frauen zu beseitigen und eine «freundlichere, mitfühlendere und empathischere Gesellschaft» für alle zu bauen.

Die Lehrerin war am Mittwochnachmittag getötet worden, als sie am helllichten Tag am Ufer eines Kanals joggen war – einer beliebten Strecke von Radfahrern und Läufern. Die 23-Jährige galt als sportlich und als talentierte Geigenspielerin. Sie war Lehrerin einer ersten Klasse gewesen.

Die Polizei fahndet weiter nach dem Täter, sie hat Berichten zufolge eine neue «für den Fall interessante Person» identifiziert, die derzeit im Krankenhaus liegt, während die Behörden darauf warten, sie verhören zu können. Zuvor war ein festgenommener Mann nach Verhören wieder auf freien Fuss gekommen. Er gilt nicht mehr als verdächtig.

Tausende Menschen beteiligten sich währenddessen an Mahnwachen für die junge Frau. Sie fanden am Freitag und Samstag unter anderem in Tullamore, Dublin und Cork, aber auch im nordirischen Belfast, in den schottischen Städten Glasgow und Edinburgh, in der britischen Hauptstadt London und sogar im australischen Brisbane statt.

In Tullamore versammelten sich zahlreiche Trauernde in einem Park, um der Familie der Frau ihre Unterstützung zu zeigen und zugleich gegen Gewalt gegen Frauen einzustehen. Viele Tränen flossen, während Kerzen angezündet und Gebete gesprochen wurden. Freunde und Bekannte der Frau, darunter ihre erste Geigenlehrerin Attracta Brady, spielten bei dem Gedenken in der Stadt gut 80 Kilometer westlich von Dublin irische Musik.

«Sie war innerlich wie äusserlich das schönste Mädchen», sagte Brady. «Sie war der Traum aller Eltern. Sie war alles, was man sich von einer Tochter wünscht.» Der Vater der Frau, Ray Murphy, spielte der Nachrichtenagentur PA zufolge auf einem weiteren Gedenken am Freitagabend in Tatortnähe ihr Lieblingslied «When You Were Sweet Sixteen» auf dem Banjo.

In Belfast kamen Hunderte Menschen vor dem Rathaus zusammen, um der 23-Jährigen ebenfalls zu gedenken und eine Schweigeminute für sie einzulegen. Auch hier spielten junge Musiker, die sie kannten und mit ihr zusammengespielt hatten. Alle hätten die Nachrichten gesehen und das Gefühl bekommen, etwas tun zu müssen, sagte Emma Gallen, eine der Organisatorinnen. «Wir konnten nicht einfach so herumstehen und nicht einräumen, dass bei Tageslicht ein Mord an einer Frau passiert ist, die am Anfang ihres Lebens stand.»

Auch in London wurde der Frau am Samstag unter anderem mit traditioneller Musik gedacht. Die Menge habe sich versammelt, um ihre Solidarität mit den Angehörigen der 23-Jährigen «und mit allen Frauen in Irland und darüber hinaus» zu zeigen, die wütend, verzweifelt und niedergeschlagen seien, sagte die Kulturreferentin des Irischen Zentrums von London, Anna Johnston. Man wolle an all die Frauen erinnern, die Opfer geschlechtsbezogener Gewalt geworden seien. (sda/dpa)

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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Peter Vogel
16.01.2022 17:47registriert Juni 2020
Warum steht nichts zum Tathergang? Warum wird automatisch von einem "Opfer geschlechtsbezogener Gewalt" gesprochen? Kennt man die Motive der Täterin überhaupt?
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Susokiqt
16.01.2022 14:23registriert September 2021
Und in ein paar Wochen ist es wieder vergessen wie mit allem was so passiert. So funktioniert der Mensch.
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