Gesellschaft & Politik
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Flüchtling verliert Wohnung – die Zürcher Gemeinde rät: «Kaufen Sie sich ein Zelt!»



Haile (Name geändert) kam mit 15 Jahren in die Schweiz und erhielt mit 17 das vorübergehende Bleiberecht. Somit konnte der Eritreer aus der Asylunterkunft in Embrach ausziehen und ein eigenes Zimmer suchen.

In Rafz wurde der heute 18-Jährige im Juli 2017 fündig. Der Mietvertrag war befristet bis Februar 2018. Bis dahin wollte sich Haile eine permanente Wohnmöglichkeit suchen, schreibt der Tages-Anzeiger. Jedoch fand er keine neue Bleibe, obschon er über 100 Bewerbungen verfasst hatte.

Image

Die Gemeinde Rafz verwehrte anfänglich jegliche Unterstützung. Es sei zumutbar, dass der junge Eritreer in einem Zelt schlafe. (Symbolbild) Bild: AP/AP

Mit einem Budget von monatlich 700 Franken Sozialhilfe war der junge Mann finanziell stark eingeschränkt. Zudem bewilligte das Sozialamt keinen höheren Betrag. Und wegen seinen mangelnden Deutschkenntnissen fand er keine Arbeit.

«Da hier bald Frühling ist …»

Trotz Hilfegesuch beim Sozialsekretariat in Rafz, bot man keine Unterstützung. Als der Eritreer obdachlos wurde, entzog sich die Gemeinde ihrer Verantwortung: Haile soll sich selber um eine Unterkunft bemühen, denn seine Anmeldung sei nur provisorisch.

Falsch. «So etwas wie eine provisorische Anmeldung gibt es nicht – auch dann nicht, wenn ein Mietvertrag befristet ist», zitiert der «Tages-Anzeiger» Kathrin Stutz, Leiterin der Zürcher Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende.

Die Rechtsberatungsstelle unterstützte Haile, aber die Gemeinde blieb stur. Er solle sich doch an eine Notschlafstelle wenden – es gäbe ja genügend im Kanton Zürich. Allenfalls komme auch eine Asylunterkunft in Frage. Es sei auch «zumutbar, ein Zelt aufzustellen; da bald Frühling hier ist, könnten Sie somit ein Zelt und einen Schlafsack kaufen», zitiert der «Tages-Anzeiger» ein Schreiben der Sozialsekretärin.

Anspruch auf Obdach

Für Kathrin Stutz liegt es auf der Hand: Rafz wollte den Eritreer abschieben. Es liege in der Pflicht jeder Gemeinde, Menschen in Not bei der Wohnungssuche unter die Arme zu greifen. Zudem habe jeder Mensch einen grundrechtlichen Anspruch auf Obdach, sagt Alex Suter, Leiter des Bereichs Recht und Beratung bei der Skos-Fachstelle.

Nach langem und zähem Ringen organisierte die Gemeinde schlussendlich einen Schlafplatz. Doch weil der junge Mann krankheitsbedingt bei einem Freund übernachtete, drohte die Gemeinde mit der Abmeldung aus Rafz. Der Eritreer müsse am zugeteilten Platz übernachten – die Skos-Fachstelle widerspricht auch hier.

Mittlerweile wohnt Haile in einer Wohngemeinschaft in Zürich und will mit einem intensiven Deutschkurs den Einstieg in die Arbeitswelt schaffen. Kathrin Stutz sagt, dass solche Aktionen bei Landgemeinden hin und wieder vorkommen. Es sei eine erfolgreiche Strategie, um Leute loszuwerden, schreibt der «Tages-Anzeiger». (vom)

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Charming 21.06.2018 17:19
    Highlight Highlight Die Gemeinde ist verpflichtet im ein Obdach zu gewähren. Ein Notschlafstellenplatz ist so eine vorübergehende Möglichkeit. Das generelle Problem der Landgemeinden ist, dass sie zuwenig Wohnmöglichkeiten haben und auch nicht schaffen, obwohl man mittels Containerlösungen durchaus was annehmbares aufstellen könnte, was aber natürlich Infrastruktur-Erschliessungskosten nach sich ziehen würde. Kleingemeinden könnten sich auch zusammenschliessen. Allgemein ist der Wohnungsmarkt auch für CH-erInnen eine Zumutung! Wenn es so weiter geht wird es soziale Unruhen geben, es ist genug!
  • Myk38 21.06.2018 14:05
    Highlight Highlight Das Problem liegt doch eher darin, dass jede Furzgemeinde einen Gemeinderat aus X Personen zusammenbastelt. Da ist der Herr Bauer, die Frau Floristin, der Dorfbäcker und die Frau des Brunnenmeisters drin. Und solche entscheiden dann über Baurechte, Sozialwesen, etc. Ist man in diesem Dorffilz verbandelt, lebt es sich ganz gut. Wehe dem der nicht im Turn- oder Schützenverein, oder der Damenriege ist.
  • aglio e olio 21.06.2018 13:22
    Highlight Highlight "Es sei auch «zumutbar, ein Zelt aufzustellen; da bald Frühling hier ist, könnten Sie somit ein Zelt und einen Schlafsack kaufen», zitiert der «Tages-Anzeiger» ein Schreiben der Sozialsekretärin."

    Derart zynische Aussagen sind für die Vertretung des Gemeinwesens völlig unangemessen und lassen berechtigte Zweifel an der Eignung der Sozialsekretärin aufkommen.
    Ein Zeltplatz gilt meines Wissens auch nicht als ladungsfähige Postadresse.
    Dem folgt dann der Vorwurf, dass sich der Mann den Behörden entziehen will...
  • olmabrotwurschtmitbürli #käluscht 21.06.2018 09:42
    Highlight Highlight Das kann auch bei einheimischen Sozialhilfeempfängern so laufen: Die Gemeinde bestreitet eben die eigene Zuständigkeit (zu Unrecht), bis der Betroffene notgedrungen die Gemeinde verlässt. Dass damit nicht gerade die Reintegration ins Erwerbsleben gefördert wird, scheint dann niemanden zu interessieren.
  • Posersalami 21.06.2018 09:24
    Highlight Highlight Unfassbar.

    Da fordert man (zu Recht!), dass Aufgenommene sich möglichst schnell integrieren und dann legt man ihnen aber wo es nur geht Steine in den Weg. Der Junge Mann hier ist ja leider kein Einzelfall..

    Ich wünsche mir sehr, dass alle die diesen Fall oder ähnliche verkackt haben, selbst mal Hilfe brauchen, und dann auf Menschen mit der gleichen Einstellung treffen. Alles Vollidioten.
    • Die Redaktion 21.06.2018 11:30
      Highlight Highlight Im Tages-Anzeiger steht weiter:

      "Vom Deutschkurs, den der 18-Jährige besuchte, meldete sie ihn ab. Er müsse nun alle Energie in die Wohnungssuche stecken."

      Eine sehr eigene Interpretation von Integration die da gepflegt wird.
  • marcog 21.06.2018 08:56
    Highlight Highlight Das System ist schon etwas pervers: Die Gemeinde sollte Personen in Notlagen unterstützen. Da dies aber kostet, versuchen sie alles, um diejenigen Personen wieder loszuwerden, dann muss eine andere Gemeinde bezahlen. Insbesondere versuchen Gemeinden oftmals auch, möglichst wenig alte, billige Wohnungen zu haben, da diese notorisch Sozialhilfebezüger anlocken. Wie zum Beispiel hier: https://www.watson.ch/schweiz/sozialhilfe/578596842-fall-rekingen-gemeinden-fuerchten-den-sozialhilfe-teufelskreis
  • dding (@ sahra) 21.06.2018 08:43
    Highlight Highlight Entfernt. Bitte formuliere deine Kritik sachlich. Danke, die Redaktion.
  • Ritiker K. 21.06.2018 08:10
    Highlight Highlight Sozialhilfe - Limbo. Das ist erst der Anfang. Der Kanton Bern wird voraussichtlich ab Januar 2019 die Sozialhilfe bis 30% niedriger als das von der SKOS definierte Existenzminimum ansetzen. Der 'Verdrängungswettkampf' wird lanciert. Traurige Entwicklung.
    • Scott 21.06.2018 22:56
      Highlight Highlight Traurige Entwicklung weil halt einfach kein Geld mehr da ist.

      Das ist erst der Anfang!
  • Yolo 21.06.2018 08:07
    Highlight Highlight Mit der Kürzungen in der Sozialhilfe strebt die SVP genau die Verdrängung in die Obdachlosigkeit an, egal ob Ausländer oder Schweizer. Das sollte uns zu denken geben. Wie steht es in der BV? Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.
    • Scott 21.06.2018 22:59
      Highlight Highlight Die Stärke des Volkes misst sich am Vermögen des Mittelstandes.

      Wo nichts (mehr) ist, kann auch nichts geholt werden.
  • Ökonometriker 21.06.2018 07:52
    Highlight Highlight Wieder ein tolles Beispiel von arbeitsscheuen Beamten. Statt sich um ein Problem zu kümmern wird als getan, um es an die nächste Stelle abzuschieben.
  • Howard271 21.06.2018 07:31
    Highlight Highlight Unglaublich. Wenn das wirklich eine Strategie der Landgemeinden ist, dann sollte man denjenigen ebenfalls die Subventionen streichen.
  • PenPen 21.06.2018 07:07
    Highlight Highlight Und jetzt hören wir uns noch die andere Seite an und dann können wir uns eine Meinung bilden.
    • Asho 21.06.2018 21:36
      Highlight Highlight „Der Sozialvorsteher von Rafz ist sich keines Fehlverhaltens bewusst. Er gibt zwar zu, dass die Sache mit dem Zelt überspitzt war – doch habe Rafz sich genügend um den jungen Mann bemüht, sagt er im «Tages Anzeiger».“ (quelle 20min https://bit.ly/2tg6nof )
  • Roterriese 21.06.2018 06:57
    Highlight Highlight " Zudem habe jeder Mensch einen grundrechtlichen Anspruch auf Obdach, sagt Alex Suter, Leiter des Bereichs Recht und Beratung bei der Skos-Fachstelle."

    Das ist korrekt, aber die Gemeinde hat ihm ja Obdach angeboten:
    " Er solle sich doch an eine Notschlafstelle wenden – es gäbe ja genügend im Kanton Zürich. Allenfalls komme auch eine Asylunterkunft in Frage"

    Das Recht auf Nothilfe beinhaltet nicht das Recht auf eigene Wohnung.
    • Astrogator 21.06.2018 09:20
      Highlight Highlight Entfernt. Bitte beachte die Kommentarregeln. Danke, die Redaktion.
    • Qui-Gon 21.06.2018 09:43
      Highlight Highlight Der Mann hat ein - wenn auch nur vorübergehendes - Bleiberecht. Er ist nicht ein "renitenter Ausweisepflichtiger", den man auf das absolute Minimum der Nothilfe setzen kann.
      Und eine Notschlafstelle ist keine Wohnung!

    • dcfk51 21.06.2018 10:07
      Highlight Highlight Notschlafstlen sind keine Dauerlösung und es gelten streng limitierte Übernachtungsmöglichkeiten. Das Gesetz verpflichtete Rafz den jungen Mann effektiver zu helfen. Diese Gemeinde hats in sich: abschieben ist das Motto. Nicht das erste mal. Ich war selber vom Fach, hatte auch meine Kämpfe mit diese Behörde. Randständige sind dort fehl am Platz. Bin Jetzt pensioniert und froh mit solche seltene feindselige Ämter nix mehr zu tun zu haben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Legaschtenie 21.06.2018 06:55
    Highlight Highlight Es wäre wünschenswert wenn die skos Sanktionsmöglichkeitten hätte um solch drückeberger Gemeinden zu sanktionieren. Es geht nicht das Gemeinden Gesetzte\Richtlinien nicht einhalten, egal ob Schweizer, Ausländer, Flüchtling oder Marsianer!
    • RETO1 21.06.2018 10:22
      Highlight Highlight diese SKOS kann nur Forderungen stellen, sie könnte doch eine Wohnung organisieren
    • Hierundjetzt 21.06.2018 16:56
      Highlight Highlight RETO: Gäll, Du hast absolut keine Ahnung was diese SKOS ist?

      Ok, ich erklärs Dir in ganz einfachen Worte: SKOS ist ein Verein, deren Mitglieder sämtliche Sozialhilfedirektoren der Schweiz sind. Dort wird nur über die Rahmenbedinungen befunden, wie ein Sozialhilfebezüger unterstütz werden kann.

      Die Mehrheit der Mitglieder ist bürgerlich CVP / FDP / SVP. Gemäss Dir stellt also die SVP Forderungen für mehr Sozialleistung? aha. Spannend.


      Ufff fast geschafft. Blieb dran!

      Jetzt kommts: die GEMEINDE ist verantwortlich für die Wohnungsuche. Nicht die SKOS.
    • RETO1 21.06.2018 18:44
      Highlight Highlight @ HIERUNDJETZT

      ich weiss sehr wohl was die SKOS ist

      Den Gemeinden dreinreden un selber nichts leisten und keine Rechenschaft ablegen

      punkto SVP hab ich nur ein Lächeln übrig: du bist also der Meinung die SVP bestimme den Kurs der SKOS, lustig
  • Töfflifahrer 21.06.2018 06:41
    Highlight Highlight Zürich soll bei Rafz den Betrag einfordern.
  • vaste 21.06.2018 06:40
    Highlight Highlight Solche Meldungen werden wir noch öfters hören. Ist doch klar, dass sich ländliche Gemeinden so oder ähnlich verhalten werden. Wer sich nicht wie die Zürich das Sozialwesen über Steuereinnahmen der Konzerngesellschaften finanzieren lassen kann, muss kreativ werden.

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