Konsum - Detailhandel
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Brezelkoenig, ein Imbissstand auf dem Perron, aufgenommen am Donnerstag, 22. August 2013, im Bahnhof Winterthur. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Brezelkönig-Verkaufsstand am Bahnhof Winterthur. Bild: KEYSTONE

Ausgenutzt und unterbezahlt: Mitarbeiter von Brezelkönig packen aus

Valora-Tochter Brezelkönig stellt Ungarn an. Diese arbeiten teilweise schwarz, ihr Chef bezahlt geleistete Arbeitsstunden nicht und verweigert Sonntagszuschläge. Dies berichtet der «Kassensturz».



Es soll kein Einzelfall sein: Eine Ungarin, die auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz gekommen ist, heuert bei einem Verkaufsstand der Kette Brezelkönig in Winterthur an – zu widerrechtlichen und unwürdigen Bedingungen. Anfänglich habe Anna T. schwarz gearbeitet, das Geld wurde ihr bar ausgehändigt, berichtet SRF in der Sendung «Kassensturz» vom Dienstag Abend. Untergebracht wurde sie in der Wohnung ihres Chefs, schlafen musste sie in einem Abstellraum zwischen Putzutensilien. 

Insgesamt neun Monate arbeitet Anna T. an zwei Verkaufsständen von Brezelkönig. Aber auch, als sie einen Arbeitsvertrag hatte, wurde es nicht besser: Im Schnitt verdiente Anna gerade mal 3000 Franken, regelmässig erhielt sie weniger Stunden ausbezahlt, als sie eigentlich gearbeitet hatte. Zudem wurden ihr vertraglich festgehaltene Feiertags- und Sonntagszuschläge vorenthalten.  

Fehlbeträge mussten bar zurückbezahlt werden

Hinzu kommt, dass Anna T. und ihre Mitarbeiter, die ebenfalls grösstenteils aus Ungarn stammen sollen, gezwungen wurden, ihrem Chef Geld bar zurückzuzahlen – wegen angeblichen Fehlbeträgen in der Kasse. Dabei soll es sich um mehrere Hundert Franken monatlich gehandelt haben. 

Das System nennt sich Inventurdifferenz und ist arbeitsrechtlich nicht zulässig, wie Roger Rudolph, Experte für Arbeitsrecht, im «Kassensturz» ausführt: «Diese Vereinbarung ist rechtswidrig und damit unwirksam.» Angestellte würden nicht pauschal für Risiken ihres Arbeitgebers haften. Das Geld könne im Nachhinein zurückverlangt oder auf dem Rechtsweg eingefordert werden, so Rudolph. 

Problematik Franchisesystem

Die Firma Brezelkönig ist Teil des Detailhandelgiganten Valora. Im Franchisesystem vergibt Valora die Führung der einzelnen Filialen. Ein Geschäftsmodell, mit dem beispielsweise auch McDonalds weltweit Niederlassungen betreibt. 

Damit soll das Risiko der Grosskonzerne an den Franchiseunternehmer abgewälzt werden, kritisiert Natalie Imboden von der Gewerkschaft UNIA im «Kassensturz». Da bei der Führung der Filiale starre, von dem Franchisegeber vorgegebene Regeln bestehen, könne der Franchisenehmer einzig bei den Löhnen sparen. 

Zahlreiche ähnliche Fälle

Und genau das werde gemacht, sagt Imboden. Die UNIA-Gewerkschaftssekretärin berichtet von zahlreichen ähnlichen Fällen, in denen sich verunsicherte Mitarbeiter von Valora-Tochterunternehmen an die Gewerkschaft gewandt haben. Eigentlich habe Valora einen Gesamtarbeitsvertrag, der minimale Standards regelt. Aber durch das System des Franchising werde dieser umgangen – zum Nachteil der Arbeitnehmer.

Valora entgegnet auf die Vorwürfe, dass die Einhaltung des Arbeitsgesetzes Sache der selbständigen Brezelkönig-Partner wäre. Verstösse würden aber nicht toleriert, werden solche festgestellt, so veranlasse Valora Korrekturen und ziehe wenn nötig Konsequenzen. (wst)

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Das könnte dich auch interessieren:

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

26
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Emperor 23.05.2016 03:17
    Highlight Highlight Eine Sauerei... aber ist ja auch klar, dass die heute mit sowas durchkommen, unsere Gewerkschaften sind zu zahmen Stubentigern geworden, welche sich von den Firmen füttern lassen, wo bleiben die echten Arbeitskämpfe?
  • michu 25.05.2015 12:56
    Highlight Highlight Bretzelkönig stellt ganz Ungarn an? 0.o
  • tätsch 20.05.2015 23:26
    Highlight Highlight ach valora wieder einmal. es ist ja bekannt wie diese firma arbeitet... bsp. kiosk 3.60 für ein mineral und die angestellte geht fürn billigen lohn arbeiten. über all wo valora dahinter ist kanns man fast schmecken wie der duft geht... seit ich weiss wie diese firma ist (meine mutter hat so einige müsterli erzählt) vermeide ich soferns geht den k kiosk, p&b, caffe spettacolo, den brezelkönig sowie der avec welcher auch dieser firma gehört. lieber ein paar meter laufen und freundlich bedient werden gilt für personal und preis....
  • Benjamin Goodreign 20.05.2015 21:48
    Highlight Highlight Seit Valora dieses stolze Unternehmen von Peter Ditsch übernahm, bin ich kein Kunde mehr, obwohl ich das Gebäck liebe! Boykott ist das effektivste Mittel- Valora muss spüren, dass den Kunden faire Arbeitsbedingungen wichtig sind. Seit einiger Zeit hab ich auch immer eine kleine Blechdose mit Kaugummi vom Grossverteiler bei mir - spart Geld, entzieht Valora umsatz und schont die Umwelt. Darf gern nachgemacht werden.
  • Monti_Gh 20.05.2015 17:58
    Highlight Highlight Darum braucht es einen Service public, welcher Missstände aufdeckt und nicht auf Inserat-/Werbeeinnahmen angewiesen ist.
    Bitte dranbleiben!
  • Monti_Gh 20.05.2015 17:48
    Highlight Highlight Vielen Dank watson für den Beitrag
  • Schwerthans 20.05.2015 15:14
    Highlight Highlight AN ALLE IN WINTERTHUR:
    Im Migros TakeAway im Neuwiesen gibts genau so gute Hotdogs im Silserbrot!
    Und nein dies soll keine werbung sein, mehr den Boykott für die Hotdog liebenden erleichtern :)
  • Howard271 20.05.2015 14:32
    Highlight Highlight Schade und komplett daneben!
    Persönlich wurde ich beim Brezelkönig zwar immer von sehr freundlichen und netten Mitarbeitern bedient, aber nun werde ich mir auch zweimal überlegen, ob ich ein Unternehmen, das seine Angstellten so schlecht behandelt, wirklich unterstützen möchte - trotz der eigentlich guten Produkte.
  • TJ Müller 20.05.2015 13:32
    Highlight Highlight Das mit dem Francising ist doch überall das gleiche Problem, bis auf den Lohn ist alles vorgegeben. Coop und Migros machen es nicht anders. Oder wer weiss, dass die Coop Pronto und die Migrolino Mitarbeiter nicht vom Coop bez. Migros angestellt werden und demensprechend auch nicht dem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt sind? Es sieht zwar nach aussen so aus: Dieselben Logos, dieselben Waren, dieselben Kleider, doch leider nicht denselben Lohn und dieselben Sozialvorsorgen.
    • metall 20.05.2015 15:39
      Highlight Highlight Gesamtarbeitsvertrag hin oder her. Jeder Geschäftsmann muss sich an die Gesetze halten. Diese Betreiber sind einfach kriminell.
  • karl_e 20.05.2015 13:27
    Highlight Highlight Valora. Schon wieder!
  • MisterM 20.05.2015 12:28
    Highlight Highlight Wenn watson - und alle, die hier zurecht wütend kommentieren - dran bleiben, muss Valora diese Missstände sofort beheben. Das Thema darf nicht nach 2 Tagen wieder vergessen gehen. Denn, geben wir es zu: Wer will schon auf die feinen Brezel verzichten? Wenn Valora reagiert und die Mitarbeitenden fair behandelt werden, gibt es auch keinen Grund mehr, Brezelkönig und Co. zu boykottieren. Dran bleiben!
    • Sandromedar 20.05.2015 13:37
      Highlight Highlight die brezeln sind nicht fein es riecht immer himmlisch aber schmecken tun sie sicher keine 5.-
  • teha drey 20.05.2015 11:19
    Highlight Highlight So liebe Gewerkschaften: DAS IST EUER ARBEITSGEBIET! DAS IST EURE AUFGABE! DA MÜSST IHR HIN UND VON MIR AUS EINEN STREIK ORGANISIEREN! Aber nicht schon wieder bei der Bahn. Oder bei Vorfeldarbeitern. Oder bei der Security auf dem Flughafen. Wo es eigentlich um ganz andere Dinge geht: Z.B. welche der Gewerkschaften in Deutschland nun den Lokführer im Portfeuille haben darf. Oder ob nun 8,5 oder nur 7 Minuten Pause im Wendekreis des Trams gemacht werden darf. Oder ob eine Fantsiezulage bezahlt wird oder nicht. Das sind alles Luxusproblemchen. Die Bretzel aber: DAS IST ARBEITERKAMPF! Wie früher!
    • karl_e 20.05.2015 13:26
      Highlight Highlight Was haben die deutschen Lokführer mit der Schweiz zu tun? Uebrigens: einst waren das anständig bezahlte Beamte, die nicht streiken durften. Die Privatisierung machte sie zu Angestellten, mit Streikrecht. Selbst schuld.
    • teha drey 20.05.2015 14:29
      Highlight Highlight Ja, karl_e, was haben die deutschen Lokführer mit der Schweiz zu tun? Nichts, dängg. Da gehts ja gar nicht um Lokführer, sondern um meinen gewaltigen Ärger darüber, dass die UNIA's und VERDI's dieser Erde nur dort kämpfen und streiken, wo's nachher Mitglieder und Kohle gibt. Aber eben genau nicht da, wo man sie wirklich braucht. Nämlich am Brezelstand.
    • karl_e 20.05.2015 15:19
      Highlight Highlight @teha Das könnte auch daran liegen, dass die Arbeitnehmer mit den miesesten "Löhnen" immer diejenigen sind, welche am schlechtesten organisiert sind. Das eine bedingt das andere. Als Gegenbeispiel mögen Ihnen die Piloten mit ihren schlagkräftigen "Gewerkschaften" dienen. Uebrigens, ausgerechnet die UNIA setzt sich noch und noch für die Unorganisierten ärmsten Arbeitnehmer ein. Jedenfalls nicht die von einem aufrechten Christen geführte KMU-Gewerkschaft, sorry: Verband.
    Weitere Antworten anzeigen
  • saukaibli 20.05.2015 11:16
    Highlight Highlight Das ist wieder typisch Valora, mit den Kiosken machen sie's ja gleich. Meine Mutter hat früher einen grossen Bahnhofskiosk als Valora-Angestellte geführt. Aber irgendwann hiess es dann, wenn sie den Job behalten wolle müsse sie den Kiosk als Franchise-Nehmerin weiterführen. Das hiesse das ganze Risiko tragen ohne Kompetenzen was das Sortiment oder sonst etwas betrifft. Nicht mal die Plazierung der Waren darf ein Betreiber selber festlegen, das ist alles vorgegeben. Natürlich hat sie das "Angebot" nicht angenommen und hat gekündigt. Ich boykottiere seiter alles von Valora.
    • Jolanda Marquina 25.05.2015 14:04
      Highlight Highlight Valora hat sich auch sehr schlau + systematisch den in die Jahre gekommenen Kioskfrauen entledigt.
  • Joey Madulaina 20.05.2015 10:46
    Highlight Highlight Bitte dranbleiben und weiter berichten, wenn sich etwas ändert! Ich verzichte nur sehr ungern auf die feinen Salzbrezeln und meinen Lieblings Hotdog. Boykott ist aber ein Muss, bei solchen Bedingungen!
    Muss noch anmerken, dass die Angestellten immer sehr freundlich sind, sie verdienen unbedingt einen guten Lohn!
  • Schwerthans 20.05.2015 10:33
    Highlight Highlight Boykottiere chani nur sege!
    Teile, teile und nomol teile uf soziale netzwerk!
  • beryll 20.05.2015 10:03
    Highlight Highlight Ja wenn das so ist, dann werde ich keine einzige Brezel mehr bei diesem Brezel"könig" - wohl eher Brezel"mistkerl" . kaufen!
    Jemand der die Armut und die Schutzlosigkeit anderer Menschen zu seiner Bereicherung ausnützt, der muss boykottiert und streng bestraft werden.
    Jetzt ist Valora wirklich aufgefordert Konsequenzen zu ziehen. Bitte watson bleibt dran. Jemand muss diesen Leuten auf die Finger schauen!
  • Lumpirr01 20.05.2015 09:23
    Highlight Highlight Es ist für Valora eine absolute Schande, Mitarbeiter mit solchen sogenannten "Knebelverträgen" unter dem Existenzminimum oder sogar schwarz (ohne AHV - Beiträge des Arbeitgebers) zu beschäftigen!
  • felixJongleur 20.05.2015 08:51
    Highlight Highlight Wurde mir auch schon zugetragen, dass die Franchisenehmer oft sehr unlauter anstellen. Ich "boykottiere" Brezelkönig daher schon lange und habe mich bestmöglich so eingerichtet, dass ich nur bei Privatkiosken einkaufe, nicht bei Valora. Nur schon der Zwang der Angestellten, den Kunden immer eine Aktion andrehen zu müssen finde ich stossend und nervt. Ein typischer strategisch lässiger Entscheid in der Chefetage um noch mehr herauszupressen den die überarbeiteten Angestellen nun ausbaden müssen. Nein danke!

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Wer auf Google nach dem Namen der Kandidierenden anderer Parteien sucht, dem werden seit gestern von der CVP gesponserte Webseiten angezeigt. Diese sind in den Parteifarben der Konkurrenz gehalten. Die CVP wehrt sich gegen den Vorwurf, «dirty campaigning» zu betreiben.

Sucht man derzeit auf Google nach National- und Ständeratskandidaten, wird einem in vielen Fällen als oberstes Suchergebnis eine Anzeige ausgespielt, deren URL kandidaten2019.ch auf den ersten Blick unverdächtig daherkommt. Die Anzeige verspricht, dass man dort mehr über den Kandidaten oder die Kandidatin erfahre.

Klickt man auf den Link, kommt die Website je nach Parteizugehörigkeit der Kandidierenden im Grün-Gelb der SVP, im Rot der SP, im Blau der FDP, im Gelb der BDP oder in den …

Artikel lesen
Link zum Artikel