Gesundheit
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Virenparty am Arbeitsplatz? Arztzeugnisse können dazu beitragen, dass Angestellte zu früh ins Büro zurückkehren. Bild: shutterstock

Wann brauche ich ein Arztzeugnis? – 7 Fragen zur Krankheit am Arbeitsplatz



Die Grippewelle rollt in der Schweiz mit voller Kraft auf ihren Höhepunkt zu. In zahlreichen Betrieben fehlen Mitarbeiter aufgrund der Influenza. Aber auch eine gewöhnliche Erkältung kann einen schnell einmal für ein paar Tage flach legen.

In den meisten Fällen muss spätestens nach ein paar Tagen Krankheitsabsenz ein Arztzeugnis vorgelegt werden. Für den kranken Mitarbeiter bedeutet dies einen mühseligen Gang zum Arzt, auch wenn ein solcher aus Gesundheitsgründen gar nicht nötig wäre.

Umgekehrt tragen Arztbesuche dazu bei, die Kosten im Gesundheitswesen in die Höhe zu treiben. Zudem besteht auch die Gefahr, dass in der Arztpraxis Personen angesteckt werden, die zu einer Risikogruppe gehören: Kleine Kinder etwa oder alte Menschen.

Unternehmen geht neue Wege

Die Versicherung Baloise geht nun einen neuen Weg. Ihre Mitarbeiter müssen erst am dem elften Krankheitstag ein Arztzeugnis vorlegen.

Die Massnahme sei einerseits vertrauensfördernd gegenüber den Mitarbeitern und anderseits ein Beitrag gegen die ausufernden Gesundheitskosten, sagte ein Mediensprecher gegenüber dem SRF Regionaljournal Basel.

Aber was gilt eigentlich in Sachen Krankheit am Arbeitsplatz? Wir beantworten dir die wichtigsten Fragen zum Thema.

Nach wie vielen Krankheitstagen muss ich ein Zeugnis vorlegen?

Eine juristische Regelung dazu existiert nicht, die Frage wird üblicherweise im Personalreglement oder im Arbeitsvertrag geregelt. Gängig sind drei bis fünf Tage, viele Betriebe verlangen von ihren Angestellten aber auch schon nach einem Tag einen Attest.

Good to know: Wer in den Ferien krank ist, sollte das seinem Arbeitgeber ebenfalls melden. Ferientage bei Krankheit müssen nicht bezogen werden.

Wird die Regelung von Baloise zum Trend?

Vielleicht. Fachleute gehen davon aus, dass die Regelung des Basler Versicherungskonzerns auch dazu führen könnte, dass Angestellte weniger oft krank zur Arbeit gehen. Der sogenannte «Präsentismus» ist ein in der Arbeitswelt weitverbreitetes Problem. Gemäss einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz ging 2014 beinahe die Hälfte der Teilnehmer zur Arbeit, obwohl eine Krankheit noch nicht auskuriert war.

Gibt es eine Möglichkeit, den Gang zum Arzt zu vermeiden?

Ja, wie der «Beobachter» schreibt, kann seit 2014 beim Telemedizin-Zentrum Medgate ein Arztzeugnisse per Mail und ohne Arztbesuch angefordert werden. Die Richtlinien seien genauso streng wie bei einem Arztbesuch, betont ein Sprecher, ausserdem würden maximal drei Tage Arbeitsunfähigkeit so bescheinigt. Rund 130 Zeugnisse werden gemäss «Beobachter» pro Woche ausgestellt.

Wer muss das Arztzeugnis bezahlen?

Grundsätzlich ist der Angestellte beweislastpflichtig, er bezahlt deshalb auch die Kosten für den Arztbesuch. Wie genau er dem Arbeitgeber seine Krankheit beweist, ist aber nicht festgeschrieben. Das Arztzeugnis hat sich als gängigste Form etabliert.

Es gibt aber auch Stimmen, die die Abwälzung auf den Angestellten kritisch betrachten und stattdessen dafür plädieren, die Kosten eines allfälligen Arztzeugnis dem Arbeitgeber aufzuerlegen. «Die Kosten, die entstehen, weil der Arbeitgeber ein Papier braucht, statt den Angaben des Mitarbeiters zu vertrauen, sollten dem Arbeitgeber belastet werden», forderte Eva Kaiser, Vorstandsmitglied des Verbands Haus- und Kinderärzte im «Beobachter».

Wie viele Krankheitstage fallen pro Jahr an?

Gemäss der bereits oben zitierten Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz fehlte im Jahr 2014 jeder Arbeitnehmer durchschnittlich 3.5 Tage wegen Krankheit oder Unfall. Das sind umgerechnet 187 Millionen Arbeitsstunden, die jährlich verloren gehen.

So hustest und niest du richtig: 

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Video: watson/Emily Engkent, Angelina Graf

Erhalte ich in jedem Fall Lohn bei Krankheit?

Grundsätzlich ja. Allerdings ist es in einigen Branchen Usus, Mitarbeitern während der ersten Krankheitstage keinen Lohn bzw. kein Krankentaggeld auszuzahlen. Dies ist gesetzlich dann erlaubt, wenn die betriebsinterne Regelung «mindestens gleichwertig» ist , wie der «Beobachter» festhält.

Was sind die Kosten für das Gesundheitssystem?

Genau Zahlen dazu existieren nicht. CVP-Nationalrätin Ruth Humbel reichte schon 2014 Jahren eine entsprechenden Vorstoss ein – seither ist Gras drüber gewachsen. Humbel kündigte im «Tages-Anzeiger» an, in der Frühlingssession nachzuhaken.

Was ist, wenn der Arbeitgeber ein Zeugnis ablehnt?

Wenn ein Arbeitgeber Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit seines Angestellten hat, kann er gemäss Bundesgerichtsentscheid den Angestellten auf seine Kosten zu einem Vertrauensarzt seiner Wahl schicken. Sollte es zu einem Streitfall kommen, muss das Gericht entscheiden.

(wst)

Und wie ist die Regel in deinem Betrieb? Schreib uns in der Kommentar-Spalte.

10 Tage krank ohne Arztzeugnis bei Bâloise

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • Baccara 22.02.2019 13:42
    Highlight Highlight Bei einem öffentlich rechtlichen Arbeitsvertrag in der Bundesverwaltung muss ab dem 6. Arbeitstag ein Arztzeugnis eingereicht werden. Bei den ewigen Montag-Freitag-Absenzlern wird auch gerne ab dem 1. Tag eines einverlangt.

    Und ja, Vertrauen ist schön. Leider gibt es in jedem Betrieb aber Profitierer, die sich alles immer ein wenig zurecht biegen.
  • estrella5 21.02.2019 17:39
    Highlight Highlight Ich arbeite in einem KMU und wir verlangen grundsätzlich erst ab 3 Tagen ein Arztzeugnis. Aber leider gibt es auch Leute die sind monatlich krank und die müssen halt ab dem 1. Tag ein Arztzeugnis bringen und werden von den Ärzten auch unterstützt. Die bekommen für jedes "Boböchen" sofort ein Arztzeugnis. Und ich spreche nicht von einer Grippe oder so....
    Und das zu handeln in einem kleinem KMU...schwierig.
  • Hessmex 21.02.2019 17:07
    Highlight Highlight Vielfach ist es ja nicht der Arbeitgeber der ein Zeugnis verlangt, sondern die Taggeldversicherung bei der sich der Arbeitgeber für deinen Lohnausfall rückversichert hat.
  • Albert J. Katzenellenbogen 21.02.2019 13:46
    Highlight Highlight In unseren Regelwerken ist eine Arbeitswoche festgelegt. Jedoch mit der Zusatzklausel, dass bei Verdacht auch früher ein ärztlicher Attest beigebracht werden muss.
    Auf einen Vertrauensarzt hat bislang erst unsere KTG Versicherung zurück gegriffen, als ein Mitarbeiter halbchronische Schönwetterose hatte.
  • saukaibli 21.02.2019 12:55
    Highlight Highlight Ich habe auch schon am dritten Krankheitstag von der Bude einen Hinweis bekommen, dass ich dann das Arbeitszeugnis nicht vergessen solle, wenn ich wieder komme. Eigentlich wollte ich am nächsten Tag wieder arbeiten, aber da ich eh zum Arzt musste, habe ich mich dann halt gleich noch zwei weitere Tage krank schreiben lassen. Ich glaube, ich bin nicht der erste und nicht der letzte, der genau das gemacht hat. Von daher glaube ich nicht, dass durch ein schnell verlangtes Zeugnis weniger Krankheitstage anfallen.
  • DerSuperBauer 21.02.2019 11:49
    Highlight Highlight Also ich war einmal ziemlich krank und habe über MedGate ein Arztzeugnis angefordert. Ich musste ein paar Fragen beantworten und erhielt ein Arztzeugnis für 4 Tage (nicht nur für 3 wie es im Artikel hiess). Ich bin ehrlich gesagt nicht der Meinung, dass die Kriterien für ein Arztzeugnis gleich streng sind wie wenn man wirklich zum Arzt geht. Trotzdem halte ich es für eine gute Sache und die Ärzte dort sind schon vorsichtig wenn es darum geht ein Zeugnis zu verteilen.
  • Abnaxos 21.02.2019 11:37
    Highlight Highlight In dieser Thematik könnte auch das Internet viel helfen. Wenn sich jemand etwas kränklich fühlt, aber nicht ganz arbeitsunfähig, wäre Home Office eine gute Variante. So steckt man den Rest der Firma nicht an, hat etwas Erhohlung und trotzdem keinen Arbeitsausfall.

    Leider ist das bei den meisten noch nicht durchgedrungen, meist gilt immer noch: nicht im Office = nicht gearbeitet.

    Natürlich geht das nicht bei allen Jobs, das ist klar.
    • fant 22.02.2019 13:38
      Highlight Highlight So ähnlich kann ich das machen (KMU): Wenn ich krank bin, setze ich mich an den Compi daheim und arbeite so lange es geht und dann wieder ab ins Bett. Je nachdem wie es mir geht ist das nur 1 Stunde, können aber auch 6 Stunden sein.

      Mein Krankheitssaldo per Ende Jahr umfasst dann nur die Stunden, die zu einem vollen Tag gefehlt hätten.

      Weiter ist bei uns normal, dass man sich telefonisch (notfalls auch per Chat oder ...) beim Vorgesetzten meldet. Dabei geht es nicht um "Kontrolle", sondern primär darum, allfällige offene dringende Tasks sauber übergeben zu können...
  • dommen 21.02.2019 10:45
    Highlight Highlight Da ich zu meinen Leuten ein vertrauensvolles und gutes Verhältnis pflege und mir absolut sicher bin, dass ich nicht "verarscht" werde, habe ich noch nie einem Grund gesehen, ein Arztzeugnis zu verlangen. Auch nicht bei längerer Abwesenheit...
  • Stirling 21.02.2019 10:37
    Highlight Highlight Die ganze Thematik ist doch nur wegen denen, die immer am Montag und am Freitag krank sind und komischerweise auch an Brückentagen. Es nervt, wenn man ständig ihre Faulheit ausgleichen muss.
    Bei uns sind es 7 Tage, wenn aber jemand besonders häufig krank ist, dann finde ich das gerechtfertigt, wenn er dann plötzlich ab dem ersten Tag ein AUZ abgeben muss. Wir Menschen sind individuell, also brauchen wir individuelle Lösungen.
    • Amateurschreiber 21.02.2019 13:15
      Highlight Highlight Eigentlich ist es so, dass man ab dem xten Tag ein Zeugnis bringen MUSS.
      Der Arbeitgeber darf aber grundsätzlich (Zitat eines Gewerkschafters) "von der ersten Absenz - Sekunde an" ein AZ verlangen. Er darf auch bestimmen bei welchem Arzt man das AZ holen muss.
      Das heisst bei genau so Fällen, wo Mitarbeiter immer an speziellen Tagen "krank" sind, kann der Arbeitgeber ein AZ auch bei nur einem Tag Absenz verlangen.
  • Joseph Dredd 21.02.2019 09:29
    Highlight Highlight "Vertrauensfördernde Massnahme" ...und unser HR so: "VERTRAUEN?! Gegenüber unseren Angestellten?! Da können wir ja direkt Konkurs anmelden! XP
    • Dominik Treier (1) 21.02.2019 09:53
      Highlight Highlight Das sagt doch schon der unsägliche Begriff HR der sich auch schon bei uns verbreitet hat... Human Ressources... Da ist man nur eine Ressource. Sogenanntes Humankapital, dass nur gut ist um den eigenen Reichtum zu vermehren und weder Ansprüche zu stellen hat, noch Vertrauen verdient...
    • -V- 21.02.2019 10:10
      Highlight Highlight deswegen versuche ich in kleinen Betrieben zu arbeiten :) da ist man nicht nur Inventar ... zumindest bei uns nicht
  • achsoooooo 21.02.2019 09:17
    Highlight Highlight Man verliert vielleicht Arbeitsstunden, aber langfristig, und fürs ganze Unternehmen gsehen, macht es null Sinn, krank zur Arbeit zu kommen. Leistungsfähig ist man sowieso nicht, dafür steckt man seine Mitarbeiter an (die dann ebenfalls fehlen/eingeschränkt sein werden) und macht verm. auch eher Fehler... Und gesund wird man durch die zusätzliche Belastung sicher auch nicht schneller.
    Find die Regelung der Baloise gut.
    • Albert J. Katzenellenbogen 21.02.2019 13:47
      Highlight Highlight Es geht ja gar nicht um die tatsächlich kranken MA, sondern um die Blaumacher/innen.
      Ohne solche Mitmenschen bestünde diese Thematik gar nicht.
    • sleeper 21.02.2019 15:26
      Highlight Highlight So schwarz-weiss ist es allerdings z.B. bei KMUs oft nicht. Ich arbeite in einem kleinen Hotel. Insgesamt decken wir zu dritt die Reception ab. Eine Kollegin war bereits krankgeschrieben. Um also die Abdeckung der Reception bei ausgebuchtem Hotel gewährleisten zu können (es ist zudem in der Hauptferienzeit unmöglich kurzfristig eine Aushilfe zu finden), bin ich mit Grippe zur Arbeit gegangen. Ich habe so gut wie möglich Abstand zu den Gästen gehalten und mir immer wieder die Hände desinfiziert. Natürlich war diese Lösung alles andere als optimal, aber die einzig umsetzbare.
  • Echo der Zeit 21.02.2019 09:15
    Highlight Highlight Fortschrittliche Versicherung Baloise - bei meinem Arbeitgeber, einer Grossen Institution aus dem Gesundheitswessen geht's in die andere Richtung - da wird dem Angestellten Vertrauen entzogen als gegeben und die Führungsebenen, müssen viele Sitzungen einbeziehen, um über die Hohe Fluktuation zu Referieren.
  • Janis Joplin 21.02.2019 09:03
    Highlight Highlight 1. Ab dem ersten Tag muss ein Arztzeugnis abgeliefert werden, ansonsten der Tag einem nicht bezahlt wird und nachgearbeitet werden muss.
    2. Die krankgeschriebenen Tage, welche durch ein Arztzeugnis belegt sind, werden zu 75% bezahlt.
    • TactixX 21.02.2019 18:33
      Highlight Highlight Ist dies Ihre Meinung oder wird dies in Ihrer Anstellung so gehandhabt? Falls ersteres eintrifft, ohne Worte. Falls zweiteres eintrifft, rate ich Ihnen dringendst eine neue Stelle zu suchen.
    • Janis Joplin 22.02.2019 10:36
      Highlight Highlight Ist nicht meine Meinung (soweit kommts noch), sondern so wird es im ganzen Land (das nicht die CH ist) gehandhabt!
  • Schpudelchen 21.02.2019 09:01
    Highlight Highlight In einem ehemaligen Betrieb musste man ab dem ersten Tag ein Arztzeugnis vorlegen und sich telefonisch abmelden, damit der Vorgesetzte "erkennen" konnte, ob man wirklich krank ist oder simulierte.

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Dem bernischen Kantonsarztamt sind seit Anfang Jahr 37 Masernfälle gemeldet worden – zehnmal mehr als in den letzten drei Jahren zusammen. Rund 50 Schülerinnen und Schüler im Kanton Bern dürfen deshalb nicht mehr in den Unterricht.

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